
Letztes Jahr hatte der tschechiche Christopher-Street-Day Premiere in Brünn.

Im Gegensatz zu 2008 kam es heuer zu keinen Attacken von Skinheads auf die DemonstrantInnen. Die Poliezi fungierte diesmal glücklicherweise nur als Begleittruppe.
Keine Musik aus der Konserve. Keine Trucks mit Werbeaufschriften. Kein Getränkeverkauf. Keine Afterparty-Veranstalter_innen und keine politischen Parteien, die hier Flugblätter verteilen. Keine 120.000 Besucher_innen. Stattdessen 300-500. Und ihre Rufe in den teils engen Gassen der Altstadt.
Hier in Tábor, einer Stadt auf halbem Weg zwischen Budweis und Prag , fand am 20. Juni das zweite Pendant zur Wiener Regenbogenparade in Tschechien statt, modern "Queer Pride Parade Tábor" betitelt. Das erste war vor einem Jahr in Brünn – dort kam es auch zu Verletzungen durch nationalistische Gegendemonstranten.
Doch hier ist trotz Warnungen vor Skinheads, die gesichtet worden wären, alles ruhig und fröhlich. Begleitet von 250 Polizisten, durch diese und einige hundert Meter getrennt von einer Gegenveranstaltung von etwa vierzig betont finster um sich blickenden Männern einer rechtsextremen "Arbeiterpartei", flankiert von einem christlichen Aktivisten, der etwas ins Megaphon sagt, das wohl mit dem Begriff der "Sünde" zu tun haben mag. Am Wegrand einige der 35.000 Einwohner_innen Tábors. Eine Anzahl von ihnen hat sichtlich mehr Berührungsängste als der Christ, auch ihm gegenüber. Der Rest solidarisiert sich.
Nach einer Stunde Parade beginnt das "Queer Pride Festival" in Tábor mit Workshops von Yoga bis "Create your own Sextoys", Diskussionen ("Coming-Out"), Sportmöglichkeiten, Filmen, Infotischen und Ausstellungen. Hilary, eine der Veranstalter_innen und Mitbetreiberin des gastgebenden Kulturzentrums CESTA, erzählt noch von den zu diesem Zeitpunkt schon wieder vergessenen Schwierigkeiten mit den Behörden, die für das paradenbedingte Aufstellen von Verkehrsschildern bedrohliche Gebührenforderungen erhoben hätten.
Auf der Bühne "Alibaby" (orientalischer Tanz), "Female AfroBeat" (Trommlerinnen in westafrikanischer Tradition), "Norah Noizzze & Band" ("Protopunk of 2013 brought to you today" aus Wien), "Fever" (Travestieshow) sowie "NED" (Bluespunk mit Noise-Einflüssen aus Frankreich).
Anschließend ging es zur einzigen Afterparty, in der Gruppe und mit schützender Polizeibegleitung – wie eingangs erwähnt, hat jemand in Tábor Skinheads gesehen. Am 4. Juli gehe ich in Wien zur Regenbogenparade. 4 Autostunden, 220 Kilometer und eine Welt weit von Tábor weg. (Iris Hajicsek/dieStandard.at, 3.7.2009)
Zur Person
Iris Hajicsek Musikerin, Schriftstellerin, Künstlerin als Musikerin aktiv bei Norah Noizzze & Band
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