USA in der Rezession

Spargruppen im Aufwind

06. Juli 2009, 19:01
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    Aus der Not geboren, heute "Lernmodell" für die Großen: Kleine Spargruppen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit.

"Niemand verdient Geld damit und niemand verliert": Vor allem Migrantinnen nützen Spargruppen aus Mangel an Alternativen - Mittelklasse lernt Vorzüge in der Krise kennen

Tempe/Arizona - Vor einem Jahr wurde die Kellnerin Erica Rendon von ihrem mexikanischen Kollegen in einem Steakhouse zum Essen eingeladen. Im selben Restaurant arbeitet Rendon und sie kann es sich leisten, 50 Dollar pro Woche in einen Fonds zu geben, den sie gemeinsam mit neun KollegInnen gegründet hat. Jede elfte Woche wird ausgezahlt und sie bekommt 500 Dollar von der Gruppe zurück: Geld, das sie brauchte, um ihre Kreditkartenschulden in der Höhe von 1.600 Dollar zurückzubezahlen. Auch ein gemeinsames Essen mit ihrer Mutter zum Muttertag ging sich davon aus. 

Solche selbstorganisierten Sparfonds sind in den USA außerhalb der migrantischen Communities kaum bekannt: Sie werden "Cundinas" genannt oder "Tandas" in Mexico und Zentralamerika. Vergleichbare Verbände wie "Susu" in Westafrika und der Karibik sowie "Hui" in China und Teilen Asiens, sind in MigrantInnen-Kreisen der USA ebenfalls verbreitet.

Jetzt, da die Rezession Kredite schrumpfen lässt und KonsumentInnen Angst davor haben, Schulden anzuhäufen, gehen diese kleinen Kreditverbände gut. Die Gruppen ermöglichen es den Leuten, Geld auszugeben, was wiederum als Stimulus für die lokale Wirtschaft wirkt. Sie fördern zudem finanzielle Disziplin und die Kreditwürdigkeit, zwei Aspekte die bei realen Kreditverhandlungen sehr wertvoll sein können.

"Spargruppen sind ein weltweites Phänomen unter armen Leuten, deren Zugang zu Kapital von vorn herein limitiert ist. Der einfachste Weg ist für sie, ihre Ressourcen zu bündeln", erklärt der Anthropologe Carlos G. Velez-Ibanez von der Universität Arizona den Reiz des Systems. Nachdem der Zugang zu Kleinkrediten bei herkömmlichen Geldinstituten im Moment sehr limitiert sei, werden die Spargruppen auch für Menschen aus der Mittelklasse immer interessanter: "Sie gleichen damit ihre Ausfälle aus."

Einladung erforderlich

Viele Tandas entstehen am Arbeitsplatz und werden von Frauen organisiert und geleitet. Mitmachen können nur diejenigen, die eingeladen werden. Üblicherweise besteht eine Gruppe aus 10 bis 20 Mitgliedern, die zwischen 50 und 100 Dollar in einer Woche an die Gruppe geben. Nach Ablauf eines Zirkels erhalten die Mitglieder ihr Geld zurück, oder schon früher als eine Art zinslosen Kredit. "Niemand verdient Geld damit und niemand verliert", so Evelyn Alvarado, eine 23-jährige NGO-Mitarbeiterin aus Los Angeles, die in der Woche 100 Dollar in eine 12-Personen Cundina einzahlt. Mit den bisherigen Auszahlungen hat sie sich eine Reise nach Guatemala finanziert, Weihnachtsgeschenke gekauft und ihre Auto-Raten bezahlt. Die geteilte Verantwortung innerhalb der Gruppe würde sie ermutigen, mit ihren Zahlungen nicht zurückzufallen, betont sie.

Solche Spargruppen haben sich weitgehend unabhängig vom Mainstream-Finanzsystem entwickelt. Aber nachdem das bisherige System zusammengebrochen ist, sind Banken und Finanzinstitute auf den disziplinierten und geduldigen Einsatz der SparerInnen aufmerksam geworden.

Der Mission Asset Fund, eine Non-Profit-Organisation mit Sitz in San Francisco, entwickelte vor kurzem ein Programm, um Tanda-Mitgliedern dabei zu unterstützen, aus ihren Beiträgen eine Kredit-Geschichte zu machen. Über vier Monate stieg die durchschnittliche Kreditwürdigkeit der Mitglieder um 52 Punkte. "Ein Kredit-Score ist nichts weiter als ein Beleg über die Zahlungen der Leute. Wir sagen, das ist glaubwürdige finanzielle Aktivität, die berücksichtigt werden sollte, aber sie wird es nicht", so Jose Quinonez, Direkter des Mission Asset Fund.

Bisher arbeitet eine lokale Gemeinschaftsbank mit dem Programm. "Das Tanda-Modell verkörpert das Fundament des Kreditwesens: Ist die Person, der du Geld leihst, jemand, dem du traust? Jemand, der ehrenhaft ist und von dem du glaubst, dass er dir das Geld zurückbezahlen wird?", so Jeffrey Cheung, Präsident und CEO der OneCalifornia Bank. Dies sei eine Grundlektion im Geschäft, die die Banker derzeit wieder lernen müssten. (Reuters/red)

druckenweitersagen:
acca acca
06.07.2009 21:40

Also ich verstehe ueberhaupt nicht was das soll. Wenn man jede Woche $50 einzahlt und nach 10 Wochen $500 zurueckbekommt ist dass ein Sparbuch mit 0.0% Zinzsatz. Und was macht das Geld in den 10 Wochen oder wer hat es? Leider steht davon nichts im Arikel, und es bleibt daher unverstaendlich worum es geht.

Kapitalismus Luege
06.07.2009 20:39

am Besten, die würden das noch mit einer eigenen Währung machen.


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