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Nach einigen Jahren als Sozialarbeiterin und Behindertenbetreuerin begann Claudia Andrea Spring mit ihrem Geschichtestudium an der Uni Wien. Ausschlaggebend dafür war die Politisierung durch die Wahl Waldheims 1986 und Erfahrungen, die sie in einem internationalen Dachverband heimischer Sozialorganisationen bezüglich des Ansehens Österreichs in der Welt gesammelt hatte. Im Frühjahr ist ihre Dissertation als Buch im Böhlau Verlag unter dem Titel "Zwischen Krieg und Euthanasie. Zwangssterilisationen in Wien zwischen 1940-1945" erschienen.
Um die rund 1700 Akten über Wiener Zwangssterilisationsverfahren zu beschaffen, nahm die Mitgründerin der Plattform Eugenik einen Spießrutenlauf zwischen selbstgerechten Professoren in Wien und Tirol auf sich. Spring hat das Konvolut geordnet an das Wiener Stadt- und Landesarchiv ausgehändigt. Seit November 2008 ist sie Provenienzforscherin für die Sammlung des Naturhistorischen Museums Wien.
Bereits die Diplomarbeit schrieb die 46-Jährige zum Thema des Umgangs der Zweiten Republik mit den rund 6000 Opfern von Zwangssterilisation während der NS-Zeit. Sie wurden erst 1995 als solche im Opferfürsorgegesetz und im Nationalfonds anerkannt. Für die These der Überzeugungstäterschaft an den NS-Erbgesundheitsgerichten spricht, dass bis Kriegsende Zwangssterilisationen vorgenommen wurden, trotz Anweisung aus Berlin ab Herbst 1944, nur kriegswichtige Verfahren zu behandeln.
Die soziale Kompetenz blieb der Salzburgerin stets von Nutzen. Etwa als sie im FWF-Projekt "Anthropologie im Nationalsozialismus" betagten Hinterbliebenen neben Vermessungsbögen erstmals auch Fotos ihrer im KZ Buchenwald umgekommenen Väter aushändigte. Auch ging sie während der intensiven Beschäftigung mit dem Thema NS-Zwangssterilisation ganz selbstverständlich zur Supervision. Während sich die Wissenschaft einem Problem oft nur durch Beschreibung annähert, setzt sich Spring für die Beseitigung von Missständen ein: "Es bräuchte nur ein wenig politischen Willen, um zwangssterilisierte Menschen ausfindig zu machen und sie über ihre Ansprüche zu informieren."
Als Spätstudierende, die so das Schreiben für sich entdeckt hat, empfiehlt sie, nicht nur Normlebensläufe zu fördern, sondern zu überdenken, was man an lebenserfahrenen, hochmotivierten Studierenden haben könnte. Mit einer Forschungsfrage im Kopf eine Bibliothek zu betreten, gibt der Wissenschafterin immer wieder einen Kick. Die offizielle Aufhebung der Beschlüsse der NS-Gerichte ist für Spring als symbolischer Akt überfällig, denn "die eugenische Kontinuität mit Zuschreibungen wie moralische Minderwertigkeit oder Schwachsinn wirkt bis heute auf unseren Umgang mit behinderten Menschen nach", sagt die Zeithistorikerin. Im Herbst wird der Historikerin der Michael-Mitterauer-Preis für Gesellschafts-, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte verliehen. (Astrid Kuffner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. Juli 2009)
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Wer es nicht glaubt, soll sich in ca. 30 Jahren an meinen Satz erinnern und dann einen Spaziergang durch eine europäische Großstadt unternehmen, um z.B. die Menschen mit Down-Syndrom zu zählen, die in der Öffentlichkeit zu sehen sein werden.
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