Mammografie-Screenings: "Zu viele harmlose Diagnosen"

pte, 10. Juli 2009, 17:38

Forscher sehen in Entdeckung von Gewebsveränderung mehr Belastung für Frauen denn Nutzen, da erst Eingriff Art des Tumors klären kann - Dem widerspricht eine britische Expertin

Kopenhagen - Eine von drei Brustkrebserkrankungen, die bei in vielen Ländern empfohlenen flächendeckenden Mammografie-Screenings entdeckt werden, stellt sich in der Folge als harmlos heraus. Nach der Auswertung von Daten aus fünf Ländern gehen Wissenschaftler des Nordic Cochrane Centre davon aus, dass immer wieder Frauen ohne Notwendigkeit behandelt werden, deren Krebserkrankungen sich sehr wahrscheinlich nicht ausbreiten oder gar tödlich sein werden.

Screenings als Belastung für Frauen

Derzeit besteht keine Möglichkeit, zwischen gefährlichen und harmlosen Formen zu unterscheiden - alle werden behandelt. BefürworterInnen der Routineuntersuchungen argumentieren, dass die Mammografien entscheidend für die frühe Entdeckung von Krebszellen sind. Die dänischen Forscher ihrerseits argumentieren, ihre Ergebnisse zeigten, dass die Vorsorgeuntersuchungen gegen Krebs zu zu vielen Diagnosen führen können.

Das Team schreibt im "British Medical Journal", dass die Entdeckung von harmlosen Krebserkrankungen, die sonst klinisch nie diagnostiziert worden wären, für die Betroffenen nur nachteilige Auswirkungen habe. Die ForscherInnen analysierten eine ganze Reihe von Statistiken aus Großbritannien, Kanada, Australien, Schweden und Norwegen, die Programme zur Vorsorge eingeführt hatten. Dazu gehörten auch die Daten für England und Wales im Zeitraum zwischen 1971 und 1999.

Krebs-Streberaten rückläufig

Die aktuellen Studienergebnisse scheinen jene Ergebnisse zu bestätigen, die das gleiche Team dieses Jahr bereits publiziert hat. Weitere erst kürzlich zusammengestellte Daten zeigen laut BBC, dass die Sterberaten bei Krebs derzeit in Großbritannien seit 1971 auf dem niedrigsten Stand sind. Dazu gehören Krebsarten wie Brust- und Darmkrebs sowie Lungenkrebs bei Männern. Diese Daten zu den häufigsten Krebsformen wurden von Cancer Research UK zusammengestellt. Dort führt man den Rückgang auf die verbesserte Vorsorge und Fortschritte in der Behandlung zurück.

Vorteile falscher Diagnose wiegen eventuelle Nachteile auf

Sarah Cant von Breakthrough Breast Cancer betonte, sie hoffe, dass Forschungsergebnisse zu harmlosen Formen von Brustkrebs die Frauen nicht daran hinderten, sich weiterhin untersuchen zu lassen. Sie gehe davon aus, dass die Vorteile auch einer falschen Diagnose größer wären als die möglichen Nachteile, nämlich tatsächlich an Krebs erkrankt zu sein und es nicht zu wissen. (pte)

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13.7.2009, 00:05
Meiner Ansicht nach ist Aufklärung über die Konsequenzen und Risiken der SCREENING Untersuchtung MAMMOGRAPHIE am wichtigsten. Ich kann mich weder den "pro Mammographie" noch den "gegen Mammographie" Lobbyisten anschließen. Wir Ärzte sollten ganz ...

allgemein aufhören, PatientInnen paternalistisch in eine Vorsorgeuntersuchung zu drängen, oder sie ebenso paternalistisch von einer solchen abzuhalten. Ich denke, die Studienergebnisse sind wichtig. Es ist im Grunde schon länger bekannt, dass Mammographie (so wie ALLE Vorsorgeuntersuchungen) auch RISIKEN hat, nämlich zuerst einmal die Ängste bei Diagnose "Brustkrebs" die sich nachher glücklicherweise häufig als Fehlalarm heraussstellt. Fast jede Frau die Mammographie macht, steht einmal im Leben unter "Brustkrebsverdacht" - meistens ein Fehlalarm, doch das ist enorm belastend. Auch die unnötigen operativen Eingriffe sind belastend. Dennoch wird es Frauen geben, die das auf sich nehmen, weil bei Frühdiagnose der Krebs öfter HEILBAR ist.

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