Israelische Menschenrechtsanwältin als "Feindin Israels" kritisiert - Ehrung wäre "fatales Signal"
Wien - Die israelische Menschenrechtsanwältin Felicia Langer (79) ist mit dem deutschen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Bei der Entgegennahme hat Langer erklärt: "Mein Einsatz für die entrechteten Palästinenser und für
Frieden mit Gerechtigkeit betont die Universalität der Menschenrechte.
Meine Lehre aus dem Holocaust bedeutet Menschlichkeit, Mitleid mit den
Opfern und Ablehnung von Unrecht. Ich habe das Leid der Palästinenser
und ihre unerträgliche Lage mit eigenen Augen gesehen und mit ihnen
gelitten."
Giordano droht mit Rückgabe eigener Verdienstkreuze
Diese Aussage hat zu Protestrufen von Seiten israelischer Intellektueller wie dem jüdischen Autor Ralph Giordano (86) geführt, der von Bundespräsident Horst Köhler verlangte, Langer die Ehrung rückwirkend abzusprechen, sonst würde er sein eigenes Bundesverdienstkreuz und Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland zurückgeben. Der Autor bezeichnete die in Tübingen lebende Langer, die auch Trägerin
des Alternativen Friedensnobelpreises und des österreichischen
Bruno-Kreisky-Menschenrechtspreises ist, als eine "Feindin Israels, die
in einem Land mit verbreiteter Gesinnung, sich vom eigenen Schulddruck
durch Kritik an Israel zu entlasten, nur von verheerender Wirkung sein
kann".
"Militanter Hass auf
Israel"
In Israel hat die Ehrung Langers ebenfalls heftige Kritik
hervorgerufen. Sie zähle zu den
"giftigsten Kritikern Israels", hieß es in einem Bericht der
"Jerusalem Post". Die Juristin vergleiche Israels
Politik gegenüber den Palästinensern mit dem einstigen Apartheidregime
Südafrikas und habe die antisemitische Rede des iranischen Präsidenten
Mahmoud Ahmadinejad vor der UNO-Anti-Rassismus-Konferenz in Genf
gelobt.
Gegenüber der "Jerusalem Post" bestätigte Langer, dass sie
israelische Regierungsbeamte für "Kriegsverbrecher" halte, die vom
Internationalen Gerichtshof abgeurteilt werden sollten.
"Frau Langer ist bekannt für ihren böswilligen militanten Hass auf
Israel, der (in Deutschland) nur deshalb beachtet wird, weil sie selber
Jüdin ist und ihre Holocaustvergangenheit betont," schrieb Dieter
Graumann, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, per
E-Mail der "Jerusalem Post".
Nachdem Langer erst vor einigen Monaten
die pro-israelische Haltung von Bundeskanzlerin Angela Merkel als
"skandalös" kritisiert habe, sei sie jetzt plötzlich des
Bundesverdienstkreuzes würdig. Das sei ein "fatales Signal und
legitimiere ihre einseitige Hetze gegen Israel", zitiert die Zeitung
aus der Stellungnahme Graumanns.
Langer reagierte auf die Angriffe Graumanns mit der Aussage, dass sie
den Zentralrat für eine "Filiale der israelischen Botschaft" halte, der
"nichts Gutes für Israel oder die Friedensbewegung" unternehme.
Ansichten "schlimmer als die von Ahmadinejad"
Peter
Weidner, oberösterreichischer Landesvorsitzender des Bundes der
Freiheitskämpfer und Opfer des Faschismus, habe laut "Jerusalem Post"
berichtet, dass Langer in Linz die palästinensischen Wahlen vom Jänner
2006, die von der Hamas gewonnen wurden, als die "freiesten
demokratischen Wahlen" beschrieben habe, die jemals im Nahen Osten
stattgefunden hätten.
Kommentatoren auf der Homepage der Zeitung meinten, die Ehrung Langers
sei ein "böswilliger antisemitischer Akt". Deutschland positioniere
sich damit als "Feind des jüdischen Volkes". Ihre Ansichten wären noch
"schlimmer als die von Ahmadinejad", weil sie Jüdin sei. Wer Israels Politik
kritisiere, erhalte sofort den Stempel des Antisemiten aufgedrückt,
hatte die Kreisky-Preisträgerin betont.
"Humanitäres Lebenswerk beeindruckend"
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) verteidigte Langer dagegen als "ehrliche und aufrechte Kämpferin für Frieden
und Menschenrechte". Sie setzte sich seit Jahrzehnten für die Rechte
palästinensischer Häftlinge in den von Israel besetzten Gebieten ein. Staatssekretär Hubert Wicker erklärte: "Das humanitäre Lebenswerk von
Felicia Langer ist beeindruckend. Sie hat sich in herausragender Weise
für Frieden und Gerechtigkeit sowie für die Wahrung der Menschenrechte
eingesetzt. Ihr jahrzehntelanges Wirken für Benachteiligte und
Unterdrückte verdient großen Respekt und höchste Anerkennung."
"Ihre Stimme denen gewidmet, die kaum gehört werden"
Auch die zur Vereinigung "Europäische Juden für einen gerechten Frieden" (European Jews for a Just Peace/EJJP) gehörende österreichische Gruppe "Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost" und die Wiener Frauen-Friedensinitiative "Frauen in Schwarz" haben Köhler für die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Langer gedankt. Die Ausgezeichnete habe "ihr Leben und ihre Stimme denen gewidmet, die kaum gehört werden: den Palästinensern in den besetzten Gebieten und in Israel selbst", heißt es in einem am Mittwoch in Wien namens beider Gruppen veröffentlichten Schreiben, das von Paula Abrams-Hourani unterzeichnet wurde. Langer wisse, dass ein dauerhafter Friede zwischen Israelis und Palästinensern nur auf Gerechtigkeit basieren könne, und widme sich und ihr Leben diesem Anliegen, heißt es in dem Schreiben. (APA)