Antibabypille

Nebenwirkung Tod

von Tombor  |  26. Juli 2009, 18:00
  • Artikelbild: Mädchen und Frauen sind nach Bekanntwerden von Todesfällen durch Antibabypillen in Deutschland und der Schweiz zunehmend besorgt, ob der Nutzen der Präparate den Kosten auch gerecht wird. ExpertInnen geben Entwarnung: Die "Pille" sei nicht unsicherer als jedes andere Medikament auch. - Foto: Schering Wien GmbH

    Mädchen und Frauen sind nach Bekanntwerden von Todesfällen durch Antibabypillen in Deutschland und der Schweiz zunehmend besorgt, ob der Nutzen der Präparate den Kosten auch gerecht wird. ExpertInnen geben Entwarnung: Die "Pille" sei nicht unsicherer als jedes andere Medikament auch.

In Deutschland und der Schweiz sind Todesfälle bekannt geworden, die in Zusammenhang mit der Einnahme von Antibabypillen stehen - ExpertInnen sehen aber keinen Grund zur Beunruhigung

Seit April 2002 ist das hormonelle Verhütungsmittel "Yasmin" in Österreich erhältlich. Dieses Ein-Phasen-Präparat der vierten Generation hat großen Anklang unter den Frauen gefunden, weil es als Mikropille nur geringe Dosen von Drospirenon (einem synthetischen Hormon, das wie das Gelbkörperhormon wirkt) und Ethinylestradiol (das für die Estrogenwirkung sorgt) enthält und somit durchgehend genommen werden kann - die Zyklen dauern länger, frau menstruiert nicht monatlich, sondern - sofern sie will - nur wenige Male pro Jahr. Auch sorgt "Yasmin" mitunter für weitere von vielen Frauen erwünschte Nebeneffekte: Hautunreinheiten können verschwinden, die Brüste werden größer, Körperbehaarung dafür weniger.

Weniger Nebeneffekte, aber höheres Thromboserisiko

Wie bei allen Medikamenten kann die Einnahme von "Yasmin" auch Nebenwirkungen mit sich bringen, wie Übelkeit, Gewichtszunahmen an Stellen, wo frau sich nicht "mehr" wünscht, oder Libidoverlust. Als neuere Pille soll sie laut Verbraucherinnen-Information aber wesentlich seltener diese unbeliebten Effekte bewirken als Vorgänger-Produkte der dritten Generation. Das betrifft auch das Thromboserisiko, das mit der Einnahme von allen hormonellen Kontrazeptiva steigt. Die Zahlen aus den letzten Jahren sprechen in diesem Punkt jedoch eine andere Sprache: Frauen, die die neueren Pillen wie "Yasmin" nehmen, melden mehr Thrombosenvorfälle als jene, die ältere Produkte verwenden.

Sieben Tote in Deutschland

Im Zusammenhang mit "Yasmin" sind jüngst sogar fatale Konsequenzen durch thromboembolische Ereignisse bekannt geworden: Durch Recherchen der "Thüringer Allgemeinen Zeitung" wurden sieben Todesfälle in Deutschland publik. Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte erklärte den Berichten zufolge, dass die Tode in Verbindung mit der Anwendung von "Yasmin" oder seiner Wirkstoffkombination zu stellen seien, ein Kausalzusammenhang in den einzelnen Fällen ließe sich aber bislang nicht sicher belegen.

Hersteller ging nicht von sich aus an die Öffentlichkeit

Dem "Yasmin"-Hersteller und Pharma-Konzern Bayer Schering sind die Verdachtsfälle bekannt, hieß es in der deutschen Presse. Von dem hatten jedoch weder das Bundesinstitut noch die Medien ihre Informationen, im Gegenteil äußerte sich Bayer Schering, das 2008 allein mit der Produktgruppe "Yasmin/YAZ/Yasminelle" über 1,2 Milliarden Euro Umsatz gemacht hat, zu den Vorwürfen erst, als der "Thüringer Allgemeinen" die Angaben Schwarz auf Weiß vorlagen. Sprecherin Astrid Kranz sagte der "Berliner Zeitung", dass die Kundinnen nur "verunsichert" würden durch Informationen über etwaige Komplikationen mit Todesfolge.

Todesfälle in der Schweiz: Lungenembolien

Auch in der Schweiz sorgten fünf Tote durch Antibabypillen im Juni für Schlagzeilen. In keinem der Fälle zwischen 1990 bis heute aber war "Yasmin" das Präparat der Wahl. Eine Parallele gibt es dennoch zu Deutschland: Weder die Herstellerfirmen noch die entsprechenden Meldestellen der Länder informierten die Öffentlichkeit und die Kundinnen darüber. Erst auf Nachfrage der Schweizer Tageszeitung "Tages-Anzeiger" beim Heilmittelinstitut Swissmedic teilte man mit, dass vier der Frauen an Lungenembolien verstorben seien. Ein weiterer Fall erschütterte das westliche Nachbarland, als die TV-Sendung "10 vor 10" über eine gesunde 16-jährige Nichtraucherin berichtete, die nach Einnahme von "Yasmin" ebenfalls eine Lungenembolie erlitt. Der Teenager wird zeitlebens gelähmt bleiben und muss künstlich ernährt werden. 

Die Schweiz hat die Fälle zum Anlass genommen, Risiken und Nebenwirkungen verschiedener Antibabypillen analysieren zu lassen. Ergebnisse sollen im Herbst vorliegen.

Keine Meldungen in Österreich

Im Gegensatz zu den Nachbarländern sind der österreichischen Meldestelle AGES PharMed bislang weder Fälle schwerwiegender Gesundheits- noch Todesfolgen durch "Yasmin" oder andere Pillen-Präparate gemeldet geworden. In einer Stellungnahme vom 23. Juli, die dieStandard.at vorliegt, heißt es, dass in Österreich seit 2000 insgesamt 33 Fallmeldungen zu Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und des Mittelfelles sowie zu Gefäßerkrankungen verzeichnet wurden. Fünf der Meldungen zu thromboembolischen Ereignissen, die unabhängig vom Auslöser in ein bis zwei Prozent zum Tod führen können, sind in den letzten drei Jahren passiert. 

Fachinformationen aktualisiert

Die Diskussion um derartige Risiken sei aber nicht neu, heißt es weiter, weshalb vor einigen Jahren bislang vorliegende Daten und epidemiologische Studien evaluiert wurden. 20 bis 40 Fälle sind unter 100.000 Frauen, die die "Pille" nehmen, vorgekommen; fünf bis zehn Fälle wurden bei Frauen, die keine oralen Kontrazeptiva verwenden, festgestellt; unter 100.000 schwangeren Frauen sind 60 Fälle von Thrombosen verzeichnet worden. Die Ergebnisse der Evaluierung sind samt Warnhinweisen auf Risikofaktoren und Kontraindikationen in die Fachinformationen der Präparate aufgenommen worden, macht die Stellungnahme der AGES PharMEd klar.

"Pille" an sich ohne großes Risiko

Auch das Frauengesundheitszentrum Graz erklärte gegenüber dieStandard.at, dass ihm bislang keine Fälle gemeldet wurden, in welchen schwerwiegende Komplikationen durch die "Pille" aufgetreten sind.

So tragisch die Situation für die einzelnen Betroffen bei Komplikationen auch sei: "Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die 'Pille' an sich ein großes Risiko für die Anwenderinnen darstellt", meinte Christian Fiala vom Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch auf dieStandard.at-Nachfrage. Im Normalfall überwiege der Nutzen die Risiken bei Weitem: Die "Pille" wäre weniger risikoreich als eine Schwangerschaft, besonders, wenn diese unerwünscht und ein Abbruch die Alternative ist, hielt Fiala fest. Es gäbe aber eine seltene, vererbte Gerinnungsstörung, die APC-Resistance, die nicht auffällt, außer bei Schwangerschaft oder eben der Verwendung der "Pille": Die kann im Labor festgestellt werden. Auch sollte individuell abgeklärt werden, ob es Thrombose-Vorfälle in der Familie gibt, rät der Mediziner den Frauen, denn das wäre unter Umständen einer der wenigen Ausschlussgründe für die Einnahme oraler Kontrazeptiva. (bto/dieStandard.at, 27.7.2009)

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Rosa Stahl
30.07.2009 13:36

Der Fiala ist wohl der letzte den ich als Frau ansprechen würde, wenn es um gynäkologisch-medizinische Probleme geht.

Gefräßige Gebärmutter
07.08.2009 13:22
Warum?


"Die 'Pille' wäre weniger risikoreich als eine Schwangerschaft, besonders, wenn diese unerwünscht und ein Abbruch die Alternative ist, hielt Fiala fest."

Passt doch, oder etwa nicht?

die einäugige Königin
02.08.2009 05:31


Als Laie finde ich auch die Aussage von Hr Fiala, daß

"im Normalfall (...) der Nutzen die Risiken bei Weitem (überwiege): Die "Pille" wäre weniger risikoreich als eine Schwangerschaft (...)"

nicht genügend erläutert.
Ist das ein sinnvoller Vergleich bzw.
ist dieser Vergleich so isoliert betrachtet sinnvoll?
=> Wenn eine Frau durch die Pille z.B. Depressionen bekommt, die sie sonst nicht oder nicht so schwer hätte, ist das vielleicht nicht unmittelbar so lebensgefährlich wie z.B. eine Schwangerschaftsvergiftung, aber doch auch recht unangenehm?
=> "Gewinnt" diesen Vergleich nicht jedes Verhütungsmittel, gleich welche extremen Nebenwirkungen es auch haben mag, solange nur das Sterberisiko geringer liegt als bei einer Schwangerschaft?

Zisa
29.07.2009 20:01
Nun, ich will...

...ja gar nicht wissen wieviele durch andere Medikamente sterben. Und das beliebte Aspirin würde heute gar nicht mehr zugelassen werden.

Mein Arzt teste mich bevor er mir die Pille verschrieb auf APC. Und das würde ich schon von jedem Frauenarzt oder Ärztin erwarten.

Auch der Lebensstil sollte zur Pille passen.

Tethys
30.07.2009 13:40
Nun, ich will... ...ja gar nicht wissen wieviele durch andere Medikamente sterben.

Wieviele Menschen sterben, weil sie keine Medikamente haben, können Sie sich denken?

Claudia Reichert
30.07.2009 10:35

"Und das beliebte Aspirin würde heute gar nicht mehr zugelassen werden."

Darf ich fragen, wie Sie zu dieser Behauptung kommen?


presonic
29.07.2009 22:19

allein in den inneren abteilungen deutscher krankenhäuser sind es etwa 60.000 pro jahr. also fast ein zehntel aller toten. medikamente sind ergo das größte gesundheitsrisiko, das wir in unserer welt haben.

Claudia Reichert
30.07.2009 11:01

Ja. Wirklich das größte Gesundheitsrisiko. Am besten, man schafft die Medikamente ab. Weiß doch jeder, dass bei allen Krebstherapien, bei Lungenhochdruck-Medikamenten, Multiple Sklerose-Behandlungen etc. starke Nebenwirkungen auftreten. Da ist es wirklich besser, man lässt die Kranken einfach krank sein. Tuberkulose, Tetanus, Schweinegrippe - bitte BLOSS nicht behandeln. Denn das alles ist immer noch gesünder, als diese gefährlichen Pillen zu schlucken oder sich irgendein Giftzeug spritzen zu lassen.

Sie haben völlig recht. Medikamente sind das größte Gesundheitsrisiko, das wir in unserer Welt haben.

presonic
01.08.2009 14:29

??? lustig ist hier, dass du krankheiten, die durch medikamente schlecht bis gar nicht behandelbar sind mit krankheiten, die durch medikamente gut behandelbar sind, in einen topf wirfst.
pharmareferentin? ;-)

Rosa Stahl
30.07.2009 13:37

die presonic bitte net so ernst nehmen.... ;-))

kiwi fish
07.06.2010 10:02

wow da liest man einen aktuellen artikel und landet ohne es zu merken bei einem der ein jahr alt ist.... ;)

kiwi fish
07.06.2010 09:56

habe auch noch kein einziges ernstzunehmendes post von presonic gelesen....
hauptsache alles ist esoterisch und homäopatisch nur auf keinen fall medikamente nehmen oder gar impfen....

presonic
01.08.2009 14:28

hast du was sinnvolles auch zu sagen? oder reichts dir, blöd über andere poster herzuziehen?

tina923
29.07.2009 14:28
verwirrt...

Welche Pille ist jetzt "verträglicher", wenn man ohnehin Probleme mit der Durchblutung und die Neigung zu Krämpfen, Krampfadern und Besenreißern hat?

In einer Zeitschrift stand vor kurzem als Empfehlung die YAZ, aber hier verstehe ich das jetzt wieder anders...?!

Ich mach mir schon Sorgen mal eine Thrombose zu bekommen - kenne leider einige Fälle die tötlich verlaufen sind...
Und leider - wie schon von einigen gepostet - kann man den Ärzten nicht trauen! Vor kurzem habe ich wegen einem Termin angerufen, da ich vor der Verschreibung eine Untersuchung wollte, aber ich wurde von der Sprechstundenhilfe abgewimmelt, ich "solle ihr einfach sagen welche ich schon mal genommen habe und sie schickt mir das Rezept (ein unbegrenztes!) zu"...

Naschgul
29.07.2009 15:45

Ich hab nach Jahren der Pilleneinnahme drauf gepfiffen und eine Weile den Nuvaring verwendet; der enthält zwar auch Hormone, aber aus irgendeinem Grund hab ich die besser vertragen als in jeder Pille. Mittlerweile hab ich auch den Nuvaring entsorgt; ich mag mir diese künstlichen Hormone einfach nicht mehr antun. Hab ich halt jedes Monat massive Regelkrämpfe, aber irgendwas ist ja immer.

presonic
29.07.2009 22:21

hast du´s schon mal mit akupunktur versucht bei den regelkrämpfen? bei mir hat das super funktioniert (als "nebenwirkung" bei einer akupunkturbehandlung gegen was ganz anderes. - der chinesische arzt fragt aber bei jeder behandlung nach der regel)

Naschgul
31.07.2009 15:14

Nö, aber danke für den Tipp, das wäre mal einen Versuch wert :)

tine ----
27.07.2009 20:10
Fälle in Österreich

... also ich kenn einen Fall in Ö von einem 16jährigen Mädchen, Raucherin und Pilleneinnahme, die eine Lungenembolie hatte und danach einen Herzstillstand erlitt. Sie hatte das Glück sich gerade im Krankenhaus aufzuhalten, wo sie reanimiert wurde und überlebte...

Naschgul
29.07.2009 15:46

An sich sollte man aber auch nicht rauchen, wenn man die Pille nimmt bzw. umgekehrt... die meisten halten sich nur leider nicht dran.

presonic
29.07.2009 22:23

ich frag mich eher, warum ein mädchen mit 16 schon hormone nehmen sollte.... in dem alter hat man doch normalerweise keine langandauernden beziehungen und da fänd ich kondome weit gscheiter. außerdem ist der regelzyklus erst mit 21 richtig eingependelt. wer bis dahin "reinpfuscht", kann sich langandauernde schwierigkeiten holen....

Claudia Reichert
30.07.2009 10:39

Das Kondom ist ein sehr unsicheres Verhütungsmittel. Selbst, wenn man Anwendungsfehler ausschließt, werden laut Pearl Index rund 7-10 Frauen von 100 schwanger. Die hormonelle Verhütung (neben der Enthaltsamkeit, die eher unrealistisch ist...) die zuverlässigste Verhütungsmethode. Für Teenager, die Kurzzeitbeziehungen haben und keine abgeschlossene Ausbildung, ist die Pille daher berechtigter Weise Verhütungsmittel Nummer Eins.

presonic
01.08.2009 14:22

das versucht uns die werbung so einzureden.
besser ist, die natürliche methode mit kondomen zu verbinden. das ist absolut sicher und schützt v.a. bei wechselnden beziehungen gegen fast alle geschlechtskrankheiten.

Rosa Stahl
30.07.2009 13:39

Wie wahr, Frau Reichert.

Darum wird uns das Kondom ja auch absolut sicheres Mittel gegen HIV angepriesen...

Claudia Reichert
30.07.2009 17:47

Meine Anmerkung hat sich nur auf den Verhütungsaspekt bezogen, nicht auf HIV. Kondom UND Pille würde wohl beiden Aspekten gerecht werden.

Speedle 
27.07.2009 17:19

Im Prinzip passiert ja eh nichts schlimmes, es wird doch nur in den Hormonhaushalt des Menschen eingegriffen.

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