Deutschland

Großrazzia in deutschen "Flatrate"-Bordellen

27. Juli 2009 12:54

Nach politischer Kritik stürmten am Wochenende mehrere hundert Polizisten die Etablissements - Haftbefehl gegen 25-jährige Betreiberin - SexarbeiterInnen kritisieren "moralische Kampagne"

Stuttgart - Mehrere hundert Polizisten und zehn Staatsanwälte haben am Sonntag vier "Flatrate-Bordelle" bei Stuttgart durchsucht, die mit bezahltem Sex zum Fixpreis werben. Gegen die 25-jährige Betreiberin eines Etablissements und ein weiteres 25 Jahre altes Mitglied der Geschäftsführung sind am Sonntag Haftbefehle vollstreckt worden. Im Vorfeld wurde in deutschen Medien über die entwürdigenden Arbeitsbedingungen von Frauen in Flatrate-Bordellen diskutiert.

Unterschiedliche Vorwürfe gegen Bordelle

Es bestehe der Verdacht, dass die Bordellbetreiberin ausländische Prostituierte ohne Genehmigung beschäftigt und Sozialversicherungsbeiträge hinterzogen hätten, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Sonntag nach den Verhaftungen. In Fellbach wurde das Bordell geschlossen, weil unter anderem Massagebänke und andere Liegemöbel stark verunreinigt gewesen seien. Dort wurden 176 Männer und 89 Prostituierte kontrolliert. In einem Fall habe es einen konkreten Hinweis auf Zwangsprostitution gegeben. In Heidelberg wurden 37 Männer und 27 Prostituierte von der Polizei angetroffen. Das Haus wurde ebenfalls vorläufig dicht gemacht.

Politik gegen "Flatrate" in Bordellen

Zuvor hatte der baden-württembergische Justizminister Ulrich Goll "Flatrate-Bordelle" scharf kritisiert. "Wenn man deren Werbung ernst nimmt, ist von einem Verstoß gegen die Menschenwürde der dort arbeitenden Prostituierten auszugehen", sagte er dem "Spiegel". Aus seiner Sicht sei das Selbstbestimmungsrecht der Frauen in den Bordellen in Heidelberg und Fellbach verletzt - damit liege auch "eine Störung der öffentlichen Sicherheit vor". Damit seien Polizei und Ordnungsbehörden zum Einschreiten berechtigt. Dem "Spiegel"-Bericht zufolge werben die beiden Häuser mit dem Slogan: "Sex mit allen Frauen, so lange Du willst, so oft Du willst und wie Du willst".

SexarbeiterInnen kritisieren "moralische Kampagne"

Widerspruch an dieser Sicht kam allerdings von SexarbeiterInnen-Organisationen. In der Frankfurter Rundschau bezeichnete Rosina Juanita Henning, Vorsitzende des Frankfurter Vereins Dona Carmen e.V., die Diskussion als eine "moralische Kampagne" aus Teilen der katholischen Kirche, einer Bürgerinitiative und verschiedenen Frauenorganisationen. Wahres Ziel der Kampagne sei es, die Bordelle zu schließen, so Henning. Sie verteidigte die Arbeitsbedingungen der Frauen damit, dass sie ein fixes Gehalt pro Tag erhalten würden. Von den meist zweimonatigen Werkverträgen könnten die Frauen in ihren Heimatländern wie z.B. Rumänien zehn Monate leben. (APA/red)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 27
1 2
Redwraithvienna
30.07.2009 08:05
schauen wir mal was das heisst ...

also das einkommen wie in 10 Monaten in Rumänien.

Durchschnittseinkommen in Rumänien sind ca 400 € / Monat.

Dh. also 4000€ / 10 Monate.

Wenn man jetzt mal annimmt das da Steuern etc schon weg sind, und die Damen dort bei gratis Kost & Logis wohnen sind das 2000 € / Monat.
(Sollte das nicht so sein fällt das sowieso in die Zwangsprotitution ... aber nehmen wir mal an das das nicht so ist).

Die interessante Frage ist jetzt : Wieviel verdient eine "normale" Prostituierte in Deutschland im Monat im Durchschnitt und wieviele Freier hat sie im Vergleich.

Und solange man das nicht weiss kann man eigentlich gar nix sagen.

Wr. Bezirksrätin 83
 
30.07.2009 05:19
es wird immer ärger

und geht klar in Richtung
NEUE SKLAVEREI

AlBundyFan
 
29.07.2009 10:25
ich bin mir nicht ganz sicher

aber warum soll ein bordell,das flatrate anbietet, prinzipiell für die frauen entwürdigender sein oder warum soll dort eher zwangsprostituion stattfinden als in einem bordell ohne flatrate?

das allein ist noch kein indikator wie gut/schlecht es den frauen dort geht.

1000 Kopfläuse können nicht irren
29.07.2009 17:42
Ähm...

... bei 70 bis 100 Euro Flatrate?!

Redwraithvienna
30.07.2009 07:51
Die Frage ist doch : Was verdient die Frau im Monat / Tag.

Wenn sie alleine arbeitet (zb. in einem Laufhaus) muss sie die ganzen nebenkosten selbst tragen. Und wenn mal keiner auftaucht bzw sie keinen Kunden hat bleibt sie auf diesen sitzen.

Das was hier angeboten wird (so alles legal ist, -> dh. die frauen freiwillig dort arbeiten etc) ist ja nichts anderes als ein normaler Arbeitsvertrag ohne Erfolgshonorar, während eine "normale" Prostituierte immer auf erfolgsbasis arbeitet.

1000 Kopfläuse können nicht irren
30.07.2009 16:00
Ja, natürlich.

Aber wie gesagt, bei 70-100 Euro Flatrate kann für die Frau nicht soviel drinnen sein. Genaueres weiß wohl nur die Betreiberin der Bordelle und die Prostituierten selbst. Darüber hört man leider nichts, ich glaube allerdings nicht, dass die Betreiberin wirklich fair zu den Frauen ist, nur weil sie selbst eine ist!

Redwraithvienna
30.07.2009 16:12
Ich weiss nicht ...

aber soviel sex wird es da auch nicht geben ...

Sind wir doch mal realistisch. Mann geht dort hin, isst was, trinkt was, hat dann sex.

Und dann ab nach hause. Oder denkst du wirklich das da alle (einige sicher) stundenlang bleiben nur um möglichst viel zu vögeln ?

1000 Kopfläuse können nicht irren
30.07.2009 16:24
Keine Ahnung...

... jedenfalls sind 70-100 Euro einfach zuwenig für eine derartige Dienstleistung. Prostitution sollte nicht billig sein, und das in jedem Sinn der Bedeutung von "billig"!

Was billig ist, ist in vieler Augen nichts wert.

Redwraithvienna
30.07.2009 16:28
Da haben sie wahrscheinlich sogar recht ...

ich seh das einfach von einem betriebswirtschaftlichen standpunkt bei dem es sich für alle beteiligten auszahlt.

Die Freier zahlen einen einheitspreis,
Die Prostituierten haben ein fixum als einkommen
und die betriber haben auch einen umsatz mit dem man rechnen kann.

Po Polos
27.07.2009 22:56

Flatrate Bordell?! Warum gibt es sowas noch nicht im Flatrate Paradies, wo Telefon, Internet, Running Sushi, einfach alles als Flatrate angeboten wird?

miss chicken
27.07.2009 22:53
wird demnächst mein büro geshlossen


ich krieg auch ein fixum und muss all das machen, was mein chef mir aufträgt.

need a brake
29.07.2009 19:51

ist es ein chef wie in secretary ( http://www.imdb.com/title/tt0274812/ ) wird sich sicher bald jemand melden.

Captain Smoker
27.07.2009 21:23

Schwer da ein Urteil zu fällen. Die Frauen werden sicher froh sein ein garantiertes Fixum zu erhalten. Da wissen sie genau in welcher Zeit sie wieviel Geld verdienen und können planen.
Und "Sex mit allen Frauen, so lange Du willst, so oft Du willst und wie Du willst" kann man schwer als Schließungsgrund hernehmen. Das trifft ja wahrscheinlich auf alle Bordelle zu. Nur dass man dort eben für alles extra bezahlen müssen wird.

Pygar
 
27.07.2009 21:08

Das ist unwürdig und es sollte Gesetze geben, die die Arbeitsbedingungen im Sinne der Frauen regelt. Sonst zögern die PolitikerInnen auch bei total unsinnigen Gesetzen nicht lange, aber hier braucht es erst einen Vorwand und Intervention von aussen.

Was die Zwangsprostitution betrifft, lässt sich das leider oft schwierig feststellen. Wenn eine deutsche Frau zur Polizistin sagt, sie mache das freiwillig, genügt das offenbar. Die Lebensumstände zeigen aber oft, dass die Frau liiert ist und ihr Typ nichts anderes als ein Zuhälter ist, der auf ihre Kosten lebt und sie emotional abhängig gemacht hat.

1000 Kopfläuse können nicht irren
27.07.2009 19:19
Na prost, Mahlzeit!

"Dort wurden 176 Männer und 89 Prostituierte kontrolliert."

Massenabfertigung. Klingt nach einer Bedürfnisanstalt.

Prostitution sollte in einem würdigeren Rahmen verrichtet werden. Daher faire Bezahlung der Freier an die Frauen und keine Flatrate!

Captain Smoker
27.07.2009 21:23

Man müßte dazu wissen wie hoch das fixe Tagesgehalt ist. Das erschließt sich aus dem Artikel ja nicht.

sixela
27.07.2009 18:18
Warum Verstoß gegen Menschenwürde???

Sex ist eine, wenn auch sehr hochwertige, Dienstleistung bzw. kann als Dienstleistung angeboten werden. Warum soll man die Bezahlung dann nicht über ein Fixum regeln? Genau das werden die Sexworkerinnen, die dort arbeiten, bekommen. Und jede einzelne wird ja wohl wissen, worauf sie sich einlässt, wenn sie in einem Flatrate-Klub arbeitet. Bzw. sie kann aufhören, wenn es ihr nicht mehr gefällt. Nur dort wo Betreiber eventuell Zwang ausüben, kann und soll man anschreiten.

Aber sonst: wo ist das Problem?

am ko
27.07.2009 20:39
sind sie bordellbetreiber?

regelmäßiger konsument von sexdienstleistungen?
dann kann ich mir schon vorstellen, dass ihnen gelüste nach einem fixum kommen.

sie schreiben:
dass eine prostituierte (bleiben wir dabei, sexworkerin ist allzu lieblich) "... aufhören kann, wenn es ihr nicht mehr gefällt ..." (gefällt !!!!!)

und "... betreiber eventuell zwang ausüben ..." (eventuell !!!!!)

sie brauchen keine fragen nach irgendwelchen problemen stellen, SIE höchstselbst haben nämlich keine im vergleich zu diesen frauen ...

H Huber
27.07.2009 20:30

Naja, dem Argument "können ja aufhören bzw. gar nicht anfangen dort zu arbeiten" folgend, müsste man allgemein auch Gewerkschaften und Kollektivverträge abschaffen. Ich bin schon zufrieden damit, dass der Gesetzgeber gewisse Grenzen bei Arbeitsverhältnissen zieht (wobei ich zu dem konkreten Fall hier nichts sagen kann, dazu kenne ich mich in diesem Bereich zu wenig aus).

1000 Kopfläuse können nicht irren
27.07.2009 19:18
Dann müsste die "Flatrate" aber weit höher angesiedelt werden!

Um diesen, fast schon Bagatellbetrag ist es eine menschenunwürdige Sache. Prostitution ja, aber sie soll auch etwas kosten. Hier ist die Geiz-ist-geil-Mentalität absolut unangebracht!

Heavyweather
27.07.2009 22:54

Das kommt doch darauf an was geboten wird.
Für Supermodels und Jungfrauen muss man natürlich mehr zahlen.

1000 Kopfläuse können nicht irren
29.07.2009 17:40
Klingt...

... nach Fleischhandel!

Heavyweather
29.07.2009 21:39

Nach kg wird nicht abgerechnet...da könnt ja jeder kommen...

Wr. Bezirksrätin 83
 
30.07.2009 05:18
verstehe. Deswegen also sind die Freier selbst für potentielle Gespielinnen

sooo billig und unwert, selbst für ihren Sex bezahlt zu werden (!), weils ja nur mit dem bisserl Fleisch da unten zwischen ihren Beinen agieren.
Das dürfte weit weniger als 1 Kilo haben..;-)

sixela
27.07.2009 20:41
Ist eh ein Link unter diesem Artikel

Lesen Sie halt, was die Prostitutionsgewerkschafterinnen selbst sagen. Hier ein Zitat:

Die "Werkverträge", klärt Juanita Henning auf, dauerten zwei Monate. Mit dem in diesem Zeitraum verdienten Geld, gäben die zumeist aus Rumänien stammenden Prostituierten an, könnten sie wieder zehn Monate in der Heimat leben.
<<<<<<<<<<

In Wirklichkeit geht es nur um die Schließung von Bordellen, deren Existenz Religiöse auf der einen und ein Teil der Frauenrechtlerinnen auf der anderen Seite aus altbekannten aber nicht nachvollziehbaren und das Selbstbestimmungsrecht mit Füßen tretenden Gründen nicht ertragen können.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 27
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.