Nachlese

80 Sexarbeiterinnen sitzen auf der Straße

29. Juli 2009, 14:18

Staatsanwaltschaft auf der Suche nach Hintermännern der Kette "Pussy-Club" - CDU-Bürgermeister drängt auf Gesetzesänderung zum Verbot von Flatrate-Preisen

Stuttgart - Nach einer Razzia in vier sogenannten "Flatrate-Bordellen" mit mehreren hundert PolizistInnen im Einsatz (dieStandard.at berichtete) sitzen die Sexarbeiterinnen der Bordell-Kette "Pussy-Club" nun auf der Straße. Dies berichtet der Tagesspiegel in seiner aktuellen Ausgabe.

In Fellbach bei Stuttgart sollen 80 Sexarbeiterinnen die Nacht auf Dienstag im Freien verbracht haben. Viele der Frauen kommen für befristete Verträge aus dem Osten Europas und haben ansonsten keinen Wohnsitz an ihren Arbeitsorten. Zwar habe die Polizei den Frauen in einer Fellbacher Sporthalle ein provisorisches Nachtlager errichtet, doch nur die wenigsten Frauen hätten dieses in Anspruch nahmen, heißt es bei der Stuttgarter Zeitung.

Suche nach den Hintermännern

Begründet wurde die Razzia bisher mit Hygienemangel und Verdacht auf Steuerhinterziehung. Die beiden GeschäftsführerInnen, eine 25-jährige Frau und ein gleichaltriger Mann wurden vor der Razzia verhaftet, zwei Personen, die im Verdacht stehen, Beihilfe zur Schwarzarbeit geleistet zu haben, wurden in den Bordellen verhaftet. Offensichtlich zweifeln die Behörden aber daran, dass die beiden GeschäftsführerInnen die Bordell-Kette alleine geführt haben. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft sei derzeit intensiv auf der Suche nach den "Hintermännern" dieser Geschäfte, hieß es zwei Tage nach der Razzia. Geschlossen wurde das Etablissement in Fellbach mit der Begründung des Hygienemangels, weitere Vorwürfe konnten bisher nicht bestätigt werden.

Gesetzesänderung nötig?

Derzeit gibt es ca. 40 Bordelle in Deutschland, die mit Flatrate-Tarifen um Kunden werben. Ein Grund für den Fellbacher Oberbürgermeister Christoph Palm ein dezitiertes Verbot von Flatrate-Angeboten zu fordern. Die derzeitigen legalen Möglichkeiten reichen dafür nicht aus, so der CDU-Politiker. Justizminister Ulrich Goll von der FDP sieht allerdings die rechtlichen Mittel als ausreichend, um Flatrate-Bordelle zu verbieten.

Forderungen nach Flatrate-Verboten nähren bei KritikerInnen den Verdacht, dass die Aktion nicht aufgrund fehlender Steuer- und Sozialabgaben durchgeführt wurde, sondern politisch motiviert war. Beim Bundesverband für sexuelle Dienstleistungen sieht man die Razzia als Vorstoß gegen die Legalisierung von Prostitution. Der Kampf gegen die Flatrates sei zu einem Wahlkampfthema stilisiert worden, so Stephanie Klee im Tagesspiegel. Dass der moralische Druck auf Prostitution in Deutschland trotz ihrer Legalisierung nach wie vor sehr groß ist, zeige die Behauptung des Vereins gegen Sextourismus und Menschenhandel "Solwodi", der die Angebote der "Pussy-Clubs" mit "Sklaverei" verglichen hatte. (red)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 42
1 2
Streuner
01
Das ist unmenschlich!

80 Frauen zurück auf dem Strassenstrich.

Heiratschwindler
02
"Gut gemeint" halt.

Religiöse Moralapostel und verbohrte Feministinnen treten die Rechte dieser selbstbestimmten Freiberuflerinnen mit Füssen.

Unglaublich diese Frauendiskriminierung - eine Schande ist das!

Pygar
 
00
31.7.2009, 21:53

Die vorhandenen Gesetze reichen offenbar nicht aus, denn wie könnte es sonst sein, dass ca. 40 Flatrate-Bordelle in Betrieb sind?
Gäbe es Gesetze, die Menschenunwürdige Bedingungen wie in diesen Flatrate-Bordellen verbieten, gäbe es sie wohl nicht.

Bei neuen Gesetzen bleibt zu befürchten, dass sie unvorteilhaft für die betroffenen Frauen sind. Zumindest, wenn sie von konservativen Parteien (CDU/CSU; Stichwort Doppelmoral) gemacht werden.

Silvio Lackner
00
31.7.2009, 11:46

Warum Sklaverei, wenn der Unterschied der ist, dass sie ein Fixum hat? In anderen Bordellen muss sie ja auch die Stunden absitzen und prinzipiell jederzeit zur Verfügung stehen - außer sie hat grad einen Kunden.

Captain Smoker
12
30.7.2009, 15:22

Ich hoffe die Frauen verklagen die verantwortlichen Politiker wegen Arbeitsverbot und Verdienstentgang.

fuchstritt
50
30.7.2009, 12:58

könnte man bitte endlich aufhören prostitution als ganz normal, eh super,erwerbsarbeit wie jede andere, total selbstbestimm etc zu sehen?das ist sie nämlich nicht sondern frauenverachtend u gefährlich

jokergirl
01

Ich finde es kurzsichtig, nur Frauen als Prostituierte hinzustellen.

Generell gesagt: Ja, ein Grossteil des Geschäfts ist menschenverachtend.
Andererseits aber denke ich, dass eine Illegalisierung wie sie z.B. in Schweden noch gegeben ist das Problem eher verschärft bzw. vielen Menschen keinen Ausweg gibt, als in die Illegalität zu gehen. Lieber dann eine aufgeklärte Sexarbeiterschaft, in der die Prostituierten selbstbestimmend sein können und Rechte haben.

;)

Streuner
01
Gar nicht wahr!

Lichtfreak
00
30.7.2009, 22:20
wenn sie

nicht so totalitär geschrieben hätten, könnte ich grün geben! Mir fehlt ein "vielmals"

Grund: nicht jeder Freier ist ein Schwein und nicht jeder Frau wird dazu gezwungen...

Es ist jedoch auch männerverachtend, ausschliesslich die weibliche Sexualität als Massstab zu nehmen!

Noch ein Argument:
Repräsentative Umfrage in der Schweiz:
Ein Drittel der Frauen wollen einen Mann mit Geld!
Einverstanden, wenn ich daraus schliesse, dass sich mindestens 30% aller Frauen für Geld verkaufen, sich also "prostituieren" ?

Ich nenne das Sozialprostitution...
männerverachtend und ... lieblos.

Nichts ist schwarz und nichts ist weiss!
Es gibt beiderseits der Sexualität Opfer und Täter!

dieWolfsmutter
31
31.7.2009, 19:29
Frauen,

die sich freiwillig prostituieren, sind dem eigenen Körper entfremdet. Jemand, den du als unsympathisch oder unattraktiv empfindest, in deinen Körper eindringen zu lassen kann prinzipiell nicht ok sein. Auch für Männer nicht, nebenbei bemerkt.

Männer, die ein Gegenüber benutzen, sind prinzipiell auch nicht ok. Genauso wie Frauen, die ihr Gegenüber benutzen.

Ich bin einverstanden mit deinem Schluss "Sozialprostitution".
Und wenn du sowenig einverstanden bist mit dieser Praxis wie ich, mach dich dafür stark dass Frauen finanziell gleichziehen, denn damit hat sich das Problem bald mal erledigt.

LupusD
00
13.8.2009, 00:10

Haben Sie schon mal mit einer Sexarbeiterin geredet? Können Sie sich vorstellen, dass es Frauen gibt, die gerne diese Tätigkeit ausüben?

Ihre Argumentation nährt sich doch aus Ihren Moralvorstellungen. Ist ja auch in Ordnung. Aber es gibt auch Menschen, die eine ganz andere Vorstellung von Moral haben.

Lassen wir doch diesen Menschen ihre Moral!

kapitän nemo
00

wenn eine frau oder ein mann in fremde eklige toiletten greifen muss um diese zu reinigen, oder wenn jemand in einer schwefelmine täglich giftigen staub schluckt ist das genauso nicht ok.
Auch diese tätigkeiten werden nicht aus freude oder erfüllung ausgeübt, sondern aus finanzieller not.

wir sollten den begriff "prostitution" nicht nur auf sexuelle dienstleistungen beschränken.

manche verkaufen ihren körper, ihre zeit, oder ihre ideale aus not, manche bloß aus berechnung.


dieWolfsmutter
10
Der

Begriff Prostitution wird (in politischen Kreisen) sowieso nicht nur auf sexuelle Dienstleistungen beschränkt.

Wenn Menschen in fremde eklige Toiletten greifen müssen oder in Schefelminen giftigen Staub schlucken müssen wird wohl keiner der Anwesenden auf die Idee kommen das geschieht aus "Berechnung". Möchtest du mit deiner Bemerkung unterstellen bei sexuellen Dienstleistungen wäre das anders?

Wir können uns auch mal über Doppelmoral unterhalten, hm?

kapitän nemo
00
auf was ich hinaus möchte ist: dass ein großteil des menschlichen erwerbslebens in unserem system auf prostitution beruht.

die meisten führen tätigkeiten aus, nicht weil sie es von sich aus wollen, sondern sie sind anderen zu diensten weil sie geld dafür bekommen. Manche tun es um schlicht zu überleben, manche um zu NOCH mehr geld und macht zu kommen.
ich wollte korrekt und vollständig ergänzen, dass sich menschen nicht immer nur aus not prostituieren.
bei sexueller prostitution gibt es das natürlich auch.
damit meine ich nicht jene die einfach auf den strich gehen.
aber was ist zb mit jener, die einen uralten ekligen aber schwer-reichen typen heiratet? oder jene die mit ihrem vorgesetzten ins bett steigt (nicht aus liebe oder lust, sondern weil sie sich dadurch vorteile erwartet) und sich in der firma hochschläft?

dieWolfsmutter
10
was

ist eigentlich mit dem, der eine schwerreiche Frau heiratet? Frag mal den Heiratsschwindler...
Oder dem, der sich in der Firma hochschläft?

Was auch immer mit denen ist - hier reden wir (soweit ich verstanden habe) von denen, die sich in einer flaterate anbieten müssen - und das klingt nicht gerade nach übertriebenem Wohlstand oder Machtgewinn.

Heiratschwindler
12
Zwingen Sie diesen Frauen nicht Ihre Vorstellungen

vom Leben auf.

Ein bisschen Respekt vor dem Willen dieser Frauen (und dem männlicher Sexworker) ist nicht zuviel verlangt; auch nicht von Ihnen.

dieWolfsmutter
21
Is

doch entzückend wenn "Heiratsschwindler" von Respekt reden...

Pygar
 
01
31.7.2009, 21:49

Ein wahres Wort, so traurig es auch ist!

Die Frage ist nun wie damit im Interesse der Frau, die dem eigenen Körper entfremdet lebt, umgehen? Als Gesellschaft insgesamt, als Unbeteiligte und als damit Konfrontierte?

dieWolfsmutter
10
Im

Interesse einer Gesellschaft insgesamt, also auch der Konfrontierten und vermeintlich Unbeteiligten sind wir auf der sicheren Seite wenn wir gleich große Stücke vom Kuchen fordern.

betwixt
06
30.7.2009, 12:40
quelle: http://www.titanic-magazin.de

Mehrere hundert Beamte haben am Sonntag Bordelle kontrolliert, in denen "Flatrate-Sex" angeboten wird. Sieger der Großrazzia wurde Polizeiobermeister Jürgen B. aus Fellbach mit insgesamt 5x Uschi, 2x Tatjana und 1x Chantal (abgebrochen) sowie drei Flaschen Schampus, vier volle Teller vom Büffet plus Nachtisch sowie anschließender Benutzung aller Wellness-Angebote. Ein sichtlich mitgenommener Kollege: "Was der Jürgen heute hier in der kurzen Zeit geleistet hat – einfach menschenunwürdig!"

Mac Smith
02
30.7.2009, 11:24
Wieso fehlt der Link zum Artikel im "Tagesspiegel"?

Ist die Meinung der betroffenen Damen der Redaktion nicht mehr als einen Nebensatz wert?
Der vollständigkeit halber:
http://www.tagesspiegel.de/weltspieg... 17,2858309

Streuner
02
Die Frauen sind denen völlig egal

Eine Kreatur
12
30.7.2009, 11:03
hmm .. weil etwas legal nicht verboten werden kann, müssen gesetze geschaffen werden, mit denen das möglich ist ..

wo kein gesetzesverstoß, da dürfte auch kein gesetzesverstoß herbeigeschrieben werden!

peinliche aktion und eine frechheit, wie das ablief .. leute auf die straße setzen, weil ihre arbeit, der sie legal nachgehen, einem nicht passt und noch dazu mit fadenscheinigen begründungen ..

diese branche ist schon so keine angenehme und unproblematische, aber rechtskonservative klerikale spießer verschlimmern die situation nur noch ..

und wozu "hintermänner" suchen, wenn es angeblich nur hygieneverstöße gab? und wegen 2 mutmaßlicher schwarzarbeiterInnen und verstößen bei steuer- und sozialabgaben? wenn die bei baufirmen so konsequent vorgehen würden, gäbe es wohl keine einzige funktionierende baustelle mehr in deutschland ..

dieWolfsmutter
10
Regeln

"wo kein gesetzesverstoß, da dürfte auch kein gesetzesverstoß herbeigeschrieben werden!"

Das ist natürlich Unsinn. Gesetze/Regeln sind IMMER Reaktionen. In einem Umfeld, wo alle einander respektieren und umsichtig miteinander umgehen, bedarf es keiner Gesetze.

andreas lamers
 
00
30.7.2009, 12:38
Reaktion der Gesetzgeber

Im grunde ist es klar, weil solche Betriebe nun ja auch die illegalen Bordelle wo Sklavinen arbeiten behindern. Wo kommt man da hin wenn die noch mehr Preisdumping betreiben muessten, dann koennten Regierung und Behoerden nicht mehr so einen grossen Anteil bekommen.
Der gesetzgeber behaelt sich immer vor neue Verbote auszusprechen. Und das auch ohne einverstaendniss der Bevoelkerung. (eine mehrheit wurden die nicht fuer das Gesetz bekommen)

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Posting 1 bis 25 von 42
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