Staatsanwaltschaft auf der Suche nach Hintermännern der Kette "Pussy-Club" - CDU-Bürgermeister drängt auf Gesetzesänderung zum Verbot von Flatrate-Preisen
Stuttgart - Nach einer Razzia in vier sogenannten "Flatrate-Bordellen" mit mehreren hundert PolizistInnen im Einsatz (dieStandard.at berichtete) sitzen die Sexarbeiterinnen der Bordell-Kette "Pussy-Club" nun auf der Straße. Dies berichtet der Tagesspiegel in seiner aktuellen Ausgabe.
In Fellbach bei Stuttgart sollen 80 Sexarbeiterinnen die Nacht auf Dienstag im Freien verbracht haben. Viele der Frauen kommen für befristete Verträge aus dem Osten Europas und haben ansonsten keinen Wohnsitz an ihren Arbeitsorten. Zwar habe die Polizei den Frauen in einer Fellbacher Sporthalle ein
provisorisches Nachtlager errichtet, doch nur die wenigsten Frauen
hätten dieses in Anspruch nahmen, heißt es bei der Stuttgarter Zeitung.
Suche nach den Hintermännern
Begründet wurde die Razzia bisher mit Hygienemangel und Verdacht auf Steuerhinterziehung. Die beiden GeschäftsführerInnen, eine 25-jährige Frau und ein gleichaltriger Mann wurden vor der Razzia verhaftet, zwei Personen, die im Verdacht stehen, Beihilfe zur Schwarzarbeit geleistet zu haben, wurden in den Bordellen verhaftet. Offensichtlich zweifeln die Behörden aber daran, dass die beiden GeschäftsführerInnen die Bordell-Kette alleine geführt haben. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft sei derzeit intensiv auf der Suche nach den "Hintermännern" dieser Geschäfte, hieß es zwei Tage nach der Razzia. Geschlossen wurde das Etablissement in Fellbach mit der Begründung des Hygienemangels, weitere Vorwürfe konnten bisher nicht bestätigt werden.
Gesetzesänderung nötig?
Derzeit gibt es ca. 40 Bordelle in Deutschland, die mit Flatrate-Tarifen um Kunden werben. Ein Grund für den Fellbacher Oberbürgermeister Christoph Palm ein dezitiertes Verbot von Flatrate-Angeboten zu fordern. Die derzeitigen legalen Möglichkeiten reichen dafür nicht aus, so der CDU-Politiker. Justizminister Ulrich Goll von der FDP sieht allerdings die rechtlichen Mittel als ausreichend, um Flatrate-Bordelle zu verbieten.
Forderungen nach Flatrate-Verboten nähren bei KritikerInnen den Verdacht, dass die Aktion nicht aufgrund fehlender Steuer- und Sozialabgaben durchgeführt wurde, sondern politisch motiviert war. Beim Bundesverband für sexuelle Dienstleistungen sieht man die Razzia als Vorstoß gegen die Legalisierung von Prostitution. Der Kampf gegen die Flatrates sei zu einem Wahlkampfthema stilisiert worden, so Stephanie Klee im Tagesspiegel. Dass der moralische Druck auf Prostitution in Deutschland trotz ihrer Legalisierung nach wie vor sehr groß ist, zeige die Behauptung des Vereins gegen Sextourismus und Menschenhandel "Solwodi", der die Angebote der "Pussy-Clubs" mit "Sklaverei" verglichen hatte. (red)