
Die Journalistinnen wurden am Flughafen von ihren Ehemännern abgeholt...

... und Bill Clinton von Al Gore.
Die politischen Folgen sind unklar.
*****
Die Journalistinnen Laura Ling und Euna Lee in den Armen ihrer Familien: Mit der Ankunft der freigelassenen Reporterinnen in Los Angeles endete am Mittwoch die erfolgreiche Nordkorea-Mission des früheren US-Präsidenten Bill Clinton. In den USA wurde die Heimkehr der Frauen live im Fernsehen übertragen. "Die letzten 140 Tage waren die herzzerbrechendsten in unserem Leben", sagte Ling nach der Ankunft. Am Dienstag war Clinton in Pjöngjang mit Diktator Kim Jong-il zusammengekommen. Im Gegenzug hatte der "geliebte Führer" eine Sonder-Begnadigung für Ling und Lee ausgesprochen.
Unterdessen wurden neue Details über die Hintergründe der offenbar sorgfältig geplanten Mission bekannt. Obwohl die Reise offiziell eine "private humanitäre Mission" Bill Clintons war, wurde sie offenbar eng mit dem Weißen Haus und dem Außenministerium Hillary Clintons abgestimmt. Nach Angaben hoher US-Beamter hatte Washington zunächst über schwedische Diplomaten versucht, die Freilassung der im März an der chinesisch-nordkoreanischen Grenze bei Dreharbeiten für das US-Medienunternehmen Current TV verhafteten Journalistinnen zu erreichen. Dabei habe sich ein Deal angedeutet: Nordkorea gibt die Reporterinnen frei, wenn die USA sich entschuldigen und einen hohen Vertreter nach Pjöngjang schicken.
Entschuldigung abgelehnt
Washington lehnte eine Entschuldigung ab. Außenministerin Hillary Clinton äußerte in einer Pressekonferenz aber Bedauern und bat Nordkorea um eine "Amnestie" . Für die heikle Mission nach Pjöngjang waren laut US-Medien mehrere prominente US-Politiker im Gespräch. Favorit der US-Regierung sei Al Gore, Vizepräsident unter Bill Clinton, der auch Mitbegründer von Current TV ist. Nordkorea habe den Friedensnobelpreisträger aber abgelehnt.
Mitte Juli hätten nordkoreanische Beamte den in einem Gästehaus nahe Pjöngjang untergebrachten Reporterinnen Ling und Lee dann erklärt, sie würden amnestiert, wenn Bill Clinton sie abhole. Über das Angebot hätten sie ihre Familien sowie ihren Arbeitgeber Current TV informiert. Gore habe dann Clinton angerufen und ihn gebeten, nach Pjöngjang zu fahren.
Im Weißen Haus schaltete sich Sicherheitsberater James Jones ein. Präsident Barack Obama habe nicht persönlich mit Bill Clinton gesprochen, hieß es. Die US-Regierung habe sicherstellen wollen, dass Clintons Reise offiziell "privat" und eine rein humanitäre Mission sei, um zu verhindern, dass Nordkorea politische Zugeständnisse im Atomstreit erpresse.
Offenbar war die Obama-Regierung bereit, Kim Jong-il einen Propaganda-Coup zuzugestehen, nicht aber zu weitergehenden Konzessionen. Washington ließ sich auch vorab zusichern, dass die Reporterinnen bei Clintons Besuch tatsächlich freikämen. Ob es dabei direkte Regierungskontakte gab, war zunächst unklar.
Unterschiedlich bewertet wurde in Washington der politische Fallout der Reise. Der Gouverneur von New Mexiko, Bill Richardson, der in den 1990er-Jahren selbst Verhandlungen mit Nordkorea geführt hatte, sagte, er hoffe, Clintons Reise trage dazu bei, die zuletzt hohen Spannungen zwischen beiden Ländern zu dämpfen. Der frühere US-Diplomat Jack Pritchard sprach von "einem gesichtswahrenden Weg" für Nordkorea, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Der ehemalige UN-Botschafter und bekannte Hardliner John Bolton hingegen kritisierte, Clintons Reise komme "Verhandlungen mit Terroristen gefährlich nahe". (Dietmar Ostermann aus Washington/DER STANDARD, Printausgabe, 6.8.2009)
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