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Rosa und Meerjungfrauen, am besten mit Engelsflügeln: Damit Mädchen rechnen und schreiben lernen, muss man ihnen die trockene Materie schon in "weicherer" Verpackung anbieten. Sonst erschrecken sie sich noch.
Früh übt, wer Meisterin werden will. Ob das nun Lesen, Schreiben, Rechnen betrifft, lieber zu viel als zu wenig, gilt Erziehungsberechtigten als Devise, wenn es um den Lernerfolg ihrer Sprösslinge geht. Lernhilfen eignen sich da als Rüstzeug für die schulischen Anforderungen, hat man doch selber nicht immer Zeit oder Kopf für genug Ideen, zu Hause passende Aufgaben zu stellen.
Der Verlag Pons hat sich neben Wörterbüchern und Sprachhilfen auch auf das Anbieten solcher Lernhilfen nach Altersgruppen und Schulstufen spezialisiert. Und darauf, diese geschlechterspezifisch aufzubereiten: Da gibt es die Pons Textaufgaben und Diktate für Jungs sowie die Pons Textaufgaben und Diktate für Mädchen. Spezifisch ja, vulgo gerecht?
Als "die ersten Lernhilfen, die Mädchen bzw. Jungs gezielt fördern" subtituliert, erhalten Mädchen und Jungs in diesen Hilfen bereits beim Diktate üben einen ersten Eindruck davon, worum sich ihre Berufswünsche künftig drehen werden, zieht dieStandard.at-Userin Eva Bauer in ihrem Schreiben an uns ein prägnantes Resümee, das wir Ihnen nicht vorenthalten wollen: "Auch wenn Burschen in gleichem Maße Rechenübungen vorfinden wie Mädchen, dürfen letztere Blütenblätter berechnen, während ihnen dank der Lernhilfe für Jungs die Hubschraubermaße vorenthalten werden. Mandala malen und berechnen? Kein Problem für die Mädls nach der entsprechenden Übung; aber einen Ballwurf berechnen wird dann wohl doch wieder zu schwer und entspricht auch gar nicht dem Interesse der angehenden Prinzessinnen und Ponyhofmitarbeiterinnen."
Und: "Nicht nur bei der Berufswahl trifft PONS mitten in die Herzchen der Mädchen und Herzen der Jungs, auch die Entscheidung über jeweilige Farbpräferenzen wird ihnen dank der nicht minder stereotypisierten Layoutierung genauso abgenommen wie jene über die Wahl der Freizeitgestaltung", konstatiert Userin Bauer.
Warum Pons auf den Trichter gekommen ist, die Lernhilfen in zwei Ausführungen anzubieten, wird in den Kurzbeschreibungen für die Bücher auf der Pons-Webseite klar: "Themen wie Freundschaften, Pferde, Meerjungfrauen wecken das Interesse von Mädchen." Für die Jungs ersetze man die obigen Substantive durch "Sport, Dinosaurier und Piraten". Konsequent im Rahmen dieser Idee einer - soll sie niederschwellig sein? - Heranführung an die Lernstoffe sind auch auf den jeweiligen Bucheinbänden Kinder in Piratenkluft unter blauer Banderole bzw. in weißen Kleidchen mit Engelsflügeln unter einer rosanen zu sehen. Raten Sie Mal, welches Geschlecht die Freibeuter und welches die Engerln haben.
So gut gemeint der Ansatz auch sein möge, Kindern Spaß am Lernen zu vermitteln und den Eltern solide Materialien fürs Üben zu Hause in die Hand zu geben: Auch auf die Form und den Rahmen, in welchem diese Vermittlungsarbeit passiert, kommt es an. Nicht jedes Mädchen - nicht früher, und heute schon gar nicht - erträumt sich selbst als Prinzessin oder Ponyhofbesitzerin. Nicht jeder Junge fährt auf Dinosaurierknochen oder Hubschrauber ab. Interessen und Präferenzen nach Geschlecht bei Kindern im Volksschulalter als (vor)gegeben anzusehen, ist die falsche Herangehensweise, schon gar vor dem Hintergrund der einseitigen Berufswahl mit all ihren Benachteiligungen für Frauen am Arbeitsmarkt in Folge.
Viel mehr sollte es gerade bei Lernmaterialien darum gehen, Interessen zu wecken, deren Spektrum zu erweitern und zu vermitteln. Dazu muss nicht auf vermeintlich "Bekanntes" zurückgegriffen werden, schon gar nicht, wenn das in Wirklichkeit und besonders in diesem Kontext befremdlich ist. Dass Pons nicht auf angestaubte Rolemodels verzichtet, sondern mit ihnen arbeitet und sie damit weiter schreibt, bedingt an dieser Stelle eine Zitrone, quasi als kleine Hilfestellung für Pons. Vielleicht lernt der Verlag was daraus. (red/dieStandard.at, 25.8.2009)
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Ich sags mal kurz und bündig (auch wenns hier keiner hören will und es rote Striche von allen Mädels hagelt, die lieber m. Autos und Dinos gespielt haben), aber wenn 8/10 Burschen gerne Pirat sein wollen und 8/10 der Mädchen lieber reiten, dann wäre der Verlag einfach nur dumm, wenn er seine Produkte an der Zielgruppe vorbei anbieten würde.
Ps: Ihre Vergewaltigung der englischen Sprache ist einfach nur grausam! "[...]Userin, Userinnen-Zitrone[...]"
Die Frage ist, ob das die Kinder selbst wollen, oder ob es die Mamas (welche solches Zeugs ja in der Regel aussuchen und bezahlen) für ihr Kind wollen.
Und: würden in Summe weniger Hefterl verkauft, wenn die Beispiele 50:50 gemischt wären? Oder einfach geschlechtsneutral?
Ich glaube nicht.
Wenn ich persönlich addressierte Werbung erhalte, so geht eht meistens um Autos, teure Uhren, Luxusurlaube,....
Verdammt! Noch nie hab ich Einladung zum Hinterglasmalen, Ponyhof oder für Putzmittel erhalten.
Elende Diskrimierung.
Ich seh hier keinen direkten Angriff auf Frauen wie in der Überschrift, unter dem Bild oder mehrmals im Artikel selbst angedeutet wird. Genau in einem Satz wird kurz erwähnt, dass nicht alle Jungs ins schema passen.
Hier werden einfach beide Geschlechter in Schubladen gesteckt, obs passt oder nicht , und vor allem in welchem Ausmaß, sei mal dahin gestellt.
Andererseits wär interessant obs vielleicht wirklich was bringt wenn man die Aufgaben so anders gestaltet.
es ist immer ein problem, wenn mit klischees gearbeitet wird. ich habe eine ziemliche aversion gegenueber "frauen sind ..." und "maenner sind ..."
wir sind alle individuen mit unterschiedlichen begabungen. vielleicht gibt es geschlechterspezifische tendenzen, aber das betrifft halt nicht alle.
ich mochte als maedel ferngesteuerte autos, hatte ein selbstgebasteltes maschinengewehr und eine bande, mit der ich die gegnerbande verpruegelte und selbst verpruegelt wurde (pfui gack, das auch noch). und ich LIEBTE dinosaurier! das war eine regelrechte obsession. meine geleimten holzskelette stehen heute noch in meinem ex kinderzimmer.
es muessen sich nicht alle fuer alles interessieren. aber zumindest der informationszugang sollte gleich sein.
Ich denke, wir sind uns einig, dass es wichtig ist, an einem ausgewogeneren Geschlechterverhältnis in unterschiedlichen Berufen zu arbeiten. Ich halte es in diesem Zusammenhang schon für sinnvoll, den Buben gezielt Einblicke in nicht-traditionell männliche Berufsfelder anzubieten und auch umgekehrt den Mädchen in nicht-traditionell weibliche. Man kann ihnen ja viel erzählen über Berufsbilder und sie können auch viel nachlesen, recherchieren etc. In einer Firma zu schnuppern, selber auszuprobieren, mit den Beschäftigten über deren Arbeitsalltag zu reden etc. hat aber ungleich mehr Wirkung.
...und damit eine staatliche "Nachjustierung" zu fordern. Menschen sind Individuen und können nicht nach Geschlecht über einen Kamm geschert werden. Ich dachte genau das sei das zentrale Statement des Feminismus!
Gibt es eine Firma oder eine Berufsgruppe in der es wirklich eine 50:50-Quote von Natur aus gibt? gibt es wirklich keine Begründung abseits von geschlechtlicher Diskriminierung, die hier eine Antwort liefern könnten?
Um ein Problem zu lösen, muss die Ursache bekämpft werden und nicht das Symptom!...bzw. als erstes muss mal nachgewiesen werden, dass es sich überhaupt um ein wirkliches Problem handelt bevor man zum herumdoktern anfängt ;-)
Das Problem ist halt, dass dieses Ungleichgewicht recht eindeutig zuordenbar ist. "Frauenüberschuss" findet sich verstärkt in den schlecht bezahlten Jobs und "Männerüberschuss" haben wir etwa in den Führungsetagen. Da tut es wirklich Not, nach den Ursachen zu suchen. Ich denke schon, dass es sich um ein wirkliches Problem handelt, auch für die Männer, deren Frauen durch diese ungleiche Verteilung finanziell abhängig sind. Die Ursachen sind aber auch vielfältig und kompliziert verwoben, klar ist Symptombekämpfung da der einfachere Weg und die Suche nach den Ursachen sowie die Beseitigung der Ursachen ein mühsamer und langfristiger.
Ich verwehre mich selbstverständlich auch dagegen, Individuen über einen Kamm zu scheren.
sicher. ich bin für boys' days in berufsfeldern, wo buben unterrepräsentiert sind. ich wünsche mir nichts mehr als mehr kindergärtner und volksschullehrer, wie lehrer überhaupt. ich betrachte ein ausgewogenes geschlechterverhältnis in der erziehung als fundamental. auch über quote kann man da gerne reden.
Mädchena oder Burschen auf Grund ihres Geschlechts den Zutritt zu Informationsveranstaltungen zu verweigern, ist per Definiton geschlechtliche Diskriminierung.
Ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis kann nicht das Ziel sein. Niemand kann seriöserweise behaupten, dass in irgendeinem Berufsfeld eine Abweichung von einer 50:50 wirklich mit Diskriminierung zu tun hat.
Es kann icht Aufgabe des Staates sein Menschen mit Quoten vorzuschreiben in welchem Bereich sie AUF GRUND IHRES GESCHLECHTS tätig sein sollen. Genau diese Art von Bevormundung war es doch, gegen die sich der ursprüngliche Feminismus gerechtfertigterweise mit Händen und Füßen gewehrt hat!!!
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