Nachlese

"Ich vermisse den Aufschrei von der SPÖ"

1. September 2009, 18:30
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    foto: apa/helmut fohringer

    "Kirche raus aus der Sexualberatung": Johanna Dohnal, hier bei der Eröffnung des "Museums für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch" 2007 in Wien, reagiert auf Kardinal Christoph Schönborn.

Katholische Kirche und ÖVP wollten die Fristenlösung erschweren, sagt die ehemalige Frauenministerin Johanna Dohnal. Ihre Partei müsse in dieser Frage "Flagge zeigen"

STANDARD: Ein Empfang im Wiener Rathaus für die MitarbeiterInnen des Ambulatoriums Pro:woman am Fleischmarkt anlässlich seines 30-jährigen Bestehens hat die Kirche erzürnt. Wiens Kardinal Schönborn will jetzt flankierende Maßnahmen zur Abtreibung besprechen. Sind Sie dafür?

Dohnal: Ich bitte Sie - es wird ja immer wieder versucht, von dieser Seite, die Abtreibung zu erschweren. Und es wird leider nie aufhören, weil die Bestimmung über den Körper der Frau immer eine Machtfrage ist. In Wahrheit geht es um die Fristenlösung.

STANDARD: Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl hat den bewussten Empfang in den Rathauskeller verlegt - angeblich wegen technischer Probleme im Stadtsenatssitzungssaal. Glauben Sie ihm das?

Dohnal: Ich habe keinen Grund zu glauben, dass es andere Motive geben könnte. Das wäre ja lächerlich, denn warum soll man Leuten, die Frauen seit 30 Jahren helfen, nicht einmal Danke sagen?

STANDARD: Häupl will nun mit Kardinal Schönborn sprechen, der einen runden Tisch verlangt hat. Halten Sie das für notwendig?

Dohnal: Ich bin sehr dafür, dass Bürgermeister Häupl mit dem Kardinal spricht. Denn ich möchte einmal wissen, was die Kirche mit "flankierenden Maßnahmen" meint. Denn sie sagt nie dazu, dass diese ja umgesetzt wurden.

STANDARD: Nämlich wie?

Dohnal: Es gibt 300 Beratungsstellen für Schwangere in ganz Österreich - einige davon auch betrieben von kirchlichen Stellen, was mich übrigens sehr stört. Die Kirche muss raus aus der Sexualberatung, weil sie die ja auch nicht macht. Zum Glück beraten in diesen Einrichtungen zumindest viele vernünftige Frauen, die mitten im Leben stehen. Zu den flankierenden Maßnahmen gehört aber auch das erhöhte Karenzgeld für Alleinerzieherinnen, das wir nach langem Ringen durchgesetzt haben. Das hat der ÖVP, beeinflusst vom konservativen Familienbild der Kirche, aber nicht gepasst. Es schmerzt mich sehr, dass meine eigene Partei hier nicht Flagge gezeigt hat und das letztlich abgeschafft wurde.

STANDARD: Was erwarten Sie von Ihrer Partei in der Frage?

Dohnal: Ich vermisse im Moment den Aufschrei vonseiten der SPÖ, und vor allem von meinen Kolleginnen. Deshalb gehe ich ihnen auch ständig auf die Nerven damit. Denn ich gehöre noch zu der Generation, wo die ständige Furcht vor ungewollten Schwangerschaften ein lebenslanges Martyrium für Frauen war. Das wird heute gerne vergessen. Meine Partei hat hier eine Verpflichtung - es geht darum, nach 35 Jahren die Fristenlösung weiterzuentwickeln - wie es etwa Landeshauptfrau Burgstaller in Salzburg macht.

STANDARD: Was heißt das konkret?

Dohnal: Abtreibung muss in allen öffentlichen Krankenhäusern in ganz Österreich möglich sein, und wir brauchen eine bundesweite Regelung für eine Bannmeile rund um Abtreibungskliniken. Es ist unerträglich, dass Patientinnen und MitarbeiterInnen ständig belästigt werden. Und zusätzlich brauchen wir das einkommensabhängige Kindergeld für Alleinerzieherinnen - zumindest länger als vorgesehen. Aber das droht ja schon wieder an der ÖVP zu scheitern.

STANDARD: Familien-Staatssekretärin Christine Marek von der ÖVP hat vor kurzem die Einführung einer Bedenkzeit für Abtreibungen vorgeschlagen. Wäre das für Sie ein Kompromiss mit der ÖVP?

Dohnal: Das ist wieder so eine Geschichte bei der Frau Marek. Was meint sie mit Bedenkzeit? In Wirklichkeit geht es der ÖVP immer ums Erschweren der Fristenlösung. Aber das getrauen sie sich nicht zu sagen, weil dann sind wir wirklich auf der Straße - die ganz Jungen und die ganz Alten. (Die Fragen stellte Petra Stuiber, DER STANDARD, Print, 2.9.2009)

Zur Person:

Johanna Dohnal (70), ehemalige Staatssekretärin, Frauenministerin und SPÖ-Frauenvorsitzende, gilt als Galionsfigur der Linken im Kampf um Frauenrechte. Sie schuf Anfang der 70er-Jahre eine parteienübergreifende Frauenallianz, die am 1. Jänner 1975 zur Einführung der Fristenlösung führte.
"Kirche raus aus der Sexualberatung": Johanna Dohnal, hier bei der Eröffnung des "Museums für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch" 2007 in Wien, reagiert auf Kardinal Christoph Schönborn.

 

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Posting 1 bis 25 von 239
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Hafner
60
weil die Bestimmung über den Körper der Frau immer eine Machtfrage ist

Macht - vor allem anschließend über die Geldbörse des Vaters.

baroli
04

...der ja unbeteiligt war, und sich meistens sowieso mit Geld von allem anderen Engagement freikauft.
Oft nicht einmal das.

El Zorro
13
Flankierende Maßnahmen? Ganz einfach.

Wie wäre es mit einer Statistik? Zahlen statt Würfeln.

Es wäre interessant zu wissen ob es um ca. 30.000 Abtreibungen pro Jahr - wie vom Dr. Fiala geschätzt - oder (wie von manchen befürchtet) ein Vielfaches geht.

Es sollte auch im Interesse der Feministinnen sein, herauszufinden wieviele Frauen sich in so einer aussichtlose Lage befinden, dass sie abtreiben wollen/müssen.

StVO1
01
14.10.2009, 23:35
Müssen?

Es geht bei einer Abtreibung nicht immer ums müssen, wegen einer beengten finanziellen Situation oder hoher gesundheitlicher Risken. Es geht auch darum ob eine Frau, ob alleinstehend oder in einer Partnerschaft, sich die Erziehung eines (weiteren) Kindes zutraut. Schließlich zieht ein Kind nicht nur finanzielle Folgen nach sich, sondern stellt auch eine emotionale Herausforderung dar. Es gibt sicher Frauen und Männer, die 10 Kinder aufziehen können, ohne Überforderung, aber es gibt auch Menschen, die bereits mit der Erziehung eines Kindes hoffnungslos überfordert sind. Die Entscheidung zu eine Abtreibung fällt sicher keiner Frau, und nur auf diese kommt es an, leicht. Die ÖVP-Forderung nach Einhaltung einer Bedenkzeit ist daher entbehrlich

littletinyflibbertigibbet
14
ich habe es satt, dass diverse menschen uns immer in eine einzige form pressen wollen, weil sie dadurch die existenz der realen frau leugnen können. es geht ihnen um nichts anderes, als zu sagen, dass es die frau als mensch nicht geben darf

als MENSCH, mit gleichen rechten.
es handelt sich nicht nur um 'aussichtslose lagen'.
Sie tun so, als würden frauen quasi gegen ihren willen abtreiben.
können Sie sich keine anderen gründe vorstellen, weshalb eine frau im moment kein kind oder dieses kind nicht will?

El Zorro
00
angeblich handelt es sich nur um "aussichtslosen Lagen":

derzeit in dieStandard nachzulesen ("Abtreibung soll entkriminalisiert werden"):

''Auch Vizebürgermeisterin Renate Brauner sprach sich klar gegen die "Beschneidung von Frauenrechten" aus. Keine Frau unterziehe sich einem Schwangerschaftsabbruch leichtfertig oder betrachte dies gar als eine Methode der Empfängnisverhütung: "Jede derartige Unterstellung geht an der Realität vorbei und ist eine Beleidigung für Frauen in Notsituationen", so Brauner.''

Wem soll ich glauben: Ihnen oder der Fr. Vize-Bürgermeisterin?

El Zorro
00
Und was haben Sie gegen eine Statistik?

Auch gesellschaftliche Phänomene kann man beim Vorliegen genauer Zahlen besser verstehen.

Es ist fast witzig zuzuschauen wie die selbsternannten "Aufgeklärten" den Kopf in den Sand stecken!

littletinyflibbertigibbet
00
theoretisch

gar nichts. (oder nur, wozu ich mich momentan nicht äußern möchte. das ist komplexe materie.) praktisch wird es probleme geben.

übrigens war ihr wunsch nach einer statistik weder anlaß noch inhalt meines postings.

limonade
14
da ruelpst..

..ein oberpfaffe und schon knickt der hochverehrte herr buergermeister ein.dass die frau dohnal ihm seine 'technischen probleme' abkauft,kaufe ich ihr nicht ab.egal,sie kann nichts anderes sagen.auch der ex-chefred. des standards fuehlt sich bemuessigt einen windelweichen sowohl als auch-kommentar abzugeben.
die blaubraune guelle wird immer staerker und die schwarzen klerikalfaschos werden wieder pampig.
waehrend der alte kreisky sich im grabe umdreht,grinst der engelbert zufrieden..wieder ein stueckchen naeher.

Immer das Prolife-Gesabbere
 
38
Die militanten Abtreibungsgegner werden morgen nicht allein vor dem Rathaus protestieren

Wir - viele FrauenLesben - aber auch solidarische Männer lassen diese Frauenfeinde nämlich nicht einfach exerzieren in ihrer Stur- und Blödheit:

Kundgebung: Pfoten weg von der Fristenlösung
3.9.09, 17.00 Uhr Friedrich Schmidt Platz 9

Auch Johann Dohnal ist herzlichst eingeladen.

Der Terror der HLI-Vernetzung muss ein Ende haben!

Simplicius Simplicissimus
83
Sehr demokratische Einstellung, ...

... und so frei von Vorurteilen ...

littletinyflibbertigibbet
01
vermisse das gewisse etwas:

was wollen sie damit genau sagen?

Immer das Prolife-Gesabbere
 
07
da schaut er der simple simpli -

ziagts eich worm aun.
die Parole lautet: Von HLI und Co haben wir die Schnauze voll
und: NIE WIEDER KÜCHENTISCH, NIE WIEDER BEVORMUNDUNG UND KONTROLLE durch so armselige Männerbündler mit Charge und Käppi und Sabel

Hafner
40
Nachdem wir in einer freien Gesellschaft leben ...

... brauchen Sie sich nur einen Gewerbeschein holen und ein eigenes Geschäft aufzumachen.
Niemand kann Sie dann wegen Ihres Geschlechtes benachteiligen oder unterdrücken.
Außerdem werden dann alles sehen, wie tüchtig Sie sind.
Was? Sie arbeiten im öffentlichen oder halböffentlichen Dienst? Alles klar!

littletinyflibbertigibbet
02

so ein BLÖdes posting - wäre mir peinlich

Areopagit
21
FRAUENFREUND

Wo liegt das Problem eines runden Tisches mit der Ausgangssituation:
-) Nie wieder Küchentisch
-) Nie wieder Bevormundung
-) Nie wieder Kontrolle
-) Nie wieder Tötung Ungeborener
-) Nie wieder Gewissenskonflikt für Frauen
-) Nie wieder Mann gegen Frau

littletinyflibbertigibbet
02
zu Ihren runden tischen: stellen sie sich vor,

es gibt krieg, und keine geht hin.

'nie wieder tötung ungeborener' wäre die schlimmste unterdrückung und mißachtung der frau als mensch:
EIN VERBRECHEN AN DER FRAU.
EINE VERGEWALTIGUNG.
SEELISCHER MORD.

was wollen sie übrigens tun, sie einsperren?

Little Willy
30
Zuviel Testosteron

Gibt es bei manchen Frauen.

Karl Krammer
41
"die ständige Furcht vor ungewollten Schwangerschaften"

ist ja schon seit Jahrzehnten Geschichte. Im Sinne eine umfassenden Lösung bietet diese Abtreibungsklinik ja auch Sterilisationen an - auch für den Mann übrigens, was ich so früh genutzt habe, wie es legal ging (mit 25). Mit 500€ entledigt man sich des schwanger- oder vaterwerdens für den Rest des Lebens. Wer aber trotz Verhütung und notfalls RU486 danach noch immer ungewollt schwanger wird, der darf dann durchaus auch noch abtreiben, aber dann doch bitte auf eigene Kosten. Es gehört schon eine Menge Sorglosigkeit dazu, heute noch ungewollt schwanger zu werden.

littletinyflibbertigibbet
02
geh bitte

die RU 486 ist meines wissens nicht ganz leicht zu bekommen. zudem gibt es immer ausnahmen und wird sie immer geben: die verhütung funktioniert nicht/ frau hat die pille vergessen, weiß es aber nicht/ die frau ist psychisch krank/ behindert,...und das sind nur die beispiele, die ich im moment parat habe.

eze eze
 
00

Die Verhütung funktioniert nicht, kommt nicht sehr oft vor - mir ist das in meinem Leben ein Mal passiert - und dass frau dann gleich schwanger wird, kommt noch viel seltener vor. Solche "Extrem"-Gründe, die immer wieder angeführt werden, um generell Abtreibungen Ungeborener zu rechtfertigen, sind jene, die den allergeringsten Prozentsatz der erfolgten Abtreibungen ausmachen.

Gefräßige Gebärmutter
07
"aber dann doch bitte auf eigene Kosten"


Was glaubst du denn, wer das bezahlt?

Ganerc-Callibso
03
die SPÖ ist überhaubt sehr still

das ist ja auch der Grund, warum ihr die Wähler davon laufen...

keine g'scheiten Ideen, keine Kraft, kein Durchsetzungsvermögen...

ich würde es mir wünschen, es wäre anders...

littletinyflibbertigibbet
01
wie wär's mit

KEINEN RÜCKGRAT, KEINEN MUT? aber man sollte nicht verallgemeinern - das gilt primär für die spitze (und diverse LHL und Ackerls - bereue zutiefst, dass ich demselben jemals bravo gerufen habe).

und was sich der häupl dabei denkt, beim küssen des kardinal'schen kleidssaumes, das würde ich gerne wissen. er könnte doch einfach öffentlich fragen, was die flankierenden maßnahmen bitte sein sollen, anstatt herangekrochen zu kommen.

eugp21
 
01
re:

es ist halt, wie es ist.

darum habe ich die Konsequenzen gezogen, siehe auch http://gpo.or.at/entstehung.htm

oder auch youtube cannel - http://www.youtube.com/generationenpartei

lg
wo finden Sie mich
auch auf meiner BLOG - Seite
http://brennpunkt21.blogspot.com

zitat:
Die Geldwirtschaft ist eigentlich pervers, sie ist nur durch Schulden aufrecht zu erhalten.
Wenn wir von den jetzigen Regierenden Nachhaltigkeit und Weitsicht erwarten, so können wir lange warten, vielleicht bis zum St. Nimmerleinstag?

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