Er hat selbst viel an der Schönheitschirurgie verdient, nun klagt Werner Mang an: "Es ist grauenhaft, was sich inzwischen abspielt"
München - Der selbst ernannte "King of Nose" Werner Mang klopft nun seinen KollegInnen auf die Finger. "Es ist grauenhaft, was sich inzwischen auf dem Sektor der Schönheitschirurgie und Schönheitsreparatur abspielt, wie dieser Teil unserer Kultur hemmungs- und bedenkenlos, unmenschlich und vor allem unnatürlich ausufert", erregt sich der auch als "Schönheits-Papst" titulierte Mang in seinem neuen Buch "Verlogene Schönheit - Vom falschen Glanz und eitlen Wahn", das er am Mittwoch in München vorstellte. Jahrelang hat er Promis und Privatleute unterm Messer gehabt. Besonders beliebt sind seine Nasen.
Heute hat der einstige Hals-Nasen-Ohrenarzt seine eigene Klinik am Bodensee. Eigene Einschätzung: "Mit über 3000 Eingriffen im Jahr dürfte unsere Fachklinik eine der bedeutendsten für Schönheitsoperationen auf dem Globus sein." Aber der Prototyp des Schönheitschirurgen, der sei er trotzdem nicht: "Weil ich selber nicht eitel bin."
Die Moderatorin Nina Ruge bei der Buchvorstellung im Gespräch mit Mang:"Was du da machst, ist ganz schön mutig." Ob er keine Angst habe, dass sein Werk als "Werbebuch im Schutzmantel der Wertediskussion" verstanden werden könnte?
"Fehlentwicklungen"
Denn Mang geht vor allem einer Frage nach: Was ist bloß in anderen Schönheitskliniken - besonders in den USA - los? "Heerscharen von bemitleidenswerten Zombies, verunstaltet von gewissenlosen Ärzten, werden auf die Menschheit losgelassen, die sowas teilweise auch noch schön und erstrebenswert findet", schreibt Mang. Schlauchbootlippen, von Botox gelähmte Gesichtszüge, neue Brüste für 13-Jährige - wegen solcher Fehlentwicklungen habe er das Buch geschrieben.
Vor allem junge Leute will er warnen, sagt er, denn in den vergangenen fünf Jahren sei der Schönheits-Wahn immer schlimmer geworden. Beliebteste Vorbilder für die neu ersehnten Körperteile: der Mund von Angelina Jolie, die Nase von Brad Pitt, der Po von Jennifer Lopez. Auch will er, dass Schönheits-OPs kein Tabuthema mehr sind.
"Aber warum machst du das so boulevardesk?", fragt Ruge. "Warum machst du dich letztlich zum Futter für populäre Medien? Ein Schönheitschirurg unterliegt nun mal dem ungeschriebenen Gesetz: schneide und schweige. Und du prügelst jetzt auf die Leute ein."
Schönheits-OPs auf Kasse
Mang rechtfertigt sich: "Es ist doch wichtig, dass jemand mal sowas sagt." Er wolle mahnen, die Leute für das Thema gewinnen. Klar, gibt er zu, er habe sich selber jahrzehntelang in der Schicki-Micki- Society herumgetrieben, dort seine KundInnen gefunden und sich sein Boot, seinen Ferrari, seinen Hubschrauber und seine Wohnungen verdient. Aber er habe sich eben weiterentwickelt.
Heute plädiert er für Schönheits-OPs auf Kasse, damit auch weniger betuchte KundInnen sich die Hakennase wegmachen oder die Brüste vergrößern können. (APA)