Aktenzeichen XY ungelöst

Tombor, 15. September 2009, 00:00
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    foto: reuters

    Die Durchleuchtung von genetischem Material passiert im Hochleistungssport nach wie vor, und zwar nur den Sportlerinnen.

Der jüngste Fall eines Sex Verification Tests um die Leichtathletin Caster Semenya zeigt eines: Fairness ist in der Welt des Spitzensports Auslegungssache

In der Welt des Spitzensports kommt das Prinzip der Geschlechterdisparität gnadenlos zur Anwendung. Unter der Annahme, dass man nur eines sein kann, Männlein oder Weiblein, wird hier auf Basis eines zu optimierenden Ausnutzens von biologischen Vorteilen gearbeitet. Nur einer davon ist Mann sein. Einer. Aber: Uneindeutigkeit will man sich gerade in diesem Punkt auf keinen Fall leisten, schließlich gilt Männlichkeit als Turbo-Vorteil, und der resultiert in unlauterem Wettbewerb, und wenn Sport etwas sein soll, dann fair.

Dass es sehr wohl SportlerInnen gibt, die diese hochgehaltene Fairness nicht zu spüren bekommen, dass das ganze Hochleistungsmilieu eines ist, in dem getrickst und übervorteilt wird, was das finanzielle und technische Backup her gibt - das wird relativiert. Im Gegensatz dazu wagt man sich nur zaghaft daran, die Eindeutigkeit der Regeln, was das Geschlecht anbelangt, an aktuellen wissenschaftlichen Ergebnishorizonten auszurichten, die die Geschlechterdualität in Frage stellen. Geschlechter-Varianzen abseits dieser Dualität existieren - und sie bedingen keine sportliche Dysfunktionalität. Ist die Leistungsfähigkeit gegeben, läge doch im Spitzensport kein Grund vor, Menschen auszuschließen, weil sie genetisch nicht mit einem festgeschriebenen Bauplan ident sind. Ist der nicht sowieso variantenreich? Muss er es denn nicht sein?

Aber Fakt ist: Die Durchleuchtung von genetischem Material passiert im Hochleistungssport, um etwaige genetische Dispositionen auszusondern. Also Menschen. Auch wenn der Internationale Leichtathletikverband IAAF noch vor dem Olympischen Komitee den Stopp der Praxis angeordnet hatte, 1992 nämlich, werden die Tests bei Verdacht auf geschlechtliche Uneindeutigkeit - und nur dann - nach wie vor durchgeführt. Zwischen 1968 und 1996 waren diese Sex Verification Tests obligatorisch für jede, die bei Olympischen Spielen teilnehmen wollte.

Sie werden nur den weiblich zugeordenten Sportlern abverlangt. Von medizinischer Seite als nicht valide eingestuft, von FrauenrechtlerInnen als diskriminierend und herabwürdigend, sind sie doch in Verwendung, wenn auch mit flankierenden Maßnahmen. Neben dem Gen-Test sind mittlerweile auch GynäkologInnen, EndokrinologInnen, PsychologInnen und InternistInnen am Geschlechtsfahnden - der Fairness den Sport-Kolleginnen halber, die bei näherem Hinsehen aber Auslegungssache ist:

Wie das Beispiel der Inderin Santhi Soundarajan zeigt, die 2007 einen Suizidversuch unternahm, nachdem sie beim Test "durchgefallen" war. Oder der Fall Caster Semenya, im August 2009: Als Mädchen - vor gerade Mal 18 Jahren in Südafrika - geboren, als Mädchen aufgewachsen, als Mädchen von ihrer Umwelt gesehen. Eine junge Frau, die in der Welt, durch die ihre berufliche Laufbahn führt, keine sein soll. Und das aus der internationalen Presse erfährt. Semenya selbst dachte, dass es sich bei dem angeforderten Test um eine Dopingkontrolle, und nicht um eine Geschlechtsbestimmung handle. Fair, oder? Dass die Medienberichterstattung über Semenya auch Analysen von sich zur Ferndiagnose bemüßigt fühlenden "Experten" für Geschlechtsmerkmalbegutachtung unter Sportdressen und Hochglanz-Fotostrecken mit Weltmeisterin Semenya in Damengarderobe mit sich bringt - sportlich, oder? Das konnten die Verantwortlichen beim Internationalen Leichtathtletikverband nicht absehen, als sie inmitten einer weltweit beachteten Sportveranstaltung wie den Leichtathletik Weltmeisterschaften den längst angeordneten Test verlautbarten?

Wenn Semenyas Fall, der zu Recht Proteststürme in Südafrika evoziert hat, letztlich nicht als sinnloses Vorführen eines Teenagers aus einem kleinen Dorf in Erinnerung bleiben soll, müsste die IAAF nun ein Exempel statuieren, indem er eine neue bindende Regel installiert: Geschlechtstests auf Verdacht ein für alle Mal abschaffen. (bto/dieStandard.at, 15.9.2009)

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Tschuri Cazzino
 
01
22.1.2010, 13:06
Ein Exempel müsste in der Tat statuiert werden.

Nämlich durch ein Verbot von Spitzensport. Dann würden sich Fragen wie nach dem Geschlecht erst gar nicht stellen.
Die "Leistung" der "Helden" von heute beschränkt sich darauf unter Aufwendung ernormer gesellschaftlicher Ressourcen 100stel Sekunden schneller einen Berg auf Schnee hinunterzusausen oder 100m auf einer Laufbahn zurückzulegen.
Dabei ruinieren die Akteure die eigene Gesundheit und mit Ihrer Vorbildwirkung auch die Ihrer Nachahmer. Man überlege sich wieviel Sinnvolles man mit dem Ehrgeiz und Talenten z.B eines Herman Mayers und aller, die hinter seinem Erfolg stehen anfangen könnte!
Dass damit Menschen mit einem nicht in das übliche männlich-weiblich-Schema passenden Geschlecht diskriminiert werden, ist menschenverachtend.

Josef Falk1
 
03
26.9.2009, 12:15
Politisch korrekt?

Männer schnappen den Frauen die Goldmedaillen weg! Eine neue gläserne Decke?

GreyPaladin
01
23.9.2009, 13:00

Und was sagen die betroffenen, also die Sportlerinnen dazu?

die einäugige Königin
01
21.9.2009, 23:59
Es geht nicht um die"Geschlechter-Varianzen"der Sportler! Es geht darum, sie vor ihren skrupellosen Ausbeutern zu schützen!


Zu Caster Semenyas Trainern gehört der DDR-Doping-Verbrecher und Stasi-Zuträger Ekkart Arbeit, der schon 1989 äußerte:

"Nicht in der medikamentösen Aufrüstung liegt die Zukunft der Leichtathletik, sondern in der Erforschung des menschlichen Kopfes, in der Erforschung seines Nervensystems und seines Stoffwechsels."

http://www.dradio.de/dlf/sendu... t/1021545/

Weiterhin soll Semenya in Südafrika Substanzen erhalten haben, die ihren Hormonspiegel dahingehend veränderten, daß sie bei Kontrollen nicht mehr auffiel.

Solange Leute wie E.A. auf (minderjährige) Sportler losgelassen werden, ist Fairness keine Auslegungssache,
sondern Unfairness und Körperverletzung eine Gewissheit!

Dein schönster Traum
03
19.9.2009, 22:57
"Auslegungssache"?

Hier handelt es sich doch bitte eindeutig um einen Mann, ich weiß ja schon, daß die Tschändafanaten ja gerne die Geschlechter abschaffen und uns Menschen am liebsten durch eine graue, emotionslose Masse ersetzen würden (damit wir uns nicht gegenseitig mit etwas so grauslich - diskriminierendem wie... 6... belästigen... omg wie schlimm... flirten oder gar zur Sache kommen!).

Aber selbst dem blindesten Fanaten muß doch klar sein, daß hier keine Auslegungssache sondern eben ein eindeutiger Mann vorliegt.

Little Willy
30
16.9.2009, 13:08
Frauendiskus von 1kg auf 2kg wechseln

... und Schwerarbeiterregelung anwenden. Funktioniert doch.

Captain Smoker
05
16.9.2009, 13:04
"Sie werden nur den weiblich zugeordenten Sportlern abverlangt."

Hm, irgendwie logisch wenn man mitdenkt. Eine Frau wird in keinem Sport bei den Männern starten wollen weil sie keine Chance hat. Für einen Mann dafür wäre es durchaus sinnvoll bei den Frauen "getarnt" zu starten.

Lady Pyrra of Danubien
 
05
16.9.2009, 14:46
NEIN!

Sexismus! Sexismus!

Und hier Rassismus auch noch! Weil die betroffene Dame (ich lass das mal so stehen, bis mir anderes bekannt wird) von dunkler Hautfarbe ist.

Ich weiss nicht ... es ist doch noch sooo vieles im Argen (Gehaltsschere; bestimmte FPÖ-Plakate) aber an einem Test, der lediglich beweisen soll, dass die Dame auch eine Dame ist, hängen wir uns auf.

Peter_23
00
17.9.2009, 13:13
Wieso nein und der Ruf von Sexismus?

Sehen Sie es mal nüchtern: Fakt ist, dass im Leistungssport wie Laufen, männliche Sportler ca. 5% bis 15% bessere Werte erzielen. Das hat mit Sexismus nichts zu tun, sondern ist mal ein Fakt welcher sich aus den gemessenen Werten ergibt.

Und da ist es natürlich klar, dass Personen welche zwar als weiblich gelten mögen aber Richtung männlich tendieren, eben weil es nicht nur diese strikte Schwarz-Weiss gibt sondern auch zwischenstufen gibt, bei Antritt in Frauengruppen sehr gute Gewinnchancen haben.

Umgekehrt gibt es auch Personen die als männlich gelten und Richtung weiblich tendieren: Nur diese Personen haben bei Antritt in der männlichen Gruppe sehr schlechte Chancen. Werden also mit hoher Wahrscheinlichkeit verlieren.

Der mit dem langen Hund
 
01
17.9.2009, 13:27
ehm?

ich glaub Sie sollten den NEIN,SEXISMUS! "schrei" mal mit dem absatz darunter bzw dem wort "ironie" in verbindung bringen... Nichts für ungut ;)

Dein schönster Traum
01
25.9.2009, 09:10
Vergiß es...

...99% der Menschen, die hier posten, würden Ironie nichtmal erkennen, wenn sie in einem Buch namens "Ironische Sprüche" zu finden wäre.

Ich finde das furchtbar und erschreckend, aber offenbar ist kommunikative Intelligenz ein nicht allzu verbreitetes Talent.

Lady Pyrra of Danubien
 
00
18.9.2009, 08:59
ehm....ja

so war das gemeint.

Ich weiss, im Forum kommt der dazugehörige Tonfall und Gesichtsausdruck nicht sooo zur Geltung.

Sogar das ;-) hab ich vergessen.

Nein, ich wollte mit dem Post aussagen, das mir als Frau, die Gleichberechtigung anstrebt, das Sexismus-(und Rassismus) Geschrei bei Vorfällen, in denen zumindestens ich (und offenbar auch einige andere) weder das eine noch das andere nachvollziehen kann, gehörig auf die Nerven gehen.
Es nimmt einfach den wirklichen Käpferinnen und Kämpern für Gleichberechtigung den Wind aus den Segeln, und Energie die für wichtigere Themen benötigt wird, geht für "heisse Luft" verloren.

super Typ
10
19.9.2009, 19:20
Es gibt nur EINEN Sexismus.

Es ist unsinnig, Sexismus in wichtige und unwichtige Themen zu zerteilen. Diese wichtigeren Themen sind in Wahrheit nur die gravierendsten Symptome des Sexismus und wenn man die Diskussion auf diese wichtigeren Themen beschränken möchte, möchte man sie auf Symptome beschränken.

arulco
01
16.9.2009, 13:04
Scheinheiliges Südafrika!

Der südafrikanische LA-Verband wusste schon seit Monaten dass Semenya XY ist, aber nach Abschaffung des verpflichtenden Sextests hat mans einfach probiert.

Dieses ganze Theater hätte CS erspart bleiben können.

Mac Smith
03
16.9.2009, 12:57
"Sie werden nur den weiblich zugeordenten Sportlern abverlangt."

Das mag zwar "ungerecht" scheinen, liegt aber in der Natur der Sache:
Frauen bringt es keinen Vorteil, sich in Männerwettbewerbe einzuschmuggeln, andersherum schon.
Ich finde auch, daß sich die Diskussion zu sehr auf die vermeintliche Diskriminierung von Caster Semenya konzentriert.
Was halten denn die anderen Athletinnen davon, wenn sie in zukunft gegen jede/n antreten müßten, der/die sich als Frau fühlt?
Werden diese dadurch nicht auch diskriminiert?

Mog Ia
00
16.9.2009, 12:46

"Sie werden nur den weiblich zugeordenten Sportlern abverlangt."

Liegt wahrscheinlich daran, dass Männer äusserst selten in der weiblichen Klasse starten.

Abgesehen davon verstehe ich die ganze Aufregung der Geschlechtsbestimmung überhaupt nicht, denn was ist da herabwürdigend? Im Privaten ists egal, aber wenns um Zuordnung zu einem System geht, dann sind auch die dortigen Regeln einzuhalten und nicht hinzuinterpretieren.

Der Unkurze
04
16.9.2009, 10:14
einfache lösung

na dann mach mas uns einfach und tragen keine frauen und männerbewerbe mehr aus sondern machen alles gemischtgeschlechtlich

ob das die feministen freuen wird, wenns keine weiblichen rekorde/sieger mehr gibt in disziplinen wie 100m, 400m, schwimmen, boxen, speer/hammerwurf, kugelstoßen...

mich würds nicht stören

strangerinastrangeland
 
00
28.9.2009, 22:22

Das Problem dabei ist, dass bei 200 TeilnehmerInnen keine Frau unter den ersten 100 wäre.

Shanajio
00
16.9.2009, 12:35

Gibt es eigentlich irgendeine Sportart bei der Frauen besser als Männer sind?

Synchronschwimmen fällt aus, da sind Männer nicht startberechtigt. Wie schaut es aus bei Curling oder Schach?

Daniil Charms
01
17.9.2009, 16:27

Im Schach gibts eine Frau, die im Kreis der besten 30 mitspielt, aber die zweitbeste Frau ist schon nicht mehr unter den besten Hundert.

Markus H.
 
02
16.9.2009, 16:59

"Gibt es eigentlich irgendeine Sportart bei der Frauen besser als Männer sind?"

Ich wüsste keine, wo sie im generellen überlegen sind. Einzig beim Langstreckenschwimmen im kalten Mehrwasser gibt es häufig auch weibliche Siegerinnen in der Gesamtwertung. z.B beim 28.5 mile Manhattan Island Marathon Swim hat zuletzt 2007 eine Frau gewonnen. Gibt aber auch in anderen Jahren immer Frauen in den top Plätzen. (http://www.nycswim.org/Event/Eve... m=results)

super Typ
30
19.9.2009, 19:48

Man könnte vielleicht einwenden, dass, was Sport ist und was eine sportliche Disziplin ist, in einer patriarchalen Gesellschaft definiert wurde und daher auf Stärken des männlichen Körpers zugeschnitten ist.
Vielleicht könnte man sich eine Definition von Sport oder Sportarten ausdenken, die auf den weiblichen Körper abgestimmt sind und wo Frauen daher Vorteile gegenüber Männern hätten.

Der, der es besser weiß
00
20.9.2009, 01:29

In Sportarten, bei denen Körperkraft von Vorteil ist, kann man definieren, wie man will, da wird es keine Möglichkeit geben.

Bei Denksport, Motorsport oder virtuellem Sport könnte es leicht anders aussehen.

super Typ
00
20.9.2009, 01:53

Das meine ich ja. Sportarten sind so, dass es eben auf typisch männliche Stärken wie Körperkraft ankommt. Vielleicht wären Frauen überlegen in Sportarten, wo es auf feinmechanische Fähigkeiten ankommt. (Ich weiß nicht, wie Männer z. B. bei Strickwettbewerben oder bei der Maschinschreib-WM abschneiden.)

Patriarchal geprägt wie ich bin, kann ich mir nicht vorstellen, wie Sport vielleicht aussehen würde und was es da für Sportarten gäbe, wenn Sport in einer matriarchalen Gesellschaft erfunden worden wäre.

T' Bok
 
00
12.10.2009, 11:14
sport ist sport

Unter dem Begriff Sport werden Bewegungs-, Spiel- oder Wettkampfformen, die im Zusammenhang mit körperlichen Aktivitäten des Menschen stehen, zusammengefasst. (wiki)

alles andere sind irgendwelche wettbewerbe.

aber das ist ja genau das was hier immer passiert. es soll mit macht etwas neues erfunden werden weil angeblich diskriminierung der frauen stattfindet - in gebieten wo sie sowieso schon speziell behandelt werden. andernfalls müßten sie in allen sportarten mit den männern kämpfen und die erfolgschancen wären entsprechend ihrer genetischen disposition.

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