Auch Hundstorfer für Sanktionen bei ungleicher Bezahlung

23. September 2009 11:46

Frauenministerin Heinisch-Hosek und Sozialminister starten Kampagne "gleich=fair" - Gehaltstransparenz soll bis Jahresende fix sein

Wien - Neben der geplanten Novelle zum Gleichbehandlungsgesetz startet die SPÖ jetzt auch eine Kampagne gegen die Einkommensunterschiede von Frauen und Männern. Wie Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek und Sozialminister Rudolf Hundstorfer am Mittwoch in einer gemeinsamen Pressekonferenz erläuterten, will man dabei "das Übel an der Wurzel" packen und vor allem Bewusstsein schaffen. An ihrem Ziel einer verpflichtenden Offenlegung der Gehaltsstrukturen inklusive Sanktionsdrohung hält Heinisch-Hosek weiter fest. Auch Hundstorfer unterstützt ihre Pläne nun, nachdem er im Sommer noch Sanktionen abgelehnt hatte. 

Gleichbehandlungsgesetz mit Gehaltstransparenz

Die Frauenministerin betonte, dass die Novelle zum Gleichbehandlungsgesetz derzeit vorbereitet werde und gegen Jahresende fertig sein soll. Nach schwedischem Vorbild sollen auch in Österreich Unternehmen mit mehr als 25 Beschäftigten dazu verpflichtet werden, anonym die Löhne und Gehälter zu analysieren, um festzustellen, ob es geschlechtsspezifische Unterschiede gibt. Die Ergebnisse dieses Fragebogens sollen betriebsintern veröffentlicht und den zuständigen Behörden sowie den Sozialpartnern zur Verfügung gestellt werden. "Wir passen auf den Datenschutz und auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auf", versuchte Heinisch-Hosek gleich von vornherein die Bedenken zu zerstreuen. 

Hundstorfer mit Frauenministerin "vollkommen einig"

In einem ersten Schritt ist an eine zweijährige Pilotphase mit anschließender Evaluierung gedacht. Danach müsse man auch darüber nachdenken, welche Form von Sanktionen möglich seien, beharrte die Frauenministerin auf ihrer Forderung. Diesem Plan stimmte nun auch Hundstorfer zu. Er sei sich in dieser Strategie mit der Frauenministerin "vollkommen einig", sagte der Sozialminister. Er habe im Sommer nur "flapsig formuliert", dass er von Haus aus gegen Strafen sei.

96 Tage Gratisarbeit

Heinisch-Hosek verwies darauf, dass es in Schweden gelungen sei, mit einem Gesetz zur Einkommenstransparenz die geschlechtsspezifischen Unterschiede deutlich zu senken. In Österreich verdienen Frauen im Schnitt rund ein Viertel weniger als Männer. Umgerechnet bedeutet dies, dass Frauen 96 Tage pro Jahr gratis arbeiten, womit die Frauen statistisch gesehen ab kommendem Sonntag bis Jahresende unbezahlt arbeiten. Um dies zu verdeutlichen, hat Heinisch-Hosek bei der Pressekonferenz kleine Törtchen verteilt, wobei die Männer ein ganzes bekamen, bei jenen für die Frauen fehlte ein Viertel. Selbst wenn man strukturelle Unterschiede wie Ausbildung, Berufswahl oder Karenz herausrechnet, verdienen Frauen in Österreich immer noch bis zu 15 Prozent weniger, "nur weil Frauen Frauen sind". In Schweden macht dieser Unterschied nur sechs Prozent aus. 

Bewusstseinsbildung

Mit der am Mittwoch gestarteten Kampagne unter dem Titel "gleich=fair" werben die Frauen- und der Sozialminister mit Inseraten und Plakaten dafür, dass Frauen und Männer für gleiche Arbeit den gleichen Lohn bekommen. Als prominente UnterstützerInnen haben sich u.a. die KünstlerInnen Andrea Händler und Harald Krassnitzer sowie die Wissenschafterin Fatima Ferreira zur Verfügung gestellt. Die Kosten der Kampagne konnte Heinisch-Hosek nicht genau beziffern, sie betonte aber, dass sie den Rest ihres 500.000 Euro umfassenden Budgets für Öffentlichkeitsarbeit für heuer zusammen gekratzt habe, und auch der Sozialminister unterstützt die Kampagne finanziell. Hundstorfer verwies darauf, dass es bei der mit der Kampagne angestrebten Bewusstseinsbildung auch darum gehe, mehr Frauen für technische Berufe zu begeistern. Immer noch erlernen 75 Prozent der Mädchen nur zehn Berufe. (APA)

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22 Postings
mika33
23.09.2009 18:58
Was für ein Unsinn das mit den Gratis-Arbeitstagen!

Sogesehen arbeitet unsere Raumpflegerin schon seit Juni gratis!

Jeffrey Lebowski
 
23.09.2009 17:56
hmm

ein arbeitskollegen in der gleichen position wie ich verdient 600,-- mehr als ich.
wär ich eine frau wärs diskriminierung
da ich jedoch ein mann bin hab ich einfach schlecht verhandelt

...

so einfach ist die schöne neue welt.

btw, die antwort welches unternehmen in Ö denn frauen um soviel schlechter bezahlt als männer...die antwort sind die herrschaften bislang schuldig geblieben...

vielleicht ergibt sich die "gehaltsschere" einfach dadurch das mehr frauen in schlechter bezahlten berufen arbeiten als männer(das ist jetzt in keinster weise abwertend gemeint).

Gladius2
23.09.2009 17:52
Jedes Jahr das selbe!

Und wenn die frauen der spö gefragt werden welche Betriebe ungleichen Lohn zahlen, können oder wollen die damen keine antwort geben.

In der Privatwirtschaft ist Lohn eine Verhandlungssache - ergo jeder ist für das ergebnis selbst verantwortlich. Im Staatsdienst gibt es ein schema F dafür.

Frauen arbeit weitaus öfter in jobs mit niederer qualifikation, sie arbeiten öfter in teilzeitjobs, gehen öfter in Karenz usw. Das ist der Grund warum der Durchschnittslohn geringer ist.

Sonstwer
24.09.2009 17:04
nicht ganz

denn selbst in Jobs mit gleicher Qualifikation und Arbeitszeit verdienen Frauen weniger.

Es wird ja auch hierzulande nur gleiches mit gleichem Verglichen.

was sie sagen kommt da nur noch hinzu.

Werner Becher
23.09.2009 17:45
Rasenmäher/Giesskanne

Typischer = undifferenzierter und an einer tatsächlichen Lösung der Ursache vorbeigehender SPÖ-Vorschlag, der mit Zwangsmaßnahmen die Auswirkungen einer schöneren Statistik zu liebe kaschieren soll, aber genau Null in einer verfehlten Gesellschaftspolitik begründeten Problemstellung der anhaltenden Diskriminierung von Frauen beiträgt ...

Das-Nicht-Orange mit dem Grinsen
23.09.2009 17:41
Also ich wette eine teure Flasche Rotwein

dass die ÖVP das noch verhindern wird....

Selma
23.09.2009 17:39
schlauer Schachzug

wenn man mit den "üblichen" Methoden die Frauen nicht mehr zurück an den Herd kriegt, dann eben so ...
warum sollte ein Arbeitgeber Frauen einstellen wenn das auch noch kommt? Neue Regierungstaktik ist scheinbar - "Frauen aufgrund dessen bekommen keinen Job - also bleibt eh nur wieder der Versorger Mann" - Bravo! *sarkasm*

sicher wär gleicher Lohn nicht schlecht, nur dann müßten Frau und Mann eben gleich 40 h arbeiten und alles andere auch aufteilen ...
sich nur auf das berufen ist zu wenig ...

Werner Becher
23.09.2009 17:10
Frau = dummes Hascherl?

Das Frauenbild der SPÖ ähnelt offenbar jenem der ÖVP sowie des rechten Mobs mehr als man glauben könnte: Frau = dummes Hascherl?
Kann sich Frau (offenbar im Unterschied zu den Männern) eigenverantwortlich keinen fairen Gehalt ausverhandeln? "Muss" der Staat deshalb mit Überwachungs- und Zwangsmassnahmen in private Unternehmen reinhauen und dazu natürlich auch diese mit zusätzlicher Bürokratie plus zusätzlichen Beamten belasten? Weltoffene Menschen verstehen unter mündigen Bügern und unter dem Begriff "Feminismus" jedenfalls etwas ganz anderes ....

Werner Becher, LIF

Di Fazz
23.09.2009 17:26

Das Problem ist ja auch, dass der Staat diese Kontrolle nicht einmal zu leisten *vermag*. In der komplexen Arbeitswelt ist "gleiche Arbeit" ein nicht mehr zu definierender Begriff. Reine Anwesenheitszeiten und Funktionsbeschreibungen sind da bei weitem nicht ausreichend.
Wie verhält sich die Person im Team? Ist sie gut im Zeitmanagement? Verfolgt sie selbständig ihre Ziele? Kann sie ev. sogar etwas andere anleiten? Und und Und...

Und ja, Verhandlungsgeschick spielt auch eine gewisse Rolle, wurde schon oft erwähnt. Und dann will ein staatlicher "Kontrollor" (oder ein Gericht) entscheiden, ob die Leistung gleichwertig ist? Was für Arbeitskollegen schon oft nicht mehr nachvollziehbar ist?

Werner Becher
23.09.2009 17:40
Gleiche Arbeit?

In privaten Unternehmen verdienen auch Männer nicht alle das gleiche, obwohl sie grundsätzlich eine idente Job-Description haben = individuelles Verhandlungsgeschick ist unabhängig vom Geschlecht in einer Marktwirtschaft gefragt …
In der Praxis könnte man wohl beim Versuch bzw. Zwang eine absolute Gehaltstransparenz herzustellen, wohl nur alle Gehälter auf das Niveau des Höchstverdieners bzw. der Höchstverdienerin anheben, was die Lohnkosten stark in die Höhe treiben und den Standort Ö weiter unattraktiv machen würde. Alternativ dazu die Gehälter einfach auf den Mittelwert festsetzen und damit automatisch den Gehalt von 50% der Arbeitnehmer/Innen auf diesen Mittelwert reduzieren würde wohl in der Praxis nicht funktionieren ...

Konfuzius
23.09.2009 17:09
Ein weiter Grund für Lohndumping - die Frau darf nicht so schwer heben, der Mann darf nicht mehr verdienen.

Hundsgemein für die Arbeitnehmer - Betriebsratdenke, sonst nichts.

Hr. Betriebsrat wird einen Weg finden, alten Zustände als gerecht zu Vertägen zu machen - auf niederem Niveau.

Schließlich sind Hr. Betriebsrat in vielen Firmen die das zu schätzen wissen.

Dante Alighieri
23.09.2009 17:03

Zeit wirds! Müsste schon seit Jahren so sein.

Freigeistin1
23.09.2009 16:43

Jeder verhandelt sich normalerweise sein Gehalt selbst aus. Dafür ist man selbst zuständig. Aber die Eigenverantwortung wird in diesem Land sehr klein geschrieben - siehe auch Zwangsversicherungen ect.

Freigeistin1
23.09.2009 16:42

Dann müssen die Frauen halt bessere Gagen verhandeln. Der KV macht keinen Unterschied zw. Männlein und Weiblein.
Selbst Schuld liebe Damen!

GreyPaladin
23.09.2009 14:37

"Selbst wenn man strukturelle Unterschiede wie Ausbildung, Berufswahl oder Karenz herausrechnet"
Wie rechnet man das heraus? das würd mich echt interessieren (so rein mathematisch mal vor allem)

Dante Alighieri
23.09.2009 17:03

Multivariate Regression -- ist nicht sooo unbekannt als statistische Methode ^^

GreyPaladin
24.09.2009 10:02

Jo.. wenn man Statistiker ist wahrscheinlich nicht ;).

Joshua Calvert
23.09.2009 16:34
nennt sich lohnzerlegung

und ist eine standard methode der empirischen sozialforschung.

zB in http://econpapers.repec.org/paper/jku... 7_5f12.htm erklärt.

Werner Becher
23.09.2009 17:47
Bürokratie

Da werden die österr. Betriebe (ab 25 Mitarbeiter !!!) sicher eine große Freude haben, wenn sie sich jetzt auch noch mit empirischer Sozialforschung der Beschönigung einer Statistik wegen zusätzlich beschäftigen dürfen, wo wir doch ohnehin so wenig Bürokratie in diesem Land haben ...

AIBundyFan
23.09.2009 13:18
heinisch-hosek

eine wirklich engagierte frau!

Werner Becher
23.09.2009 17:49
kleiner Scherz oder?

... und der Gesundheitsminister Stöger ist wohl ein Reformer ...

pereswon
23.09.2009 12:08
Mal ne Frage...

Warum werden eigentlich nur Unternehmen mit mehr als 25 MitarbeiterInnen zur Transparenz verpflichtet? Tendetiell ist es doch so, dass gerade große Unternehmen oft fixe Gehaltsschemata haben, wo gleiches Geld für gleiche Arbeit gewährleistet wird. Ich vermute mal, die wirklichen Schweinereien bezüglich einkommensmäßiger Ungleichbehandlung passieren in Klein- und Mittelbetrieben.

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