Ein Künstlerinnen-Kollektiv erfüllt in Oberösterreich Kunstwünsche: Der umstrittene "Busenbrunnen" erstrahlt nun im neuen Glanz
Wenn aus den Brüsten einer steinernen Frauenbüste Wasser spritzt, da können die Wogen in einer kleinen österreichischen Stadt schon einmal höher schlagen. So geschehen in Leonding bei Linz, wo der sogenannte "Busenbrunnen" seit 2007 das Stadtbild ziert.
Symbol der nährenden Frau
Auf die Idee, einen "Busenbrunnen" am Stadtplatz zu errichten, kam die SPÖ - in Annäherung und Andenken an die italienische Partnerstadt Traviso, wo bereits seit 1559 ein solcher Brunnen steht. Der eigenwillige Wasserspender nach dem antiken Symbol der nährenden Frau diente dort nach einer überstandenen Trockenperiode als öffentliche Trinkwasserversorgung - und zu speziellen Anlässen auch als Quelle roten und weißen Weins.
Teile der ÖVP kritisierten die nackte Frauenbüste als unpassend und zu teuer, für manch' Frauenaktivistin erschien die Büste frauenfeindlich. Bei so viel Unmut kam die Aktion der "Kunstwunschzetteldienstelle" gerade recht.
Das Kollektiv bestehend aus den drei lokalen Künstlerinnen Margit Greinöcker, Verena Schweiger und Betty Wimmer gibt der Bevölkerung der Kleinstadt im Rahmen des Kunstfestivals leonart die Gelegenheit, ihre Kunstwünsche anonym zu äußern. Ein Einsender wünschte sich eine "Verschönerung" der Büste - ein willkommener Auftrag für die Teilzeit-Kunstfeen.
Tapp- und Tastkino als Pate
Die Umsetzung des Wunsches obliegt dabei dem Kollektiv, wie Petra Wimmer von der Kunstwunschzetteldienststelle gegenüber dieStandard.at betont. Es wurde entschieden, der Büste einen Vorbau zu verpassen, der an das legendäre Tapp- und Tastkino von Valie Export erinnern soll. Während Export in ihrer Aktion den "Betrug des Voyeurismus" im Kino thematisierte und damit den Film als Projektionsraum männlicher Phantasien entlarvte, macht die Intervention die mächtige Schaulust im öffentlichen Raum sichtbar.
Der damalige SPÖ-Bürgermeister Herbert Sperl machte es sich jedenfalls zu einfach, als er seine Büste damit verteidigte, dass sie schon im Mittelalter als Teil des Stadtbildes akzeptiert worden sei. Prüderie ist hier nicht das Problem, viel mehr die Verdinglichung von Frauenkörpern im öffentlichen Raum. Was darunter zu verstehen ist, zeigte Sperl selbst bei der Einweihung des Brunnens 2007: Er ließ sich sein Weinglas aus dem wasserspendenden Busen füllen. Angesichts solcher Geschmacklosigkeiten war es den Künstlerinnen nur recht zu intervenieren: Die Verschönerung des "Busenbrunnens" bezeichnen sie als den schönsten Kunstwunsch, den sie bisher erfüllt haben. (freu, dieStandard.at, 28.9.2009)
Hintergrund:
Im Rahmen des leonart-Festivals erfüllt die "Kunstwunschzetteldienstelle" noch bis zum 11. Oktober Kunstwünsche der Leondinger Bevölkerung. Bereits 40 Wunschzettel sind in den lokal aufgestellten Briefkästen eingegangen. In der "Langen Nacht der Museen" am 3.10. gibt es eine Kunstwunschziehung, bei der Kunstwünsche live realisiert werden. Zur Finissage am 11.10. können sich die WünscherInnen die realsierten Kunstwerke im Atelier des Kollektivs abholen.
Links
kunstwunschzetteldienststelle.at
Kunstfestival Leonart