
Männerbanden in Großbritannien: Einem Bericht zufolge wollen Mädchen auch dazugehören, beispielsweise um sich sicherer zu fühlen oder ihren persönlichen Status zu verbessern.
Ein beunruhigender Trend macht sich in London breit: Immer mehr Mädchen wollen Mitglieder von gewalttätigen Gangs werden. Dafür sind sie bereit, Waffen oder Drogen zu transportieren und sexuell verfügbar zu sein, wie eine kürzlich vom britischen Innenministerium und Scotland Yard organisierte Konferenz berichtete. Die Zahl der Mädchen, die für Gangmitglieder Waffen transportieren, ist in diesem Jahr stark angestiegen und übertrifft schon jetzt die des letzten Jahres. "Junge Mädchen", stellte David Chinchen von Scotland Yard fest, "werden in die Randbereiche von männlicher Kriminalität hineingezogen. Wir sehen immer mehr Gewalttaten von jungen Frauen innerhalb der Gangs."
Anscheinend ist der Status, den die Mitgliedschaft in einer Straßengang verschafft, Anreiz genug, um selbst Vergewaltigungen zu akzeptieren. Denn zum Initiationsritus gehört, dass ein Mädchen mit einem Gangmitglied schlafen muss, um selbst dazugehören zu können - oft ist es Sex mit der ganzen Gruppe. Die Wohlfahrtsorganisation "In-volve", die sich um gefährdete Jugendliche kümmert, hat in den letzten Jahren immer mehr solcher Beispiele erlebt. Direktorin Teresa Pointing warnt: "Diese Mädchen haben keine Rechte innerhalb der Gangs, die primitiv operieren. Sie denken, dass sie von der Gang beschützt werden, wenn sie Sex mit einem Mitglied haben, aber dann passiert es, dass auch andere Jungs auf sie warten."
SozialarbeiterInnen sind erschüttert darüber, dass die Mädchen diese Praxis offenbar als normal akzeptieren und nicht von Vergewaltigung sprechen. Selbst wenn sie von sexueller Gewalt berichten, sind sie nicht bereit, Anzeige zu erstatten oder als Zeuginnen zur Verfügung zu stehen.
Zuständig für Waffentransport
Auch andere Dienste werden von ihnen verlangt: So werden Mädchen als Drogenkuriere eingesetzt oder, um Waffen für ältere Gangmitglieder zu transportieren. Es ist die perverse Konsequenz eines Gesetzes, das gerade gegen die Ausbreitung der Schusswaffenkultur gerichtet war. Der "Criminal Justice Act" aus dem Jahr 2003 sieht eine zwingende Mindeststrafe von fünf Jahren für unerlaubten Waffenbesitz vor - allerdings nur für Personen, die älter als 21 Jahre sind.
Daher ist es in den Gangs zunehmend üblich geworden, "Jugendabteilungen" einzurichten: Teenager wurden angeworben, um Schusswaffen für die Älteren zu tragen. Jetzt werden Mädchen rekrutiert, weil sie unverdächtiger wirken. Die Times berichtet, dass die Polizei Beweise habe, "dass Mädchen Schusswaffen direkt zu den Killern bringen und sich dann der Waffen entledigen, sobald jemand erschossen wurde." In einer Razzia seien 25 Frauen im Alter zwischen 14 und 39 Jahren verhaftet worden, denen Drogen- und Schusswaffenvergehen vorgeworfen wird, heißt es in dem Bericht.
"Diese Mädchen", sagt Pointing, "sind nicht mehr als Bürger zweiter Klasse innerhalb dieser Gangs, aber sie sehen das als normal an. Das ist der Punkt, der am beunruhigendsten ist."
Zu erklären ist dies wohl nur damit, dass die Alternative den jungen Frauen schlimmer erscheint: Lieber ganz unten in der Rangordnung einer gefürchteten Gang, als ein Niemand ohne Gruppenidentität zu sein. (Jochen Wittmann aus Londo/Der Standard, Printausgabe 28.10.2009)
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Das hat nix mit Steinzeit zu tun imho.
Es ist so das die vorherrschende Gruppe die Sicherheit bietet (der Staat) versagt.
Daher sucht man sich andere Gruppen zu den Bedingungen die diese Gruppe hat.
Die Sache mit der Sozialisierung ist eher was theoretisches bz. eigentlich immer ein Luxusprodukt, die ist eigentilch so gut wie immer nur sekundär hinter den Grundbedürfnissen wie Sicherheit und Nahrung.
Das sehe ich nicht so. Jeder Mensch hat Tendenzen andere/schwächere im allgemeinen zu beschützen bzw. zumindest in Ruhe zu lassen. Das ist hier aber kein beschützen oder nicht mal ignorieren, sondern eine pervertierte Form menschlicher Instinkte. Sozialisierung ist auch kein Luxusprodukt - ohne sozialen Zusammenhalt könnten/bzw. hätten können Menschen nicht bzw. kaum überleben - schon gar nicht in geographischen Zonen wie unseren.
Der Mensch ist viel mehr auf Kooperation als auf Wettkampf ausgelegt. Den Wettkampf initiieren die, die von anderen profitieren wollen und so ausbeuten können. Und das zeigt dieser Fall ganz schön- halt hier auf unterster Stufe.
"Der Mensch ist viel mehr auf Kooperation als auf Wettkampf ausgelegt." - Nein. Kooperation mit dem eigenen Stamm, Konkurrenz mit anderen Stämmen (sobald die Ressourcen knapp werden).
Wir sind darauf "programmiert", uns mit den Menschen gut zu stellen, von denen wir in Zukunft erwarten können, dass sie uns auch gutes tun. Durch die unnatürliche Zusammenballung in den Städten und den extremen Wohlstand, der Nahrung, Kleidung und Wohnraum für praktisch alle garantiert, wurde Konkurrenzverhalten viel weniger wichtig, Stämme wurden zu Nationen.
Im gegenständlichen Fall geht es um einen Handel auf einem Niveau, das zivilisierte Menschen erschreckt, aber sicher nicht außerhalb unserer Natur liegt. Sex gegen Schutz war immer aktuell.
Das ist die Meinung einer über lange Zeit männlich dominierten Wissenschaft, die auch lange Zeit allen Nichtweissen und "zivilisierten" Menschen praktisch Tierstatus zugewiesen haben.
Es gibt genug Gegenbeispiele - nicht nur im Wohlstand - dass Völker bzw. Menschengruppen ihre Ressourcen durchaus gerechter verteilen können und (gegenseitigen) Schutz nicht gegen Sex anbieten. Bieten Sie Kindern auch Schutz gegen Sex an oder ist da das beschützen kostenlos??
Aus meinem Beitrag geht klar hervor, dass ich diese Art von Handel eben nicht als "zivilisiert" betrachte. Ich weise aber darauf hin, dass es ihn immer gab - nur eben in der zivilisierten Welt schon stark zurückgedrängt.
Ja, Menschengruppen verteilen Ressourcen - untereinander. Kooperation innerhalb des Stammes, wie ich schrieb.
"Schutz gegen Sex" ist ein davon völlig unabhängiges Konzept. Sex (und Reproduktionskapazität) ist nunmal eines der wertvollsten Angebote, das eine Frau zu bieten hat - deshalb wird auch schon seit Ewigkeiten dafür bezahlt. In einer Welt, in der Gewalt regiert, stellt der Schutz durch "starke" Männer ebenfalls ein hohes Gut dar.
Dass Männer ihre Kinder beschützen ist aus Fortpflanzungssicht auch klar.
Fragen?
Sozialer Zusammenhalt bedeutet aber bitte nicht das dieser zusammenhalt "sozial", also möglichst gerecht für alle Gruppenmitglieder, ist.
Und das "Jeder Mensch" ist simpel und einfach mit der Realität abschmetterbar.
Der Wettkampf tritt dann auf sobald es Ressourcen gibt (welche auch immer) die begrenzt sind.
Da dürfte es heute aber keinen Wettkampf geben und der spielt sich ab, dass sich die Wände biegen.
Ich halte das alles für veraltete einer gewissen Art von männl. dominiertem wissenschaftl. Denken, dem die moderne Hirn- und Genforschung (vor allem der letzten Jahre) durchaus einiges entgegenstellt.
Ähm?
Warum dürfte es dann heute keinen wettbewerb geben?
Heute mehr den je. Wir haben heute Ressourcen um die gekämpft werden die es vor ein paar Jahr(zehnten) noch gar nicht mal gab.
Und es mag von mir aus gerne veraltet sein, aber schau dich um, die Menschen verhalten sich so.Und warum die Hirn und Genforschung da was anderes rausgefunden haben soll musst du mir noch erklären. Evtl. Die Geschichtsforschung in Form der matriachatsforschung (ein bisserl ein ungünstiger begriff imho, aber was solls).
So nebenbei, müsste man noch ironischerweise bemerken das es sowas wie Hirn und Genforschungslabore wohl nur gibt weil ein großer Teil der Menschheit dafür in Armut leben muss damit wir uns diese Leisten können. ;)
Es gibt doch immer noch knappe Ressourcen. Nur geht es nicht mehr ums Überleben, da haben Sie recht. Ruhm, Macht, Luxus, Schönheit - das ist immer noch knapp und im Allgemeinen sehr begehrt.
Wenn Sie mit der modernen Hirn- und Genforschung auf dem Laufenden sind, dan erhellen Sie uns doch bitte.
Soweit ich weiß, geht man davon aus, dass sich nur 40% der Männer fortgepflanzt haben, aber 80% der Frauen - Konkurrenz unter Männern war also immer schon bedeutend.
Auch auf dem neuesten Stand ist die Erkenntnis, dass gutes tun glücklich macht. Dies ist aber nur so zu erklären, dass es die Kooperation innerhalb des Stammes förderte und deshalb selektier wurde - Fremden zu helfen bringt keinen Vorteil.
Liegen Ihnen andere Erkenntnisse vor?
aus meinem eigenen leben und dem von freunden habe ich folgende erkenntnis:
wenn ich wildfremden menschen helfe, auch ohne irgendeinen vorteil daraus zu ziehen außer vielleicht einem erleichterten "danke", macht mich das glücklich. mitgefühl ist in jedem menschen angelegt. es bedeutet nicht, mit tränennassen augen seine hilfe im gießkannenprinzip zu verteilen. es bedeutet zu sehen, was in der situation getan werden muss, um den menschen langfristig zu helfen.
dennoch werde ich bei gefährlicher bedrohung meiner selbst oder meiner liebsten immer versuchen, den gegner kampfunfähig zu machen.
das eine widerspricht dem anderen nicht.
Das Wort "anständig" stößt mir da etwas auf, wobei ich Ihnen im Kern der Sache recht gebe: Mädchen aus behüteten Verhältnissen werden A) eher selten mit derartigen Leuten zusammen treffen b) keine Ambitionen haben, sich diesen Ritualen zu unterwerfen. Umgekehrt werden Burschen aus behüteten Verhältnissen wohl auch eher selten derartige Gangs "gründen"....denn es gibt anderes in ihrem Leben (SChule, Party, Sport, Pfadfinder-Treffen, Musikunterricht usw.).
Die hier im Artikel erwähnten jungen Leute, egal ob männlich oder weiblich, haben weder ein intaktes soziales Umfeld noch Perspektiven, was zu Übernahme vorgelebter Rollenbilder und zu Frust und Aggression führt. "Anständig" trifft es von der Wortwahl daher für mich nicht ganz.
die starke männer, die halt hin und wieder jemanden zusammenschlagen oder ihr selbst eine tauchen, sexuell anziehend....denn der verspricht potent zu sein.
solange sich diese frauen nicht von ihren urinstinkten aus dem früheren affenleben verabschieden wird sowas immer vorkommen.
Das hier geschilderte Problem ist in erster Linie ein soziales Problem. Eine perspektivenlose Jugend, egal ob männlich oder weiblich, die sich an die Rollenbilder klammert, die in ihren Kreisen akzeptiert und geachtet sind. Die Eltern leben es wahrscheinlich nicht anders vor.
Darauf zu schließen, dass das Reden über Sex daran Schuld ist, ist aus meiner Sicht sehr gewagt. Unsere Gesellschaft ist zweifelsohne eine sexualisierte Gesellschaft (Medien, Werbung usw.), und Kinder von heute reden darüber sicher mehr als Kinder vor 50-80 Jahren. Trotzdem spielen andere Fakten, großteils soziale, eine weit größere Rolle, wenn es darum geht, ob sich ein Mädchen einer solchen Gang anschließt und auf dieses ungleiche Machtverhältnis einsteigt.
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