Global Gender Gap Report

Österreich ist kein Paradies für Frauen

28. Oktober 2009, 18:43

Frau sein heißt hierzulande vor allem schlecht bezahlt sein – Platz 26 hält Österreich im EU-Vergleich. Die Frauenministerin findet das zum "Schämen"

Wien – Bei der Gleichstellung von Frauen sinkt Österreich immer tiefer: Während das Land laut aktuellem Global Gender Gap Report 2009 im Vorjahr noch den 29. Platz einnahm, sind wir heuer auf Platz 42 zurückgefallen. Besonders schlecht steht es hierzulande um die "wirtschaftliche Teilnahme" der Frauen (Platz 103) – was an der ungleichen Entlohnung männlicher und weiblicher Arbeitnehmern liegt. In dieser Kategorie ist Österreich mit dem 26. Platz unter den Schlusslichtern der 27 EU-Staaten.

Zu den Kriterien der Studie: Bewertet wird jeweils der Grad der Gleich- bzw. Ungleichstellung der Geschlechter auf einer Skala von null bis hundert Prozent. Herangezogen werden dafür vier Bereiche: eben die wirtschaftliche Partizipation und Chancengleichheit, das Bildungsniveau, die politische Teilhabe sowie die Gesundheit und Lebenserwartung.

Das schlechte Abschneiden bei der Bildung (Platz 78) ergibt sich durch den sinkenden Anteil von Schülerinnen in den Sekundarstufen. Mädchen ergreifen offenbar nach wie vor frauentypische Berufe und landen damit in schlechter bezahlten Branchen. Immerhin: Denn ersten Platz belegt Österreich bei Gesundheit und Lebenserwartung – was allerdings westlichem Standard entspricht.

Zum internationalen Vergleich: Island erreicht bei der Gleichstellung den ersten Platz (82,8 Prozent). Dahinter belegen Finnland, Norwegen und Schweden das Spitzenfeld. Von den 134 untersuchten Staaten schneidet der Jemen (46 Prozent) am schlechtesten ab. Völlige Gleichstellung gibt es laut Studie nirgendwo, die drei besten Länder haben die Kluft zwischen den Geschlechtern allerdings schon zu über 80 Prozent geschlossen.

Hierzulande sorgt das Ergebnis vor allem bei den Grünen für Empörung. Frauensprecherin Judith Schwendtner spricht von einer "Katastrophe" und verlangt eine verpflichtende Transparenz bei Frauen- und Männereinkommen sowie eine "beinharte Koppelung von Wirtschaftsförderungen an Frauenquoten". Und überhaupt, bräuchte es gleich ein ganzes Maßnahmenpaket, meint sie in Richtung Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ).

Die spielt den Ball weiter an den Koalitionspartner: Für die Novelle des Gleichbehandlungsgesetzes fehle nur noch die Unterschrift des Wirtschaftsministers, dann könne es "realistisch im ersten Quartal 2010" in Kraft treten. Herzstück des Papiers: die verpflichtende Einkommenstransparenz für Unternehmen mit über 25 MitarbeiterInnn. Für Heinisch-Hosek zeigt die Studie, dass es schnell zu Maßnahmen kommen müsse. Das Abschneiden Österreichs ist für sie "zum Schämen". (Karin Moser, Nina Weißensteiner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.10.2009)

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19 Postings
R.M. S.
00
30.10.2009, 08:51

Wir könnten locker in die top 10 kommen wenn wir einfach mehr Arbeitslose Männer produzieren und mehr Frauen in die Technik gehen würden.

Orakel1
00
29.10.2009, 18:42
Dafür aber, nach einer heute ebenfalls bekanntgewordenen Untersuchung,....

...nach der Schweiz am zweitbeliebesten bei Rentner und Pensionisten. Wenn das nicht wichtig ist.....

Schnapphahn
00
29.10.2009, 15:31
Österreich ist kein Paradies für Frauen?

Für Männer erst recht nicht.

Das Paradies auf Erden wird man wohl nirgends finden.

Homer Simpson II.
 
00
29.10.2009, 15:02
Albanien darf nicht Österreich werden!

Kaputt Nick
 
00
29.10.2009, 14:51
Waaas liegt zwischen Albanien und Oagadugu??!

Richtig:


Österleich.

Martin Schwarzbauer
 
02
29.10.2009, 14:35
Wie der Global Gender Gap Report erstellt wurde

Ich habe mich gestern ein bisschen mit dem Bericht auseinandergesetzt, insbesondere damit, welche Methoden angewandt und welche Kriterien ausgewählt wurden. (Quelle: der Bericht selbst)

Ergebnis hier: http://diestandard.at/?page=use... d=14410483
(Der Artikel, zu dem ich ursprünglich gepostet habe, ist leider schon wieder entfernt worden).

Little Willy
11
29.10.2009, 19:49
Vermutlich dieselben Ratemethoden wie die beim Rechnungshofbericht?

Martin Schwarzbauer
 
00
30.10.2009, 09:28
Wenn dem Link folgen zu mühsam ist, hier eine Zusammenfassung

Methodik:
- Wenn's M und W gleich schlecht geht, ist's auch gut.
- Egal, ob es gute Gründe dafür gibt oder nicht, Abzüge für ungleiche Ergebnisse.
- Sind Frauen hinten, gibt es Abzüge, sind sie vorne ist es egal.

Kriterien:
Wirtschaft:
1) Erwerbsquote
2) Entlohnung: Durchschnittseinkommen nach Geschlecht und Meinungsumfrage zu "gleicher Lohn für gleiche Arbeit"
3) Aufstieg: Frauenquote in Spitzenpositionen sowie unter Facharbeitern (Andrang egal)

Bildung: Mädchenanteil in allen Bildungssektoren, Alphabetisierungsquote Frauen vs. Männer

Politik: Frauenanteil in Ministerämtern und Parlament (Andrang egal), Dienstjahre Bundeskanzlerinnen in den letzen 50 J.

Gesundheit: Erwartete Lebensjahre in Gesundheit, Mädchenanteil bei Geburten

surgeon surgeon
00
29.10.2009, 11:52
Die Statistik ist sicher zum Vergessen

den diese Vergleiche sind mehr als Unpassend.
Leider kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Frauenpolitik in Österreich mit "Pfui Teufel liebe halbherzige Politiker" zu bewerten ist.

Pogled
010
29.10.2009, 10:14
Glaubwürdigkeit von Studien


Eine Studie, welche Uganda (dort versucht man gerade die Frauenbeschneidung endgültig abzuschaffen) in der Gleichbehandlung vor Österreich hat, wage ich durchaus anzuzweifeln.
(Weitere 'Exoten' vor Österreich: Sri Lanka, Mongolei, Mozambique, Kuba, Namibia, Botswana, Krigisien)

Ich glaub auch nicht so richtig, daß im Bildungsniveau z.B. in der Dominikanischen Republik Gleichstand herschen soll wogegen die Schweiz ein Entwicklungsland auf Rang 88 ist.

In Gambia, Kambodscha, auch in Mauretanien und sonst irgendwo ist auf dem Gesundheitsbereich Gleichstand erreicht, während sich Dänemark mit dem unehrenhaften Platz 102 begnügen muß.

Besonders bedaure ich Frauen in Kanada (67) welche gegenüber Kuba (18) politisch wenig zu sagen haben.

mika33
12
29.10.2009, 10:05
Ok, alle Frauen ab nach Botswana!

Und dort die Gleichberechtigung geniesen.

Diese Statistik ist einfach nur lächerlich ....

Christiane Amanpour
 
23
28.10.2009, 21:32
Die österreichischen Frauen sehen der Stellungnahme der Frau Bundesministerin zum Global Gender Gap-Ranking 2009 mit Freude entgegen

Wir sollten uns hier zusammentun und einen Fragenkatalog für die Frau BM entwerfen:
1. Warum besteht gerade in Öst. ein so großer Unterschied zwischen dem Frauen- und dem Männereinkommen?
2. Inwieweit unterscheidet sich die öst. Struktur des gender-gebundenen Arbeitsmarktes von der der skandinavischen Länder, die die ersten 4 Plätze einnehmen?
3. Welche Maßnahmen planen Sie, um die öst. Situation für die Frauen nachhaltig zu verbessern?
4. Welche dead line setzen Sie sich für diese Verbesserungen?
5. Welche öst. Institutionen und Interessensgruppen stehen dieser Verbesserung entgegen und warum?
6. Wie erklären Sie sich die Verschlechterung Österreichs von Platz 29 auf Platz 42 in nur einem Jahr?
Bitte weitermachen & Danke im voraus!

Mac Smith
03
30.10.2009, 11:53
1. Warum besteht gerade in Öst. ein so großer Unterschied zwischen dem Frauen- und dem Männereinkommen?

Die Antwort darauf ist nichts Neues und wird bei jedem "Einkommensscherenartikel" (gefühlt min. einmal pro Woche) von der einen Seite erklärt und von der anderen ignoriert.
- Teilzeitquote
- Bruttomittel über alle Branchen hinweg als Berechnungsgrundlage
- Berufswahl

Ich würde an dieser Stelle fragen:
a) Sind Frauen anderswo evtl. gezwungen, zwischen Vollzeitstelle und Arbeitslosigkeit zu wählen und haben nicht, wie in Ö., die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit, was natürlich die Statistik negativ beeinflußt?
b) Wählen in skandinavischen Ländern auch 73% der weibl. Lehrlinge bewußt einkommensschwache Berufe in Einzelhandel, Friseurbetrieb, Büro, etc.?

GreyPaladin
00
29.10.2009, 08:40

Das Problem an der Studie ist das sie so schwammig berechnet ist das sich da jeder Politiker mit leichtigkeit hinauswinden kann.

lanz1
 
00
29.10.2009, 04:58
es waer ratsam, dass sie einmal den ..

fleissigen arbeitenden frauen die gehaelter den maennern anpassen. und nicht nur in spitzenpositionen, wo dann die frauen auch auf ihre geschlechtskolleginnen pfeifen und nur daemlich um den brei reden. und nicht nur die ach so armen scheidungsopfer(seitensprung der frau ist erlaubt, wenn man nicht den ehelichen pflichten nachgeht--frage? wie kann der gestresste mann es denn heutzutage?)

Lectrice
03
29.10.2009, 10:55

Eheliche Pflichten - na danke, wenn mein Mann/Freund mit mir nur eheliche Pflicht erfüllen muss, dann - "prost-mahlzeit" - soll er sich jemand anderen suchen an der er seine Pflicht abarbeiten darf.

Mit solchen Einstellungen wundert sich noch jemand?

Kaputt Nick
 
00
29.10.2009, 14:54
Wie soll frau bei solchen Molchen noch was melchen??!

GreyPaladin
01
28.10.2009, 19:29

Nochmal dieselbe Frage:
Warum hat man die Frauenministerin nicht gefragt was sie dazu sagt?

Hafniumcarbid
317
28.10.2009, 19:24
"Bewertet wird jeweils der Grad der Gleich- bzw. Ungleichstellung der Geschlechter auf einer Skala von null bis hundert Prozent"

Und das ist mal schon der erste große Irrtum: Wenn Männer nämlich den Frauen in einem gewissen Bereich schlechtergestellt sind, wird das ebenfalls mit 100% gewertet, also "Gleichberechtigung". Überhaupt ist die ganze Studie durch ihre Kriterien und Berechnungsmethoden (es ist einem Land nicht mal theoretisch möglich, einen "Gleichstellungsindex" von 100% zu erreichen!) nicht gerade zur seriösen Argumentation geeignet.

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