"Ein reiner Frauenraum erzeugt extreme Aggressivität"

3. November 2009, 07:00
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    foto: apa / hans klaus techt

    Für die Besetzerinnen ist klar, "dass nicht wenige Frauen an den Protesten gar nicht mehr teilnehmen würden, wenn es so etwas wie den besetzten Frauenraum nicht gäbe".

Die BesetzerInnen des Audimax verfügen fraglos über politisches Bewusstsein - ein sexismusfreier Raum musste dennoch von einigen Studentinnen selbst geschaffen werden

Der Weg in Richtung Audi Max an der Universität Wien letzte Woche bot - zumindest zu diesem Zeitpunkt - ein seltsames Bild. In den Räumlichkeiten gegenüber des Audimax, in denen provisorische "Verpflegungskammern" eingerichtet wurden, saßen drei Frauen und ein junger Mann um einen Tisch. Gemüse wurde geschnipselt und sonstige Nahrungsmittel verarbeitet. Einige Meter weiter im Audimax, dem Zentrum der studentischen Proteste der letzten Wochen, fand gerade ein Plenum statt. Auf der Bühne des großen Saals befand sich gerade ein Vierer-Trupp in dem die Geschlechterverhältnisse genau umgekehrt waren: Drei Burschen und eine Frau.

Ob diese Form der "Arbeitsteilung" sich über die gesamte Zeit der Proteste erstreckt, sei dahingestellt. Fakt ist, dass auf der Universität nicht nur bei dem mageren Professorinnen-Anteil und anderen prestigeträchtigen Positionen alles andere als Geschlechteregalität herrscht, sondern dass auch unter den Studierenden Sexismus evident ist. Im Rahmen der andauernden Studierenden-Proteste haben sich nun einige Frauen zusammengetan, damit die bei den Protesten vorgekommenen sexistischen Übergriffe nicht unter den Teppich gekehrt werden. Die an den Protesten beteiligten Frauen informierten über E-Mail und Flugzettel konkret über zahlreiche Beispiele: "Sexistische Wortmeldungen am Mikrophon während und nach dem Plenum", "Sexisten auf der Bühne, bei Reden, als Musiker...", "Vortragende sind fast ausschließlich männlich" oder "sexuelle Übergriffe im Schlafsaal".

Nur eine Regel

Um jenen Frauen einen Raum zu bieten, die sich unter solchen Umständen nicht über Stunden oder gar über Nacht im Audimax aufhalten wollen, wird seit letztem Dienstag 14:30 Uhr ein Raum besetzt, der als Frauenraum fungiert. Dass der Raum ausschließlich Frauen und Transgenderpersonen vorbehalten ist, soll allerdings die einzige Regel bleiben, so die Besetzerinnen gegenüber dieStandard.at. Dennoch: "Es gibt extreme Aggressivität, wenn es um einen reinen Frauenraum geht", so die Studentinnen, die von ungebetenen BesucherInnen erzählten, die nur vorbeikamen, um ihren Zorn gegen diesen Frauenraum kundzutun. "Es ist unfassbar, welchem Rechtfertigungsdruck man sofort ausgesetzt ist", und das, obwohl sich diese Aktion schlicht aus der Tatsache ergab, dass sich in der Nacht auf Dienstag Besetzerinnen im Audimax nicht mehr sicher fühlten.

Für die Besetzerinnen ist klar, "dass nicht wenige Frauen an den Protesten gar nicht mehr teilnehmen würden, wenn es so etwas wie den besetzten Frauenraum nicht gäbe". Dass Sexismus auch unter den Protestierenden, die sich doch größtenteils als Studierende mit ausgeprägtem politischen Bewusstsein verstehen dürften, ein großes Thema ist, wundert eine Studentin nicht: "Auch BesetzerInnen leben nicht außerhalb der Gesellschaft." Ihre Kolleginnen nicken zustimmend. Konsens herrscht unter den Besetzerinnen auch über die Frage der Verantwortung. "Es nervt, dass nur wir Frauen für diese Problematik zuständig sein sollen. Frauen wird erzählt, sie könnten doch das Wort bei einem Plenum ergreifen, oder wir hören dauernd 'macht doch einen Workshop'. Wir müssen gar nichts! Wir sind doch keine Missionarinnen oder sind verpflichtet, Männer aufzuzeigen, was sie falsch machen. Vielmehr sollten Männer mal anfangen zu überlegen, wie viel Platz und vor allem in welcher Weise sie diesen Platz einnehmen."

Auch gute Nachrichten

Aber es gibt auch gute Nachrichten. Während des Gespräches mit den Besetzerinnen kamen einige Frauen dazu, die im Audimax Diskussionen über diese Problematiken verfolgten. "Sehr gute Wortmeldungen und auch viel Unterstützung von Männern" hätte es gegeben. Auch die Unterstützung von vielen Lehrenden sei großartig, so die Studentinnen. Unterstützungsbekundungen für die Studentinnen gab es auch bereits von Seiten des Instituts für Internationale Entwicklung und vom Referat für Gender Forschung. (beaha, dieStandard.at, 2.11.2009)

Info
Der besetzte Raum für Frauen und Transgenderpersonen befindet sich im Hauptgebäude der Universität Wien, genauers dazu beim Info-Point.

Zum Thema:

Uni-Proteste auf derStandard.at/Bildung

Link:

Wiki - Lesben_Inter Trans_AG

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 79
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Battosai
02
5.11.2009, 20:05
Versteh die aufregung nicht....

bei den ganzen Postern da unten...
Warum sollte es keinen Frauenraum geben?!
Das heißt ja nur, dass es für Frauen einen Rückzugsraum gibt, zum schlafen, umziehn, wickel, stillen... kein anbaggern, flirten, anmachen ...ect. ect.

Das heißt ja nicht, dass es nicht auch nen Männerraum geben kann... müssen die männer halt nur wollen:)

Ich finde das gehört zur Privatsache.
Niemand hat das Recht, dass zu verbieten.
(Wenn ne gruppe unter sich bleiben will, dränge ich mich auch nicht einfach rein)

Und ja, wenn es Übergriffe gab, dann gehören diese angezeigt.

ivoryhunters
00
4.12.2009, 10:45
stimmt

immer diese geilen männer, die eine frau nur als sexualobjekt sehen.
rennen den ganzen tag mit einem St.... durch die gegend und wollen nichts als bu.....

Martin Schwarzbauer
 
19
6.11.2009, 13:30
Das Problem ist das transportierte Männerbild

Sie implizieren es ja selbst: Frauen werden außerhalb des Frauenraums ständig angebaggert, angeflirtet und angemacht - von Männern, die sich eben überhaupt nicht daum kümmern, ob das erwünscht ist. Es geht sogar soweit, dass sich Frauen angeblich nicht mehr sicher fühlen können in einem gemeinsamen Schlafsaal. (Diese Darstellung ist falsch, Postings dazu kommen aber nicht durch.)

Der Frauenraum wurde offiziell als Reaktion darauf geschaffen, dass es zu sexuellen Übergriffen kam. Männer müssen also ferngehalten werden, Frauen müssen unter sich bleiben, damit sie sicher sind. Das ist die Logik derer, die gern einen Geschlechterkampf führen würden - zuerst muss ein Feind geschaffen und ein "Wir"-Gefühl erzeugt werden.

Das ist das Problem.

Battosai
31
6.11.2009, 20:15
naja...

ich würde es eher so ausdrücken:
Mache Frauen fühlen sich schneller belästigt (Blicke reichen, muß jetzt nicht sexuell gemeint sein) bzw. finden es unangenem zu nah/eng mit irgendwelchen Personen in einem Raum zu schlafen. Personen, die sie nicht kennen. Gerade in einem so großen Raum wie dem Audimax.
Sehe das eher als Instinkt an. Und andere fremde Frauen sind nun mal potientiell harmloser als fremde Männer.

Und TATSACHE ist, es kam zu Übergriffen.
also zu Bedrohungszenarien, auf die reagiert werden mußte.
Oder wäre es Ihnen lieber, die Frauen hätten eine Agressionsstrategie gewählt?!

Martin Schwarzbauer
 
15
7.11.2009, 01:49

Was die tatsächlichen Übergriffe betrifft... ich habe Grund zur Annahme, dass das nicht im Gemeinschafts-Schlafsaal passiert ist. Es wäre ja auch nicht plausibel, dass jemand damit durchkommt inmitten von potenziellen Zeugen und Hilfeleistenden. Dementsprechend ist der Übergriff (waren es denn überhaupt mehrere? Wer weiß wirklich was? Gab es Anzeigen?) kein wirklicher Grund für einen Frauenraum.

Die Frauen, die den Frauenraum besetzt haben, sind nicht bedroht. Sie haben aber einen guten Vorwand gefunden, um sich wieder einmal als durch Männer bedroht darzustellen und eine Kluft zwischen den Geschlechtern zu öffnen.

Ich weiß ja nicht, was Sie sich unter Aggressionsstrategie vorstellen, aber passiv-aggressiv ist der Frauenraum allemal.

Der Unkurze
03
6.11.2009, 10:31

wenn ein männerraum dann auch ok ist, warum nicht...

nur können sich viele hier (mich eingeschlossen) nicht vorstelllen, dass es dann nicht zu protesten kommen würde, würde man einen männerraum verlangen

Battosai
00
6.11.2009, 20:06
das müsste man ausprobieren..

... glaube aber nicht dass dasProbleme geben würde...

Kann ja auch nen Raum für Tierschützer... Kinder.. Haustiere.. ect. geben ^^

Dagmar Rehak
 
111
5.11.2009, 11:35

Die Vortragenden sind wahrscheinlich deshalb fast ausschließlich Männer, weil sich Frauen einfach nicht trauen. Wenn ich vor 50 Frauen und 50 Männern frage: "Wer kann schnell den Text da vortragen? Das Professor ist kurzfristig verhindert.", melden sich spontan vielleicht 20 Männer und 3 Frauen. Daran kann man nicht den Männern die Schuld geben.

Und ehrlich: Was für sexistische Übergriffe im Schlafsaal waren denn das?

Erich_1
111
5.11.2009, 10:05

Ich fasse zusammen:
1.: Kochen ist etwas Niederwertiges (Diskriminierung einer ganzen Berufsgruppe)

2.: Ein Momentanausschnitt über die ständig wechselnden Verhältnisse Mann/Frau in Gruppen ergab 3:1 bzw. 1:3. Was soll das denn für eine Aussage sein?
5min später kommt zufällig ein(e) Mann/Frau dazu weg und die ganze Botschaft ist beim Te_ufel.
Ich würd ja nichts sagen bei 400 Leuten, wo 300 Männer und 100 Frauen wären, aber bei 4???
An den Haaren herbeigezogene Bemessungsgrundlage.

3. "Vortragende sind fast ausschließlich männlich" ...mangelnde Initiative

4.Wir müssen gar nichts! ..., Männer aufzuzeigen, falsch machen
Genau, aufregen, selber nichts ändern wollen und jegliche Mitverantwortung an der Situation von sich weisen -lächerlich

Pygar
 
123
4.11.2009, 22:59

Die Aggressionen gegen jeden Frauenraum sind leider nichts neues und zeigen wie lange und mühsam der Weg noch ist, der vor uns allen liegt.

"Männerräume" gibt es genug und nur weil sie lange und traditionell etabliert sind, wird das als Normalität hingenommen.

Alles Gute diesen Frauen, denn es ist offensichtlich, dass auch dieser Frauenraum gut und notwendig ist.

Lethawae
11
11.11.2009, 01:22

OK, ich nehme dein wortloses "Gut, ich hab's versucht, keine Argumente, große Klappe, kommt vor" als solches hin.

Lethawae
11
6.11.2009, 14:58

Ich warte nach wie vor auf eine Aufzählung.
Nur Mut!

Lethawae
15
5.11.2009, 11:52

"Männerräume" gibt es genug"

Dann fällt es dir sicherlich auch leicht, eine ganze Hand voll zu nennen.
Los geht's!

xal belo
31
5.11.2009, 15:45

P*rnokino, B*rdell (abgesehen von den Angestellten)...

GreyPaladin
05
5.11.2009, 15:48

Wusste nicht das Frauen da nicht hineindürfen.

xal belo
00
5.11.2009, 17:29

Probieren Sie's mal aus.

verinus
34
5.11.2009, 10:44

frauenräume diskriminieren männer.

genau wie die meisten maßnahmen und forderungen des modernen feminismus.

deshalb gibts eine zunehmende gegenströmung gegen diese lügereien und den seximus mit umgekehrten vorzeichen

Pygar
 
82
5.11.2009, 23:17

Unsinn!

Ich, als Mann, habe mich noch niemals durch einen Frauenraum diskriminiert gefühlt. Feministinnen achten immer penibel darauf, dass keine Diskriminierung stattfindet!

Und selbst wenn es irgendwann, irgendwo eine Diskriminierung von Männern gäbe, wäre das auch kein Problem, bedenkt man die tausenden Jahre (!!) der Frauendiskriminierung.

3000 Jahre haben die Männer ihre Männerräume gehabt. Nun muss endlich Schluss sein damit!

Leopardette
11
11.11.2009, 17:54
ich persönlich

muss garantiert nicht feministin sein, um männer zu respektieren. das sind nämlich - im gegensatz zur landläufigen meinung mancher feministen und feministinnen - MENSCHEN und das reicht für respekt.

Name d. Red. bekannt
01
8.11.2009, 01:25

jössas

Martin Schwarzbauer
 
24
6.11.2009, 20:27
Satire?

Für den Fall, dass das ernst gemeint war:

1) "Ich als Mann" - nur weil Sie ein Mann sind, können Sie noch lange nicht für alle Männer sprechen. (Gleicher Denkfehler wie Feministinnen)
2) "habe mich noch nie diskriminiert gefühlt" - ob sie es als solches wahrnehmen oder nicht ist für die objektive Tatsachenfeststellung unerheblich
3) "wenn es Männerdiskriminierung gäbe" - gibt es schon (immer wieder genannte Beispiele), Ausweiten wird ständig diskutiert (z.B. Frauenquoten)
4) "ausgleichende Gerechtigkeit" - Unrecht kann vergangenes Unrecht nicht ausgleichen
5) "Männerräume" - niemand hier fordert Männerräume - damit ist schon längst Schluss. Diese werden nur zur Veranschaulichung der Unrechts "Frauenraum" herangezogen.

Alexander Hechter
29
5.11.2009, 10:33

welche Männer-Räume gibt es den noch? Selbst die Zigarrenclubs in englischen "Herrenhäuser" wurden teilweise per Gerichtsbeschluss für Frauen geöffnet. In kleineren Wellnesshotels kann ich zB bei der Sauna nur in eine gemischte gehen, auch wenn es für Frauen einen eigenen Bereich gibt fehlt ein adäquates gegenstück für Männer. Es gibt zahlreiche Frauenhäuser, von einem Männerhaus hab ich noch nie gehört. Burschenschaften werden als NAZI-Verein angesehen, zählt auch nicht. In Krankenhäuser gibt es Abteilungen die für männliche Besucher nicht bzw. sehr schwer zugänglich sind, auch hier gibt es nichts vergleichbares was durchs Geschlecht so geregelt wäre.... Emanzipation ist schon gut, leider sind viele Forderungen diskriminierend.

Pygar
 
51
5.11.2009, 23:23

Wie wär's mit handfesten Argumenten, statt diesem blödsinnigen Gejammere wegen nichts?

Papier ist geduldig. Das sieht man an den vielen Gesetzen, angeblich im Sinne der Gleichberechtigung. Was hat eine Frau davon, wenn sie sich in einen stockkonservativen, englischen Zigarrenclub klagt? Mobbing in der Freizeit? Nein, da geht es um's Prinzip!

Burschenschaften und andere Nazi-Vereine sind auch altbekannte Männerräume.

Letztens wollte ich mit meiner Partnerin in eine Hotelsauna gehen. Ging nicht, da die "aus Rücksichtnahme auf die islamische Religion" nur mehr nach Geschlechtern getrennt die Sauna betreiben. Und das in Skandinavien. Hätten wir es vorher gewusst, hätten wir das Hotel gemieden!

Der Unkurze
19
6.11.2009, 10:34

also einerseits sind sie FÜR geschlechtertrennung (frauenraum ist definitiv soetwas)
andererseits dagegen (sauna im hotel)

suchen sie sich eins aus, und stehn sie dann dafür ein, und wechseln sie nicht so beliebig den standpunkt :)

pfeffergurke
91
5.11.2009, 13:59
wozu brauchen sie denn ein männerhaus?

werden sie von ihrer frau etwa regelmässig verprügelt oder körperlich bedroht? was ich damit sagen will: frauenhäuser sind leider immer noch notwendig weil es immer noch mehr frauen gibt, die von ihren männern schlecht behandelt werden als umgekehrt (nicht das sich das umkehren sollte!). und darüber muss auch nicht diskutiert werden ... das ist nach wie vor trauriger alltag.

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