Brautschau an der frischen Landluft via ATV: Bei "Bauer sucht Frau" spielen weniger die Hormone verrückt als die Stelle zur Hofarbeitskraft vakant steht
"Isch a Landleben, da dorf ma koane große Ansprüch' stölln." Mit bodenständigen Wahrheiten wie diesen vermittelt ATV mit "Bauer sucht Frau" seit mittlerweile sechs Staffeln Eindrücke vom einsamen Bauerndasein - und das ganz unbemerkt vom TV-Auge. Letzten - den für ATV ZuschauerInnenrekord-trächtigen - Mittwoch hat es den "lebenslustigen Waldgeist Fritz", den "feschen Naturburschen Dietmar" oder den "einfühlsamen Bergbauern Manfred" erstmals erblickt, wie ein Kaninchen die Schlange. Schreckstarre, unfähig, den Zapp-Finger zu bewegen. Hypnotisiert.
Wenn Kameraleute einer Dokusoap auf Bilderfang gehen, dann gehört es sich, dabei ein Kaleidoskop markanter Seltsamkeiten festzuhalten. Das gelingt "Bauer sucht Frau" ohne Dauertreffer unter die Gürtellinie. Solide gecastet wurde obendrein: Die Bauern, die sich da nun via Fernsehen auf Brautschau begeben, sind gar "urige Typen". In Staffel sechs außerdem zum ersten Mal dabei: Eine Landfrau samt Pferdekohorte, die ihren Ritter sucht. Nicht nur ihres Geschlechts wegen fällt sie aus der Reihe: Der "hübsche Wildfang Verena" scheint nicht zu allererst einen Stallburschen zu suchen sondern tatsächlich einen Lebensartner, der männliche Suchtrupp dagegen eine Arbeitspartnerin.
Dass Frausein am Land früher hartes Arbeiten ohne viel Mitsprache bedeutete, keine Frage. Dass der Frauenschwund ebenda darauf zurückzuführen ist, dass viele Bauersleut' das weiterhin so beibehalten wollen, auch wenn die Frau mitnichten minder (aus)gebildet ist: Auch keine Frage. Da ist der Josef, der "Kärntner Schnapsbrenner", doch am ehrlichsten, wenn er - wie im Anreisser für die nächste Folge zu sehen - klipp und klar sagt: Eine, die nicht kräftig mit anpackt, wie sich's gehört, hat keinen Platz am Hof. Andere Bauern auf Brautschau schmieren da - verständlicher Weise - mehr Honig um die Mäuler natur- und tierbegeisterter Städterinnen, die sich in scheinbar ausreichender Anzahl bewerben, sodass sechs Staffeln "BsF" abgedreht werden konnten.
Der Vater vom Dietmar, dem "feschen Naturburschen", redet wiederum Tacheles: Die Zukünftige sollte sparsam sein. Sie sollte brav sein. Das Klima in Haus und Hof sollte ihr passen. Eine Übersetzung letzteren Anspruchs könnte wohl sein: (Schwieger)Vater und (Schwieger)-Mutter nicht zu oft entehren durch die eigene Meinung. Doch Sohnemann Dietmar ist jung, hat dichtes Haupthaar, große Augen und scheint körperlich gut in Form zu sein - welche Überraschungen hinter der Fassade lauern könnten, interessiert die dutzenden Bewerberinnen da wahrscheinlich (noch) nicht.
Ein als "Waldgeist" in seinen Eigenarten euphemisiert beschriebener Fritz
kann zwar weniger mit jugendlichem Adonis-Charme punkten. "Seine"
beiden Damen stehen trotzdem zu dem Forstwirten, bei dem im Gegensatz zu einem echten Bauern nicht so arg viel Mitarbeit auf sie wartet. Zwar lehnt der Fritz die anhängliche Wienerin
Ingrid "ein wenig mit Worten" ab, aber seine Augen sagen ihr, dass er sie will. Sie will ihn dafür belohnen und "sanft massieren". Der grobe Fritz versteht die Welt nicht mehr! Was geht in den Frauen vor? Mit der
Frage steht er nicht allein da.
Dass der kauzige Geist beide
Interessentinnen Heim schickt, liegt an einer weiteren Eigenart dieses
Mannes, der gerne in der dritten Person über sich spricht: Der Fritz
ist - im Gegensatz zu den zwei Frauen - eben wählerisch.
Für den "einfühlsamen Bergbauern" Manfred dagegen fällt die Wahl
leicht: Er will einfach ein "Allroundtalent" als Frau. Mehr braucht er
nicht. Im Sommer soll sie gut heuen, ansonsten bitte Milch, Käse,
Fleisch und überhaupt alles, was so am Hof anfällt, machen. Und Kinder
natürlich auch. Wie Moderation Kathrin Lampe treffend formulierte: Bei
Manfred wird viel gearbeitet und wenig geredet. Und wie in der Vorschau angedeutet: Dafür umso mehr gebetet. Amen. (Birgit Tombor/dieStandard.at, 9.11.2009)