
Wien - Die Entblößung einer Brust in der sakralen Malerei vom Mittelalter bis zum Biedermeier mag für manche BesucherInnen des Wiener Dommuseums überraschend sein. "Aber über Jahrhunderte war es das Selbstverständlichste auf der Welt, eine Stillende darzustellen", betonte Museumsdirektor Bernhard Böhler am Dienstag bei der Presseführung zur Ausstellung "Maria Lactans", die bis zum 27. Februar rund 70 Darstellungen der "Stillenden in der Kunst" versammelt.
Darstellungen
Diese Stillende ist nicht immer Maria. Bei Ernst Fuchs ist sie einfach eine "junge Frau", bei Pablo Picasso ist es die "Mutterschaft", die sich in der Innigkeit des Stillens ausdrückt, für die er sich interessiert. Und auch die christlichen Darstellungen lehnen sich, wie so viele christliche Motive, ursprünglich an weitaus ältere Urtypen an: Die ägyptische Göttin Isis, die den Horusknaben stillt, steht am Beginn der Ausstellung und am Beginn der Mutterbrust-Symbolik. Im Christentum wurde diese freilich anders interpretiert: "Die Brust ist als Zeichen des Erbarmens zu lesen", erklärte Kurator Franz Groiß. Häufig weist Maria als "Schutzmantel-Madonna" selbst auf ihre entblößte Brust, "mit der sie Christus gestillt hat - um den Groll Gottes von den Menschen abzuwenden".
"Gebärmutterkröten"
Der Akt des Stillens des Jesuskindes dagegen weist insbesondere auf die tiefe Menschlichkeit der Christus-Figur hin. Beliebt war das Motiv auch als Gnadenbild: Darstellungen in der Wiener Kapuzinerkirche oder in der Kirche von Purkersdorf dienten Frauen mit "weiblichen Anliegen" als Wallfahrtsziele. Sogenannte "Gebärmutterkröten" (u.a. aus Wachs geformte Krötenfiguren), die den Schmerz der Menstruation, aber auch Unfruchtbarkeit symbolisieren und am Wallfahrtsort geopfert wurden, zeugen davon. Neben der Kapuzinerkirche existiert in Wien - und in der Ausstellung - auch noch eine zweite Maria Lactans aus der Werkstatt von Lucas Cranach des Älteren.
KünstlerInnen mit klingenden Namen widmeten sich bis in das 19. Jahrhundert dem Motiv - nicht zuletzt etwa Ferdinand Georg Waldmüller. Und selbst die anonymen Stillenden in der Kunst des 20. Jahrhunderts entkommen dem ikonographischen Charakter nur schwerlich, auch wenn sie Picasso heißen. Darstellungen der Stillenden - ob Maria und Jesus oder einfach Mutter und Kind - wurden in den vergangenen Jahrzehnten letztlich auch von Verfechtern des Stillens durch die Mutter in der Kleinkindmedizin für ihre Anliegen bemüht. Die Sammlung des Wiener Kinderarztes und Kinderschutzbund-Gründers Hans Czermak war es auch, die Anregung für die Ausstellung gab. (APA)
"Maria Lactans - Die Stillende in der Kunst"
Von 11. November bis 27.
Februar
Dienstag bis Samstag 10 bis 17 Uhr
Dommuseum Wien
http://www.dommuseum.at
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