Niki Laudas Botschaft an alle Mütter, Männer zur Beteiligung an der Versorgung ihrer Kinder nicht zu zwingen, zeichnet sich durch machistoide Ignoranz aus - Dafür reichen wir Zitronen
Seit kurzem ist das berühmteste Käppi-Gesicht mit Babyrassel zu sehen. Auf einem Foto schwingt der seit September frisch gebackene Vater von Zwillingen das bunte Spielzeug lächelnd in seiner rechten Hand. Stolz, ein wenig verschmitzt und irgendwie ironisch. Ernst gemeint war diese Aufnahme wohl nicht. Denn wenn auch Niki Lauda noch im Juni in einem Interview gegenüber der Illustrierten "Bunte" davon überzeugt war, sich an allen Aufgaben wie Fläschchen geben und Windeln wechseln beteiligen zu wollen - "sicher auch mal nachts", wie er sagte - sieht das nach der Geburt seiner Kinder plötzlich ganz anders aus.
Laudas Botschaft an die Mütter...
"Das macht alles die Birgit", während er mit Händen in den Hosentaschen daneben stehe, beschreiben Freunde der Familie Lauda die familiäre Situation. Und auch Niki Lauda selbst nimmt sich kein Blatt vor den Mund, wenn es um seine Überzeugung geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung geht. In der ATV-Sendung "Hi Society" vom 10. November 2009 verkündete er in Pascha-Manier: "Die Birgit verlangt nichts von mir. Ich mache alles freiwillig. Das ist das Grundprinzip, das man allen Müttern ausrichten muss, die Männer nicht zu vergewaltigen, für die Kinder, mein' ich. Das passiert bei uns zu Hause nicht. Ich mache alles das, was ich gerne mache und damit ist alles in Ordnung".
Ob Laudas Ehefrau, Birgit Wetzinger, dies ebenso sieht? Wir wissen es nicht. Und es braucht uns auch nicht zu interessieren. Möglicherweise handelt es sich um eine Abmachung, mit der auch sie gut und zufrieden lebt. Darum geht es nicht. Das Wesentliche in Niki Laudas Aussage betrifft erstens seine unangemessene und geradezu lächerliche Diktion, den Terminus "vergewaltigen" in diesem Zusammenhang zu verwenden, und zweitens, dass er sich dazu berufen fühlt, "allen Müttern" seine überwuzelte Patriarchen-Weisheit auszurichten.
... und sein Vaterbild
Niki Lauda wird bald 61, seine Frau Birgit ist halb so alt wie er und damit genauso jung wie Laudas Sohn Lukas aus erster Ehe, also 30. "Körperlich bin ich fit, eine beginnende Altersenilität konnte ich auch noch nicht bei mir feststellen", meinte er im oben genannten "Bunte"-Interview. Er würde über eine Menge Erfahrung verfügen, denn "was nützt Kindern ein junger Hupfer als Vater, der keine Ahnung hat von Tuten und Blasen?".
Vielleicht nützt Kindern ein Vater, der sich um sie kümmert. Einer, der von Anfang an für sie sorgt und sich mit ihnen beschäftigt. Seine soziale Vaterschaft nicht erst dann antritt, wenn die Kinder groß sind und man(n) "etwas mit ihnen anfangen kann", wie viele Männer meinen. Vielleicht lässt sich eine gute Beziehung zu den Kindern dann nicht mehr so leicht herstellen, weil die Basis fehlt. Vielleicht ist es dann zu spät. Vielleicht sind die Väter, wie im Falle Niki Lauda, dann zu alt oder gar schon tot. (Dagmar Buchta/diestandard.at, 17.11.2009)