REZEPTFREIE PILLE DANACH

Hey, bist du gscheit?

19. November 2009, 18:41

Es reicht ein geplatztes Kondom oder: Allzeit beriet - Pro und Contra zur rezeptfreien Pille danach

Man muss nicht einmal vom schlimmsten aller anzunehmenden Fälle ausgehen, um das Vorhaben des Gesundheitsministers zu unterstützen, der die "Pille danach" neun Jahre nach ihrer Zulassung rezeptfrei stellen will. Es reicht ein geplatztes Kondom, dazu ein Partner, der längstens bis zur nächsten Woche einer ist, und Sex nach Ladenschluss, wenn der Arzt nur mehr im Spital erreichbar ist. Da beginnt es schon unangenehm zu werden.

Zumindest für jene, die sich überhaupt dessen bewusst sind, dass man auch nach einmaligem Geschlechtsverkehr plötzlich als Mutter und Vater dastehen kann. Dann also ins Spital, um auf das leidige Rezept zu warten oder in der Apotheke betteln, auf dass der Diensthabende auch den Notfall erkenne. Ja, das ist mühsam, peinlich - und vor allem unsicher. Denn, je mehr Zeit vergeht, desto weniger wirksam.

Die Argumente gegen die Freigabepläne richten sich in erster Linie gegen die hohe Hormondosis, die frau dabei schluckt. Und sie reichen bis zur Befürchtung, dass die "Pille danach" als alternatives Verhütungsmittel verwendet werden könnte. Bloß stechen diese Argumente einander aus: Ja, Übelkeit, Bauchschmerzen, starke Blutungen treten bei der Einnahme auf. Aber gerade deshalb wird nicht einmal die blauäugigste Jung-Liebende die "Pille danach" als Kondomersatz begreifen. Das Heimlager von Hormonbombern ist genau so absurd wie die Befürchtung, dann "allzeit bereit" sein zu müssen. Ganz im Gegenteil: Wer einmal im Nachhinein verhütet hat, wird vor dem nächsten ungeschützten Sex fragen: "Hey, bist du gscheit?" (Karin Moser, DER STANDARD/Printausgabe 20.11.2009)

Contra: Allzeit bereit!

Ein bisschen Kopfweh, ein bisschen Blut und weg ist sie, die mögliche Schwangerschaft. Ein Gang in die Apotheke innerhalb von 72 Stunden nach dem Ereignis wischt die Sache vom Tisch. Für den Notfall soll sie sein, die Pille danach. Wer sagt, was ein Notfall ist? Wohl selten gibt es in einem Fall ein derart buntes Spektrum an Notfällen. Vom falschen Mann in der falschen Nacht bis zur Vergewaltigung und zum geplatzten Kondom. Wann wirklich Not am Mann ist, bestimmt die Frau. Und sie muss ermächtigt sein, sich die nötige Hilfe zu verschaffen. Sich diese unter ärztlicher Begleitung zu verschaffen, ist möglich.

Aber geht es darum überhaupt in der Diskussion über die Rezeptbefreiung? Oder geht es darum, die sexuelle Verfügbarkeit der weiblichen Hälfte der Menschheit weiter auszudehnen? Ab jetzt gibt's keine Ausrede mehr für Sexverweigerinnen. Kein Kondom? Kein Problem! Wird die Anti-Baby-Pille von führenden Gynäkologen als Lifestyle-Produkt qualifiziert, gilt das für die Pille danach erst recht.

Sie ist das Pharma-Äquivalent zu Musikvideos, in denen anonymes Weibervolk alles, was es oben und unten rum hat, dem Superstar anbieten, zu einer pornografisierten Jugendkultur, in der die Mottos "Allzeit bereit" und "Verhütung ist Frauensache" zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen im (alten?) neuen Geschlechtervertrag gehört. Diesen zu diskutieren ist weitaus mühsamer, als sich eine pseudo-fortschrittliche Feder an den politischen Hut zu stecken. (Bettina Stimeder, DER STANDARD/Printausgabe 20.11.2009)

Little Willy
20
23.11.2009, 06:53
Verantwortungsvoller Umgang?

Noch nie die Abtreibungszahlen angesehen?

jackk 2
02
21.11.2009, 12:53
ad hoc - Gesetzgebung

dass die derzeitige "Lösung" nicht das Gelbe vom Ei ist, ist wohl klar. Bei der einen Apotheke gehts problemlos, bei der anderen Apotheke wenn der/die diensthabende ApothekerIn verständnisvoll ist, bei der wieder anderen Apotheke gar nicht. Was soll dass für eine Lösung sein?

Die Pille danach ist und bleibt jedoch die Entscheidung der betroffenen Frau und von sonst niemand anderen.

Es kann auch sein, dass man schon länger zusammen ist und gerade in diesem Fall erst bewusst wird, dass man für mehr -also gemeinsam Kinder- nicht bestimmt ist. Aber gut unsere Ewiggestrigen erster Partner = heiraten werden soetwas nie verstehen.

Freigeistin1
31
20.11.2009, 15:36

..."dazu ein Partner, der längstens bis zur nächsten Woche einer ist, ..."

Na toll.
Selbst schuld wenn man sich auf sowas einlässt.
Aber solange nicht die Forderung nach Gratis Verhütungsmittel (auf SV Kosten) kommt, solls mir recht sein.

Jane Lane
 
02
21.11.2009, 00:35
Trulla....

jetboy
00
20.11.2009, 19:02
Tempora mutantur

nos et mutamur in illis.

Gilt halt nicht fuer alle...

Anna Mohr
02
20.11.2009, 12:04
finnland

hab die pille danach mal in finnland genommen, nach ca dem beschrieben fall. dort gabs die ohne probleme in der apotheke, gratis.
hab auch keine nebenwirkungen gespürt, und würde trotzdem niemals solch eine hormondosis einwerfen, wenn es nicht ein notfall ist!
österreich ist wie immer jahrzehnte hinten.

Little Willy
30
23.11.2009, 06:56
"würde trotzdem niemals"

Und wo kommen die hohen Abtreibungszahlen her? Ist das Verhüten für Frauen wirklich so kompliziert?

xal belo
00
30.11.2009, 12:01

Da könnt ma aber auch anders fragen: Is des mitm Überzieherli wirklich so schwer?

Is ja net so, dass ma sich nur übers unerwünschte Kinderkriegen Gedanken machen sollt beim GV.

Little Willy
00
30.11.2009, 17:35
Das Kondom steht beim PI aber erst an der 10. Stelle

Alles vorher verhütet besser und ist von der Frau verwendbar.

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