
Traumberuf: Im Kindergarten Liebhartsgasse in Wien-Ottakring wird Michael Zajic nur "der Michi" genannt.
Wien - ",Mhm‘ macht der kleine Frosch im Teich, ,mhm‘ macht der kleine Frosch, und nicht immer nur quak, quak, quak" - das Lied vom Frosch, der nicht nur quakt, sondern zwischendurch die Zunge rausstreckt, ist der Hit in der Gruppe von Michael Zajic. "Noch mal" , rufen Meyra, Emma und David und "der Michi" , wie Zajic im Kindergarten in der Liebhartsgasse in Ottakring genannt wird, stimmt noch einmal das Zungenrausstrecklied mit den kichernden Zwei- und Dreijährigen an.
Jeden Montag und Mittwoch hat Zajic von sechs Uhr früh bis 14 Uhr Dienst in seiner Gruppe, die übrigen Tage der Woche drückt er die Schulbank in der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik (Bakip) in Floridsdorf. Der 38-Jährige lässt sich seit einem Jahr zum Elementarpädagogen ausbilden. "Change" ist ein fünfsemestriges Ausbildungsmodul, mit dem die Stadt Wien dem Personalmangel in den Gemeindekindergärten entgegenzuwirken versucht. Voraussetzung ist Matura oder eine Studienberechtigungsprüfung.
Wissbegierige Kleinkinder
Wechsel hat Zajic, der verheiratet ist und eine siebenjährige Tochter und einen vierjährigen Sohn hat, bereits mehrere hinter sich. Nach der AHS-Matura hat er die Modeschule in der Herbststraße absolviert, um im Anschluss ein Lehramtsstudium in den Fächern Theologie und Geschichte zu beginnen. "Doch beim ersten Unterrichtspraktikum in einem Gymnasium wurde mir rasch klar, dass ich zwar unbedingt pädagogisch arbeiten möchte, aber mit kleineren Kindern." Die Siebtklässler, die er damals unterrichtet hat, erzählt er, seien durch nichts zu motivieren gewesen. Die Kleinen hingegen seien noch wissbegierig und begeisterungsfähig. Nach den ersten Unterrichtserfahrungen hat Zajic auch auf der Uni umgesattelt und Geschichte mit Fächerkombination Pädagogik inskribiert.
Der Männeranteil liegt bei "Change" bei zwölf Prozent, insgesamt 42 Prozent haben Migrationshintergrund. Rund ein Fünftel hat ein abgeschlossenes Studium. "Im meinem Jahrgang gibt es eine Juristin, einen Maschinenbauer, eine akademische Malerin und eine Architektin" , schildert Zajic, der auch Studierendensprecher der Bakip 21 ist. Für viele, die sich für die Ausbildung entschieden haben, sei es schon immer der Traumberuf gewesen, mit Kindern zu arbeiten, erzählt Brigitte Cizek. Sie leitet die Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik der Stadt Wien im 21. Bezirk und hat den Lehrgang initiiert.
Einer der Gründe, warum viele seiner Berufskolleginnen nach einigen Jahren im Job unzufrieden und ausgebrannt sind, liegt Zajics Ansicht nach in der großen Diskrepanz zwischen pädagogischen Idealen und den tatsächlichen Rahmenbedingungen, wie die Anzahl der Kinder pro Gruppe oder die zu geringe Vorbereitungszeit. Die Bezahlung ist im Vergleich zu anderen pädagogischen Berufen ebenfalls gering. Zajic ist im zweiten Ausbildungsjahr bereits bei der MA 10 angestellt und verdient derzeit 1495 Euro brutto im Monat, das entspricht 80 Prozent des Gehaltes einer fertigen Pädagogin. "Dennoch" , betont der 38-Jährige, "liegt es nicht am Geld allein, auch wenn ein bisschen mehr natürlich schön wäre". Das Ansehen des Berufes müsste gehoben werden.
Demo und Forderungspapier
In Wien haben am Samstag 3000 Kindergartenpädagoginnen, Eltern und Kinder für bessere Arbeitsbedingungen, weniger Kinder pro Gruppe, bessere Bezahlung und gemeinsame Ausbildung für pädagogischen Berufe demonstriert. Im Dezember wird die Regierung ein Forderungspapier erhalten.
Dass "Change" bloß ein Schnellsiedekurs sei, wie KritikerInnen monieren, lässt Zajic nicht gelten. "Wir haben ja bereits Matura, für die Fachausbildung reichen zweieinhalb Jahre." Was ihn und die anderen "Change" -TeilnehmerInnen von den Schülerinnen unterscheidet, die bereits mit 14 Jahren die Ausbildung zur Kindergartenpädagogin beginnen? - "Die Lebenserfahrung." (Bettina Fernsebner-Kokert/DER STANDARD-Printausgabe, 23. November 2009)
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