Was bedeutet "strukturelle Gewalt" gegen Frauen in der gegenwärtigen Krise? Die Soziologin Christa Wichterich im Gespräch mit WIDE-Koordinatorin Claudia Thallmayer
Gewalt gegen Frauen hat viele Facetten - und steht in Zusammenhang
mit der strukturellen Diskriminierung von Frauen. Laut einer UN-Studie
erlebt mindestens jede dritte Frau im Lauf ihres Lebens Gewalt durch
ihren Partner. Weltweit "fehlen" mehrere Millionen Frauen, weil sie
frühzeitig sterben oder erst gar nicht auf die Welt kommen: aufgrund
selektiver Abtreibung weiblicher Föten (v.a. in Indien und China),
durch Gewalt, Vernachlässigung und Krankheit. Trotz vieler Fortschritte
in der rechtlichen Gleichstellung von Frauen werden Frauenrechte bis
heute - 30 Jahre nach Verabschiedung der UN-Frauenrechtskonvention
CEDAW - vielfach nicht eingelöst.
Die strukturelle Benachteiligung von Frauen spiegelt sich auch im
Zugang zu Ressourcen wider: 60 Prozent der extrem armen Menschen sind
weiblich, das sind 829 Millionen Mädchen und Frauen (ILO 2009). Den
vielfachen Krisen - Anstieg der Nahrungsmittel- und Energiepreise,
ökologische Folgen des Klimawandels, Finanz- und Wirtschaftskrise - ist
die Bevölkerung in Ländern des globalen Südens sehr ungeschützt
ausgesetzt. Die Zahl der unterernährten Menschen hat sich seit 2007
dramatisch erhöht und liegt heute bei über einer Milliarde Menschen
(FAO 2009).
Das entwicklungspolitische Frauennetzwerk WIDE hat bei der deutschen
Soziologin und Globalisierungsexpertin Christa Wichterich nachgefragt,
ob sich diese Formen von Gewalt heute noch unter dem Begriff
"strukturelle Gewalt" zusammenfassen lassen. Wichterich geht außerdem
auf die Folgen der aktuellen Wirtschaftskrise ein, die sie als
"Download von Kosten und Risiken" von den oberen Gesellschaftsschichten
auf die unteren versteht.
Die Fragen stellte Claudia Thallmayer.
Kamera: Stefan Hofele
Schnitt: Katja Schröckenstein
Info:
Das Videoprojekt "Klappe auf!" ist eine Aktion im Rahmen der "16 Tage gegen Gewalt an Frauen" 2009. Es wird getragen von den Autonomen Österreichischen Frauenhäusern, CARE Österreich, Frauensolidarität, LEFÖ - Beratung, Bildung und Begleitung für Migrantinnen, Miteinander Lernen - Birlikte Ögrenelim sowie WIDE - Netzwerk Women in Development Europe.
Der Vor- und Abspann wurde von Doris Mayer gestaltet.
Schnitt: Katja Schröckenstein
Das Projekt wurde mit finanzieller Unterstützung der MA 57- Frauenabteilung der Stadt Wien realisiert.
Link
WIDE - Netzwerk Women in Development Europe