Hilfe für ausländische "Haussklavinnen"

02. Dezember 2009 18:22
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    Foto: cremer

    Achtzehn Stunden täglich putzen, kochen und Kinder hüten: So sieht laut Berichten der Alltag moderner Haussklavinnen aus.

Über Hausangestellte, die wie Sklavinnen gehalten werden, wurde in der Wiener Uno-City diskutiert. Weltweit mehren sich Fälle derartiger Ausbeutung - auch durch Diplomaten

Wien - "Meist neigen wir dazu, jenen Menschen zu glauben, die in einer mächtigen Position sind", sagt Evelyn Probst vom Wiener Verein Lefö, der sich für Opfer von Frauenhandel einsetzt. Beim Versuch, ausländischen Hausangestellten zu helfen, die etwa in Diplomatenfamilien bis auf die Knochen ausgenützt werden, stelle sich diese Tendenz oft als Hinderungsgrund heraus.

"Die Ausbeutung findet hinter verschlossenen Türen statt. In einem Pariser Fall flog die Sache nur auf, weil eine Französin im Supermarkt merkte, dass es einer jungen Afrikanerin schlecht ging", schilderte Elisabeth Tichy-Fisslberger, Leiterin der innerministeriellen Task-Force gegen Menschenhandel in Österreich, bei einer Veranstaltung in der Wiener Uno-City. Eingeladen hatte die bei der Uno angesiedelte Global Initiative to Fight Human Traficing (UN.GIFT).

Das Thema wird bei den Vereinten Nationen zunehmend ernstgenommen - auch auf selbstkritische Art: Eine Fotoschau zum Thema wird nach Wien auch an den UN-Sitzen in Genf und New York zu sehen sein. Weltweit, so schätzt die International Labour Organisation (Ilo), vegetieren 12,3 Millionen Menschen in Zwangsarbeit, 2,4 Millionen Personen wurden Opfer von Menschenhandel, 80 Prozent davon Frauen und Mädchen als Prostituierte und Hausangestellte.

Besagte junge Afrikanerin in Paris - sie stammte wie ihr Brötchengeber aus dem westafrikanischen Land Elfenbeinküste - hatte täglich von sechs Uhr früh bis Mitternacht putzen, kochen und Kinder hüten müssen. Ihr Entgeld, das weit unter dem gesetzlichen Mindestlohn lag, hatte ihr Chef großteils einbehalten, ebenso ihren Pass: "Aus Sicherheitsgründen", wie er meinte. "Sie hat durchgehalten, weil sie weiter Geld nach Hause schicken wollte. Sie wollte Frankreich nicht verlassen." Chance auf eigenständigen legalen Aufenthalt hatte sie wegen des auch in Frankreich strengen Fremdenrechts nicht.

Beispiele solch "moderner Sklaverei" gebe es auch in Österreich - und auch im Botschafts- und Gesandtschaftsmilieu, sagte Tichy-Fisslberger. "In Einzelfällen konnte derartige Ausbeutung bewiesen werden", ergänzte Melitta Schuber aus dem Außenministerium.
Bei Lefö geht man von mehr als reinen Einzelfällen aus. Derzeit kümmere man sich um sechs vor Ausbeutung in Diplomatenhaushalten geflohene Hausangestellte. Die Frauen stammten aus Afrika und Asien, schilderte Probst. 

Schubert setzt bei dem bisherigen Tabuthema auf Aufklärung und Früherkennung. Etwa mittels eines Rundschreibens, das im Oktober 2009 aus dem Ministerium an alle diplomatischen Vertretungen und internationalen Organisationen in Österreich ging. Darin wird klargestellt, dass Hausangestellte mindestens 1000 Euro brutto monatlich verdienen müssen - "auch wenn ihnen schon 300 Euro viel erscheinen, weil der Durchschnittslohn in ihrem Heimatstaat bei einem Zehntel davon liegt" - und dass sie laut Hausangestelltengesetz maximal 238 Stunden monatlich arbeiten und wöchentlich einen Tag frei bekommen müssen. 

Diplomatische Immunität 

"Wir bestehen darauf, dass die Haushaltshilfe unbegleitet erscheint, um ihre Legitimationskarte abzuholen. So kann man ungestört mit ihr reden", erläuterte Schubert. Bei Schieflagenverdacht trete man mit dem Arbeitgeber in Verhandlung, der als Diplomat oft Immunität genießt.
Die Immunität kann Diplomaten laut internationalem Recht aberkannt werden, wenn diese gegen die Antifolterkonvention verstoßen haben: einen Weg, den man in Frankreich derzeit in einigen Fällen vor Gericht zu beschreiten versucht. (Irene Brickner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.12. 2009)

Pygar
 
03.12.2009 13:38

Da wäre die Regierung wieder gefragt zu handeln. Es wäre doch ganz einfach - für den Anfang.

Jede AusländerIn, die in das Land kommt und hier leben möchte, müsste verpflichtet werden sich, in ihrer eigenen Landessprache, ein Briefing anzuhören. So als eine Art Vorstellung des Landes und der Kultur. Und da müsste dann eben alles notwendige gesagt werden über Freiheit, Religionsfreiheit, Menschenrechte, Möglichkeiten des Schwangerschaftsabbruchs usw.

Dann haben das alle schon mal wenigstens gehört und hoffentlich auch verstanden.

andreas lamers
 
08.01.2010 13:47
was sie nicht zu wissen scheinen

ist die allgemeine problematik, diplomatisches personal wird weder untersucht noch kann es geprueft werden. und rein rechtlich gesehen sind die ja gar nicht im land, botschaftsland ist exterriorial. viel wichtiger ist aber das die menschen absichtlich unwissend gehalten werden und mit den artiklen angst gemacht werden. berichte ueber polizisten die menschen aufgrund der hautfarbe angreifen und toeten erzeugen kein vertrauen. die anderen sind die die illegal eingeschmuggelt werden. da ist dann nicht nur die abhaengigkeit (illegal hier) sondern auch die schulden und die drohung fuer die familie zu hause der grund. und auch wenn es vielen nicht passt, es sind mehr maenner betroffen als frauen. es ist ein politsches problem, nicht nur ein mens

Claudia Reichert
04.12.2009 09:57

Die Idee finde ich gut, aber abgesehen von den Kosten (wer wird die übernehmen?) sehe ich ein anderes Problem: Oft bestehen zwischen den "Haussklaven/ -sklavinnen" und den Arbeitgebern auch verwandtschaftliche Beziehungen. Und dann ist das Pflichtgefühl aufgrund dieser Blutsbindung oft so groß, dass es trotz des Wissens, dass das so nicht okay ist, kein Entkommen gibt - ein seelisches Gefängnis sozusagen.

Interessant wäre auch, welche Perspektiven die so genannten "Arbeitsklaven/-sklavinnen" dann haben, wenn es ihnen doch gelungen ist, sich aus dem Abhängigkeitsverhältnis zu befreien...

Pygar
 
04.12.2009 12:10

Das stimmt natürlich und oft ist es ein destruktiver Kreislauf.

Allerdings wäre es einen Versuch wert und vielleicht ist es ein guter Anfang diese »Gefängnisse« aufzulösen?

positivist1
 
03.12.2009 21:18
Die Idee ist gut

aber ist sie auch durchführbar?
1.Man müßte die Zahl der "Ins-Land-Kommenden" mit der Zeit, die für so ein Briefing benötigt würde (ich würde meinen unter 1 Stunde pro Person wäre das nicht sinnvoll, multiplizieren.

2.Dann hätte man einen Überblick darüber, welche räumlichen und personellen Voraussetzungen geschaffen werden müßten.

3.Die nächste Frage wäre, in wessen Zuständigkeitsbwereich fällt das - und dann kommt

4. die wichtigste Frage: wer soll das bezahlen.

Aber, ich fürchte, selbst wenn das alles geregelt würde, es fehlen die rechtliche Grundlagen.
Soetwas kann man höchstens auf freiwilliger Basis machen.
Die "Arbeitgeber" würden ihrem "Personal" aber sicher nicht erlauben, an so einem Briefing teilzunehmen.

Pygar
 
04.12.2009 01:28

Also wenn ich mir so ansehe wie viel Geld für die sogenannte Terrorbekämpfung, vermeintliche Sicherheit und um gegen sogenannte illegale Ausländer vorzugehen aufgewendet wird, muss für diese Briefings mehr als genug Geld vorhanden sein.

Statt Spitzel loszuschicken müssen einige Beamten eben auch mal für sinnvolle Tätigkeiten eingesetzt werden.

Man muss sich nicht mit jeder Person einzeln unterhalten, sondern kann da einen täglichen Termin für Gruppen machen.

Wer innerhalb einer gewissen Zeit nicht daran teilnimmt, erhält keine Aufenthaltsgenehmigung. Alle anderen bekommen eine.

Die gesetzliche Grundlage lässt sich schnell und einfach schaffen.

positivist1
 
05.12.2009 14:02
"Die gesetzliche Grundlage läßt schnell und einfach schaffen"

Leider nein.
Es ist in unserer jetzigen Zeit absolut unmöglich, daß Österreich ein Gesetz beschließt, durch das die Erteilung der Aufenthaltsgenehmigung nur der erhält, der an einem solchen Briefung teilgenommen hat.

AlBundyFan
 
03.12.2009 09:34
warum wird hier nicht von HaussklavInnen gesprochen

ich glaube nicht, daß diese thematik nur frauen betrifft - da sind bestimmt auch etliche männer darunter.

auf jeden fall gehören mMn menschen die anderen sowas zumuten für 10 jahre in den knast.....aber als diplomat darf man sich ja alles erlauben.

hab mal vor jahren einen film gesehen in dem eine frau von einem diplomaten vergewaltigt wurde - sie zeigte ihn an und er lächelte nur aus dem kameras entgegen weil ihm eh nix passieren konnte - er kam dann halt öfters zum vergewaltigen vorbei bei hr bis die frau ihn niedergestochen hat aus notwehr und dann wegen mordes verurteilt wurde.

aber bei diplomaten ist so ein verhalten halt möglich...die haben verbrecherische narrenfreiheit.

positivist1
 
03.12.2009 21:23
Und hier eine Erinnerung an Aktuelles

in Stichworten:

Gaddafis Sohn und seine Praxis im Umgang mit "Hausangestellten" in einem schweizer Hotel
und die Schweizer Geiseln in Lybbien.

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