Kinder zu bekommen ist rein biologisch gar keine simple Sache. Durchschnittlich zwölf Stunden pro Zyklus beträgt das Zeitfenster, in der eine Eizelle empfängnisbereit ist. Und wenn der Geschlechtsverkehr just in dieser Zeit passiert, dann werden Frauen schwanger und die befruchtete Eizelle nistet sich in der Gebärmutter ein.
Weil Spermien jedoch mehrere Tage im Körper einer Frau überleben, kann die Befruchtung auch nach dem Geschlechtsverkehr stattfinden. Und genau diese Art von Schwangerschaften kann die "Pille danach" verhindern. Der Wirkstoff Levonorgestrel ist in zwei Präparaten am österreichischen Markt erhältlich: Vikela (Vetrieb: Sanova ab 1. 1. 2010 bisher Gerot Pharma) und Postinor (Kwizda Pharma). Wenn Frauen diese Medikamente brauchen - etwa nach einem Kondomplatzer, einer vergessenen Anti-Babypille oder Sex ganz ohne Verhütung zu einem empfängnisbereiten Zeitpunkt - mussten sie Arzt oder Apotheker bisher diesen Notfall beweisen. Das Problem: Viele Notfälle fanden am Wochenende statt, die "Pille danach" sollte möglichst schnell und nicht später als zwei Tage nach dem Sex eingenommen werden.
Levonorgestrel verhindert durch das Gelbkörperhormon den Eisprung; Ovulationshemmung ist der Fachbegriff. "Es ist keine Hormonbombe, sondern entspricht dem Fünffachen der täglichen Gestagen-Dosis einer Anti-Baby-Pille", sagt Sylvia Groth vom Frauengesundheitszentrum Graz. Was passiert, wenn Levonorgestrel eingenommen wird, obwohl eine Schwangerschaft besteht? Nichts, haben Langzeitstudien ergeben, das synthetische Hormon ist seit 1966 am Markt und bestens erforscht, der Fötus wird nicht geschädigt, bestätigt auch die WHO.
Ab Jänner 2010 wird es ein neues, rezeptpflichtiges Präparat namens EllaOne (Vertrieb Sanova) auf dem Markt geben. Die "Pille für noch länger danach", basiert auf dem Wirkstoff Ulipristalacetat und kann auch noch fünf Tage nach einem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Allerdings ist derzeit nicht klar, ob EllaOne nicht auch eine abtreibende Wirkung hat, das können erst Langzeitstudien ergeben. Hätte sie das, wäre sie ähnlich dem Präparat Mifegyne (Wirkstoff: Mifepriston), einer Tablette, die die Einnistung einer befruchteten Eizelle in die Gebärmutter verhindert. Eine Rezeptfreistellung steht hier nicht zur Diskussion. (pok/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.12.2009)
Rasch aufeinanderfolgende Schwangerschaften sind ein hohes Gesundheitsrisiko - Die Ärztin Jutta Reisinger engagiert sich für Wissen über Familienplanung
Bayer-Präparat soll krampfartigen Regelschmerzen beikommen
Ovulations-Ring misst Körperinnentemperatur permanent und ermöglicht darüber präzise Vorhersage fruchtbarer Tage
Jenseits des "Kampfs um die Deutungshoheit über den weiblichen Körper" thematisiert die deutsche Forscherin Eva-Maria Silies die Pille als weibliche Generationserfahrung: Sie lässt Frauen darüber reden
Junge Mutter zeigt sich als Aushängeschild einer Kampagne geläutert: "Glaubt mir, das wäre nicht schön!"
Elf Studien zeigen, dass ein leichter Zugang zur "Pille danach" nicht zu ungeschütztem Sex verleitet
Für "jedes einzelne" Problem des Planeten mitverantwortlich: Primatenforscherin für Sexualerziehung und Unterstützung bei Familienplanung
Poleiminze galt bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts als königliches Heilmittel
GynäkologInnen kritisieren mangelndes Wissen bei Jungen - Ungewollte Schwangerschaften sollen über praxisnahe Aufklärung bekämpft werden
Überbevölkerung als Konsequenz fehlenden Zugangs zur Verhütung: MedizinerInnen fordern Einbindung des Themas in Klima-Diskussionen
Chinesische ForscherInnen halten Entwicklung in fünf Jahren für marktreif: Keine Nebenwirkungen bislang
Eine kleine Gruppe von Frauen nimmt durch Gebrauch einer Dreimonatsspritze zu - Dieser Gruppe droht exzessive Gewichtszunahme
WHO-Studie testet die nächsten Jahre Zuverlässigkeit - Auf den Markt wird Hormonpräparat frühestens 2012 kommen
Verhütung soll nicht länger Frauensache bleiben - Immer mehr Männer möchten Mitverantwortung übernehmen - Doch noch ist die einzig sichere Alternative zur Pille die männliche Sterilisation
Schmied hat Schulen vor HLI-Aufklärung zum Thema Sexualität gewarnt - Nun herrscht Aufregung bei den KatholikInnen
Weder beim Geschlechtsverkehr noch beim Sport darf die Spirale spürbar sein - Einzig das Rückholfädchen kann zu lang sein
Zukünftige Verhütungsmethoden für den Mann werden eine gesellschaftspolitische Debatte auslösen, ist sich Gynmed-Leiter Fiala sicher - und das Vertrauen der Frauen auf die Probe stellen
Die Entwicklung des Intrauterinpessars - Eine Spurensuche des Museums für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch
Sexualberaterin Bettina Weidinger im dieStandard.at- Interview über das Verhütungsverhalten junger Frauen und "alte feministische Argumente"
Das Verhüten von Schwangerschaften war bis 1900 verboten, dennoch existierten damals viele skurrile und schädliche Methoden
Deutsche Ärztin empfahl vor hundert Jahren Pessare als Verhütungsmittel
Im Fall einer Zulassung für den europäischen Markt: Würden Sie zur Monatsblutung unterdrückenden Pille greifen?
Das Wiener Museum für Verhütung und Schwangerschafts- Abbruch stellt den Kampf um die Kontrolle der Fruchtbarkeit dar
Es gibt viel Aufklärungsbedarf zur "Pille danach", sagen ExpertInnen und fordern deren rezeptfreie Abgabe - dieStandard.at recherchierte zum Stand der Dinge
Auf den Spuren der geschichtlichen Empfängnisverhütung - Präservative gegen Geschlechtskrankheiten
Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.