
Spermien auf dem Weg zu einer Eizelle. Die Pille danach soll verhindern, dass diese Situation im Körper einer Frau entsteht. Sie zögert den Eisprung hinaus, mit Abtreibung hat das nichts zu tun.
Es gibt ApothekerInnen, die machen in solchen Fällen gerne vom Notfallsparagrafen Gebrauch. Es gibt aber auch ApothekerInnen, bei denen geht ohne ein Rezept vom Arzt/von der Ärztin gar nichts. Es gibt ÄrztInnen, die setzen ihren Stempel bereitwillig unter die Verschreibung für Medikamente mit dem Namen Vikela oder Postinor. Es gibt aber auch ÄrztInnen, die verlangen zuvor einen Schwangerschaftstest oder finden während ihres Nachtdienstes erst nach langem Warten Zeit für die Patientin in Not. Und schließlich gibt es Frauen, die treten nach einer Verhütungspanne den Weg zum Arzt/zur Ärztin oder in die Apotheke an, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Es gibt aber auch Frauen, für die ist ein solches - oft nächtliches - Procedere eine Hemmschwelle, die sie nicht gerne überschreiten und mit dem Argument "wir haben ja eh nur einmal ungeschützten Sex gehabt" beiseiteschieben. Und es gibt Frauen, die suchen den Arzt/die Ärztin oder ApothekerIn auf und erhalten die "Pille danach" trotzdem zu spät. Die landen dann bei Christian Fiala vom Ambulatorium Gynmed, um einen Schwangerschaftsabbruch durchführen zu lassen.
Frauengesundheitszentren fordern seit Jahren, dass die "Pille danach" rezeptfrei wird. "Der Wirkstoff Levonorgestrel verhindert Schwangerschaften, und zwar vor einer Verschmelzung von Ei- und Samenzelle" , sagt Sylvia Groth vom Frauengesundheitszentrum in Graz und weiß, dass die meisten Menschen die "Pille danach" und die Abtreibungspille durcheinanderbringen. Sie hat viel Erfahrung mit Frauen, denen die "Pille danach" von ÄrztInnen oder ApothekerInnen einfach verweigert wurde. Besonders auf dem Land hätten es Frauen in Notsituationen oft schwer, ApothekerInnen und ÄrztInnen mitten in der Nacht zu überzeugen, viele trauten sich auch nicht, danach zu fragen.
Kein Schlusslicht mehr
Doch die Zukunft wird bald anders aussehen: War Österreich neben Irland, Italien und Deutschland bislang eines der vier Länder Westeuropas, in denen die "Pille danach" noch rezeptpflichtig ist, will Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) das so schnell wie möglich ändern. Notfalls auch im Alleingang.
Einen ersten Vorstoß hatte Stöger bereits Anfang November gemacht. Er warte auf Anträge der Firmen zur Rezeptfreistellung, der "Pille danach" , ließ er verlautbaren. Der Standard fragte nach und erfuhr: "Die Firma Kwizda lehnt aus moralischen und ethischen Gründen eine Rezeptfreistellung der Pille danach ab. Es ist weder ein Antrag auf Rezeptfreistellung gestellt worden, noch ist geplant, einen derartigen zu stellen", schrieb der Geschäftsführer und lehnte eine Präzisierung dieser Aussage ab. Auskunftsfreudiger war man bei Sanova Pharma, jener Firma, die ab 1. 1. 2010 den Vertrieb von Vikela übernehmen wird. "Wir glauben nicht, dass wir als Unternehmen bei der Rezeptfreistellung der Pille danach eine Schlüsselrolle einnehmen sollten" , sagt Sanova-Geschäftsführer Wolfgang Wacek und wünscht sich einen breiten gesellschaftlichen Konsens, in den alle Verantwortlichen miteingebunden sind.
Kraft seines Amtes braucht Stöger die Anträge der Firmen aber gar nicht. "Wenn sie das nicht tun wollen, nicht dürfen oder ihre Eigentümer etwas anderes meinen, dann finde ich einen anderen Weg" , erklärt der Minister im Standard-Gespräch. Er müsse noch prüfen, wie die rechtliche Vorgangsweise aussehen könnte, ist sich aber sicher: "Ich finde einen Weg, der schnell geht. Wenn ich den Verordnungsentwurf schon hätte, hätte ich ihn schon unterschrieben. Das ist eine reine Abwicklungssache."
Wirkstofffreigabe
De facto bleibt dem Minister die Möglichkeit, den Wirkstoff - in diesem Fall Levonorgestrel - freizustellen. Die Abgrenzung ist hier juristisch etwas schwieriger. Der Weg führt über die Rezeptpflichtkommission im Gesundheitsressort, der zwei positive Gutachten zur Freigabe der "Pille danach" vorliegen. Das nächste Mal tagt sie am 18. Dezember. Zu diesem Zeitpunkt könnte die Kommission also eine Empfehlung abgeben.
Letztlich ist aber auch die Rezeptpflichtkommission nur ein beratendes Gremium, entscheiden muss der Gesundheitsminister selbst. Und es ist ein offenes Geheimnis, dass Stögers Vorgängerin aus der ÖVP gegen eine Rezeptfreistellung waren, am Donnerstag war von den Schwarzen niemand für eine Stellungnahme zu dem roten Vorstoß erreichbar. Stöger sagt hingegen deutlich: "Wir wollen dieses Notfallmedikament zur Verfügung stellen. Wir wollen die Frauen unterstützen." Der Oberste Sanitätsrat gebe schon seit Jahren grünes Licht: "Das ist der Grund, warum wir das generell machen."
Gegenwind ist für den Minister vorprogrammiert. Vonseiten der Kirche, die auf einer Website gegen die Rezeptfreigabe mobilisiert und die "Pille danach" als "Abtreibungspille" anprangert. Und auch vonseiten mancher ÄrztInnen. Deren Präsident, Walter Dorner, bleibt dabei: "Die Pille danach ist kein Hustenzuckerl, wer sie haben will, muss beraten werden und gehört zum Arzt." Stöger sieht sich durch Umfragen bestätigt, wonach 78,2 Prozent von 1000 Befragten seine Initiative für einen mutigen Vorstoß halten und mehr als 80 Prozent davon ausgehen, dass es mit der rezeptfreien "Pille danach" weniger Abtreibungen geben wird. (Karin Moser und Karin Pollack/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.12.2009)
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In der Pille danach (sind eigentlich zwei Tabletten, die man innerhalb von 24 Stunden einnimmt) sind pro Tablette 750 µg Gestagen enthalten. Die "normale" Pille enthält etwa 75 µg Gestagene und 15 µg Östrogene.
Einmal die Pille danach einzunehmen bedeutet also in etwa die 20fache Hormondosis der Pille, sowas sollte meiner Meinung nach nicht rezeptfrei sein!
Vor allem, wenn ich immer wieder von Kollegen höre, zu denen Kundinnen kommen, die regelmäßig mit der Pille danach "verhüten".
1. Angaben über die Höhe der Dosis sind komplett irrelevant. Relevant ist lediglich, ob die höhere Dosis der Pille danach sehr schädlich ist. Sollte man als Pharmazeutin wissen.
2. Die PD wird 1x eingenommen. Die Pille täglich. Auch z.B. bei Cortison wird im Akutfall
die 10fache Dosis und mehr einer täglichen Erhaltungsdosis gegeben. Eine so hohe Dosis ist im Fall von Cortison komplett unproblematisch.
3. 750 / 75 = 10 (ok, man muss sie 2x nehmen)
4. Glaube ich den Gschicht'ln deiner (konservativen?) Freunde nicht ganz, weil es nicht besonders lustig ist die PD einzunehmen. Außerdem sollte man annehmen, dass so schwarze Schafe regelmäßig die Apotheke wechseln.
Der Vergleich "Wenn ich einmal zehn mal soviel Cortison nehme,kann ich auch zehn Mal soviel Levonorgestrel nehmen ist schon sehr skurill.
Und mit den"konservativen"Freunden gibts gleich die Ideologiekeule hinten drauf.Da sollten wir schon sachlich bleiben.
Nur,mit "Pille danach wird Rezeptfrei" als Überschrift wird bereits tendenziös getitelt,dass der Gesundheitsminister die Firmen zu irgend etwas zwingen könnte.Hat er ja bereits ein halbes Jahr erfolglos versucht,die Firmen haben ihm etwas gepfiffen.Es werden nur ideologische Wünsche bedient.
Das Alles bitte unabhängig von der Notwendigkeit der Rezeptpflicht für die "Pille danach" zu betrachten, für die eine unbürokratischere Lösung in Kombination mit medizinischer Sicherheit gut wäre
1. jedes Arzneimittel, das man einnimmt, hat nicht nur die gewünschte Wirkung, sondern auch Nebenwirkungen, das weiß ich als Pharmazeutin. Und wenn die Pille/danach so unschädlich ist, wieso gibt es sie dann nicht in der Trafik ums Eck??
2. wenn die einnahme von so einer großen Dosis Cortison mal unproblematisch sein sollte, wär ich gern dabei
4. die Gschichtln sind nicht erfunden. Und dass die Schafe die Apotheke wechseln, ist ja gerade das Problem! Sonst wäre ja die Rezeptpflicht nicht nötig und man könnte die Verantwortung an die Apotheker abgeben! Hätte nichts dagegen, kenn mich auf dem Gebiet sicher nicht schlechter aus als ein Mediziner, auch wenn du mir das nicht glaubst.
ad 1) Das sind wertlose Allgemeinplätze. Fraglich bleibt, ob durch die Dosis Schäden auftreten können. Alles andere ist irrelevant
ad 2) Aus dem Beipacktext von Aprednisolon: "Die Gefahr von Nebenwirkungen ist bei der kurzfristigen Prednisolontherapie gering.". Lt. Beipackzettel kann man bei schweren Entzündungen auch über Tage die 10 fache Dosis der Erhaltungsdosis geben. Im Akkutfall werden (im Spital intravenös) noch viel höhere Dosen verabreicht. Problematisch ist nur die langfristige Einnahme von Cortison. Sorry, aber hier dürftest du eine Wissenslücke haben.
Na dann gehen Sie mal in eine Apotheke und versuchen sie mal, sich eine Aprednislon Packung zu kaufen. Was wird man Ihnen antworten? "Darf's gleich die 40er sein", oder "Wenn Sie mehr Wirkung wollen, hätte ich da die 25mg Packung" oder vielleicht
"Haben Sie ein Rezept?" Wahrscheinlich das Letztere.
Und Sie antworten dann: "Ich wills trotzdem, weil kurzfristig eingenommen ist es eh unschädlich"
Viel Glück beim Einkaufen....
Seit Einführung der Pille werden die Hormone ständig chemisch modifiziert, um eine stärkere/längere Wirkung zu erzielen, nur um die Dosis senken zu können. warum sollte man das tun, wenn nicht, weil die Dosis wohl doch eine gewisse wertvolle Rolle spielt?
Angenommen, Prednisolon sei unschädlich: diese überhöhten Dosen werden den Patienten nicht einfach so verabreicht, sondern unter ärztlicher Aufsicht! Weil es dem Patienten, bei dem Nebenwirkungen auftreten, herzlich egal ist, ob sowas häufig vorkommt oder nicht.
Hab keine Lust mehr zu diskutieren, wollte eigentlich nur meine Meinung sagen: dass ich finde, dass ein stark wirksames Präparat einer gewissen Kontrolle unterliegen sollte. Für den Notfall kann man es eh abgeben.
Auf Wiedersehn
wie peinlich ist es, wenn man nach einem unfall (gerissenes kondom) um die pille danach betteln muss, dem apotheker erklären muss, dass man eh in einer fixen beziehung lebt, aber eben was passiert ist oder weil erfolglos - unangenehm - in das ambulatorium am fleischmarkt gehen musste und die pille danach besorgen muss nach elendslanger wartezeit und aufklärungsgespräch mit einem arzt...
Es gibt eine brandneue Entscheidung des Gerichtshofs für Menschenrechte, dass der "automatische" Zuspruch des Sorgerechts an die Mutter nach der Scheidung diskriminierend und eine Verletzung der EMRK ist.
Entschieden für Deutschland, in Österreich vergleichbare Rechtslage.
Warum finde ich darüber auf dieStandard nichts (berichtet über derlei doch sonst immer), sondern muss die Presse lesen!?
Passt eine Benachteiligung von Vätern nicht ins Weltbild oder bin ich nur zu blind, den Artikel hier zu finden...?
natürlich auch von mir ein Grün. ;-)
Fragt sich nur wann der Kindergarten einmal wirklich aufhört.
Jedenfalls ist es besser wie eine Abtreibung, und Katholiken darf man in der Regel nichts fragen, die sind im Hirn etwas platt. Da sitzen Heilige, für jedes Wehwehchen eines. Lauter Götzen götzen sie an
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