Berlin - Dass Romy Schneider mehr bedeutete als Sissi, Männer und Skandale, zeigt eine Ausstellung, die bis 30. Mai 2010 über den Filmstar in der Deutschen Kinemathek in Berlin zu sehen ist. Ihr früher Ruhm wird ebenso gezeigt wie die Rollengestaltung verzweifelter Frauen. "Die Österreicher haben es immer als Fehler angesehen, dass Romy Schneider als deutscher Star galt", sagte der künstlerische Direktor der Deutschen Kinemathek, Rainer Rother, am Freitag bei der Presseführung. "Und die Deutschen hatten Schwierigkeiten, dass ihre wesentlichsten Filme, auch nach ihrer eigenen Einschätzung, in Frankreich entstanden."
Die Ausstellung "Romy Schneider - Wien-Berlin-Paris" hätte schon 2008, anlässlich des 70. Geburtstags der 1982 verstorbenen Schauspielerin, gezeigt werden sollen. Damals scheiterte die Präsentation aus finanziellen Gründen. "Diesbezüglich ist es eine anlasslose Ausstellung", sagte deren Kuratorin, Daniela Sannwald.
Aufbruch und Ausbruch
Die Schau ist in fünf einander überlappende Bereiche gegliedert: Im Sektor "Tochter" wird die junge Romy mit der ihren Werdegang steuernden Mutter Magda Schneider gezeigt, in Schwarz-Weiß-Fotos sind die beiden auch in gemeinsamen Filmen zu sehen. Außerdem werden Ausschnitte aus "Wenn der weiße Flieder wieder blüht" gezeigt.
"Aufbruch" bedeutet auch gleichzeitig Ausbruch aus der Schauspielerfamilie: Romy Schneider zieht zu Alain Delon nach Frankreich, spielt Theater, probiert aus. "Da war viel Neues zu entdecken", sagte Daniela Sannwald. 275 Objekte sind auf 450 Quadratmetern ausgestellt. Die Cinematheque Francaise ist einer der großen Leihgeber. Karten und Briefe Romys an Fritz Kortner sind zu sehen, Drehskizzen für Außenaufnahmen von "L'Enfer".
Im Übergang zum Bereich "Weltstar" ist die Geburtsanzeige von Sohn David zu sehen oder Vater Harry Meyen als Schauspieler in Berlin. Die beiden Césars sind ausgestellt, die höchsten französischen Auszeichnungen, die Romy Schneider erhalten hat. Dazu gibt es Filmausschnitte aus "Swimmingpool" mit Alain Delon. "Sie war vor allem professionell", sagte die Kuratorin. Und inzwischen berühmt: Ein Telegramm an Willy Brandt beweist es ebenso wie ein Taschenbuch Hildegard Knefs mit dem Titel "Romy - Betrachtung eines Lebensweges", auf dessen Titelseite Marlene Dietrich mit silbernem Stift geschrieben hat: "Be sure she does not write about me."
"Mythos" Romy Schneider
Im Sektor "Zerstörung" steht der Film "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" im Mittelpunkt: Fotos von der Hauptdarstellerin mit Kollegin Maria Schell, auf dem Presseheft dazu eine Widmung der Schneider an Marlene Dietrich: "Deine doofe Romy".
Die Ausstellung endet mit dem "Mythos" Romy Schneider: Ihr Krönungskleid aus dem Sissi-Film ist hinter Glas zu sehen, mit Goldlinien, Perlen, Tüllspitze und Paillettenstickerei. Ein Foto zeigt sie vor einem Porträt der Kaiserin, daneben hängt eine Kopie des lebensgroßen Porträts. Ganz am Ende steht ein Paravent mit Fotos der Kaiserin, ein posthumes Fan-Objekt aus dem Hofmobiliendepot in Wien. In den Programmgalerien der Kinemathek können auch Sendungen mit Romy angeschaut werden - samt den ersten Medienskandalen, die sie auslöste. (APA)
Info
"Romy Schneider - Wien-Berlin-Paris": Deutsche Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen, Filmhaus am Potsdamer Platz, Berlin. 5.12.2009 - 30.5.2010, Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr.
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