Toiletten-Talk unter der Lupe

7. Dezember 2009, 11:36

Sprachwissenschafterin untersuchte Botschaften in öffentlichen WCs auf geschlechterspezifische Unterschiede

Salzburg - Das stille Örtchen ist eine Fundgrube für die sprachwissenschaftliche Forschung: Die Schweizer Linguistin Christina Cuonz hat jene schriftlichen Botschaften untersucht, die Menschen auf öffentlichen Toiletten hinterlassen, und nach Genderkriterien untersucht. Und sie hat festgestellt: Frauen schreiben in ihren Graffitis über Beziehungen, Sexualität und Alltagsphilosophie. Bei Männern dominieren Sex, Politik und Sport, sagte Cuonz.

Die Linguistin hat im Rahmen ihrer Magisterarbeit die Graffitis von öffentlichen Toiletten an Universitäten in Norwegen und Großbritannien untersucht. Dazu hat sie - sowohl in Frauen- als auch in Männerklos - die schriftlichen Botschaften fotografiert oder abgeschrieben, ToilettenbenutzerInnen mit Fragebögen zu ihrem Lese- und Schreibverhalten befragt und Facility Manager der Gebäude als Auskunftspersonen miteinbezogen. Insgesamt hat die Schweizerin, die ihre Arbeit am Montag im Rahmen des Workshops "Sex & Language" an der Universität Salzburg präsentiert, 249 WC-Inschriften sowie 180 Fragebögen ausgewertet.

Geschlechtergetrennte Welten

Die Toiletten seien die einzigen Orte, wo Frauen und Männer wirklich streng getrennt seien. Deshalb eigneten sich die Graffitis sehr gut für eine genderspezifische Untersuchung, sagte Cuonz. Bei den Themen, der Sprache und bei der Gestaltung der Graffitis gibt es durchaus Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Männer beschäftigen sich in den kurzen schriftlichen Botschaften, die sie auf Toilettenwänden hinterlassen, hauptsächlich mit Sex, Politik und Sport. Frauen schreiben ebenso oft über Beziehungen wie über Sex. Dahinter folgen alltagsphilosophische Sprüche oder persönliche Statements.

Frauen provozierender

Überrascht hat die Wissenschafterin, dass gerade die als emanzipiert geltenden norwegischen Frauen auf den Toiletten Themen behandeln wie die Frage, wie man eine gute Hausfrau wird. Rassistische Statements waren auf Frauentoiletten zum Teil härter formuliert als jene von Männern, hat die Schweizer Linguistin festgestellt. Auch die für die Gebäude verantwortlichen MitarbeiterInnen, die für die Studie befragt wurden, bestätigten, dass Frauen sich auf den Klos kein Blatt vor den Mund nehmen und zum Teil provozierender formulieren als Männer. Die Erhebung zeigt, dass Frauen in ihren Botschaften die gesamte Bandbreite von sozial weniger bis sozial akzeptierten Begriffen ausschöpfen, Männer hingegen meist die sozial weniger akzeptierte Form verwenden.

Wolken von Botschaften

Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es auch bei der Gestaltung der WC-Wände mit Graffitis. Frauen treten eher in Kommunikation mit früheren Graffitischreiberinnen. "Es bildet sich oft eine richtige Wolke an Botschaften, die aufeinander reagieren und ein Thema diskutieren", berichtete Cuonz. In einer Langzeituntersuchung hat die Schweizerin festgestellt, dass so ein Diskussionszyklus nur wenige Tage oder Wochen dauert. Dann wird ein neues Thema auf die Agenda der Toilettenwand gesetzt. Zu den alten Graffitis kommen dann keine neuen Reaktionen mehr dazu. Männer hingegen kommunizieren weniger untereinander und schreiben ihre Botschaften eher als Listen. (APA)

Little Willy
10
8.12.2009, 08:52
Türtext in der Sowi-Fakultät


"Sche¡ssen verboten! - dieStandard.at Redaktion"

139
01
7.12.2009, 18:48

"Facility Manager"

Meinteswegen "Reinigungskraft", aber.. diese beschönigenden bzw. krampfhaft "aufwertenden" Anglizismen sind lächerlich.

Richtige Männer jammern nicht
00
10.12.2009, 10:54
accuser
00
7.12.2009, 18:44
Dieser wichtige Artikel findet sich gleich zwei Mal auf der Standardhomepage...

Weltbewegend, ich erkannte das erste Mal die tragweite der wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht.

GreyPaladin
00
7.12.2009, 20:24

Ja, aber "die Jungs" haben wenigstens dazu geschrieben das sie was geändert haben ;)

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