Sprungbrett

"Sie glauben, Technik sei urschwer"

9. Dezember 2009, 07:00
  • Artikelbild
    foto: steffen kugler dpa/lbn

    "Sprungbrett" will Mädchen für Handwerks-, Technik- oder EDV-Lehrberufe begeistern.

Mädchen müssen nicht nur die Vielfalt möglicher Berufe für sich kennenlernen, sondern auch begleitet werden, wenn sie den Schritt in eine "Männerdomäne" wagen

"Lern was Gscheites", war früher oftmals die magere Beratung für junge Menschen, für die sich Gymnasium, gefolgt von Matura, gefolgt von Studium nicht von selbst verstand. "Was Gscheites" hieß für Mädchen meist Einzelhandel, Büro, Frisörin - etwas, das sich später mit der Familienarbeit vereinbaren lässt. Burschen schienen prädestiniert für Handwerksberufe, praktisch orientiert wurde auch die Möglichkeit eines Zuverdienstes über "Pfusch" ins Auge gefasst.

Auch wenn derart geschlechtsspezifische Zukunftsplanung noch nicht der Vergangenheit angehört, so gibt es doch mittlerweile einige Initiativen, die die diversen Berufsmöglichkeiten aufzeigen wollen. So etwa der Girls Day, der sich darum bemüht, dass junge Frauen auch Berufe für sich in Betracht ziehen, die vorwiegend von Männern ausgeübt werden, wie Handwerks-, Technik- oder EDV-Lehrberufe. Dieser Aufgabe widmet sich auch "Sprungbrett" in Wien. Seit 1987 beschäftigt sich der Verein mit den Themenbereichen Mädchen, Beruf und Zukunft und berät Mädchen und junge Frauen von 12 bis 21, die einen Schulwechsel vor sich haben, vor einer Berufsentscheidung stehen oder eine Lehrstelle suchen. Besonders sollen Mädchen dahingehend unterstützt werden, einen nicht-traditionellen Berufswunsch umzusetzen. Zum größten Teil nehmen Mädchen aus der KMS (Kooperative Mittelschule), HS, Polytechnischen Lehrgängen aber auch aus der AHS die Beratung bei Sprungbrett in Anspruch.

Einmal das Übliche, bitte

Warum sich trotz des mittlerweile erweiterten Beratungsangebotes dennoch viele Mädchen für das Übliche entscheiden und nur wenige Möglichkeiten in Betracht ziehen, hat für Susanne Gugrel von Sprungbrett viele Gründe: "Sozialisation spielt natürlich eine Rolle, aber auch, dass viele die Konkurrenz mit Burschen nicht aushalten. Ebenso glauben viele, dass 'Technik urschwer' ist und letztendlich liegt eine Ursache auch darin, dass sich Mädchen in 'nichttraditionellen Berufen' nicht willkommen fühlen und sie zudem nicht in gegenderter Sprache angesprochen werden und sich daher auch nicht angesprochen fühlen", so Gugrel auf Nachfrage von dieStandard.at auf. Für sie ist auch klar, dass sich Jahrhunderte lange Traditionen nicht in ein bis zwei Generationen umformen lassen. Um aber bei der "Umformung" doch etwas nachzuhelfen, können sich Mädchen bei Sprungbrett mit traditionellen Rollenbildern auseinandersetzen, ihre eigenen reflektieren und Neues oder Ungewohntes ausprobieren.

Der "Fähigkeitenchek" von Sprungbrett versucht beispielsweise mit einer Art Stationenparcour, den die Mädchen selbst auswählen können, verschiedene Fähigkeiten wie technisches Verständnis, logisches Denken und sprachliche Sicherheit auf "lockere Weise", so Gugrel, abzufragen. Entschließt frau sich schließlich für einen Beruf in einer "Männerdomäne", bietet Sprungbrett eine Ausbildungsbegleitung in Form von Workshops in Berufsschulen und Einzelcoachings an.

So früh wie möglich

Gefördert wird Sprungbrett seit vielen Jahren vom AMS, das somit auch die Altersklassen in Gruppenberatungen bestimmt. Zwar wurden keine Förderungen gestrichen, inhaltlich gab es kürzlich für den Verein Sprungbrett aber einige Beschränkungen. "Wir mussten die Zielgruppe der Schulgruppenberatungen auf Mädchen eingrenzen, die kurz vor der Lehrstellensuche sind (also 8. und 9. Schulstufe). Wir können bedauerlicherweise keine kostenlosen Workshops mehr für Mädchen der 6. und 7. Schulstufe anbieten", so Gugrel. Der Verein versuchte das Geld für Workshops für diese Altersklasse beim Familienministerium und bei der MA 47 aufzutreiben, aber erfolglos. "Alle wissen, dass Berufsorientierung so früh wie möglich ansetzen muss, wollen es aber nicht finanzieren", bedauert Gugrel. (beaha, dieStandard.at. 9.12.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 117
1 2 3
PaterWilli
00
Aber jetzt weiß ich's ...

Ich habe jetzt gelernt, daß die Arbeitgeber Schuld daran sind, daß Mädchen nicht in dreckigen, anstrengenden und gesundheitsgefährdeten (Männer-)Berufen arbeiten wollen.

Sie werden nicht ".. in gegenderter Srache angesprochen und fühlen sich daher nicht angesprochen" [sic]

Ich bin tief beeindrückt (Eindruck > eindrücken > eingedrückt) von dieser Analyse und begrüße die Förderung seitens des AMS, die dem "Sprungbrett" Geld in die Hand drückt, um die Mädchen in Männerberufen zu coachen und "gendergerecht anzusprechen"

Alles wird gut!

metalwoman
00
10.6.2010, 23:14
Technik i s t urschwer...

...wenn man als Mädchen immer vorgesagt bekommt
-dass man als weibliches Wesen halt nicht so gut in Technik und Naturwissenschaften ist
-dass Technik nur was für Burschen ist und man lieber Kochen u. a. lernen sollte, also etwas "fürs Leben" (=Hausfrauenleben?)
-dass man als Frau in der Technik nicht ernstgenommen und womöglich gemobbt wird.
...wenn man so wie ich als Spätberufene nach der "Knödelakademie" etwas Technisches studiert, noch nie was von der Materie gehört hat und alles nachholen muss, was die Kollegen schon auf der HTL gelernt haben.

Renate Heiler
01
13.1.2010, 17:43
Der Beruf / der Job soll Spaß machen...

... und das ist einer der wichtigsten Optionen für die Berufswahl -> vorausgesetzt man hat wirklich die Möglichkeit einen zu wählen!
Und geht es bei der Wahl dann nicht auch um den Verdienst (Zukunft, Familiengründung, Sicherheit, ...). Darum sollten WIR UNS für die nächsten Generation von Mädchen und Burschen und Frauen und Männern darum kümmern, dass unsere Gesellschaft sich darum bemühen, für alle Berufe eine Entlohnung/Bezahlung zu schaffen, die ein gerechte (gleiche) Bezahlung für FRAUEN UND MÄNNERN möglich macht. Es geht um Wertschätzung für Aufgaben die Tätigkeiten ... und nicht NUR um TECHNIK FÜR MÄDCHEN!

PS: Ich - Frau - bin seit 20 Jahren in der EDV!

Mac Smith
20
Man sollte sexistische Vereine wie "Sprungbrett für Mädchen" (wieso unterschlägt die Red. eigentlich den vollen Namen?) nach Leibeskräften unterstützen.

Und sei es nur, um zu sehen, welche Argumente in 20-30 Jahren aus dem Hut gezaubert werden, wenn alle Forderungen umgesetzt sind und sich trotzdem nichts an der Berufswahl der meißten Mädchen ändert,

Centaurea
00
11.6.2011, 22:28
Sich für Mädchen einzusetzen...

ist bitte nicht gleichbedeutend mit Sexismus!

neues feindbild
00
13.12.2009, 10:01
...dabei ist Technik doch uuur leicht ;-)

Name d. Red. bekannt
01
12.12.2009, 12:48

wann kommt endlich die bubenförderung für die, die friseur werden wollen?

neues feindbild
01
13.12.2009, 10:05
Wie wäre es mit einer Förderung für alle Jugendliche, sich umfassend zu informieren und dann, möglichst ohne Vorurteil, eine Ausbildungsentscheidung nach Interesse zu treffen?

aktuelle Epoche: DesInformationszeitalter
04
9.12.2009, 19:49

"Technik sei urschwer"

es ist wie allen anderen auch, besteht von sich aus Interesse und Begeisterung ist es leicht, ansonsten ehr mühsam...

verinus
00
10.12.2009, 10:49

technik ist schwer- aber mit interesse bringt man die motivation leichter auf- so würd ichs sagen- so rückblickend auf mein technisches studium.

jokergirl
02
10.12.2009, 11:03

Manchen fällt die technische Logik leichter, anderen eben die Sprachlogik.

Viele meiner Freundinnen, die sich in Sprachen schwer getan haben und damit als "schlecht in der Schule" abgestempelt wurden, waren nach dem Wechsel in technische Lehrgänge auf einmal rundheraus die besten in der Klasse - und das, obwohl die Lehrstoffe und der Lehrumfang um einiges tougher waren als die im Gymnasium.

;)

GreyPaladin
00
9.12.2009, 19:20
"Technick sei urschwer"

Ist sie ja auch?


So nebenbei: "verschiedene Fähigkeiten wie technisches Verständnis, logisches Denken und sprachliche Sicherheit"

Ist das schon der test wo man herausfinden muss welches von den 3en nicht passt? (echt was hat sprachliche sicherheit mit "technik" zu tun?)

Mac Smith
00
"echt was hat sprachliche sicherheit mit "technik" zu tun?"

Einfach:
in vielen technischen Berufen kommt es darauf an, komplizierte Zusammenhänge klar und verständlich darzustellen und zu kommunizieren.

AlBundyFan
 
01
10.12.2009, 11:05
sprachliche sicherheit

wer sich zwar perfekt auskennt aber unfähig ist darüber mit anderen arbeitskollegen zu reden wird als sonderling gelten und trotz seines wissens in den meisten firmen nicht weit kommen....

meist arbeitet man nämlich in projekten mit mehreren kollegen und da ist das richtige benennen und erkennen von technischen begriffen für eine effiziente kommunikation unabdingbar.

Gefräßige Gebärmutter
00
11.12.2009, 16:07
Ha, ha, ha!

Da sprichst du wohl aus eigener Erfahrung ...?

GreyPaladin
00
10.12.2009, 14:26

ähm.. die kenntnis der begriffe lernt man ja aber erst und nicht weiß sie vorher schon. und wer nicht reden kann hats immer schwer aber grad in der technik findet man für solche leute eher ne niesche als sonstwo.
abgesehn davon.. komm. in keiner gruppe hör ich so oft wörter wie Dings, Nubsi, etc. wie in einem gespräch mit technikern ;)

AlBundyFan
 
01
10.12.2009, 16:22
ja und?

ist ihnen dann bei diesen kollegen gleich in den sinn gekommen "Man - der ist aber kompetent auf seinem Gebiet"?

eben deshalb ist ja der umgang mit der technischen sprache eben wichtig - ansonsten bleibt man halt der fachtrottel der allein im dunklem kammerl vor sich hinwerkelt und mit 40 dann halt immer noch fast gleichviel verdient wie mit 22.

GreyPaladin
00
10.12.2009, 17:57

PS: so wie du redest klingst du mehr nach Verkäufer oder Marketing Mensch als wie nach Techniker ;)

GreyPaladin
00
10.12.2009, 17:57

@1. Absatz kommt drauf an WAS er sagt. Und gleich erkennt man das immer noch besser bei leuten die eben nicht so sprachgewandt sind und einen mit Worthülsen und Schlagwörtern vollstopfen.

@2: Das stimmt grad in der technik nicht unbedingt

Und überhaupt: DAS LERNT MAN! oder hast du vor der ausbildung eh schon alles gewusst?

AlBundyFan
 
00
10.12.2009, 23:43
ich rede nicht von verkaufsgesprächen

sondern von technischen gesprächen zwischen gleichwertigen kollegen ... und da ist es angebracht, daß, wenn man darüber spricht, WIE man ein problem technisch löst, man die aussagen der anderen versteht und nicht, weil man die fachausdrücke nicht kennt, etwas ganz anderes implementiert.

und ich hab einiges schon vor meiner ausbildung gewußt...warum? weil ich schon seit ich 11 war und meinen ersten computer bekommen habe programmiert habe und bücher zu vielen themen/lösungen lesen mußte.

GreyPaladin
00
11.12.2009, 12:37

1. nicht jeder Techniker ist programmierer
2. schön wenn du schon einiges vorher wusstest, andere aber eben nicht
3. dein erster absatz ist irrelevant weil es eben um "VOR" der ausbildung gehst und nicht darum ob nachher wer die begriffe kennt.

Und wenn du wirklich programmierer wärst und mit vielen leuten sprichst wüsstest du das jede firma da ihre eigenenheiten in der sprache hat. und das lernt man dann einfach mit der zeit je nachdem wie schnell jemand lernt

gast99
19
9.12.2009, 18:49
ich glaube nicht, dass mädchen wie im artikel beschrieben benachteiligt werden

zumindest heute nicht mehr, das mag vor 40-50 jahren der fall gewesen sein. wenn eine keinen technischen beruf ergreift, will sies halt nicht, selbst schuld. wenn die lieben damen lieber im klischee haften bleiben als ihren hinter_n zu bewegen und sich mit - vielleicht(?) - weniger leichten naturwissenschaftlichen, technischen berufen auseinander zu setzen können ihnen auch binnenI und quoten nicht helfen. sie müssen auch nicht lesbisch sein.
bin übrigens selbst weiblich.

Toeris
01
10.12.2009, 00:33
in der Ausbildung nicht

hatte ich auch vor 35 Jahren nicht. Aber danach: JA! Hatte ich damals und ist heute nicht anders.

gast99
00
10.12.2009, 17:29
ist schon richtig

einen, sagen wir, nicht gerade weiblichen beruf zu haben und einen job finden ist auch heute nicht so einfach weil nun ja, habe ich selbst gehört vor 10 jahren: frauen bei präsentationen haben einen kurzen rock zu haben, charts aufzulegen und lieb zu sein. aber da ist man meistens schon etwas abgehärtet, allerdings bei der ausbildung auf mädi machen und sich dann beschweren, um hilfe jammern, ist ein bissi billig, durchsetzen muss man sich halt ob weiwi oder mandi, tro**eln gibts immer und sicher auch andere themen wo die gleichberechtigung zwischen den geschlechtern noch im ärgeren ist

Toeris
03
10.12.2009, 18:58

ich kann dir versichern, meine männlichen Schulkollegen haben mich zur Hilfe geholt, weil ich mit 16 kräftiger war als die männlichen nassen Hemden in meinem Alter. Den Sandkasten in der Gießerei der Pernersdorfergasse habe ich alleine getragen und meinen Kollegen geholfen, weil sie zu schwach waren. Und wenn ich mal geheult habe, dann vor lachen, wenn ich die Erzählungen der fantasievollen Sex-Erlebnisse der Jungs mitbekommen habe. Die haben das Kamsutra gelesen und am nächsten Tag haben sie das alles erlebt! Hat echt Spaß gemacht, zumindest mir das Mithören.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 117
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.