Zitrone

Entscheidungsträger sind ... ?

15. Dezember 2009, 07:00

Eine Kampagne der Tiroler Landesregierung packt alte Geschlechtermythen auf neue Plakate und will damit das "Gemeinwohl" vorantreiben

"Das 'Gute' ist oft selbstverständlich" heißt es auf der Website, welche die Tiroler Landesregierung für ihre aktuelle Kampagne www.meine-gemeinde.at gestartet hat. Das "Gute" sei so selbstverständlich, dass es unbemerkt bleibe und daher ins Bewusstsein der Menschen gebracht werden müsse. All das "Gute" nämlich, das die Gemeinden für die in ihnen Lebenden leisten.

Nun ist - abgesehen vom etwas unangenehm anrührendem Diktus des Heile-Welt-alles-ist-gut-Eierkuchen-Geplänkels - gegen eine Image-Kampagne, die Leistungen aufzeigt und den Menschen versichern will, an ihrem Wohl interessiert zu sein, im Prinzip nichts einzuwenden. Reklame muss per se ja nicht schlecht sein. Auch wenn sie gerne Lügen als wahre Weisheiten oder weise Wahrheiten getarnt auftischt.

Männer entscheiden, Frauen behüten

Im vorliegenden Fall ist das nicht so. Die GestalterInnen scheinen erst gar nicht in Versuchung gekommen zu sein, Lügen zu bemühen, um ihre Sicht der Dinge, wer in den Tiroler Gemeinden was und für wen leiste, auf den Punkt zu bringen. Die vier Sujets sind schlicht gehalten und unterstreichen durch den 70er-Jahre-Touch, worum und wie es - noch immer - geht. Lächelnd präsentiert ein männliches Wesen Plakat Nummer eins, das aufzeigt, wer in den Gemeinden entscheidet. Ebenso lächelnd geht es auf den Plakaten drei und vier zu, auf denen die Botschaft des Behütens und Vereinens verbreitet wird. Und frau/man staune: in diesem Zusammenhang sind es Frauen mit Kindern.

Es werden also keine Lügen aufgetischt. Frauen leisten nicht nur den Großteil der Arbeit, sie leisten vor allem soziale Arbeit, während wichtige Entscheidungen zum überwiegenden Teil von Männern gefällt werden. An dieser Arbeitsteilung hat sich zwar dank unermüdlicher Sisyphus-Bemühungen von Frauenbewegung und -politik schon einiges verändert, zu wenig allerdings, wie am Beispiel der Tiroler Kampagne deutlich wird.

Gendermainstreaming scheint noch nicht bis nach Tirol vorgedrungen zu sein. Hier wird die alte Ordnung konserviert und wieder und wieder aufgewärmt. Traditionelle Rezepte können jedoch irgendwann einmal ungenießbar und unverdaulich werden, Übelkeit erregen und sauer aufstoßen.
(Dagmar Buchta/dieStandard.at, 15.12.2009)

Kommentar posten
18 Postings
Herr Fiffi
00
22.1.2010, 21:34
"Gendermainstreaming scheint noch nicht bis nach Tirol vorgedrungen zu sein"

Sehr geehrte Frau Buchta, ich würde Sie bitten nicht zu verallgemeinern.
Ich behaupte ja auch nicht, ALLE dieStandard Redakteurinnen würden in ihren Artikeln polemisieren.

Parkschwein
02
28.12.2009, 21:11

so liebe und jetzt hörts bitte wieder auf, denen bloß zum spaß total lächerliche sachen zu schicken, die die dann tatsächlich ernsthaft veröffentlichen.

PjotrV
01
23.12.2009, 15:00
Auf dem unteren Bild sind 3 Frauen und 3 Männer beim Entscheidung fällen zu sehen

Georg Scholz
00

Die entscheiden aber nicht, sondern exekutieren, was der vorne entschieden hat.

Böser
05
26.12.2009, 14:55

so genau nimmt´s die buchta nicht, hauptsache man kann sich künstlich aufregen

Der Geist der Ahnung
 
07
16.12.2009, 18:36

Wie schon von anderen Postern festgestellt wurde: Was man da auf dem Plakat sieht, könnte man als perfekt ausgewogenen 'Gemeinderat' interpretieren (3 m, 3 w) – gerechter gehts nicht.

Übrigens: Die einzige österreichische Landeshauptstadt und gleichzeitig die größte Stadt mit Frau an der Spitze ist Innsbruck – Bgm. Hilde Zach; wurde nach dem Wechsel von van Staa auf den LH-Posten im Jahr 2002 Bürgermeisterin; wiedergewählt (von den bösen rückständigen Tirolern!) im Jahr 2006 (aber eh klar – es kann sich nur um eine Agentin des Patriarchats handeln).

suga belly
00
16.12.2009, 16:40
die alte Ordnung konserviert


da versteh noch einer die obst- und gemüsehändler.

gerade hier wurden doch letztens, und zwar in zusammenhang mit dem urteilsspruch des europäischen gerichtshofes für menschenrechte, traditionelle rollenmuster wieder und wieder aufgewärmt.

SchneckenChecker27cm
00
16.12.2009, 16:39

Langweilig.

*Fuzzy Logic*
04
16.12.2009, 15:21

Also ich weiß nicht was das soll, weil am unteren Sujet doch eindeutig 3 Männer und 3 Frauen abgebildet!? Es hätte auch eine reine Männerrunde sein können..

Und das Thema gesellschaftliche Ströme und Werbung und wer jetzt wen beeinflussen sollte wurde eh schon oft genug diskutiert.

Captain Smoker
07
16.12.2009, 14:25

Warum kriegt eigentlich Frau Burgstaller keine Zitrone fürs Frauenhaus schließen? Ahja, die ist ja eine Rote...

nina yankow
00
31.12.2009, 01:45

wie Ihnen vielleicht bisher entgangen ist: die zitrone gibt's für sexismus.

rochus
07
16.12.2009, 13:34

ich würd ja echt gern meine meinung hier posten.

Helge Remsgard Remsgard
014
16.12.2009, 12:15

mit welchem grunde wurde der bis heute morgen hier stehende, kritische, aber entspannte und faire kommentar eines anderen users gelöscht?

Böser
00
26.12.2009, 14:57

"jeder user hat das recht auf freie meinungsäusserung" - aber nicht im forum !

Caligulas Gaul
011
16.12.2009, 18:17

Weil es ihnen einfach zu peinlich war mit einem einzigen Kommentar so vorgeführt zu werden?

Ich meine die-Standard-Redakteurinnen kennen zwar herzlich wenig Schamgefühl, wenn es um die Untermauerung ihres merkwürdigen Weltbildes geht, aber irgendwie muss man sich bei sowas doch schämen.

survival of the fattest
03
16.12.2009, 10:18

Das Land Tirol hätte also auf beiden Plakaten eine Transgenderperson mit Kindern (ja, auch im Gemeinderat) abbilden müssen, damit allen Seiten gedient ist?


Wenn sich die Realität ändert, wird sich auch die Abbildung der Realität ändern. Und ned umgekehrt, weil das wird immer unnatürlich wirken - das letzte, was man mit einer Werbekampagne erreichen will.

no left child behind
00
20.1.2010, 21:45

Warum nicht die beiden Motive jeweils einmal mit einem Mann und einmal mit einer Frau?

Oder ist damit schon zuviel Geld beim Fenster rausgeworfen?

Little Willy
21
15.12.2009, 08:09
Gemeinwohl?


Die Regierung sieht die Wehrpflicht als dem Gemeinwohl dienlich. Die sind schon weiter als die Tiroler.

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