Nachlese

"Pille danach" ab sofort rezeptfrei

18. Dezember 2009 14:05
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    Foto: standard/newald

    Zeitgleich mit der Freigabe der Vikela 1,5-mg-Tablette (Wirkstoff Levonorgestrel) erhalten die Apotheken ein Info-Schreiben des Gesundheitsministeriums.

Freigabe für bestimmtes Präparat von Gesundheitsministerium beschlossen - Bescheid gilt für alle Altersgruppen

Ab sofort ist die "Pille danach" in Österreichs Apotheken rezeptfrei erhältlich. Der entsprechende Bescheid wurde am Donnerstag vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen ausgestellt, teilte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums am Freitag mit. Freigegeben wurde vorläufig nur das Präparat "Vikela", das in Österreich derzeit noch von Gerot Pharmazeutika, ab 2010 von Sanova Pharma vertrieben wird.

Beschluss erfolgte einstimmig

Das Präparat zur Notfallverhütung wurde "für Frauen aller Altersgruppen rezeptfrei gestellt", hieß es im Ministerium. Der Beschluss erfolgte einstimmig nach Prüfung der vorliegenden Gutachten. Auch der Oberste Sanitätsrat hat kürzlich eine positive Empfehlung ausgesprochen. Es wurde nun doch nicht der Wirkstoff, sondern eine bestimmte Arzneispezialität freigegeben, was das Verfahren verkürzt hat. Dazu wurde ein mehrere Jahre alter Antrag herangezogen. Gesundheitsminister Alois Stöger hat sich seit längerem für die Freigabe starkgemacht.

Stöger hat am Freitag die Rezeptfreistellung als wichtiges frauenpolitisches Anliegen bezeichnet, "für das ich mich aus Überzeugung eingesetzt habe". Auch der Oberste Sanitätsrat hat sich laut Stöger bereits mehrmals positiv zu einer Rezeptbefreiung geäußert. Wichtig sei es zu betonen, dass dies keineswegs eine Routinemethode der Empfängnisverhütung sein könne. Um die Bewusstseinsbildung in diesem Sinne zu forcieren, werde es eine begleitende Informationskampagne geben, so Stöger. 

Kontrolle durch Frauenarzt empfohlen

Zeitgleich mit der Freigabe der Vikela 1,5-mg-Tablette (Wirkstoff Levonorgestrel) erhalten die Apotheken ein Info-Schreiben des Gesundheitsministeriums. Darin wird um Information der Patientinnen gebeten, unter anderem darüber, dass ein Notfallkontrazeptivum keinesfalls eine reguläre Verhütungsmethode ersetze. Auch eine Kontrolle durch einen Facharzt/eine Fachärztin für Frauenheilkunde soll "nachdrücklich" empfohlen werden.

Zusätzlich sollen die ApothekerInnen die Frauen darauf hinweisen, dass eine bestehende Schwangerschaft durch die Einnahme nicht abgebrochen werden kann und eine Verhinderung einer Schwangerschaft nicht in jedem Fall gegeben sei (besonders, wenn Unsicherheit über den genauen Zeitpunkt des ungeschützten Geschlechtsverkehrs besteht). Ein Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten durch die Anwendung sei nicht gegeben, auch darüber soll informiert werden.

Hintergrund

Die Freigabe von Vikela erfolgte aufgrund eines Antrags, den Gerot Pharmazeutika aus der Firmengruppe von Ex-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein vor einigen Jahren gestellt hat. Das Gesundheitsministerium fragte nun nach und bekam die Auskunft, dass dieser noch aufrecht sei, hieß es am Freitag. Unter ÖVP-Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat sei der Antrag aus politischen Gründen nicht weiter verfolgt worden, so eine Sprecherin Stögers.

Zuletzt hatte es noch geheißen, dass Stöger eine Freigabe des Wirkstoffs plane. Weder Sanova, die ab 2010 den Vertrieb des aus Frankreich stammenden Produkts von Gerot übernimmt, noch das Pharmaunternehmen Kwizda wollten sich nämlich um Befreiung für ihre Produkte mit identem Wirkstoff bemühen. Die Wirkstofffreigabe hätte länger gedauert, weil diese nur über den Weg einer Verordnung - samt Begutachtung - möglich gewesen wäre.

Grüne sehen langjährige Forderung erfüllt

Die Grüne Frauensprecherin Judith Schwentner zeigte sich erfreut über die Freigabe: "Mit der Rezeptfreiheit wurde eine unserer langjährigen Forderungen endlich umgesetzt. Das ist eine wichtige Maßnahme, mit der Frauen nun endlich einen barrierefreien Zugang zu einem Notfallsverhütungsmittel haben". Die Grüne Politikerin zeigte sich überzeugt, dass sich damit in Zukunft ungewollte Schwangerschaften besser verhindern lassen.

Wehsely und Heinisch-Hosek: Richtiger Schritt

Beifall kam auch von der Wiener Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely von der SPÖ: "Gesundheitsminister Stöger geht es um Verbesserungen im Sinne der Frauen, die damit eine ungewollte Schwangerschaft verhindern können", so Wehsely in einer Aussendung. Auch Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek steht hinter der Freigabe: "Ich freue mich sehr, dass die "Pille danach" rezeptfrei gestellt wurde". Alois Stöger handle damit absolut im Sinne der Frauen, so die Frauenministerin. Es gehe darum, nach einer Verhütungspanne den betroffenen Frauen in einer Notsituation die geeignete medizinische Hilfe ohne zeitliche Hürden zur Verfügung zu stellen. Wichtig sei es jedoch weiterhin, dass junge Menschen eine zeitgemäße Aufklärung und Zugang zu Verhütungsmitteln erhalten.

Der Leiter der Wiener Gynmed-Klinik Christian Fiala erwartet durch die rezeptfreie "Pille danach" einen Rückgang der Schwangerschaftsabbrüche. In fast allen Ländern Westeuropas sei diese Maßnahme seit mehr als zehn Jahren Realität und habe sich sehr bewährt. 

Kritik von FPÖ, ÖVP und Aktion Leben

"Bestürzt" zeigte sich die Generalsekretärin der Aktion Leben österreich, Martina Kronthaler. Die "Pille danach" sei nur eine "billige Antwort auf die Versäumnisse der schulischen Sexualerziehung und Aufklärungsarbeit". Zur Vermeidung ungewollter Schwangerschaften wären "tiefer gehende Lösungen" gefragt.

Auch ÖVP-Familiensprecherin Ridi Steibl ist gegen die Freigabe, denn die "Pille danach" sei eine "regelrechte Hormonbombe". Auch die Gesundheitssprecherin der FPÖ, Belakowitsch-Jenewein, reagierte mit Ablehnung: "Die sogenannte 'Pille danach' stellt einen Eingriff in den Hormonhaushalt dar, der in der medizinischen Fachwelt durchaus bedenklich eingestuft wird", so Belakowitsch-Jenewein. Auch in der katholichen Kirche hat die Freigabe erwartungsgemäß Kritik ausgelöst, "Familien-Bischof" Klaus Küng zeigte sich gegenüber Kathpress bestürzt. (APA/red)

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papafritz
23.12.2009 13:37
AIDS-Infektionsrate wird steigen!

Ich bin mir absolut sicher, dass jetzt viele kein Kondom mehr verwenden werden, weil die "Gefahr" einer Schwangerschaft jetzt nachträglich beseitigt werden kann. Und wegen AIDS verhüten ist doch uncool, oder?

wilder_stier
21.12.2009 12:20
na ja, ob das gut ist. die armen frauen.

Nagois
21.12.2009 12:03

Hormonbombe? Vielleicht vor 15 Jahren.

Die heutigen Präparate sind zwar noch immer nicht Risikofrei aber haben sich deutlich weiterentwickelt.

Vor einen halben Jahr musste meine Freundin eine nehmen. 4 Stunden im AKH gewartet. Das Einzige was gemacht wurde war ein Schwangerschaftstest und gefragt wann der Geschlechtsverkehr stattgefunden hat. Dann nochmal eine Nacht Apotheke suchen.

Die Informationen was man beachten soll haben wir dem Beipackzettel entnommen.

Die Moral der Geschicht: Die Nebenwirkungen waren laut meiner Freundin vernachlässigbar, Beratung haben wir keine Bekommen aber dafür Einen ganzen Tag stress um am Sonntag eine Pille zu bekommen.

am ko
20.12.2009 16:17
jaja, die "hormonbomben"

sogar da gibt es gute und böse.

die zur verhütung ist pöhse pöhse ...

die bei der künstlichen befruchtung ist voll ok, die kann man sogar von der steuer absetzen! risiko für frau und kind? schwamm drüber!

wäh. bigottes land.

anton anton
19.12.2009 21:20
na dann schna... bis zum umfallen

gibt eh die pille danach

Miss Emilix
21.12.2009 09:26
SchnaRCHzapfen?

1000 Kopfläuse können nicht irren
20.12.2009 17:03
Nix auskennen...

... ich hoffe Sie schna....n nicht!
*g*

werwolfi
20.12.2009 01:15

nix verstanden, du troll?

Mahnende Stimme
20.12.2009 16:26

don't feed the trolls

werwolfi
21.12.2009 00:50

ja, hast eh recht... nur wenn mir angesichts solch hanebüchenen unsinns das sprichwörtliche g'impfte aufgeht, dann kann ich mich so schwer zurückhalten... ;o)

anton anton
20.12.2009 06:13
hauptsache du obertrolli weisst alles

Tomse10
23.12.2009 09:05
Obertrolli?

Ist das etwa eine neue Fruchtgummikreation? :D
http://www.trolli.de/

Metaethischer Nihilist
19.12.2009 00:37

Andererseits ist es mir wurscht, denn ich geb nie mein echtes namen her, wenn ich schnackseln will...

Metaethischer Nihilist
19.12.2009 00:33

Allerdings - denkts bitte an die armen Blastomeren/Morulae. Furchtbar. Armes leben.

Para Dox
19.12.2009 15:50

Spinner.

Alex Andra
18.12.2009 21:25
wieder ein weiteres kleines schritterl

in die zivilisation.

mühsam ernährt sich das eichhörnchen, aber es wird schon :-)

gueldensternn
21.12.2009 10:48

"ziviliert" hieße demnach, dass für die missliebigen konsequenzen unvernünftiger handlungen technische lösungen bereitgestellt werden.

das ist wohl eher eine pragmatische notlösung. die umschreibung "zivilisiert" finde ich da fehl am platz.

zivilisiertheit bestünde eher darin, handlungen -
in hinblick auf ihre möglichen konsequenzen - bewusst zu setzen oder eben zu unterlassen. aber es stimmt schon, dass das wahrscheinlich weiten teilen der bevölkerung nicht zuzumuten ist.

chilli p.
28.12.2009 09:17
sind ihnen abtreibungen lieber?

oder unerwünschte vernachlässigte kinder?

Frodo10
19.12.2009 09:26

Befruchtete Eizellen absterben zu lassen ist so toll?

werwolfi
20.12.2009 01:17

wieder mal ein perfektes beispiel dafür, dass sich wahre fundamentalistische engstirnigkeit niemals durch fakten beirren lässt... ;oP

nofretete69
 
19.12.2009 15:50

wo in biologie sind sie genau ausgestiegen ?

Mahnende Stimme
20.12.2009 16:27

Wahrscheinlich Baumschule...

Flann O'Brien
19.12.2009 11:41
Mindestens 30% aller befruchteten Eizellen sterben natürlicherweise ab.

Bedanken Sie sich bei Ihrem Gott für diese Verschwendung.

guggi102
19.12.2009 15:54

Eher 70%.

Pygar
 
18.12.2009 23:21

Ja, man freut sich schon über kleine Schritte in die richtige Richtung.
Nur ist es irgendwie mühsam immer noch für eigentlich Selbstverständliches so viel und lange kämpfen zu müssen.

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