Graz/Wien/Innsbruck - Für die Grazer Vizebürgermeisterin Lisa Rücker (Grüne) sind die am Montag verkündeten landeshauptstadtinternen Regeln für schwule und lesbische Verpartnerungen "auch ein Koalitionsthema". Auf alle Fälle aber werde sie "die Sache nicht auf sich beruhen lassen", sondern mit Bürgermeister - und Koalitionspartner - Siegfried Nagl (VP) "den offenen Disput weiterführen", kündigte sie an.
Denn: "Ich könnte vielleicht verstehen, wenn er sich über den Trauungssaal nicht drübertraut. Aber dass Nagl Lesben und Schwulen, die eine eingetragene Partnerschaft eingehen wollen, jede feierliche Zeremonie verbietet, ist gerade in der Menschenrechtsstadt Graz skandalös." Zumal eine solche Minimallösung "bei unseren Gesprächen bis zuletzt kein Thema war". Am Dienstag kritisierte das auch die Grazer SP.
Tag zuvor hatte Nagl mitgeteilt, dass Homosexuellen, die dem ab Jänner 2010 geltenden Gesetz für eingetragene Partnerschaften (EP) entsprechend "heiraten" wollen, dafür der Zutritt in Standesamt und Trauungssaal des Grazer Rathauses verwehrt wird. Laut EP-Gesetz sind nicht Standesämter, sondern Bezirksverwaltungsbehörden für Verpartnerungen zuständig: ein vor Beschlussfassung vielfach kritisierter Umstand.
Nagl interpretiert das buchstabentreu: Homosexuellenpaare müssen mit dem "Referat Personenstands- und Staatsbürgerschaftswesen" im Amtshaus vorlieb nehmen - und für den Fall, dass ihnen an einer offiziöseren Location liegt, mit dem städtischen Media Center, wo sonst Pressekonferenzen stattfinden. In sogenannten externen Trauungsorte wie das Schloss Eggenberg wiederum, die heterosexuellen Paaren zum Jasagen offenstehen, soll keine Verpartnerung möglich sein: Männer- und Frauenpaare könnten diese im Anschluss ja zum Feiern mieten, ließ der Bürgermeister wissen. Alles zusammen für Rücker, die selbst in einer Frauenbeziehung lebt, "Grund genug, dass ich zum Verpartnern nach Wien gehen würde, würde ich es planen".
Großzügiges Wien
Dort wurden am Montag weitaus großzügigere Regeln für lesbische und schwule "Eheschließungen" verkündet: "Überall dort, wo man in Wien heiraten kann, kann man sich auch verpartnern", fasste die zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger (SP) bei einer Pressekonferenz zusammen. Fest- und Trauungssäle im Amtshäusern, "Traumhochzeits"-Locations wie das Schloss Schönbrunn (gegen Gebühr) - sie alle stehen den Paaren offen. Im Jahr 2010 rechnet man mit 240 Verpartnerungen.
Liberaler als in Graz wird es indes auch in der schwarz regierten Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck zugehen: Laut dem zuständigen Amtsvorstand Eduard Vetter werden Verpartnerungen im Standesamt stattfinden, das sich im Goldenem Dachl befindet. Dies jedoch als "reiner Formalakt, also ohne jede Feierlichkeit". (Irene Brickner, Verena Langeggger/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.12.2009)
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