
Mit diesen Masken liefen üblicherweise Männer durch die Straßen, um böse Geister zu vertreiben.
Linz - Vor dem "GlöcklerInnen"-Lauf in Ebensee am Abend vor Dreikönig, eine alljährlich tausende BesucherInnen anziehende Brauchtumsveranstaltung im Salzkammergut, kommt es nun zur Eskalation: Weil heuer erstmals eine Frauen-Gruppe bei dem Brauch dabei sein wird, haben die Männer einen Protest dagegen angekündigt. Von Seiten der Gemeinde heißt es, sie versuche in dem Streit "neutral" zu bleiben.
Die Glöckler-Läufe dienten einst zur Abwehr von bösen Geistern. Betrieben wurden sie bisher ausschließlich von Männern, die in "Passen" genannten Gruppen organisiert sind. Die Glöckler tragen weiße Gewänder und auf dem Kopf große Kappen. Diese bestehen aus einem Gerüst aus Holzstäben, das mit buntem transparentem Papier überzogen wird. Im Inneren der Kopfbedeckung werden Kerzen entzündet, die sie wie ein beleuchtetes Kirchenfenster aussehen lassen.
Neujahrsgrüße für die BewohnerInnen
Am 5. Jänner laufen die Passen ab Beginn der Dunkelheit zuerst im Ortszentrum und dann durch die Siedlungen. Dort besuchen sie Haus um Haus und überbringen den BewohnerInnen den Neujahrsgruß. Als Dank für die Mühe gibt es "Glöcklerkrapfen", Kekse, Tee, Punsch oder auch eine Geldspende - den "Glöcklerkreuzer" -, der den Begleitern der Passen zugesteckt wird.
In Ebensee, der Hochburg dieses Brauchtums, hatten einige Frauen genug davon, dass die "Glöckler" eine reine Männerdomäne sind. Sie bewarben sich mit ihrem Projekt "D'Lambatalerinnen" um Mittel aus dem Innovationstopf des Landes Oberösterreich und überzeugten die Jury.
Männer drohen mit Boykott
Dagegen regt sich nun Protest. Unter anderem stört die Männer, dass die Frauen eine Förderung bekommen. Dem Kultur- und Sportreferenten von Ebensee, Martin Derfler, wurde mitgeteilt, dass als Boykott-Maßnahme die meisten männlichen Passen heuer nicht mehr bis vor das Marktgemeindeamt laufen und dort ihre Kreise ziehen, sondern rund 200 Meter vorher im Ortszentrum stoppen wollen. Das wirft organisatorische Probleme auf, denn die vielen BesucherInnen, die üblicherweise zu dieser Brauchtumsveranstaltung kommen, finden Platz vor dem Gemeindeamt, im Ortszentrum aber nicht.
Alle TeilnehmerInnen werden finanziell unterstützt
Derfler betont, die Gemeinde könne und wolle niemand die Teilnahme am Glöcklerlauf verbieten. Ihm persönlich tue es leid, dass es einen Boykott gebe. Man werde auch in Zukunft voll hinter den Glöcklern stehen und sie finanziell und organisatorisch unterstützen. So bekomme jede Passe an die 40 Euro, außerdem sorge die Gemeinde für die Aufbewahrung der Kappen und beim Lauf für die Bereitstellung der BesucherInnen-Parkplätze und die musikalische Umrahmung. Ob künftig auch die Glöcklerinnen eine Förderung erhalten, werde wohl ein Tagesordnungspunkt in einer Sitzung des Kultur-und Sportausschusses sein. Jedenfalls werde es voraussichtlich im Februar ein Gespräch mit allen Beteiligten über den Glöcklerlauf 2011 geben, so Derfler.
Grüne: "Brauchtum keine reine Männersache"
Die oberösterreichischen Grünen stellen sich jedenfalls hinter die Ebenseer Glöcklerinnen: "Brauchtum ist keine reine Männersache", betonte Frauen- und Kultursprecherin Maria Buchmayr in einer Presseaussendung. In dem Vorhaben in der Salzkammergut-Gemeinde sieht sie ein sehr wichtiges Aufklärungs- und Sensibilisierungsprojekt für die Gleichstellung. Die Förderung von Traditionskultur sei dem Land sehr wichtig, diese dürfe aber nie einseitig sein.
"Auch Brauchtümer und Traditionen leben von Veränderung und Weiterentwicklung", erklärte Buchmayr. Davon profitiere auch die Gemeinschaft, vorhandene Widerstände würden auf Dauer nicht halten. Frauen hätten bei der Herstellung der Glöcklerkappen schon bisher eine wichtige Rolle gespielt, das Tragen beim Lauf durch den Ort sei ihnen aber bisher großteils verwehrt gewesen. Laut Buchmayr handle es sich um ein klares Beispiel dafür, dass Arbeit von Frauen oft unsichtbar sei und die Lorbeeren von Männern geerntet würden. "Das ist wohl eine der wichtigsten Intentionen für die Gründung einer Frauen-Passe." (APA)
Info:
Glöcklerläufe finden in etlichen Orten des Salzkammergutes statt, unter anderem in Gmunden, Ebensee und Bad Ischl. Die Beginnzeiten sind unterschiedlich, zwischen 17.00 und 20.30 Uhr, auf jeden Fall nach Einbruch der Dunkelheit.
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sind Sternsingerinnen.
Wieso bringen sie heute noch immer ein Zeugs mit, das keine Mutter brauchen kann? Wieso bringen sie kein ordentliches Baby-Paket mit? Wieso folgen sie noch immer einem Stern, wo doch Frauen kein Problem damit haben nach dem Weg zu fragen, um letztendlich früher dort zu sein, vor der Geburt den Dreck rauszukehren und die Viecher zu verjagen?
Was lernen wir daraus? Egal wie dämlich ein Brauchtum ist, aber Frauen schaden sicher keinem Brauchtum.
Hab die ganze blöde diskussion vor ort live miterlebt. und ich muss (als frau) sagen, das ganze spricht nicht sehr fürs frauenforum. ich glaube nicht, dass irgendeine der passen ein problem damit gehabt hätt, wenn frauen mitlaufen. aber da diese das total aufgebauscht haben und sofort von frauenfeindlichem brauchtum gesprochen haben, haben wir es endlich wieder mal mit negativschlagzeilen in die medien geschafft. als hätts da in den letzten jahren nicht schon genug gegeben. inzwischen ist ebensee ein dorf voller tierquäler (vögelfänger), frauenhasser und neonazis. Danke schön!
Ich versteh schon, daß das was da passiert mit Ärger verbunden sein muß. Doch jetzt groß darüber aufregen, das ist genau das, was diese Provokation vom Land subventionierte Provokation bezweckt. Also ignorieren, und leerlaufen lassen. Wenn sie die Förderung kassiert haben und festgestellt haben, daß das Ganze ziemlich astrengend ist, wird sich der Spuk schon nächstes Jahr wieder legen und das Strohfeuer ist vergessen.
Mir persönlich ist´s eigentlich ziemlich wurscht ob da ein Männer- oder Frauenkompf unter der Kappe steckt. Sieht man eh nicht.
Trotzdem halt ich es auf Aufgabe den Erhalt des Landes, Brauchtum zu fördern und da nicht Streit und Zwietracht hineinzubringen. Das machen sie am besten indem sie sich wie bisher da raushalte
... mein Steuergeld sei Euch vergönnt! Kann ich meinen Steuergeldanteil von den 39,- Euro pro Teilnehmer eigentlich umwidmen lassen?
@ "Gleichbehandlung ja, aber bitteschön für ALLE gleich!" - Bei manchen Dingen wird aber lauter/heftiger geschrien/argumentiert als bei anderen. Zumeist wenn die Männer plötzlich weniger Geld zur Verfügung haben - woher kommt das bloß?
http://www.equalpayday.de - für alle Protestierer die sich ungleich behandelt fühlen.
das witzige ist ja, dass es diesen "equalpayday" (der im übrigen nicht auf gleiche bezahlung für gleiche leistung beruht, aber das nur nebenbei) praktischerweise auf grund der totalen ungleichbehandlung der frau gleich zwei mal gibt:
im april (siehe http://www.equalpayday.at/index.php?id=33)
und
im september (http://diestandard.at/125380785... en-gratis)
aber ich verstehe das: bei der vier- bis fünffachbelastung der modernen frau heutzutage (topgebildet, keine kinder, single, quotenarbeitsplatz) sind derartige tage ein wichtiges zeichen, um die ungleichberechtigung zu zeigen.
das liesst sich fürchterlich rückständig und treibt mir als gleichberechtigungsfanatiker die zornesröte ins gesicht. aber ein bisserl weitergelesen relativiert sich der boulevardstil der überschrift:
"Unter anderem stört die Männer, dass die Frauen eine Förderung bekommen."
in einem posting bekomme ich dann den hinweis, dass männer 39 euro/kopf an förderung bekommen, während "die frauen" (wieviele sinds eigentlich?) 12.000 euro erhalten.
_das_ scheint mir zentraler bestandteils des boykottaufrufs zu sein. es wundert mich (eigentlich nicht), dass der artikel dies nur in einem nebensatz erwähnt und keine relationen (nach dem motto "gleiche förderung für gleiches geschlecht") hergestellt werden.
scheint für mich, dass einige der teilnehmer ihr ego verletzt sehen und sauer sind, dass jetzt für ein paar tage die aufmerksamkeit auf der frauengruppe liegt.
die verletzten männer bräuchten nur ein jahr warten und hätten wieder die aufmerksamkeit, die sie jahrzehnte hatten, da es nächstes jahr für die frauengruppe wohl kein sponsoring mehr geben wird.
wenn ich sehe, dass für fussballstadien ständig förderungen in millionenhöhe bereitgestellt werden, treibt es mir auch die zornesröte ins gesicht. wenns wenigstens nur eine einmalige sache wäre.
(in der langbath (der fluss, der vom langbathsee her in die marktgemeinde ebensee rinnt (panta rhei!)) da ist es gemütlich ...) und soll es auch bleiben. derart unbedachte subventionierung zieht natürlich neid und streiterei nach sich. in sehr sehr vielen arbeitsstunden werden die glöcklerkappen entworfen und umgesetzt, dies, um das brauchtum aufrecht zu erhalten. dies dann als "neu" oder "idee" zu vermarkten, erzeugt auch unmut. ich glaube nicht, dass es ein problem darstellt, dass frauen eine "pass" bilden. das könnte man am stammtisch ausdiskutieren und billigen. ich denke, es ist eher die einmischung von "aussen", welche die "bestehende ordnung" durcheinanderrüttelt, ein ungleichgewicht erzeugen im ansich intakten "biotop" ...
Dann machen halt die Eberböcke die Glöcklerkrapfen, Kekse, Tee, Punsch für die Frauen. Es wird sich doch ein Fernsehkoch finden, der statt den nächtlichen "Sexy Sport Clips" einen Back- und Punschmachkurs abhält... artgerechtes Besäufnis inklusive... weidl das soll ja kein Mäderlkochkurs sein.
Einmal ehrlich: "Seit wann sind Frauen schlecht für die Spendenkasse?"
... der bereit gestellten Mittel. Für die Frauen wurden 12.000,- Euro !!! bereitgestellt, während die Männer seit Jahren um 39,- Euro PAUSCHAL pro Kopf Ihre Freizeit und den Aufwand zur Maskenerstellung abgegolten bekommen.
Da würde ich auch protestieren. Gleichbehandlung ja, aber bitte schön für ALLE gleich.
sie protestieren dann auch gegen die förderungen für lokale fussballvereine.
die einmalige förderung wurde fair in einem wettbewerb gewonnen:
http://www.frauenforum-salzkammergut.at/cms/
Jährlich findet die Meisterschaft statt. Alle paare Jahre gibt es sogar große Spiele (WM, EM) und es wird viel Geld hineingebuttert, von dem Frauen verhältnismäßig wenig erhalten.
Nicht der Glöckner-Lauf ist innovative Kultur, der Frauenpass ists.
Bin gespannt, ob im nächsten Jahrzehnt das in Nebelberg stattfindende Raunachtsingen (www.raunachtsingen.info), das heute und morgen wieder aufgeführt wird, endlich auch mit Frauen gezeigt wird. Höchste Zeit wär's allemal. Wir sind im 21. Jahrhundert, da sollte man(n) ja endlich dazu bereit sein.
weibliche teilnehmer gibt es in ebensee schon seit geraumer zeit - lediglich die frauenpass ist neu. und ihnen wird das leben leidlich zur hölle gemacht: boykottaufrufe von 2 männlichen passen, neidgelaber über das preisgeld von 10.000 euro, die gemeinde traut sich nicht in diesen widerwärtigen disput einzutreten undundund...
irgendwie hab ich den verdacht, dass der heurige lauf ziemlich grauslich werden könnt.
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