Straßburg - Nach dem nie völlig aufgeklärten Tod einer jungen Russin hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Zypern und Russland wegen Menschenhandel und Sklaverei verurteilt. Die Straßburger RichterInnen gaben damit einem Russen Recht, dessen Tochter im März 2001 mit einem "Künstlervisum" nach Zypern kam und dort in einem Nachtclub arbeitete. Zwölf Tage später starb die damals 21-Jährige bei einem Sturz aus einem Fenster. Die Todesumstände wurden nie geklärt.
"Künstlervisum" fördere Menschenhandel
Dem Urteil zufolge hatte die junge Frau die Arbeit in dem Nachtclub nach drei Tagen aufgegeben. Sie wurde aber von dem Besitzer des Clubs in einer Diskothek aufgespürt und zur Polizei gebracht. Die Polizisten überprüften die Daten der Russin und stellten fest, sie sei legal ins Land gekommen. Der Nachtclubbesitzer brachte die Frau daraufhin in die Wohnung eines Freundes. Von dort stürzte sie aus dem 6. Stock in den Tod.
Der Straßburger Gerichtshof wirft Zypern vor, mit den Visa für "Künstler" de facto Menschenhandel und Sklaverei zu fördern. Außerdem hätten die Polizisten die junge Frau nicht wieder dem Nachtclubbesitzer anvertrauen dürfen, heißt es in dem Urteil. Moskau wiederum habe nicht aufgeklärt, wie und von wem die 21-Jährige in Russland angeworben wurde. Dem Vater der Toten muss Zypern nun 40.000 Euro Schmerzensgeld zahlen; Russland wurde zu 2.000 Euro Schmerzensgeld verurteilt. (APA/Ag.)
Internationale NGOs fordern UN auf, die Opfer des Frauenhandels ins Zentrum lösungsorientierter Maßnahmen zu stellen
Über Hausangestellte, die wie Sklavinnen gehalten werden, wurde in der Wiener Uno-City diskutiert. Weltweit mehren sich Fälle derartiger Ausbeutung - auch durch Diplomaten
AFESIP-Gründerin Somaly Mam betreibt Wohnheime für Kinderprostituierte in Kambodscha - The Body Shop unterstützt Spenden-Kampagne
Trotz neuem Bleiberecht und reformierter Strafprozessordnung haben Opfer von Frauenhandel in Österreich noch viele Probleme im Alltag - LEFÖ fordert Öffnung des Arbeitsmarktes
Meist Minderjährige aus Nigeria am Straßenstrich ausgebeutet - 34 Festnahmen in elf Ländern, darunter auch Abtreibungs-Ärzte
Arbeitslosigkeit treibt mehr Frauen und Mädchen in "riskantere" Jobs
Interventionsstelle für Betroffene konstatiert neuer Strafprozessordnung mit verbessertem Opferschutz erste positive Ergebnisse
Neue Maßnahmen gegen Menschenhandel, sexuelle Ausbeutung und Kinderpornos: Mehr Polizeibefugnisse und besserer Opferschutz geplant
Susana Trimarco sucht seit Jahren ihre entführte Tochter in Bordellen. Durch ihren Kampf gegen den Menschenhandel hat sie in Argentinien vieles bewegt, auch juristisch. Dass Trimarco überhaupt noch lebt, ist erstaunlich
Teil des Problems Frauenhandel ist Passivität: Maria Obazuwa, Leiterin der NGO Girls Power, im Interview über nigerianische Zwangsprostituierte in Europa und ihr Bemühen um ein Empowerment junger Frauen
Menschenhandel und Zwangsprostitution sind die Sklaverei des 21. Jahrhunderts - Der Wiener Verein Exit sucht speziell für afrikanische Opfer einen Ausweg
Viele Asiatinnen arbeiten in der Golfregion ohne Rechte und angemessenen Lohn - Regierung will AusbeuterInnen bestrafen, vergisst aber auf diese Frauen
Opfer landen bei MenschenhändlerInnen und bleiben abgängig: Kein Lohn und sexueller Missbrauch an der Tagesordnung - UNO fordert Regierung zum Handeln auf
Lefö, die Interventions- stelle für Betroffene des Frauenhandels, feiert ihr 10-
jähriges Bestehen - Bisher 1300 Frauen beraten
Die Vize-Chefin des Europarats, Maud de Boer-Buquicchio, erklärt im STANDARD-Interview, warum zur Bekämpfung von Menschenhandel auch die Kriminalisierung von Freiern gehört
Die Geschichten über Frauenhandel sollen von den Betroffenen entkoppelt werden, meint Regisseurin Anja Salomonowitz im dieStandard.at-Interview
Reportage von Mary Kreutzer und Corinna Milborn zur moderner Sklaverei Zwangsprostitution