Deutschland

Frauen arbeiten befristet oder Teilzeit

11. Jänner 2010, 09:26

Laut einer Studie haben nur noch 60 Prozent der ArbeitnehmerInnen unbefristete Vollzeitstellen

Hamburg - Nur noch 60 Prozent der ArbeitnehmerInnen in Deutschland haben laut einer Studie eine unbefristete Vollzeitstelle. "Seit 2001 ist der Rückgang traditioneller Beschäftigungsverhältnisse vergleichsweise hoch", zitiert das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" aus einer internationalen Studie der Bertelsmann Stiftung. Die Situation sei von Branche zu Branche verschieden.

Während in der Industrie unbefristete Vollzeitstellen weiter vorherrschten, gebe es im Dienstleistungssektor einen stärkeren Rückgang solcher Verträge. Vor allem Frauen arbeiteten befristet oder in Teilzeit. "Die Entwicklung zu mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt trifft eher Frauen als Männer", analysieren die AutorInnen dem Magazin zufolge.

Strukturwandel

Auffällig an der deutschen Entwicklung sei nicht nur die insgesamt geringe Zahl von Frauen mit unbefristeten Vollzeitstellen. Ihr Anteil habe sich von 2001 bis 2008 sogar noch einmal verringert, von knapp 48 Prozent auf 43,3 Prozent aller weiblichen Angestellten. Bei den Männern verzeichneten die ForscherInnen im selben Zeitraum einen weniger starken Rückgang.

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, sagte im Dezember, Deutschland befinde sich inmitten eines umfangreichen Strukturwandels. "Es gibt einen Wandel von langen Berufskarrieren bei einer Firma, von gut bezahlten Arbeitsplätzen im produzierenden Gewerbe in Vollzeit, hin zu niedriger bezahlten Jobs im Dienstleistungsgewerbe, von Vollzeit zu Teilzeit." Dieser Trend sei von der Wirtschaftskrise noch verstärkt worden.

So sei die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitstellen nach Daten vom vergangenen September binnen Jahresfrist um 420.000 zurückgegangen, während die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Teilzeitjobs gleichzeitig um 220.000 anstieg. Berufskarrieren von 40 Jahren im gleichen Betrieb, mit regelmäßigen Lohnerhöhungen gehörten bereits der Vergangenheit an. "Auf diese Strukturveränderungen müssen wir uns einstellen", sagte Weise. (APA)

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14 Postings
AlliGator
03
11.1.2010, 21:10

"trifft" eher Frauen als Männer??

Führen Sie mal ein Bewerbungsgespräch und wagen Sie es, der Kandidatin mehr als 25h/Woche anzubieten. Dann besetzen Sie die Stelle nie...

Dante Alighieri
00
11.1.2010, 18:27

Fairerweise muss man dazusagen dass dies großteils nicht deshalb so ist weil Leute die früher einen unbefristeten Vollzeitjob hatten heute keinen mehr haben, sondern weil heute deutlich mehr Menschen im Erwerbsleben stehen.

Man muss jedoch darauf achten dass sich diese Übergangslösung der Frauenteilzeit nicht als Dauerlösung etabliert, sonst werden Frauen nämlich auch in vielen Jahrzehnten noch bei den Pensionsansprüchen durch die Finger schauen und in enormer Abhängigkeit von ihrem Lebenspartner stehen.

Freigeistin1
12
11.1.2010, 12:17

Es gibt GENUG Frauen die sehr gerne Teilzeit arbeiten gehen. Mehrheitlich haben wir bei Bewerbungen die Frage "Geht TZ auch?"
Wie soll man sonst Familie und Job vereinbaren?

Dante Alighieri
22
11.1.2010, 18:29

Na wie wohl? Mit Hilfe des Partners (Männer tragen nach wie vor nur extrem wenig zur Kinderbetreuung bei, siehe alle ernstzunehmenden statistischen Studien), mit Hilfe von Kinderbetreuungseinrichtungen, usw. Es gibt heutzutage unzählige Lösungen, und es ist nicht mehr notwendig dass die Frau ihre Karriere und ihre Zukunft für die Kinder opfert. Ein Mann würde das ja auch nie machen.

Mac Smith
00
18.1.2010, 16:34
"und es ist nicht mehr notwendig dass die Frau ihre Karriere und ihre Zukunft für die Kinder opfert"

Und weil es "nicht mehr nötig ist" darf sie es Ihrer Meinung nach auch nicht?

Es gibt durchaus Frauen, die ihre Kinder halbtags selbst betreuen möchten, obwohl sie Alternativen hätten.
Für solche ist Teilzeitarbeit ein Privileg und nicht ein Fluch, wie hier immer zu lesen ist.

neues feindbild
01
11.1.2010, 22:59
Lasst uns alle Karriere machen, denn das ist der Sinn des Lebens!


Wer nicht Karriere macht, kann kein glücklicher Mensch sein, denn nur im Beruf findet man die ultimative Selbstverwirklichung. Nur im 24/7-Wichtigtuer-Manager-Job ist man wer und kann auf andere herunterschauen.

Gottseidank gibt es Menschen, die einen das nicht vergessen lassen. ;-)

miranda7
00
13.1.2010, 09:17
Vom Sinn des Lebens

Die persönliche Sinnfindung kann sowieso nur eine individuelle Entscheidung sein, die man/frau aufgrund von Prägungen und Lebensumständen trifft. Wenn Frauen aber in finanzieller Abhängigkeit leben und Müttern und Vätern nicht ausreichend Kinderbetreuungseinrichtungen zur Verfügung stehen, kann von einer freien Entscheidung keine Rede sein. Mag sein, dass die eine ihr persönliches Glück in erster Linie in der Aufzucht des Nachwuchses sieht und die andere eher in beruflicher Weiterentwicklung, de facto haben die meisten aber gar nicht die Wahl, da die Rahmenbedingungen eben so sind wie sie sind. Meist geht es aber gar nicht um großspuriges Karrierestreben, sondern ganz simpel um ein gesichertes eigenes Einkommen.

Eva N
43
11.1.2010, 12:51

Indem auch der Partner mithilft, vielleicht?

Anton der Letzte
33
11.1.2010, 13:26

Es geht doch nicht um mithelfen....

Entgegen der feministischen Mär tun das die meisten Männer nämlich.

Wenn Kindergärten entweder ganztags nicht angeboten werden oder sehr teuer sind, wenn man sein Kleinkind nicht völlig außer Haus geben möchte, wenn der Mann einfach mehr verdient und das Ganze eine rein finanzielle Entscheidung ist, dann ist TZ einfach aus Sicht vieler sinnvoll.

Außerdem soll es einige Frauen geben, die sehr gerne zumindest tw. bei ihren Kindern bleiben wollen.

Dante Alighieri
20
11.1.2010, 18:30

"Entgegen der feministischen Mär tun das die meisten Männer nämlich."

Haha, guter Scherz ^^ Lesen Sie mal ernstzunehmende Time-use-Studien -- da sehen Sie dass (1) Männer _viel_ weniger zur Kinderbetreuung beitragen als Frauen und dass (2) der Aufwand den Männer bei ihren Betreuungsstunden betreiben viel geringer ist, da wird dann ferngesehen statt gelesen.

Lethawae
00
11.1.2010, 20:19

"Lesen Sie mal ernstzunehmende Time-use-Studien"

Du wusstest, was jetzt kommt: Links bitte!

Dante Alighieri
21
11.1.2010, 18:25

Und nach der Scheidung schaut Frau mangels Vollzeitarbeitserfahrung dann wieder durch die Finger... dieses so geschaffene Abhängigkeitsverhältnis muss endlich mal ein Ende finden.

Mac Smith
00
18.1.2010, 16:37
Sie haben recht.

Ich werde umgehend sämtliche in Teilzeit arbeitende Frauen hier in der Firma entlassen, und so zum Ausgleich der Statistik beitragen.

elektrosmog plastique
00
11.1.2010, 19:17

Und wie? Indem es ein "Grundeinkommen" für Bürger gibt? Als nächstes kommt die Frage, wer dann der Chirurg wird, weil wenn der Chirurg mehr verdient als xy fürt dies wieder zu Abhängigkeiten etc. Vielleicht andere Vergütungen nicht in Kreditform?

Dann müsste man allerdings vorher den Kapitalismus besiegen, ein paar millionen Menschen töten und eine Diktatur - nennen wir sie einfach mal "weisen Rat" - einsetzen.
Wie wird dann Effektivität beibehalten? Vergütung oder unter Vollzug von Strafen("gesellschaftsschädigendes Verbrechen")?

Also ich wäre dafür, andere Vorschläge sind nämlich nicht durchsetzbar, beheben das Problem nicht und sind utopisch.

Naja, meine Ehe wird bestimmt perfekt; geh ich einfach mal von aus ;)

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