Wien - "Ich sorge mich nicht. Ich sorge vor." - Das ist das Motto einer neuen Kampagne der österreichischen GynäkologInnen gemeinsam mit Apotheker-, Ärztekammer und anderen ProponentInnen. Jede Frau sollte jährlich einmal zur Gynäkologin zum Krebsabstrich gehen, ab 40 alle ein bis zwei Jahre auch zur Mammografie (neben der regelmäßigen Selbstuntersuchung). Vehement wurde bei der Präsentation der Aktivitäten am Dienstag in Wien auch die HPV-Impfung gefordert, die gegen Gebärmutterhalskrebs schützt.
"Das Mammakarzinom ist die häufigste gynäkologische Krebserkrankung. Wir gehen davon aus, dass jede achte Frau in ihrem Leben erkrankt. Gerade in den letzten Jahren ist es zu einer Zunahme der Neuerkrankungen bei jüngeren Frauen gekommen. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei einem Tumor, der bei der Entdeckung weniger als 0,5 Zentimeter groß ist, liegt bei 95 Prozent", sagte Christian Singer, Leiter der Arbeitsgruppe für Brustgesundheit an der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe der Wiener Universitäts-Frauenklinik.
Aufruf der ExpertInnen
Monatlich sollte jede Frau ihre Brust selbst untersuchen. Einmal jährlich sollte sie zur Gynäkologin gehen - dies wegen des Früherkennungsabstriches auf Gebärmutterhalskrebs, ab 40 dann auch wegen der möglichst jährlich bis alle zwei Jahre empfohlenen Mammografie bzw. der Untersuchung bei der Frauenärztin.
Für Österreich werden Mängel kritisiert: Weil - im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Staaten - weiterhin kein flächendeckendes Brustkrebs-Screeningprogramm etabliert wurde - zuletzt hatten dies Ex-Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (V) und schließlich auch der aktuelle Ressortchef Alois Stöger (S) angekündigt -, kommen längst nicht alle österreichischen Frauen zu den Untersuchungen. Herbert Kiss, Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG): "Binnen drei Jahren gehen 70 Prozent der Frauen zum Gynäkologen." Laut Singer betragen jährlichen die Teilnahmequoten je nach Bundesland zwischen 25 und 70 Prozent.
In Österreich erkranken pro Jahr derzeit rund 4.800 Frauen an einem Mammakarzinom, etwa 1.560 sterben daran. Beim Gebärmutterhalskrebs sind es jährlich etwa 550 Erkrankungen und rund 180 Todesfälle. Allerdings, es soll zu Verbesserungen kommen. Mittelfristig wird an einem generellen Mammografie-Programm gearbeitet. Singer: "Wir hoffen, dass wir bis Ende 2011 in Österreich ein generelles Brustkrebs-Screening implementieren können. Ich glaube, dass die Chancen sehr gut sind." (APA)
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