Unterlassungsklage angedroht

Poppige Bundeshymne besingt "große Töchter"

21. Jänner 2010, 14:18
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    foto: cremer

    Der Titel der Bildungsreform-Kampagne "Heimat bist du großer Söhne und Töchter" betont die Geschlechtergleichstellung. Dementsprechend wird auf den weiblichen Nachwuchs in Stürmers Version der Österreichischen Bundeshymne nicht vergessen - was dem Verlag, der die Erben der Texterin vertritt, gar nicht passt. Sie wollen klagen, wenn Schmied und Stürmer keine Unterlassungserklärungen unterzeichnen.

Christina Stürmers Version für Bildungsreform-Kampagne gibt Anlass für Rechtsstreit

Wien - Um die von Christina Stürmer gesungene Pop-Version der Bundeshymne, die Unterrichtsministerin Claudia Schmied in ihrer PR-Kampagne für die "Bildungsreform für Österreich" einsetzt, ist ein Rechtsstreit entbrannt. Wie der ORF berichtet, verlangt der Sessler-Verlag, der die Erben der Textdichterin Paula von Preradovic vertritt, von Stürmer und Schmied Unterlassungserklärungen. Die Begründung: Stürmer singt von der Heimat "großer Söhne und Töchter", diese Textveränderung sei ein "Eingriff in das Persönlichkeitsurheberrecht", so Verlags-Geschäftsführer Ulrich Schulenburg.

"Textverfälschung" am Pranger

Eine "poppige Version" der Bundeshymne hält Schulenburg generell für eine "Absurdität", "das kann nicht im Sinne des Staates sein". Der Sessler-Verlag vertritt auch die Erben von Victor Keldorfer und Max Schönherr, von denen die Chor- bzw. Orchesterbearbeitung der ursprünglich Wolfgang Amadeus Mozart zugeschriebenen Freimaurerkantate stammt. "Vor allem geht es aber um die Textverfälschung", so Schulenburg.

Unterlassungserklärungen eingefordert

Der vom Verlag beauftragte Rechtsanwalt, Georg Zanger, verlangt von Stürmer und dem Unterrichtsministerium innerhalb von drei Tagen Unterlassungserklärungen. Sollten diese bis Montag nicht einlangen, werde er eine Unterlassungsklage einbringen und gleichzeitig versuchen, per einstweiliger Verfügung die Ansprüche der Erben durchzusetzen. Diesen und dem Sessler-Verlag gehe es dabei nicht um Geld, betonte Zanger, "sondern darum, dass das Werk unangetastet bleibt".

Stürmers "anmaßendes Vorgehen"

Zwar habe Dichterin von Preradovic der Republik sämtliche Rechte vermacht, welche dafür bei jeder Aufführung abseits von staatstragenden Anlässen, selbst bei einem Feuerwehrfest, Tantiemen bezieht. "Das hat aber nichts mit den künstlerischen Persönlichkeitsrechten zu tun", betont Zanger. Die Regierung habe nicht das Recht, ohne Zustimmung der Erben das Werk zu verändern. Stürmer unterstellte er "anmaßendes Vorgehen", man könne nicht über den Kopf eines Künstlers hinweggehen und dessen Werk, das in einer bestimmten Intention geschaffen wurde, verändern: "Ich würde ja auch nicht in einen Miro oder einen Hundertwasser einfach etwas hineinmalen."

Keine Änderung, sondern "bloße Anpassung"

Bei der Rechtsanwaltskanzlei Lansky, Ganzger und Partner, die die für die Kampagne zuständige Werbeagentur Lowe GGK vertritt, zeigt man sich über die Aufregung verwundert. Von Preradovic habe den Text als Auftragswerk geschaffen und alle Rechte an die Republik übertragen, so Gerald Ganzger. Selbst wenn die Republik nicht der ausschließliche Rechteinhaber wäre, sieht Ganzger kein Problem mit dem veränderten Text. Bei dem Zusatz "und Töchter" handle es sich nämlich nicht um eine Bearbeitung, sondern eine bloße Anpassung, die durch die Sensibilisierung im Umgang mit Sprache notwendig geworden sei. Bei einem identitätsstiftenden Werk wie der Bundeshymne sei es "rechtlich klar", dass der Auftraggeber im Bedarfsfall Anpassungen vornehmen dürfe. Immerhin schließe der Originaltext 50 Prozent der Bevölkerung aus, so Ganzger. Außerdem seien durch den Zusatz "und Töchter" weder Sinn noch Qualität des Textes verändert worden.

Bei der musikalischen Interpretation stelle sich die Frage, welche Version Stürmer "bearbeitet" haben solle, so Ganzger. Die aus dem 18. Jahrhundert stammende Freimaurerkantate sei schließlich urheberrechtsfrei.

Schmied und Stürmer gelassen

Das Unterrichtsministerium sieht trotz der angekündigten Unterlassungsklage indes keinen Anlass, die Pop-Version der Bundeshymne zu stoppen. Das Ministerium werde die Unterlassungserklärung nicht abgeben, die jener Verlag verlangt hat, der die Rechte der Textdichterin Paula von Preradovic vertritt. "Wir stehen etwaigen rechtlichen Schritten vollkommen gelassen gegenüber", betonte ein Sprecher von Ministerin Claudia Schmied.

Auch Christina Stürmer dürfte vorerst keine Unterlassungserklärung unterschreiben. "Es besteht noch überhaupt kein Anlass zu handeln", so ihr PR-Berater Bernd Rengelshausen. Das Ministerium fürchte keine rechtlichen Schritte, "also wieso soll Christl Stürmer sich Sorgen machen"? (APA)

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Posting 1 bis 25 von 141
1 2 3 4
1000 Kopfläuse können nicht irren
00
25.1.2010, 08:55
WAS Christl Stürmer gesungen hat ist mir wurscht...

... aber WIE es sie gesungen hat, fand ich mühsam. Als wollte sie die Bundeshymne krampfhaft spannender machen als sie ist.

Bitte bei den eigenen Liedern bleiben, dass kann sie besser!

knurrhoernchen
00
25.1.2010, 15:15
Dir wäre wahrscheinlich

ein richtiges Weana-Schrammel-Hymne-Gsudarat lieber :)

1000 Kopfläuse können nicht irren
00
25.1.2010, 21:39
Wenn's...

... mir jetzt noch sagen wie so etwas klingt?!
(C:

stuffy
00
24.1.2010, 16:45
sondern eine bloße Anpassung, die durch die Sensibilisierung im Umgang mit Sprache notwendig geworden sei

Und warum haben diese selbsternannten Künstler, möchtegern Politiker und Werbebuden dann nicht "boa eh", "krass", "coolo" etc. in den Text hineingeschrieben - dass wäre einerseits deren Niveau, und andererseits würde es die Jugend wiederspiegeln.

So wird die Bundeshymne von einer erfolglosen Sängerin, nach der kein Hahn kräht, popmäßig total verhunzt, nur damit sie wie eine Frau Kampusch, sich wieder in die Medien drängen kann ...

Und von der rücktrittsreifen Unterrichtsministerin wollen wir lieber gar nicht reden - sie sollte eigentlich dahinter sein, das Kulturerbe der Jugend zu vermitteln - und nicht Auftraggeber für so einen Schwachsinn sein!

bla702
11
23.1.2010, 20:54

na endlich. hoffentlich gibts noch viele weitere interpretationen ;)

Alpendollar
00
23.1.2010, 20:37
Da hat doch gleich wer angst das im Falle einer Änderung

der Hymne wer um die Kohle umfällt.

Dein schönster Traum
03
23.1.2010, 17:44
Wie wärs überhaupt...

...mit einer neuen Hymne, die von HEUTE spricht, statt von irgendwelchen Äckern und sonstigen Dingen, die in der Vergangenheit liegen?

Außerdem ist das Stück selbst nicht sehr motivierend, eher zum Einschlafen.

Marten E. Vanderveen
 
00
24.1.2010, 17:36
Dan hätten Sie in 50 Jahren wieder das gleiche Problem

Sonst kann ich Ihnen zustimmen, unsere Hymne ist wirklich zum Einschlafen (und somit eine Schande für eine Kulturnation).
Die alte Kaiserhymne (mit neuem Text) würde mir besser gefallen.
http://bit.ly/7pZ0vI

Alpendollar
00
23.1.2010, 20:29
Also ich finde die ursprüngliche Hymne ohnehin zum heulen

und taugt in besten Fall für ein Begräbnis.
Ich könnten damit sicher leben.

True Earl Grey
00
23.1.2010, 16:39
Vorschlag:

Das Herumdoktern am Preradovictext ist sinnlos!
Wenn sich die öst. Frauen unterrepräsentiert wähnen, könnte man doch ergänzend eine
weitere Strophe in Auftrag geben, die ausschließlich
den Frauen und ihren Vorzügen, Fähigkeiten und
Verdiensten gewidmet ist.

Ich würde das befürworten.

eze eze
 
03
24.1.2010, 07:00

Blöderweise kommt man bei den ganzen offiziellen Anlässen selten über Strophe 1 hinaus ;-) Und diese Strophe würde vermutlich hintendrangehängt als vierte - schon den Text von 2 und 3 bringt heut kaum wer zusammen.

Land der Äcker, Land der Dome
Land am Strom ohne Atome,
Land der Titel und Diplome


Heimat bist du großer Söhne
Heimat bist du großer Töchter
Zusatzvers der Frauenrechtler


Land der unmöglich begrenzten,
Land der Berg', der allerschensten,
Land der Seen und Lipizzaner,
Der Prohaskas und des Klammer


Land der Krone, Land des Staberl
Land der Gruppe Drahdiwaberl.

(Text von Drahdiwaberl, 1979, „Kaiserhymne/Pink Punk Shirt“)

Ody Fry
00
24.1.2010, 13:41
zum Mitschreiben

Da Strophe 1 bis 3 die selbe Melodie haben, ist es doch ein vertretbarer Vorstoß, eine vierte, frauen-eigene Strophe zu erfinden.

Diese kann dann im Frauenslalom, im Frauenfußball, im Wettstricken und häkeln, Frauenski-Springen, etc... gesummt werden, falls man den Text nicht weiß; wie eben mit der jetzigen auch schon.

Autofan555
01
23.1.2010, 12:16

Und was ist mit den kleinen Söhnen Österreichs? Die werden auch komplett ausgeschlossen!

eze eze
 
00
23.1.2010, 18:34

Ich mag diesen Heldenkult auch nicht so, zumal die ÖsterreicherInnen die "Großen" meist eh erst zu schätzen beginnen, sobald diese unter der Erde liegen, mir wäre auch ein komplett neuer Text lieber.

eze eze
 
01
23.1.2010, 07:55

Normalerweise endet doch das Texturheberrecht (nämlich genau jenes, mit dem hier argumentiert wird) 70 Jahre nach Tod des Verfassers/der Verfasserin, und den Text gibts seit 1947, 1951 ist Paula von Preradovic verstorben - 2021 ist diese Diskussion hier also Geschichte, und es kann spätestens dann ohne Rechtsprobleme endlich ein zeitgemäßer Text aus diesem antiquierten gemacht werden, oder? Angesichts solcher ErbInnen, die den Ersatz einer heutzutage diskriminierenden Passage durch eine nichtdiskriminierende nicht zulassen, drängen sich gereimte Alternativen zu "Berge" und "Dome" geradezu auf ;-)

eze eze
 
00
23.1.2010, 18:33

Wahnsinn. 7.55 gepostet - und um 18.30 steht es schon da :-)))

Ody Fry
10
22.1.2010, 15:58
Alle Jahre wieder - same procedure than every year

<Zitat><...>immerhin schließe der Originaltext 50 Prozent der Bevölkerung aus,<...></Zitat>
Mann/Frau Verhältnis liegt in Ö bei 0,95 [1]
Durchschnittgröße einer 40-jährigen Frau 1,66 Meter, bei einem gleichaltrigen Mann 1,78 Meter. [2]
ad [1]: welche 50%
ad [2]: werden kleine Menschen benachteiligt.

Warum einfach eine Hymne ohne Text, denn die meisten Sportler, Politiker, etc können den Text sowieso nicht. Geschweigedenn von so manchem Innländer. Ist ja auch ausländerfeindlich (heiß um fedet, wild umstritten) und anmaßend (starkes Herz)... alles geht mal zu weit.

[1] http://www.welt-in-zahlen.de/laenderve... dicator=36
[2] http://root.medizinpopulaer.at/riscompan... 52&cnr=107

eze eze
 
11
23.1.2010, 18:54
ad) welche 50%

Ein Verhältnis von 1:1 ist dasselbe wie ein Verhältnis von 3:3 oder 999:999 oder 50:50.

Ein Verhältnis von 0,95:1 ist de facto (außer für I-Tüpfchen-ReiterInnen) auch dasselbe ;-)
Denn ob auf 95 Männer 100 Frauen kommen, oder auf 100 Männer 100 Frauen ist für den Streit, um den es hier geht, wirklich wurscht.

Wenn das Verhältnis von Männern zu Frauen 1 : 1 beträgt, dann ist 1 von 2 Menschen eine Frau, also sind 50 von 100 Menschen dann Frauen, der Frauenanteil = 50%.

50% (= 50/100 = die Hälfte = 1/2 = 1:2) der Menschen in Österreich (circa!) sind also weiblich.

Und:
50% (= 50/100 = die Hälfte = 1/2 = 1:2) der Menschen in Österreich (circa!) sind also männlich.

Also sind 50% + 50% = 100%, und das Verhältnis Männer zu Frauen ist 1:1.

Ody Fry
00
24.1.2010, 12:54
Schön!

Merken Sie sich diese Ausführung für die nächste Medizin-Frauen-Debatte, die alljährlich hier im diestandard vom Stapel gelassen wird.

eze eze
 
02
24.1.2010, 06:28

("Mann/Frau Verhältnis liegt in Ö bei 0,95 [1] - ad [1]: welche 50%?") - irgendwie ists schon seltsam, wenn man für die Beantwortung einer im Vorpost explizit gestellten Frage und das Ausräumen eines Missverständnisses von jemandem einen roten Punkt abkassiert.

Ody Fry
00
24.1.2010, 12:54
Nicht alle sind gleich

Auch wenn es hier nicht immer zutrifft: Nicht die im Posting vertretene Meinung soll bewertet werden, sondern wie lesenswert das Posting ist.
;-)

Also nicht verzagen - war schon eine tolle Ausführung!

Schrumpfschlauch
01
23.1.2010, 10:15
Innländer fehlen tatsächlich!


Kein Wort von den Tirolern im Bundeshymen enthalten.

Ody Fry
00
24.1.2010, 12:59
Selbstredend

Man kann ja nur auf jene schließen, die man kennt. ;)

Nitram1988
00
22.1.2010, 14:00
Der Text nicht nicht das Problem sondern der Rytmus.

Man kann ja nicht einfach ein Wort einfügen ohne das es holprig klingt. Außerdem warum immer männliche und weibliche Form hintereinander. Statt Söhne kann man ja, Nachkommen oder Kinder verwenden.

GreyPaladin
00
22.1.2010, 14:56

Ich wär auch für Heimat bist du großer Erben gewesen.

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