USA

Obama will "Don't ask, don't tell" aufheben

28. Jänner 2010, 12:17
  • Artikelbild: "Don't ask, don't tell" war immer wieder Anlass für Proteste. Die Hoffnung ruht auf Obama, dass er 2010 genügend Druck ausübt, damit das Verbot offen lesbischer und schwuler SoldatInnen beim Militär aufgehoben wird. - Foto: APA/AP/Michael Dwyer

    "Don't ask, don't tell" war immer wieder Anlass für Proteste. Die Hoffnung ruht auf Obama, dass er 2010 genügend Druck ausübt, damit das Verbot offen lesbischer und schwuler SoldatInnen beim Militär aufgehoben wird.

SoldatInnen dürfen sich nicht outen noch nach Homosexualität gefragt werden: US-Präsident nimmt diskriminierende Militär-Bestimmung erneut ins Visier

Washington - US-Präsident Barack Obama will die tabuisierende Politik im US-Militär gegenüber Lesben und Schwulen ändern. Homosexuelle dürfen bislang ins Heer eintreten, aber nur, solange sie sich nicht outen. Diese Politik wird "Don't ask, don't tell" ("Frag' nicht, erzähl's nicht") genannt.

Wie schon in seiner ersten Rede zur Lage der Nation hat Obama auch heuer dieser seit den frühen 1990ern etablierten Haltung des Militärs den Kampf erklärt. Im vergangenen Jahr hat er in diese Richtung allerdings noch keine Maßnahmen gesetzt. "Dieses Jahr werde ich gemeinsam mit dem Kongress und unserem Militär daran arbeiten, das Gesetz endgültig aufzuheben, welches homosexuellen Amerikanern das Recht nimmt, dem Land zu dienen, das sie lieben, und zwar nur, weil sie sind, wer sie sind."

GegnerInnen befürchten moralischen Verfall

Eine Änderung wird nicht leicht zu erreichen sein: "Diese erfolgreiche Politik wird seit über 15 Jahren angewandt, gut aufgenommen und vor allem in allen militärischen Rängen unterstützt", meinte Senator John McCain zum Thema. "Ich halte es für einen Fehler, diese Bestimmung aufzuheben." KritikerInnen der Aufhebung insistieren darauf, dass offen lesbische und schwule SoldatInnen die Moral und Disziplin der Truppen unterminieren würden.

Die "Human Rights Campaign", die größte Homosexuellenrechtsgruppierung der USA, hat Obamas Schritt begrüßt. Christopher Neff vom "Palm Center", das sich für die Aufhebung der Diskriminierung einsetzt, betonte, dass es dazu noch größeren Druck von Seite Obamas bedarf.

Gedacht als Kompromiss

"Don't ask, don't tell" wurde 1993 vom Demokraten Bill Clinton in Kraft gesetzt, als Kompromiss, nachdem er nicht durchsetzten konnte, das Heer für Homosexuelle zu öffnen. Durch die Bestimmung wurde es den Verantwortlichen verboten, RekrutInnen wie militärisches Personal nach ihrer eventuellen Homosexualität zu fragen, und umgekehrt die eventuelle Homosexualität von sich aus zu thematisieren. (Reuters/red)

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20 Postings
Lady Prudence of Fairfax 
31.01.2010 00:13

"dass offen lesbische und schwule SoldatInnen die Moral und Disziplin der Truppen unterminieren würden"

liegt wohl eher an der Unmoral und Undiszipliniertheit der Truppen...

Zinnmo
28.01.2010 22:38

Das glaube ich, wenn es passiert ist. Obama hat das schon vor, und kurz nach der Wahl versprochen. Er hätte es durch eine executive order aussetzen können. Dann hätten die Betroffenen weiter im Dienst bleiben können. Er hat es nicht getan.

Den amerikanischen Streitkräften sind durch diese Regelung in den letzen Jahren dutzende Mitglieder abhanden gekommen. Darunter Spezialtruppen, Kampfpiloten oder auch Linguisten und Übersetzer aus dem Arabischen. Nicht nur bigott, sondern auch dumm.

Christian S 
28.01.2010 17:50
Dem muss man drei Punkte hinzufügen:

1) Don´t ask, don´t tell ermöglicht es, Homosexuellen und Lesben problemlos ihren Dienst zu versehen.

2) Es schafft eine Einstellung zum Thema Sexualität, die man durchaus auch positiv sehen kann: Sexualität ist Privatsache und hat im Berufsleben NICHTS zu suchen.

3) Was Obama verspricht und was dann wirklich passsiert, sind ohnehin zwei Paar Schuhe. Der ist auch nicht besser als andere Politiker. Solche Aussagen kann man im Zweifelsfalle ruhig unter die Kategorie einordnen: Ich zeige damit, dass ich auf der Seite der Homosexuellen stehe; wirklich ändern wird sich eh nix.

Lady Prudence of Fairfax 
31.01.2010 00:07

um wieder mal den alten spruch zu bemühen: das private ist politisch. weiß ihr chef oder ihre mitarbeiter ob sie mit einem mann oder einer frau zusammen sind? wenn ja, warum? es ergeben sich häufig situationen in denen das irgendwie relevant wird oder zumindest, wenn das klima nicht total distanziert ist, erwähnung findet. man braucht pflegeurlaub weil der partner krank ist. es gibt eine feier bei der man mit begleitung kommt. wie auch immer...und dann ist irgendwann klar wie man orientiert ist und dann ist die frage wie das berufliche umfeld damit umgeht. sexualität ist halt nicht nur privat, weil sie in einer beziehung allgegenwärtig wird.

Christian S 
31.01.2010 13:55
Mein Chef und meine Kollegen wissen gar nichts

Das Argument "Sowas geht doch gar nicht" höre ich schon seit fast zehn Jahren und genauso lange ist es unwahr. Wer glaubt, er hätte eine unbedingte Verpflichtung, sein Privatleben zu offenbaren, ist schon selber Schuld.

Bei uns zumindest sind die gemeinsamen Feiern usw. ohnehin eher Augenauswischerei denn ernst zu nehmen. Man tut ein bißchen so "Wir sind alle gute Freunde", dabei weiß oft keiner, worüber man mit den anderen jenseits beruflicher Themen sprechen sollte.

Das Gerede über das Privatleben der anderen ist nur oberflächliches Getratsche und wenig von echtem Interesse getragen. Wenn man sich da konsequent raushält, wird man auch in Ruhe gelassen.

Lady Prudence of Fairfax 
01.02.2010 20:08

also jetzt wäre ich wirklich neugrierig wo sie arbeiten. mich hat eine kollegin nach ein paar monaten in der firma gefragt wie es in meinem privatleben so aussieht, ob es da einen ehemann oder partner gibt...was antwortet man auf diese frage, wenn man etwas nicht preisgeben wollte? "geht dich nichts an", "ist privatsache"? beide antworten scheinen den meisten menschen unhöflich oder in einem ausmaß distanziert, so dass es die zusammenarbeit längerfristig irgendwie stört. zumindest würde man bei so einer antwort ohnehin gleich "verdächtig" wirken.
in meinem gesamten freundeskreis ist so etwas schon passiert (einladung zur firmenfeier mit partner/in uvm.). anscheinend hält bei ihnen in der firma sich jeder an den militärischen kodex.

Christian S 
12.02.2010 12:29
Ich forschte am DKFZ Heidelberg,

prostituierte mich kurz als Pharamreferent und bin jetzt in einer Münchner Patentanwaltskanzlei.
Auf Fragen dieser Art einfach mit "Ja, ja" oder "Leider Nein" antworten und es passt schon.

Gerade Männer wollen nicht zuhören, sondern nur selber reden. Vorweisen, welch scharfe Bienen man aufgerissen hat, über fabulöse sexuelle Erlebnisse (z.B. ein 30jähriger, der erstmalig OV entdeckt) berichten usw. Die brauchen ein Publikum zum Aufplustern und Ego-Streicheln. Darum ist es kein Problem, wenn man nur (halbherzig) zuhört und selber kaum was zum Thema beiträgt. Hetero-Kommunikation ist ein endloser Monolog, getarnt als Dialog.

Und die Damen sehen mich ohnehin eher als Freund denn als Mann. Die könnten es eher vermuten, sagen aber nichts.

Lady Prudence of Fairfax 
14.02.2010 20:51

ich verstehe ja was sie meinen und stelle es mir sehr angenehm vor, wenn diese minimalen antworten genügen. bei mir in der firma ist das klima (leider) amikaler. "Leider nein" konnte ich schon antworten...aber dann kam wie lange ist die letzte beziehung her etc. bei uns fehlt leider der "professionelle" umgang. das war schon so seit ich dort angefangen habe. ich weiß, dass bei uns niemand ein problem mit homosexualität hat. worauf ich hinaus wollte war, dass es in gewissen kontexten oft sehr schwer sein kann nichts privates preiszugeben. ich persönlich hatte schon einige male mühe damit, auch wenn es nichts zu verbergen gibt. manches ist einfach privat und ausweichen ist anstrengend.

Christian S 
17.02.2010 16:23
Vielleicht liegt es auch daran, dass sie eine Frau sind

Dann haben Sie erstens mehr Freundinnen, die sich für ihr Privatleben interessieren. Und zweitens ist es bei dem üblichen Rollenbild schwerer sich bedeckt zu halten.

Bei Männern wundert es weniger, wenn Freunde schon seit Jahren gemeinsam ausgehen, Karten spielen, Bier trinken usw., ohne dass die Leute sich wirklich kennen bzw. allzuviel Zeit mit Gesprächen über Privates und Gefühle vergeuden.
Das Rollenbild erlaut auch eine größere Distanziertheit: Bei einem Mann wird es nicht als sonderbar angesehen, wenn er wenig bis gar nicht über Beziehungen, Liebe usw. spricht.

Wie schon gesagt: Viele Männer erzählen außer vielleicht Aufreiß-und Hasenabschuss-stories ohnehin nie etwas über ernsthaftere Gefühle.

h 90
28.01.2010 17:33

Generell: Arbeit ist Arbeit. Freizeit ist Freizeit.
Der Arbeitsgeber soll nicht fragen duerfen. Der Dienstnehmer soll sich privat outen duerfen wie er will, aber beruflich hat das nichts verloren.
Beruflich soll es egal sein ob Mann, Frau, Schwul, Lesbe oder was auch immer. Die Leistung soll entscheident sein.

Markus M.
29.01.2010 03:59
Dem ist aber nicht so.

Es genuegt, wenn jemand von anderen geoutet wird, dann ist sie/er auch den Job los. Reine Schikane und Diskriminierung.

h 90
29.01.2010 04:12

An die Moeglichkeit von jemand anderen geoutet zu werden hab ich gar nicht gedacht.
Was eine komplett bizzare Situation schafft.


Generell verstehe ich das Interesse mancher Leute an daran was andere so unter der Bettdecke treiben nicht.

Natuerlich fest von den Religionen angefeuert.

Claudia Reichert
29.01.2010 10:19

Es geht nicht darum, was man unter der Bettdecke treibt.
Die Partnerschaft ist ein Teil des Lebens.

Und kein Mensch ist eine reine Arbeitsmaschine ohne Emotionen. Ich fände es unangenehm, in einem Unternehmen zu arbeiten, wo niemand irgendein Wort an Privatem verlauten lässt.

h 90
29.01.2010 12:47

Ich sehe es aber als privat waerend der Arbeitszeit an.

Bzw. nach ein paar Jahren als Firmenbesitzer in Asien, wo sich dauernd Gruppen bilden die eine Person oder eine andere Gruppe schlecht machen wollen, wuerde ich sagen, ganz ohne Privat wie ein Roboter waere es wahrscheinlich fuer die meisten Angestellten wahrscheinlich angenehmer.

Claudia Reichert
29.01.2010 19:43

Die asiatische Arbeitswelt und Mentalität kann und will ich nicht beurteilen.

Was Österreich und Deutschland betrifft, bin ich aber der Meinung, dass es auch an Firmenphilosophie und Führung liegt, wie die KollegInnen miteinander umgehen - in jeder Hinsicht, auch unabhängig von der Mentalität. Es macht eben einen großen Unterschied, ob gewisse Verhaltensweisen toleriert werden oder nicht.

Grüppchen werden sich immer bilden, wo Menschen zusammen kommen - diejenigen, die sich sympathisch sind, finden immer zusammen. Bei Teamarbeit kann das große Vorteile haben.

Was aber die Grüppchenbildung mit dem Outing von Homosexuellen zu tun hat, habe ich jetzt nicht ganz verstanden, aber vielleicht erklären Sie das noch etwas genauer?

h 90
30.01.2010 04:26

Die Grueppchenbildung hat insofern damit zu tun:
Die Grueppchen werden nicht aus sympathy gebildet sondern mit dem Zweck jemand anderen zu blockieren, auf mehreren Ebenen gleichzeitig fertigzumachen mit dem Ziel selbst besser dazustehen.

Nach einem Outing ist der Homosexuelle, besonders wenn er gute Arbeit leistet, das perfekte Ziel zum Rausmobben.

Das war ganz extrem in der vorigen Firma. In meiner eigenen Firma gabs auch solche Ansaetze, die meine Frau unterbunden hat. Einfach durch Androhung alle fristlos rauszuschmeissen, ganz egal ob sie Opfer oder Taeter sind (weil das ist ja meist auch nicht ganz klar).

Claudia Reichert
01.02.2010 08:49

So ein Betriebsklima kenne ich zum Glück nicht, aber es ist eindeutig nicht der Ort, wo ich arbeiten wollen würde.

Bei meinen jeweiligen Arbeitgebern herrschte immer ein nettes, kollegiales Klima; Grüppchenbildung gab es nicht aus Intrigen-Gründen, sondern weil sich die ein oder anderen halt besonders sympathisch waren, und meine Homosexualität spielte dabei keine Rolle, obwohl jeder, mit dem ich auch privat redete, davon wusste. Und sie wussten davon, weil meine Partnerin eben nicht nur eine "Bettgeschichte", sondern ein Teil meines Lebens ist. Andere erzähl(t)en auch vom Wochenende und davon, mit wem sie unterwegs waren.

Wenn die sexuelle Orientierung im Job zum Problem wird, ist doch der eigentliche Wurm im Betriebsklima an sich.

h 90
01.02.2010 09:45

Zusatz: Das ganze mit mehreren Gruppen bei denen permanent die Personen und Ziele gewechselt haben.

Ganz klar, dass so eine Firma nicht lange leben kann.
Die Produktion hat ganze Zeit Freibier gehabt, weil jeder Verkaeufer verhindern wollte, dass seine Bestellung einfach nicht produziert wurde.

h 90
01.02.2010 09:43

In meiner Firma hatte ich sofort nur ein mal in Ansaetzen.
Da hat meine Frau gemeint, wenn das nicht aufhoert schmeisst sie einfach alle raus, egal ob Opfer oder Schuldige.

Ueblich war, zb. bei Verkaeufern. Ruft ein Kunde dieses Verkaeufers an bekommt der einen doppelt so hohen Preis angeboten als ueblich. Gleichzeitig habens einen Zwischenhaendler (fuer den ein anderer Verkaeufer zustaendig ist) angerufen und ihm die Bestellung durchgegeben. So dass der das billiger anbieten kann.
Auch Sachen absichtlich in der Produktion abliegen lassen oder in Bereichen wo man es schwer nachmessen kann absichtlich falsch machen.
Ziel der Sache ist, dass der Verkaeufer seine Umsatzziele nicht erreicht.
Oder er musste seine Verkaufsprovision hergeben.

Claudia Reichert
01.02.2010 12:15

Ja, aber das alles hat doch nichts mit Outing im Job zu tun?!

Das sind miese Intrigenspiele, die nichts mit Homosexualität zu tun haben.

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