Gender Studies

"Sollen Unis helfen, exzellent zu werden"

31. Jänner 2010, 17:32
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Paula-Irene Villa ist Professorin für Soziologie/Gender-Studies an der
Ludwig-Maximilians Universität München. Sie forscht u. a. zu
Plastischer Chirurgie, Geburt und Elternschaft. Paula-Irene Villa ist
Mitinitiatiorin der Fachgesellschaft Gender Studien. - Foto: Paula-Irene Villa

    Zur Person:

    Paula-Irene Villa ist Professorin für Soziologie/Gender-Studies an der Ludwig-Maximilians Universität München. Sie forscht u. a. zu Plastischer Chirurgie, Geburt und Elternschaft. Paula-Irene Villa ist Mitinitiatiorin der Fachgesellschaft Gender Studien.

Unter dem Druck der Internationalisierung sei "Geschlecht" an den Unis wichtig geworden, so Paula-Irene Villa - Die Soziologin im Interview über den Stand der Gender-Forschung heute

Die Soziologin Paula-Irene Villa gilt als eine der profilitesten Gender-Forscherinnen im deutschsprachigen Raum. Nun tritt die Soziologin mit Professur in München als Mitinitiatorin der neuen "Fachgesellschaft Gender Studien" in Erscheinung, die es sich zum Ziel setzt, die bisher in den einzelnen Fachgebieten angesiedelten Gender Studies als Dachorganisation zu vertreten und besser zu vernetzen. Im Interview beschreibt Villa u.a. die Widersprüche der akademischen Anerkennung der Gender Studies, die neuen brennenden Fragen der Geschlechterforschung und wie es zum "body turn" in den Geistes- und Sozialwissenschaften gekommen ist. Das Interview führte Gastautorin Andrea Roedig.

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dieStandard.at: In Deutschland wurde die erste Professur mit Geschlechterschwerpunkt 1985 an der FU Berlin eingerichtet - ein Verdienst der so genannten zweiten Frauenbewegung. Sind Professorinnen mit einem Schwerpunkt "Gender" heute akademisch anerkannt?

Paula-Irene Villa: Das ist eine sehr zwiespältige Sache. Einerseits gibt es durchaus eine institutionelle Anerkennung. Geschlecht hat sich als eine Kategorie in der Wissenschaft etabliert. Allerdings werden die Lehrstuhlinhaber/innen oft behandelt wie veredelte Gleichstellungsbeauftragte. Wir sollen den Universitäten helfen, exzellent zu werden. Unter dem Druck der Internationalisierung ist das Merkmal "Geschlecht" wichtig geworden, und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat sich sehr positiv eingemischt, indem sie mehr Beteiligung von Frauen an Forschungsprojekten forderte. Das ist aber sehr technokratisch angelegt und berücksichtigt nicht die wirkliche Expertise in Geschlechterfragen. Wir haben also eine komplexe Gemengelage: die institutionelle Anerkennung geht oft mit wissenschaftlicher Abwertung einher. Dem muss man offensiv begegnen. Ich sage in jeder akademischen Sitzung: Geschlechterforschung ist mehr als nur Gleichstellung.

dieStandard.at: Seit den 90er Jahren hat sich die Geschlechterforschung besonders mit der amerikanischen Philosophin Judith Butler auseinandergesetzt. Butler vertritt die radikale These, dass die Unterscheidung zwischen Mann und Frau vornehmlich ein soziales Konstrukt ist. Gibt es neue theoretische Paradigmen die seither hinzugekommen sind?

Villa: Ja, die gibt es. Nach wie vor ist Butler eine ganz zentrale Autorin, aber ich denke, dass die große Zeit der Butler-Euphorie vorbei ist. Butler war ein Fall von Hegemonie, alle mussten sich auf sie beziehen, aber es hat natürlich auch vor und neben ihr andere, zum Teil viel differenziertere Ausführungen der "Konstruktionshypothese" gegeben. Inzwischen ist in der Geschlechterforschung anderes wieder viel stärker in den Vordergrund gerückt, so zum Beispiel die Frage nach Ungleichheit, nach gesellschaftlicher Inklusion, nach ökonomischen Verhältnissen. Das Thema Arbeit beschäftigt uns wieder sehr, ein wichtiges Theorem ist hier "Prekarisierung", das heißt das "prekär" werden von Biographien und ganzen Schichten durch unsichere Arbeits- und Lebensbedingungen. Auch die Untersuchung neuer Migrationsprozesse ist Teil der neueren Forschung, immer mit der Frage: Wie ist Geschlecht daran beteiligt?

dieStandard.at: Ein großes Stichwort der letzten Jahre heißt "Intersektionalität", also das Zusammenspiel der Faktoren Ethnizität, Klasse und Geschlecht. Es gab die Rede von "race, class and gender" aber schon viel früher, vor allem in der US-amerikanischen Frauenforschung. Was ist jetzt neu daran?

Villa: Vieles daran ist gar nicht so neu, die Betonung von "race, class and gender" ist ein roter Faden der Geschlechterforschung, und wir erleben jetzt eine Fortsetzung der älteren Debatten, die in Deutschland viel verzagter geführt wurden als in den USA. Doch der Zusammenhang von ethnischer Zugehörigkeit, von Klasse und Geschlecht, muss immer wieder neu und vor allem entlang der aktuellen gesellschaftlichen Situation bestimmt werden. Wir leben heute schließlich in einer anderen Welt als vor 30 Jahren. Es geht bei der Debatte auch immer darum, sich über die strukturellen Trennlinien der Moderne klar zu werden: Aufgrund welcher Unterscheidungen - eben weiß oder schwarz, arm oder reich, Mann oder Frau - entstehen Machtverhältnisse und Hierarchien?

dieStandard.at: Wie kann man sich eine Intersektionalitätsstudie konkret vorstellen?

Villa: Es gibt zum Beispiel viele Untersuchungen im Bereich Schule, und Pisa ist da ein gutes Stichwort. Wenn Sie empirisch verstehen wollen, wie sich Schulleistungen ergeben, können Sie sich nicht nur auf ein Merkmal konzentrieren. So können wir nicht generell sagen: Mädchen sind in den letzten Jahrzehnten in Deutschland Bildungsgewinnerinnen und Jungen sind Bildungsverlierer. Das stimmt zwar irgendwie, aber es stimmt eben nicht in dieser pauschalen Allgemeinheit, die anderen Faktoren - Familienhintergrund und Herkunft - müssen mitbedacht werden. Wir alle sind geprägt von Mehrfachpositionierungen.

dieStandard.at: Wie steht es um die Gretchenfrage "Körper" in den Gender Studies? Unter dem Einfluss von Judith Butler hat man den biologischen Aspekt von Geschlecht ausgeblendet. Spielt der Körper in der Genderforschung heute eine andere Rolle?

Villa: Es gibt in der Geschlechterforschung den Grundkonsens, dass man nicht naiv von einem angeblich "natürlich" vorhandenen, rein physiologisch bestimmten Geschlecht ausgeht. Dieser Grundkonsens steht weiterhin fest, allerdings in vielen Schattierungen. Inzwischen haben verschiedene Fachdisziplinen wie Geschichtswissenschaft, Kulturwissenschaft oder Soziologie aber geradezu einen "body turn" vollzogen. Leitend ist derzeit die Frage, wie und wovon der Körper regiert, beherrscht und geformt wird. So untersuchen wir zum Beispiel die Entgrenzung der Medizin. Ehemals medizinische Verfahren mutieren heute zu Wellness und Lifestyle. Der Schönheitsboom, oder das, was da Schönheit genannt wird, macht ehemals Medizinisches zu einer Sache von Kosmetik, etwa in der plastischen Chirurgie. Und das wiederum betrifft die Gestaltbarkeit des geschlechtlichen Körpers. Der Körper wird also vor allem in Hinsicht auf das diskutiert, was man heute "Biopolitik" nennt, das heißt: was ehemals emanzipatorische Selbstermächtigung war - den Körper in die eigene Hand zu nehmen -, das wird heute zunehmend zu einem Gebot der 'Optimierung'.

dieStandard.at: Das Verhältnis der Gender Studies zu den Naturwissenschaften war in der Vergangenheit oft durch gegenseitige Ignoranz geprägt. Wie sieht das heute aus?

Villa: In der Geschlechterforschung nehme ich derzeit eine Offenheit wahr, sich mit Naturwissenschaften zu beschäftigen. Denn diejenigen, die etwas davon verstehen, wissen, dass die Naturwissenschaften nicht naiv mit Physiologie umgehen. Oft haben die Sozialwissenschaften da einen Pappkameraden aufgebaut, als würden die Biologie, Chemie und Medizin die Geschlechter in platter Weise vereindeutigen. Aber so naiv sind die Naturwissenschaften schon lange nicht mehr. Das Problem liegt eher bei den populärwissenschaftlichen Publikationen. Es sind eher die Feuilletons und Wissenschaftsseiten der Zeitungen, die krude in einem "naturalistischen" Sinne argumentieren als die Forschung selber.

dieStandard.at: Manchmal hat man den Eindruck einer Schizophrenie: Innerhalb der Universitäten herrschen progressivste Sichtweisen über Geschlecht, im Alltag aber bleibt vieles, wenn auch nicht alles beim Alten. Klischees bedienende Bücher wie "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken" finden reißenden Absatz. Wie schätzen Sie die gesellschaftliche Wirkung der Gender Studies ein?

Villa: Ich würde die Flut an populärer Männer- und Frauenliteratur eher als Reaktion auf eine Verunsicherung und Ent-traditionalisierung deuten. Wenn alles klar wäre mit den Geschlechtern, bräuchte man diese ganzen Bücher ja nicht. Es gibt aber derzeit sehr wenig Sicherheit, gerade in Hinblick auf Elternrollen kann man das beobachten. Aber auch in Körperfragen besteht eine enorme Verunsicherung: Wie soll man als Frau, als Mann aussehen? Die Logik des Alltags ist nach wie vor durch die Chiffre Mann/Frau geprägt. Das ist auch verständlich, denn der Alltag ist nicht der Ort, an dem man die Dinge in der Schwebe lassen und sagen kann: Denken wir mal drüber nach. Der Ort des Nachdenkens ist die Wissenschaft.

dieStandard.at: Der Feminismus war einmal angetreten, sich selber überflüssig zu machen, nämlich dann, wenn Gleichberechtigung erreicht sei. Ist es auch das Ziel der Gender Studies, die Geschlechter und damit schließlich sich selbst aufzuheben?

Villa: Nein, das würde ich nicht so sehen. Das Ziel ist vielmehr, den Blick für die Komplexität des Geschlechts zu öffnen. Ich würde unsere Aufgabe so formulieren: Es geht darum, angemessenere Wirklichkeitsanalysen zu liefern. Wenn wir von Arbeit sprechen, wenn wir von Armut sprechen, wenn wir von Film oder Gesundheit oder wovon auch immer sprechen, können wir nie vom Geschlecht schweigen. Alles hat eine geschlechtliche Dimension. (dieStandard.at, 31.1.2010)

Info-Kasten:

Ende Jänner hat sich in Berlin eine "Fachgesellschaft Geschlechterstudien / Gender Studies Association" gegründet. Ihr Ziel ist es, eine Dachorganisation für die in der Regel an einzelne Fachbereiche angegliederten Gender Studies zu werden. Außerdem will die Fachgesellschaft die Entwicklung der Gender Studies im deutschsprachigen Raum vorantreiben und ein Forum für die internationale Verständigung über Forschungsinhalte sein. Der Verein ist auch für nicht-universitäre Mitglieder offen.

In Deutschland ist Geschlechterforschung derzeit sehr verschieden organisiert, so gibt es Koordinationsstellen für Gender Studies, eigenständige Studiengänge (Magister, BA, MA), interdisziplinäre Studienschwerpunkte, Aufbaustudiengänge, Graduiertenkollegs und Professuren mit einer teilweisen Spezialisierung auf Geschlechterfragen. Derzeit existieren mehr als 100 solcher Professuren an Universitäten und Fachhochschulen, meist in den Fächern Soziologie, Geschichte, Politik- und Erziehungswissenschaften, aber auch Informatik, Medizin und Mathematik haben Genderprofessuren.

Dieses Interview ist in erweiterter Form am 26. Jänner im deutschen "Tagesspiegel" erschienen.

Zur Autorin:

Andrea Roedig, geb. in Düsseldorf, ist promovierte Philosophin, war Geschäftsführerin der Grünen Akademie der Heinrich Böll Stiftung, arbeitete als freie Autorin in Berlin und leitete dort von 2001 bis 2006 die Kulturredaktion der Wochenzeitung Freitag. Seit 2007 lebt und arbeitet sie in Wien. Publikationen im Bereich Gender, Alltagsreportage, Kulturessay. 

Weiterlesen:

dieStandard.at-Interview mit Paula-Irene Villa: "Niemand lebt natürlich

 

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17 Postings
LinksSchreiber 
06.02.2010 13:07
Dieses Interview ist qualitativ hochwertig, es kommen excellente Standpunkte zum Ausdruck.

Es handelt sich nicht um den vulgären Mainstream-Feminismus, der dennoch als real wirksame Ideologie existiert.

m kubik
06.02.2010 15:24
Dem stimme ich absolut zu,

...aber für den Aufbruch in den Köpfen und Herzen braucht man eben auch Geduld und Ausdauer: zB. wird auch an der TU Wien heute der Technikerinnen-Mangel in Bezug zur tradierten Männerkultur gesetzt und kommuniziert: http://tinyurl.com/y9ajl85

1000 Kopfläuse können nicht irren
01.02.2010 22:24
Unis werden nur EXZELLENT...

... wenn sie sich mit ordentlichen Studien beschäftigen!

Háry János
01.02.2010 18:54
Was ist denn eine

"Gender-Froschung"?

Werden da Prinzessinen oder Prinzen zu FroschInnen geküsst?

;-)

merz1 
03.02.2010 14:20

magst a bussi haben froschi?

Kein Begriff drückt Mich aus
31.01.2010 23:04
Klassenzugehörigkeit definiert sich nicht ...

... über eine bestimmte Quantität verfügbaren Vermögens, sodass arm und reich das zentrale Unterscheidungskriterium für Klassenzugehörigkeit wäre, sondern über die Funktion die Menschen im gesellschaftlichen Wirtschaftsprozess einnehmen. Im Kapitalismus finden sich zwei große und zentrale Klassen, die freilich sehr heterogen sind, aber nach ihrer prinzipiellen und fundamentalen Funktion für die Produktionsweise gefasst, unterschieden und charakterisiert werden können. Einerseits als Verkäufer ihrer Arbeitskraft/LohnarbeiterInnen, da sie "frei" sind von allen Mitteln zur Verwirklichung ihrer Arbeitskraft, andererseits als Kapital, welche diese Arbeitskräfte kauft um sie zu verwerten/auszubeuten.

Paul Achatz  
01.02.2010 20:35
Das ist der Ansatz von Marx.

Ein der heutigen Zeit und der heutigen Lage der Gesellschaft angemesseneren Ansatz finde ich ist dieser von Peter Sloterdijk:
http://www.cicero.de/97.php?item=4370
Seite 4, letzter Absatz.

LinksSchreiber 
06.02.2010 13:05
Der Sloterdijk produziert doch nur mehr ein zynisches Geschwafel mit pseudo intellektuellem Anspruch!

Was sagt er denn eigentlich? 1.) Dass die dialektische Logik böse wäre, dass wir 2.) bloß phänomenisch Weltanschauen müssten, dass 3.) die Unterschicht selbst an ihrem Ressentiments Schuld wäre, weil sie halt halt nicht dazu gehören könnte.

Nicht der objektive gesellschaftliche Ausschluss, also das Nicht-dazu-gehören-Können wäre das Problem, sondern die subjektiven Ressentiments. Die Unterschicht hätte halt einfach zu akzeptieren, dass sie Abschaum sei, das wäre ganz alleine ihr Psycho-Problem. Tabletten nehmen und schweigen, und nur nicht aufregen!

Die phänomenische Psychologisierung der politischen Lebenswelt passt nicht einmal mehr in den vulgär-materialistischen Zeitgeist dieser Epoche. Es hat sich dialektisch selbst überholt.

Paul Achatz  
07.02.2010 09:54
Und was ist die Alternative?

Dass jeder von uns sich jemanden sucht, der mehr hat - Geld, Talent, Glück, Schönheit, egal wovon, irendwas wird sich schon finden -auf dass wir uns alle gemeinsam im Gefühl unseres Armseins suhlen und dadurch ein wunderbares Gemeinschaftserlebnis erfahren? Selbstbemitleider dieser Welt, vereinigt euch!

Kein Begriff drückt Mich aus
03.02.2010 19:40
Warum sind diese beiden Klassen von denen ich sprach immer die zwei fundamentalen in dieser Gesellschaft?

Weil die einen arbeiten, die anderen ausbeuten, also Mehrarbeit aneignen. Marx fragt wie Adam Smith woher der Reichtum der Nation stammt, und wer ihm sich aneignet. Wie Smith führt auch Marx allen Wert letztlich auf die menschliche Arbeit zurück. Nach Marx wird der Reichtum von den arbeitenden Klassen zwar produziert, aber vom Kapital angeeignet. Der ganze Reichtum der Gesellschaft konzentriert sich also im Kapital, was sich in Zahlen nach amtlicher Statistik so ausdrückt, dass 1% der ÖsterreicherInnen soviel Reichtum besitzt wie 90% der ÖsterreicherInnen. Die Steuerfrage ist eine verblendete Frage. Die Bourgeoisie zahlen die Steuern letztlich mit nichts anderem als der Mehrarbeit, welche sie aus der Exploitation der ArbeiterInnen gewonnen.

Paul Achatz  
05.02.2010 17:02
"Nach Marx wird der Reichtum von den arbeitenden Klassen zwar produziert, aber vom Kapital angeeignet."

Das mag zu Marx' Zeiten so gewesen sein. Heute aber, in Zeiten des allumfassenden Sozialstaates, ist für mich der Ausbeuter keineswegs mehr an seinem Vermögen zu erkennen, wie ich ja auch durch den obigen Link darzustellen versuchte.
Etwas doppelzüngig finde ich aber, dass das von den "Steuerneutralen", wie Sloterdijk es so schön formuliert, betrachtete System immer so gewählt wird, dass sie auch steuerneutral bleiben. Ich habe noch keine langen Reihen österreichischer Sozialdemokraten gesehen, die sich darum reißen, einen Teil ihres im Vergleich zum Rest der Welt doch nicht unbeträchtlichen Reichtums abgeben zu können.

Paul Achatz  
05.02.2010 16:48
"Wie Smith führt auch Marx allen Wert letztlich auf die menschliche Arbeit zurück."

Das ist ja der fundamentale Irrtum. Marx selbst lässt im "Kapital" eine riesige Hintertür offen, nämlich die Rückführung auf "nützliche" Arbeit: Klar, ich kann ein Loch buddeln und wieder zuschütten. Dann habe ich zwar viel gearbeitet, aber keinen Wert geschaffen. Wie aber unterscheidet man nützliche von unnützer Arbeit? Marx führt auch das Beispiel des sprunghaften technischen Fortschritts an, durch den auch die nach alter Methode produzierte Ware plötzlich an Wert verliert, weil die neue Methode produktiver ist. Damit wird ein Teil der (bereits geleisteten) nützlichen Arbeit plötzlich in unnütze verwandelt. Dass durch diese Beliebigkeit die Arbeit als absolutes Maß von Wert völlig versagt, ignorieren seine Anhänger bis heute.

Paul Achatz  
31.01.2010 21:43

"So können wir nicht generell sagen: Mädchen sind in den letzten Jahrzehnten in Deutschland Bildungsgewinnerinnen und Jungen sind Bildungsverlierer. Das stimmt zwar irgendwie, aber es stimmt eben nicht in dieser pauschalen Allgemeinheit, die anderen Faktoren - Familienhintergrund und Herkunft - müssen mitbedacht werden."
Vielen Dank für diese differenzierte Betrachtung. Ich hoffe, eine ähnlich differenzierte und rationale Betrachtungsweise möge bald in der Diskussion um die Einkommensunterschiede Eingang finden, anstatt wie bisher üblich lediglich pauschale Vergleiche durchschnittlicher Einkommen vorzunehmen, ohne weitere Einflussfaktoren zu berücksichtigen.

g_icebear
31.01.2010 19:09

Sogar die UniWien hat die Zeichen erkannt.
http://studentpoint.univie.ac.at/index.php... 85acb6c1d1

Immanuel Cunt
01.02.2010 19:32

Ja, da kommen harte Zeiten auf das AMS zu

Walter Bimini
01.02.2010 22:36
wirklich hart wird es erst nach dem staatsbankrott, wenn auch die bürokraten abgebaut werden.

in us städten hat man schon begonnen polizisten, lehrer, feuerwehrleute, krankenhauspersonal, ärzte, ... und bürokraten zu entlassen.

http://tinyurl.com/ylzqykq

rochus 
01.02.2010 11:07

ich hoffe dass beim lehrpersonal die 50% quote penibel eingehalten wird.

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