Exempel in Frankreich

Keine Staatsbürgerschaft wegen Schleierzwang

03. Februar 2010, 11:50
  • Artikelbild: Der Grundsatz der Gleichheit von Mann und Frau wird durch Schleierzwang ignoriert. - Foto: AP/EMILIO MORENATTI

    Der Grundsatz der Gleichheit von Mann und Frau wird durch Schleierzwang ignoriert.

"Werte unvereinbar": Weil ein Muslim die Gleichheit seiner Frau nicht anerkennt, wird er nicht eingebürgert

Paris - Frankreich macht im Kampf gegen die Vollverschleierung muslimischer Frauen Ernst. Der Minister für Einwanderung und Nationale Identität, Eric Besson, lehnte die Einbürgerung eines Marokkaners ab, dessen französische Frau Gesicht und Körper aus religiösen Gründen voll verschleiert. Premierminister Francois Fillon stellte sich am Mittwoch hinter Besson.

"Es geht um einen radikalen Religiösen, der in seinem eigenen Haus die Trennung von Männern und Frauen erzwingt und sich weigert, einer Frau die Hand zu geben", sagte Fillon im Rundfunk. "Wenn er seine Haltung nicht ändern will, dann hat er keinen Platz in diesem Land." Der Präsident des Französischen Rates des muslimischen Glaubens (CFCM), Mohammed Moussaoui, nannte es "unannehmbar, eine Frau zu zwingen, den Vollschleier zu tragen". Solches Verhalten solle "über die einfache Ablehnung der Staatsbürgerschaft hinaus verfolgt" werden.

Frau kann Französin bleiben

Das Ehepaar gehört der Tabligh-Bewegung an, die eine Rückkehr zum "reinen" Islam predigt. Die Frau bleibt im Haus und verschleiert sich vollständig, wenn sie die Wohnung einmal verlassen muss. Die Frau könne Französin bleiben, sagte Fillon. Sie könne bis zu einer Gesetzesänderung auch weiter ihren Schleier tragen.

"Werte unvereinbar"

Besson hatte seine Entscheidung zuvor vom Verfassungsrat billigen lassen. Nach Informationen der Zeitung "Le Figaro" erwähnte der Verfassungsrat die umstrittene Schleierfrage in seiner Entscheidung aber nicht. Die Ablehnung der Staatsbürgerschaft wurde vielmehr mit dem Verhalten des Mannes begründet, das "mit den Werten der Republik nicht vereinbar" sei. Dazu gehören die Geschlechtertrennung von Kindesbeinen an und die Weigerung, Frauen die Hand zu reichen. Das Einbürgerungsrecht sieht in einem "Mangel an kultureller Assimilierung" einen Hindernisgrund für die Vergabe der Staatsbürgerschaft.

Lange Verbotsdiskussion

Innenminister Brice Hortefeux hatte schon im Dezember gefordert, muslimischen Männern oder Frauen Staatsbürgerschaft oder Aufenthaltsgenehmigung zu verweigern, wenn sie für das Tragen des Ganzkörperschleiers sind. Im Juni 2008 hatte der Staatsrat als Frankreichs oberste Verwaltungsinstanz die Weigerung der Behörden bestätigt, einer Marokkanerin die Staatsbürgerschaft zu verleihen, weil diese die Burka trug. Er führte dabei "eine radikale Religionsausübung" an, die "mit den wesentlichen Werten der französischen Gemeinschaft nicht vereinbar" sei.

Derzeit lässt die französische Regierung ein Verbot der Ganzkörperverschleierung muslimischer Frauen prüfen. Eine Enquetekommission des Parlaments hat dieses für Behörden, staatliche Einrichtungen und den öffentlichen Nah- und Fernverkehr vorgeschlagen. (APA/Ag.)

weitersagen:
drucken
Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 58
1 2
super cat
13.02.2010 17:30

Wer die Gesetzgebung eines Landes nicht akzeptiert - Gleichberechtigung ist darin festgelegt - kann als StaatsbürgerIn nicht akzeptiert werden. Richtig so.
Eigentlich müsste man jeden Migranten (Migrantin) der (die) um die Staatsbürgerschaft ansucht unterschreiben lassen, dass er (sie) die Gleichberechtigung zur Kenntnis nimmt samt allen Rechten und Pflichten. Ist nun einmal ein auffälliges Problem.

Sigrun1
04.02.2010 10:03

und das istt gut so!

Thomas Felder
04.02.2010 12:25

seh ich auch so

Theorie-Praxis
04.02.2010 09:48
Burka für Männer !!

René Herndl
03.02.2010 21:46
Und bitte gleich ...

... per Gesetz verhindern, dass Kinder religiösem Einfluß ausgesetzt werden, d.h. Verbot von Religionsunterricht, Religionsschulen und religiösen Organisationen der Kinderbetreuung - egal welcher Religion. Das wäre wahre Aufklärung und ein Fortschritt im Sinne der Toleranz!

Chien de Pique 
04.02.2010 00:45

Das wäre eher demokratische Volksrepublik.

Guigui
04.02.2010 11:22
Gerade die fördern die Religion

Nur wird sie im Namen der Einheitspartei ausgeübt.

Durch Blick 
04.02.2010 01:20

Das war das einzig Positive an diesen Regimen...

Gernot Schandl
04.02.2010 10:08
Ein wichtiger Grund für die Wende!

Die massiven Eingriffe der Realsozialistischen Regime in die Privatsphäre der Bürger (u.A. die Religion) war einer der wichtigsten Ursachen für deren Scheitern! Trotzdem wird von der EU derzeit eine ähnliche Politik der Bevormundung verfolgt.

bleak_vision
05.02.2010 19:14

Ihrer Logik nach, hätte es in Osteuropa nach der Wende einen Rückbesinnung zur Religion geben müssen.

Dem ist nicht so.

Chien de Pique 
12.02.2010 23:38

Kurz vor und während der Wende war Religion aber wichtig - in der DDR wie in Polen.
Seither geht die Bedeutung wieder zurück, weil man eben nicht mehr bevormundet wird und keine Gegenprogramme mehr braucht. Was verboten ist, ist interessant und kostbar.

Thomas Felder
04.02.2010 12:26

ich seh keinen eingriff der sozialdemokraten in die Privat Religion

Jimmy Neutron
03.02.2010 23:04

Hatten wir alles schon. Nur nennt sich das nicht Toleranz, sondern Intoleranz. Inwiefern sollte sich aber ein solche Ereiferung von anderen Religionen unterscheiden? Wollen Sie per Gesetz es Pflanzen verbieten, sich nach der Sonne zu richten, es Menschen verbieten, nach Höherem zu streben? Wollen Sie den Menschen vorschreiben, wie sie suchen sollen? Das wäre alles gegen die Prinzipien des Lebens, wo "Freiheit" großgeschrieben wird. Mit Freiheit können viele Fehler geschehen, aber nur so können wir uns weiterentwickeln. Und ja, die eigene Freiheit endet dort, wo sie die Freiheit anderer einschränkt. Zwinge niemanden so zu leben, wie Du es für richtig hältst. (Sonst führt das ja zum Krieg, was wir ja auch wieder nicht wollen.)

fibiundchillie
04.02.2010 12:17
Wollen Sie per Gesetz es Pflanzen verbieten, sich nach der Sonne zu richten, es Menschen verbieten, ...

sakrahaxen noch einmal. man will menschen verbieten, andere mitmenschen durch psychologische, durch monetäre abhängigkeit in sozialer apartheit zu halten.
erstgenannte menschen werden überwiegend männer sein, zweitgenannte IMMER frauen.
ihren blumigen Vergleich "nach der Sonne" sich zu richten beim thema komplettverhüllung find ich ehrlich gsagt peinlich. die arme haut mit ihrer komplettverhüllung kommt doch nie an die sonn´!

eva lindt 
03.02.2010 22:38
hmmm

ergaebe das praktische problem, dass z.b. in unserer stadt das beste gymnasium, das natuerlich rein zufaellig katholisch ist, geschlossen werden muesste. fuer mich als mutter kaeme es nicht in frage, die bildung, und damit die zukunft meiner kinder, ideologischer engstirnigkeit zu opfern.
im uebrigen: konfessionelle schulen und ganzkoerperverschleierung einfach gleichzusetzen, ist ziemlich schlicht gedacht.

fibiundchillie
04.02.2010 12:19

realiter würde die republik österreich die schule übernehmen und weiterführen.
rein theoretisch, es ist eh keine red davon.

Thomas Fürnkranz1
03.02.2010 20:00
Guter Anfang

Guter Anfang! Und als nächste bitte hart durchgreifen bei Zwangsbeschneidung von Frauen in Europa (tausende auf Küchentischen oder beim "Urlaub" im Heimatland), bei pyhsischer Gewalt gegen Frauen, und Ehrenmorde präventiv verhindern (bei Drohungen Frauen Schutz gewähren, Drohungen strafrechtlich verfolgen und ausweisen). Zero Toleranz gegenüber den Intoleranten!

Guigui
04.02.2010 11:25

In Katalonien wird das bereits gemacht, in Zusammenarbeit zwischen Schulbehörden, Sozialstellen und Polizei. Da wird z.B. jeder auffällige Urlaub in Gambia nachgeforscht bzw. überhaupt vereitelt.

zwergleviathan
03.02.2010 17:33
sie kann es sich doch aussuchen, wieso

Evtl sollte eine räumliche Trennung zwischen Moslems und Dhimmis/Harbis zum Schutz der Ethnien vor Konflikten aus einander widersprechenden Interessen/Werten a la emanzipierte Säkulargesellschaften vs. patriarchalische extremistische Islamapologetik vorgesehen werden.
Das soll in letzter Konsequenz dazu führen daß kulturelle Identitäten und religiöse Eigenheiten nicht unreglementiert als Gewohnheitsrechte "exportiert" und ausgelebt werden (Stichwort Ehrenmord, religiöser Extremismus). Die lokalen Werte sollten nach einer Integration maßgeblich sein, nicht die mitgebrachten.

Kra Wuzikabuzi
03.02.2010 15:50
die frau ist

genauso blöd, wenn sie mitten in Europa dabei mitmacht...aber wahrscheinlich hat sie angst.

nina yankow
12.02.2010 14:31

naja, es gibt auch genug frauen, welche die unterwürfige rolle der frau verteidigen und von ihren töchtern einfordern (wer "einschlägig" erzogen wurde und keinerlei "positive" einflüsse kennenlernte, passt seine einstellungen der erziehung an - ist für viele zu schwer, anzuerkennen, dass ihre erziehung schlecht für sie war, ist ähnlich wie mit gewalt in der erziehung). deshalb unbedingt her mit dem verbot.
auch das kopftuch sollte meiner meinung nach an der schule verboten werden, ebenso wie die befreiung vom schwimmunterricht oder "burkini"-schwimmunterricht. als erwachsene können sie immer noch selbst entscheiden, aber bis dahin soll sie niemand zwingen können.

unterwegs in Österreich
03.02.2010 15:18
Haben sich die "Bravo"-Schreier vom Stammtisch schon einmal überlegt

was ein Verbot von Burka und Ganzkörperverschleierung bedeutet?

Diese Mode bestimmen nicht die Frauen, sondern sie wird ihnen meist von den Männern aufgezwungen. Wenn das in der Öffentlichkeit verboten wird, kommen diese Frauen überhaupt nicht mehr aus dem Haus.
Viel gescheiter wäre es, diese Frauen direkt anzusprechen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich von ihren Männern zu trennen und ihnen (die meist keine Ausbildung, oft aus religiösen Gründen auch keine Schulbildung haben) und ihren Kindern eine gesicherte Existenz zu ermöglichen.

Maria Lacina 
05.02.2010 16:11
und..

der Pascha geht dann einkaufen? Nie im Leben.

super cat
13.02.2010 17:32

Doch ...und sie hinter ihm und schleppt die Einkaufssackerln.

Thomas Felder
04.02.2010 12:26

Diese Mode bestimmen nicht die Frauen, sondern sie wird ihnen meist von den Männern aufgezwungen.

nein wird sie nicht

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 58
1 2

Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.