In den Reihen des Militärs zeichnet sich ein Umdenken ab: Generalität scheint dem Präsidenten zu folgen
Dan Choi hat West Point absolviert, die berühmte Militärakademie. Da er Arabisch spricht, dolmetschte er in Bagdad für die Armee, einer von wenigen US-Soldaten, die sich problemlos mit den Irakern verständigen konnten. 2009 wurde Choi gegen seinen Willen ausgemustert. Er hatte sich als Homosexueller geoutet, worauf ein Militärrichter urteilte, in der Armee sei kein Platz mehr für einen wie ihn.
Heute genießt der Leutnant, der als Ehrengast an der Spitze der Homosexuellenparade von San Francisco marschierte, so etwas wie eine stille Revanche. In den Reihen des Militärs zeichnet sich nämlich ein Umdenken ab. "Es stört mich, dass wir junge Männer und Frauen zwingen zu lügen, wenn sie ihre Mitbürger verteidigen wollen", ließ Generalstabschef Mike Mullen den Streitkräfteausschuss des Kongresses wissen.
Pentagon-Chef Robert Gates stößt ins gleiche Horn, wenn auch vorsichtiger. Der Minister will eine Expertenrunde einsetzen, die binnen zwölf Monaten eine neue Regelung vorschlagen soll - ein Abrücken von der heutigen Praxis des "Don't ask, don't tell" - "Frag nicht, sag nichts". Es ist 17 Jahre her - im Weißen Haus regierte Bill Clinton -, dass der Kompromiss gezimmert wurde. Demnach können Homosexuelle bei der Armee anheuern, solange sie ihre sexuelle Orientierung verheimlichen. OffizierInnen dürfen RekrutInnen nicht fragen, ob sie homosexuell sind. Wer sich bekennt, wird entlassen.
Seit die Regel in Kraft trat, mussten rund 13.000 Uniformierte den Dienst vorzeitig quittieren. Entweder waren sie nicht gewillt, etwas vorzuspielen oder wurden angezeigt. Barack Obama hatte im Wahlkampf versprochen, das "Don't ask, don't tell" ad acta zu legen. Nun scheint die Generalität dem Präsidenten zu folgen. (Frank Herrmann aus Washington/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.2.2010)