Schweden

Polizei ignoriert Prostitutionsverbot

04. Februar 2010, 17:54
  • Artikelbild: Sexbusiness auf Schwedisch:  Kauf und Vermittlung von Liebesdiensten sind illegal. - Foto: REUTERS/Tomas Oneborg

    Sexbusiness auf Schwedisch: Kauf und Vermittlung von Liebesdiensten sind illegal.

Großteil des Budgets zur Bekämpfung der Sexarbeit bleibt ungenutzt: Man habe im Alltag eben oft Wichtigeres zu tun, erklären hohe Polizeibeamte dazu

Eigentlich klagt die schwedische Polizei über Geldmangel. Mit einer Ausnahme - und die irritiert: Schwedens Polizeiführung ließ verlauten, man müsse den Großteil des Budgets zur Prostitutionsbekämpfung zurückgeben - weil es nicht genutzt wurde.
Von 17 Millionen Kronen für Sondereinsätze in den Jahren 2009 und 2008 - etwa zur Aushebung von Geheimbordellen oder zur Verhaftung von Freiern - blieben sieben Millionen übrig. Die BeamtInnen hätten eben Wichtigeres zu tun gehabt, erklärten hohe Polizeirepräsentanten - und lösten einen Proteststurm aus: Der Wille zur Abschaffung der Prostitution ist in Schweden stark ausgeprägt.

1998 hatte das Parlament ein weltweit einmaliges Prostitutionsverbot verabschiedet: Kauf und Vermittlung sexueller Dienste ist verboten - der Verkauf von Sex aber legal. ZuhälterInnen drohen bis zu sechs, FrauenhändlerInnen zehn Jahre Gefängnis. Die Bezahlung von Frauen für Geschlechtsverkehr ist Ausbeutung und erniedrigt sozial am Boden liegende Menschen, lernen schon Schwedens GrundschülerInnen.

Kontakte zu Rotlichtszene

Die Causa ist für die Polizei, der schon lange ein nachlässiger Umgang mit dem Prostitutionsverbot nachgesagt wird, aber doppelt peinlich. Erst vor wenigen Tagen zierte ein Ex-Polizeichef die Titelseiten. Wegen - angeblicher - enger Verbindungen zu Bordellbetreibern. Das verstärkt das öffentliche Bild, die Polizei verlache das Verbot und sehe darin bloß "Politikerschwachsinn".
"Es ist seltsam, dass es überhaupt passieren kann, dass die Polizei Geld zur Prostitutionsbekämpfung ungenutzt lässt", sagt Kjell Larsson, Sozialarbeiter der Stadt Göteborg: Die lokale Polizei hat ihre Untätigkeit gegen ZuhälterInnen und Freier stets auf den Mangel an Geld- und Personalressourcen geschoben. Auch Vizelandespolizeichef Tommy Hydfors ist betrübt. "Dass die Hälfte des Budgets ungenutzt bleibt, hätte nicht geschehen dürfen", sagt er.

Er erntet aber auch Widerspruch. Polizeikommissar Per Ottosson aus Göteborg meint: "Im Alltag bekommt manchmal anderes Priorität." Sogar BeamtInnen der Antiprostitutionseinheiten müssen oft abgezogen werden. Darum sei es kein Wunder, dass überraschend wenig Strafen ausgesprochen: Lediglich einige wenige ZuhälterInnen wandern jedes Jahr hinter Gitter - und für rund hundert Freier setzte es im Vorjahr Geldbußen. (André Anwar aus Stockholm/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.2. 2010)

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Lichtfreak
08.03.2010 17:54
Anbieten dürfen sie also

aber wenn ein potentieller Freier JA sagt, macht er sich strafbar ...

Verstehe einer die Schweden!

Metaethischer Nihilist
07.02.2010 01:10

"Die Bezahlung von Frauen für Geschlechtsverkehr ist Ausbeutung und erniedrigt sozial am Boden liegende Menschen, lernen schon Schwedens GrundschülerInnen."

Cool. In der Grundschule habe ich gelernt, Gewerkschaften sind gut, und wer sie nicht unterstützt ist böse. Ich liebe Lehrer. Ich liebe die Schule. Ich liebe die Sozialdemokratie, und die netten Menschen die kinder manipulieren. It's for a good cause.

Thomas Felder
10.02.2010 21:42

In der Grundschule habe ich gelernt, Gewerkschaften sind gut


ist auch so.

Martin Schwarzbauer 
11.02.2010 01:10
Wenn es so einfach wäre

"Gewerkschaften sind gut" ist oberflächlich betrachtet zwar korrekt, weil sie das starke Machtgefälle zwischen Kapital und Arbeiter ausgleichen konnten und so ersterem und auch dem Staat wichtige Zugeständnisse für die Lohnarbeiter abringen konnten.

Sieht man sich aber an, welche Personen und Institutionen die Nachfolge der einstigen Klassenkämpfer angetreten haben, kann einem schlecht werden - man hat das Gefühl, das vor allem Schwachstellen und Unwillige geschützt werden sollen.

Darum ist es besser, Heranwachsenden kritisches Denken beizubringen als dass man sie mit "unveränderlichen Weisheiten" füttert. Prostitution kann auch selbstbestimmt sein - es ist "Geld gegen Dienstleistung". Ausbeutung ist es nur dann, wenn Zwang im Spiel ist.

sixela 
05.02.2010 22:18
Der Wille zur Abschaffung der Prostitution ist in Schweden stark ausgeprägt

Wenn es wahr ist, dann ist Schweden schon ein eigenartiges Land.

Prostitution ist eine ganz normale, gleichzeitig auch hochwertige Dienstleistung.

opti 
05.02.2010 10:27
prohibition und kriminalisierung haben in der menschheitsgeschichte noch nie ein problem gelöst

solange sex von erwachsenen in freier willensentscheidung gekauft und verkauft wird, sollte da niemand ein problem damit haben (sonst müssen wir die ehe auch verbieten)
da wo die freie entscheidung nicht gegeben ist oder fragwürdig erscheint, beginnt das problem. hier muss der gesetzgeber sich etwas intelligenters einfallen lassen als die allgemeine prohibition. ein blödes gesetz und die "vernünftige" handhabung durch die polizei ist keine lösung. bei uns wäre das eine katastrophe in schweden kann ich das nicht beurteielen.

El Nano  
05.02.2010 14:43
welches problem?

problem ist ja nicht die prostitution an sich, sondern die bigotterie des establishments, die durch sie gestört wird. schweden sagt man eine starke zivilgesellschaft nach, vielleicht ist eine ausgeprägte scheinmoral der preis dafür - was sagen die soziologen?

Sand
05.02.2010 11:06
Beantworten Sie: Wollen Sie, dass Ihre Tochter Prostituierte wird?

Dieselbe Frage stellte ich meiner Nichte, eine eifrige Verteidigerin der legalen Prostitution, nachdem Sie mir erklärte, erstens machen die das freiwillig und zweitens ist Prostitution ein Beruf wie jeder andere, wie z.B. in der Kasse im Supermarkt. "Willst Du, dass Deine Tochter in der Kasse sitzen oder Prostituierte werden soll?" - Danach ist sie weinend weggelaufen. Warum eigentlich, wenn Prostitution so ein(e) ehrbarer(e) Beruf(ung) ist?

MarioV 
19.02.2010 11:32

Das hat aber mit der gesellschaftlichen Ächtung zu tun, die dieser Beruf mit sich bringt.
Ist also kein Problem des Berufes, sondern der Gesellschaft.

bixente uhudla  
06.02.2010 19:20

wenn meine tochter volljährig ist,soll sie werden was immer sie werden möchte-ist in erster linie ihr leben...

sixela 
05.02.2010 22:20

Ich glaubg Ihnen nicht, dass sie weinend weggelaufen ist. Dafür scheint mir ihre Nichte zu klug...

super Typ 
05.02.2010 15:50

Wenn eine Tätigkeit als schändlich, unehrenhaft und verwerflich angesehen wird, dann ist das nicht eine Eigentschaft der Tätigkeit, sondern eine gesellschaftliche Beurteilung der Tätigkeit.
Viele Eltern würden bestimmte Tätigkeiten für ihre Kinder ablehnen. Aber nicht so sehr wegen der Tätigkeit an sich, sondern wegen der gesellschaftlichen Verachtung, Ablehnung und Ausgrenzung, die mit der Tätigkeit verbunden ist.

opti 
05.02.2010 12:43
anderes thema

ich wäre genauso "glücklich" wenn meine tochter auf der basis der genetischen vorgabe und der anregungen und beispiele die ich ihr gegeben habe endlich den "reichen trottel" zum traualtar geschleppt hätte
und genauso unglücklich, wenn mein sohn ein erfolgreicher general im irak wäre
dann hätte ich innerhalb meiner lebensvorstellungen versagt und müsste und könnte damit trotzdem leben
und wenn sie sinnerfassend lesen könnten, wäre ihnen das in meinem posting schon klar gewesen
also habe ich versagt und muss "nachbessern" was ich somit getan habe.

thomasthomasthomas
05.02.2010 12:42
Entschuldigung, aber

allein der Satz "Danach ist sie weinend weggelaufen." entlarvt Ihre Geschichte als G'schichtl.

nemo sander
04.02.2010 23:37
solange die frauen keine bu.rka tragen, sondern

fast gar nichts mehr und ihren körper verkaufen, wird das doch in ganz europa akzeptiert.

bixente uhudla  
06.02.2010 19:21

...und das ist auch gut so!

Kremser
05.02.2010 12:02

das sind unsere werte. haben sie was dagegen?

opti 
04.02.2010 18:48
die polizei dein freund und helfer

die scheinen vernünftig zu sein - die schwedischen polizisten

van.der.stiege
04.02.2010 18:46
und ja,

schwedens polizei hat WIRKLICH wichtigeres zu tun (rosengård, södertälje, ...)

Sand
05.02.2010 11:09
Sie vergessen das Wichtigste

Die Machostruktur in jeder Polizeibehörde, auch der schwedischen. Abgesehen vom ranghöchsten Polizisten in Uppsala ;-)

anton burger
05.02.2010 13:12
...und was

weisst du von Schweden? Anscheinend wenig. Bist auch so ein heuchlerischer anti-prostitutions typ, der gelegentlich selbst den dienst einer prostituierten ausgenuetzen wollte, aber nicht 'konnte'.
Prostitution ist eine normale erscheinung und die Schweden sind offiziel etwas hinten nach im vergleich zur realitaet -die polizei hingegen sieht die wirklichkeit besser als die politiker.

Metaethischer Nihilist
07.02.2010 01:13

Die sind nicht hinten nach. Die sind voran. Das ist die feminisierende Entwiklung. Geschlechtsfaschismus.

Florian K.1
05.02.2010 09:38
stimmt

die schwedische polizei ist absolut unterbesetzt und hat deutlich mehr mit organisierter kriminalität zu kämpfen als bei uns (hells angels, bandits, russische mafia etc.)!
Insofern hat Per Ottosson recht, dass andere dinge wichtiger sind.
Dass verfügbares budget nicht verwendet wird ist aber schade weil mans ja für zusätzliches personal hätte einsetzten können.

Chien de Pique 
04.02.2010 18:32

Respekt, dass sich die Polizei diesem grenztotalitären Wahnwitz verweigert.

uinsel
04.02.2010 19:44

zuhälterei und menschenhandel einzuschränken ist grenztotalitärer wahnwitz?

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