
Sexbusiness auf Schwedisch: Kauf und Vermittlung von Liebesdiensten sind illegal.
Eigentlich klagt die schwedische Polizei über Geldmangel. Mit einer Ausnahme - und die irritiert: Schwedens Polizeiführung ließ verlauten, man müsse den Großteil des Budgets zur Prostitutionsbekämpfung zurückgeben - weil es nicht genutzt wurde.
Von 17 Millionen Kronen für Sondereinsätze in den Jahren 2009 und 2008 - etwa zur Aushebung von Geheimbordellen oder zur Verhaftung von Freiern - blieben sieben Millionen übrig. Die BeamtInnen hätten eben Wichtigeres zu tun gehabt, erklärten hohe Polizeirepräsentanten - und lösten einen Proteststurm aus: Der Wille zur Abschaffung der Prostitution ist in Schweden stark ausgeprägt.
1998 hatte das Parlament ein weltweit einmaliges Prostitutionsverbot verabschiedet: Kauf und Vermittlung sexueller Dienste ist verboten - der Verkauf von Sex aber legal. ZuhälterInnen drohen bis zu sechs, FrauenhändlerInnen zehn Jahre Gefängnis. Die Bezahlung von Frauen für Geschlechtsverkehr ist Ausbeutung und erniedrigt sozial am Boden liegende Menschen, lernen schon Schwedens GrundschülerInnen.
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Die Causa ist für die Polizei, der schon lange ein nachlässiger Umgang mit dem Prostitutionsverbot nachgesagt wird, aber doppelt peinlich. Erst vor wenigen Tagen zierte ein Ex-Polizeichef die Titelseiten. Wegen - angeblicher - enger Verbindungen zu Bordellbetreibern. Das verstärkt das öffentliche Bild, die Polizei verlache das Verbot und sehe darin bloß "Politikerschwachsinn".
"Es ist seltsam, dass es überhaupt passieren kann, dass die Polizei Geld zur Prostitutionsbekämpfung ungenutzt lässt", sagt Kjell Larsson, Sozialarbeiter der Stadt Göteborg: Die lokale Polizei hat ihre Untätigkeit gegen ZuhälterInnen und Freier stets auf den Mangel an Geld- und Personalressourcen geschoben. Auch Vizelandespolizeichef Tommy Hydfors ist betrübt. "Dass die Hälfte des Budgets ungenutzt bleibt, hätte nicht geschehen dürfen", sagt er.
Er erntet aber auch Widerspruch. Polizeikommissar Per Ottosson aus Göteborg meint: "Im Alltag bekommt manchmal anderes Priorität." Sogar BeamtInnen der Antiprostitutionseinheiten müssen oft abgezogen werden. Darum sei es kein Wunder, dass überraschend wenig Strafen ausgesprochen: Lediglich einige wenige ZuhälterInnen wandern jedes Jahr hinter Gitter - und für rund hundert Freier setzte es im Vorjahr Geldbußen. (André Anwar aus Stockholm/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.2. 2010)
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"Die Bezahlung von Frauen für Geschlechtsverkehr ist Ausbeutung und erniedrigt sozial am Boden liegende Menschen, lernen schon Schwedens GrundschülerInnen."
Cool. In der Grundschule habe ich gelernt, Gewerkschaften sind gut, und wer sie nicht unterstützt ist böse. Ich liebe Lehrer. Ich liebe die Schule. Ich liebe die Sozialdemokratie, und die netten Menschen die kinder manipulieren. It's for a good cause.
"Gewerkschaften sind gut" ist oberflächlich betrachtet zwar korrekt, weil sie das starke Machtgefälle zwischen Kapital und Arbeiter ausgleichen konnten und so ersterem und auch dem Staat wichtige Zugeständnisse für die Lohnarbeiter abringen konnten.
Sieht man sich aber an, welche Personen und Institutionen die Nachfolge der einstigen Klassenkämpfer angetreten haben, kann einem schlecht werden - man hat das Gefühl, das vor allem Schwachstellen und Unwillige geschützt werden sollen.
Darum ist es besser, Heranwachsenden kritisches Denken beizubringen als dass man sie mit "unveränderlichen Weisheiten" füttert. Prostitution kann auch selbstbestimmt sein - es ist "Geld gegen Dienstleistung". Ausbeutung ist es nur dann, wenn Zwang im Spiel ist.
solange sex von erwachsenen in freier willensentscheidung gekauft und verkauft wird, sollte da niemand ein problem damit haben (sonst müssen wir die ehe auch verbieten)
da wo die freie entscheidung nicht gegeben ist oder fragwürdig erscheint, beginnt das problem. hier muss der gesetzgeber sich etwas intelligenters einfallen lassen als die allgemeine prohibition. ein blödes gesetz und die "vernünftige" handhabung durch die polizei ist keine lösung. bei uns wäre das eine katastrophe in schweden kann ich das nicht beurteielen.
Dieselbe Frage stellte ich meiner Nichte, eine eifrige Verteidigerin der legalen Prostitution, nachdem Sie mir erklärte, erstens machen die das freiwillig und zweitens ist Prostitution ein Beruf wie jeder andere, wie z.B. in der Kasse im Supermarkt. "Willst Du, dass Deine Tochter in der Kasse sitzen oder Prostituierte werden soll?" - Danach ist sie weinend weggelaufen. Warum eigentlich, wenn Prostitution so ein(e) ehrbarer(e) Beruf(ung) ist?
Wenn eine Tätigkeit als schändlich, unehrenhaft und verwerflich angesehen wird, dann ist das nicht eine Eigentschaft der Tätigkeit, sondern eine gesellschaftliche Beurteilung der Tätigkeit.
Viele Eltern würden bestimmte Tätigkeiten für ihre Kinder ablehnen. Aber nicht so sehr wegen der Tätigkeit an sich, sondern wegen der gesellschaftlichen Verachtung, Ablehnung und Ausgrenzung, die mit der Tätigkeit verbunden ist.
ich wäre genauso "glücklich" wenn meine tochter auf der basis der genetischen vorgabe und der anregungen und beispiele die ich ihr gegeben habe endlich den "reichen trottel" zum traualtar geschleppt hätte
und genauso unglücklich, wenn mein sohn ein erfolgreicher general im irak wäre
dann hätte ich innerhalb meiner lebensvorstellungen versagt und müsste und könnte damit trotzdem leben
und wenn sie sinnerfassend lesen könnten, wäre ihnen das in meinem posting schon klar gewesen
also habe ich versagt und muss "nachbessern" was ich somit getan habe.
weisst du von Schweden? Anscheinend wenig. Bist auch so ein heuchlerischer anti-prostitutions typ, der gelegentlich selbst den dienst einer prostituierten ausgenuetzen wollte, aber nicht 'konnte'.
Prostitution ist eine normale erscheinung und die Schweden sind offiziel etwas hinten nach im vergleich zur realitaet -die polizei hingegen sieht die wirklichkeit besser als die politiker.
die schwedische polizei ist absolut unterbesetzt und hat deutlich mehr mit organisierter kriminalität zu kämpfen als bei uns (hells angels, bandits, russische mafia etc.)!
Insofern hat Per Ottosson recht, dass andere dinge wichtiger sind.
Dass verfügbares budget nicht verwendet wird ist aber schade weil mans ja für zusätzliches personal hätte einsetzten können.
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