Schweden - oder gelebte Gleichberechtigung

05. Februar 2010, 19:00
  • Artikelbild - Foto: Nina Hechenberger

In Schweden gehört eine feministische Partei ebenso zum Selbstverständnis wie die Tatsache, dass im Parlament 47 Prozent der Abgeordneten Frauen sind

Die feministische Bildungseinrichtung "frauenhetz" hat im letzten Jahr den Kontakt mit europäischen Frauenprojekten ausgeweitet und möchte die daraus entstandenen Reiseerfahrungen mit anderen Frauen teilen. Als Reisetipps können Sie die Berichte im Wochenrhythmus auf die dieStandard.at lesen: Der zweite Bericht führt in das "best practice" Beispiel Schweden, durch das uns Nina Hechenberger führt.

                                        *******

Der Norden Europas dient ja immer als "best practice" Beispiel, wenn es um die Einhaltung von Menschenrechten oder um die Gleichberechtigung geht. Gelebte Gleichstellung lässt sich aber nicht nur in den Strassen von Stockholm und Göteburg beim Ausweichen der Unmengen, meist von Männern geschobenen, Kinderwägen feststellen, sondern auch bei der Betrachtung, wie offen hier mit Homo-Bi- und Transsexualität umgegangen wird. Ganz selbstverständlich reihten sich schwule und lesbische PolizistInnen und Militärs in Uniform neben dem autonomen Linksblock und den "Proud Teachers", um nur einige der Gruppierungen zu nennen, in die Gay-Pride Stockholms ein und feierten mit rund 35.000 TeilnehmerInnen und über 350.000 BesucherInnen Stockholms buntestes Event.

Aber auch abseits vom bunten Treiben wird die gelebte Offenheit Schwedens sichtbar. Der Umstand, dass es hier eine feministische Partei gibt - die Feminstische Initiative (F!) - gehört ebenso zum Selbstverständnis wie die Tatsache, dass Stockholms Polizei von einer Frau geleitet wird und, dass im Parlament 47 Prozent weibliche Abgeordnete einen Sitz innehaben. Doch zurück zur Feministischen Initiative. Gegründet 2005 aus einem Verein traten die VertreterInnen der F! bei den Wahlen 2006 in Schweden an, erreichten allerdings nur 0,68 Prozent und verpassten aufgrund der 4 Prozent Hürde den Einzug ins schwedische Parlament. Nicht nur finanziell unterstützt von einem Mitglied der legendären Band ABBA erreichte die F! allerdings bei den letzten EU Wahlen im Jahr 2009 2,2 Prozent der Stimmen: Tendenz also steigend. Auch war Stockholm im Februar 2009 Austragungsort einer Tagung mit dem Titel "Forschen Feministinnen anders?", an der mehr als 300 ForscherInnen aus der ganzen Welt teilnahmen.

Stockholm ist aber neben seiner entzückenden und durch viele Kanäle des Meeres zerklüfteten Innenstadt einfach eine Stadt zum Wohlfühlen. Schlendernd durch die Gassen, schlägt einem der nordische Charme zu erst einmal nicht entgegen. Nimmt man aber Platz an einem der vielen, die Gassen schmückenden Tische der verschiedensten Cafés und Bars, die Stockholms Innstadt bietet, wird man früher oder später Teil eines Gespräches mit der durchaus multikulturell ansässigen Bevölkerung. Lässt man sich darauf ein, kann aus einer kurzen Cafépause schon mal eine ganze Nacht des gegenseitigen Austausches und des miteinander Parlierens über EU-Präsidentschaft, Sozialleistungen und (nicht zu vergessen) über die gesenkten Alkoholpreise im Zuge der EU-Mitgliedschaft werden.

Herzlichkeit zeigte auch ein Buschaffeur, indem er mich mit den Worten "It's anyway on my way home, so jump in!" kurzerhand nach Dienstschluss mit seinem Bus bis vor mein Hotel fuhr. Resümee nach 5 Tagen Stockholm: Ich komme wieder, sehr gerne sogar! (Nina Hechenberger, dieStandard.at, 7.2.2010)

 

weitersagen:
drucken
Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 90
1 2 3
AlBundyFan 
11.02.2010 10:16
als hinweis

vor 2 wochen war ein bericht in den zeitungen über suizide, gewalt und drogenprobleme usw. bei jugendlichen...

und die musterländer aus skandinavien, die besonders wegen ihres schulsystems so gelobt werden dauernd, waren in allen kategorien auf den hinteren plätzen.
vor allem finnland .... so tolle förderprogramme für schlechte und gute schüler, individuelle psychologenbetreuung, kleingruppen in den klassen usw. und trotzdem bringen sich prozentuell mehr als doppelt soviele jugendliche um.

also ich halte nichts von den ewigen vorhaltungen der skandinavier als musterländer für irgendwas.

Allmächtiger Satan 
07.02.2010 10:50

Womit wohl erwiesen wäre, dass österreichische Frauen einfach zu blöd sind, ihre Interessen durchzusetzen.

miranda7
08.02.2010 17:39

Vielleicht aber auch fehlt uns das Gen zu einer "intelligenten Beweisführung" wie der Ihren? ;-)

Round'n'round it goes
07.02.2010 19:53

Frustriert, weil dich keine wollte? Armer du...

Allmächtiger Satan 
07.02.2010 20:12

Nö, bloß das tatenlose Geraunze satt von wegen wir armen Frauen verdienen zuwenig.

linuxforeverlinux
08.02.2010 08:15

und diese sorte mensch hat dann noch eine eigene lobby, die aber zum glueck sich jeden tag selbst blossstellt in form der gruenen.
voggenhuber, einer der ganz ganz wenigen gscheiten der gruenen wird abgesaebelt, weil als mann zu erfolgreich, dafuer wird eine frauenquote eingefuert und sofort wird sie letzte, was fuer ein bild fuer goetter :)

linuxforeverlinux
07.02.2010 18:28

bei uns gehen manche einfach einen anderen weg: heiraten, scheiden, alimente kassieren, kinder vorenthalten, gelegentlich noch anschuldigungen loslassen um ihn ganz schlecht dastehen zu lassen (dafür gibt/gab es ja sogar eine inetseite).
diesen weg haben sie ja bereits schon erfolgreich beschritten, jetzt versuchen sie eben einen neuen weg

miranda7
08.02.2010 17:58

"bei uns gehen manche einfach einen anderen weg..."

Und stellen Sie sich vor: manch andere gehen GANZ ANDERE Wege. So vielfältig sind die Wege und so eingeschränkt ist oft die Wahrnehmung, wenn man schlechte Erfahrungen gemacht hat.

25:25:50 2:1
10.02.2010 06:13
Das ist ja genau das Problem. Eine eingeschränkte Wahrnehmung durch schlechte Erfahrung(en).


Da gibt es jetzt jede Menge Frauen, die es nicht zur Vorstandvorsitzenden oder ins Parlament geschaft haben und daran können ja dann nur die Männer schuld sein, oder das Patriarchat.
Vor allem wenn frau noch das Pech hatte, in einer, ich trau es mich ja schon garnicht mehr schreiben, traditionellen Kernfamilie mit Vater und Mutter aufgewachsen ist. Einmal geprägt durch dieses Rollenbild, ist es nahzu unmöglich etwas anderes als Verkäuferin oder Frisörin werden. Darum muss man, koste es was es wolle, Frauen fördern und informieren.

Warum nicht auch Männer entsprechend informieren. Und wer könnte das besser, als jene, die diese Erfahrungen schon gemacht haben? Persönliche Betroffenheit als Hauptqualifikation, wie in der Frauenpolitik.

miranda7
10.02.2010 13:16
"Warum nicht auch Männer entsprechend informieren."

Sagt ja keine/r, dass Männer von Informationskanälen abgeschnitten werden sollten, wir leben im Informationszeitalter.
Ich habe auf den Vorposter reagiert, der offenbar aufgrund eigener schlechter Erfahrungen mit dem Ende einer Beziehung gleich einen pauschalen Schluss zog: "...diesen weg haben sie ja bereits schon erfolgreich beschritten, jetzt versuchen sie eben einen neuen weg"
Summa summarum meint er also, Frauen würden entweder von ihren Männern "kassieren" oder sich mittels Quote unbotmäßig bereichern (wobei Quote auch gar nicht Thema des Artikels war). Finden Sie das nicht auch etwas, ähem, einseitig, bitter und unfair? Und dass die Sozialisierung in der Kindheit eine wichtige Rolle spielt, ist Ihnen nicht klar?

25:25:50 2:1
10.02.2010 16:38
Eben genau das. Gerade Männer, die diese Erfahrungen gemacht haben, sollten die anderen Männer entsprechen informieren.


Habe ich ja geschrieben. Mit Eigenerfahrung und persönlicher Betroffenheit als Qualifikation dazu. So wie Frauen(familien)politik gemacht wird. Naja, immer mehr junge Männer und Söhne von Alleinerzieherinnen überzuckern das eh schon.

Erst sucht Frau sich den zahlungspotenten Partner für den Kinderwunsch und dann wird er zwecks Selbstverwirklichung entsorgt und gejammert warum es keine Vorstandposten für sie gibt.

So funktioniert das eben nicht. Da Frauen- und Familienpolitik aber ausschließlich gemacht wird, um Frauen den Kinderwunsch einfacher zu machen, werden eben die Männer abspringen.

Wenn es für die ebenso gute wie einfache Verhütung gäbe, wie für Frauen, wären wir mit sicherheit schon unter 0,5 Kinder/Elternteil.

Nichtschweiger 
07.02.2010 09:59
Wenn in Schweden die Gleichbehandlung so weit fortgeschritten ist!

Dann sollte es eigentlich keine Parte "Feministische Initiative" brauchen? Was wollen die den noch durchsetzen?

jokergirl
08.02.2010 09:42

Naja, also die letzte grössere Schlacht, and die ich mich erinnern kann:
- oben-ohne Erlaubnis für Männer wie Frauen im Schwimmbad.

Manche sind eben nie zufrieden.
Alternativ: Es geht immer noch ein bissl besser.

;)

25:25:50 2:1
10.02.2010 06:17
Manche sind eben nie zufrieden.


"- oben-ohne Erlaubnis für Männer wie Frauen im Schwimmbad."

Wie könnte man das noch ein bissl besser machen?
Mit oben-ohne Pflicht. Am besten nicht nur im Schwimmbad. Beim Laufen oder beim Radfahren wär ja auch was. ;-)

jokergirl
10.02.2010 12:28

Oben ohne laufen, das klingt schmerzhaft :(

25:25:50 2:1
10.02.2010 15:47
Also, mir tut das nicht weh.


Für mich klingt es eher ... anregend. ;-)

Für besonders hohe Schwungmassen kann man ja eine Ausnahme machen. ;-)

25:25:50 2:1
07.02.2010 15:34
Es zeigt ja vielmehr davon, dass Schweden eben kein Musterbeispiel für "gelebte Gleichstellung" ist.


Wieso ist es "gelebte Gleichstellung", wenn Kinderwägen "meist von Männern geschobenen" werden?

Wenn es eine "feministische Partei" und eine "feministische Bildungseinrichtung" gibt, wo bleibt eine "maskulistische Partei" und eine "maskulistische Bildungseinrichtung"?

miranda7
08.02.2010 16:50

"...wo bleibt eine "maskulistische Partei" und eine "maskulistische Bildungseinrichtung"?"
Ja, wo bleibt sie nur? Haben sich offenbar keine Männer gefunden, die eine solche gründen wollten.

25:25:50 2:1
08.02.2010 19:04
Haha, bei 0,68 Prozent war die FI ja so notwendig wie ein Kropf.


Und das sogar mit ABBA unterstützung.

Die Frage ist aber, wie es in Schweden mit Förderungen aussieht. Wird die "feministische Bildungseinrichtung" gefördert. Wäre eine "maskulistische Bildungseinrichtung" auch gefördert worden.

Bei uns zumindest, lebt das ganze "feministische Wasauchimmer" doch hauptsächlich von Fördergeldern. ;-)

Die noch dazu großteils von Männern erbracht werden.

miranda7
10.02.2010 13:20

Wir wissen es nicht, ob und was in Schweden wie gefördert wird und schon gar nicht ob eine maskulistische Einrichtung "gefördert worden wäre", ist also eine virtuelle Diskussion.

María José
07.02.2010 14:13

weitere Frauenbevorzugungen halt,
pardon "positive Diskriminierung" meinte ich natürlich.

derEismann
07.02.2010 02:14
Nicht die ganze Wahrheit

Schweden ist aber auch das Land, wo jetzt Frauen erfolgreich gegen eine Männerquote an der Uni (für Studienrichtungen mit einem sehr hohen Frauenanteil) geklagt haben.

Kurz zusammengefasst ist das schwedische Gericht zum Schluss gekommen, dass es diskriminierend für Frauen ist, wenn Männer aufgrund von Quoten vorgezogen werden.

Detail am Rande: Das Ganze ist ohnehin nur deshalb passiert, da die Quotenregelung dort sich nicht auf ein Geschlecht bezieht, sondern immer die Minderheit bevorzugen soll.

miranda7
08.02.2010 16:51

"Das Ganze ist ohnehin nur deshalb passiert, da die Quotenregelung dort sich nicht auf ein Geschlecht bezieht, sondern immer die Minderheit bevorzugen soll. "

Ist doch ein guter Ansatz.

AlBundyFan 
11.02.2010 10:29
ja, es wäre ein guter ansatz

aber wenn dieser durch ein gericht wieder aufgehoben wird, im gegensatz zu frauenquoten in männerdominierten studienrichtungen, dann ist dies eben kein guter weg mehr.

GreyPaladin  
08.02.2010 17:39

Trau ich mich hier nimmer vorschlagen da kommen gleich frau Sturm und ihr Battalion und beschimpfen einen als Frauenhasser wenn man sich erdreistet sowas zu sagen..

Vielleicht haben die in Schweden einfach eine andere Diskussionskultur und konnten sich deswegen früher einigen.. (Wär mein Tipp)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 90
1 2 3

Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.