In Schweden gehört eine feministische Partei ebenso zum Selbstverständnis wie die Tatsache, dass im Parlament 47 Prozent der Abgeordneten Frauen sind
Die feministische Bildungseinrichtung "frauenhetz" hat im letzten Jahr
den Kontakt mit europäischen Frauenprojekten ausgeweitet und möchte die
daraus entstandenen Reiseerfahrungen mit anderen Frauen teilen. Als
Reisetipps können Sie die Berichte im Wochenrhythmus auf die dieStandard.at lesen: Der zweite Bericht führt in das "best practice" Beispiel Schweden, durch das uns Nina Hechenberger führt.
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Der Norden Europas dient ja immer als "best practice" Beispiel, wenn es um die Einhaltung von Menschenrechten oder um die Gleichberechtigung geht. Gelebte Gleichstellung lässt sich aber nicht nur in den Strassen von Stockholm und Göteburg beim Ausweichen der Unmengen, meist von Männern geschobenen, Kinderwägen feststellen, sondern auch bei der Betrachtung, wie offen hier mit Homo-Bi- und Transsexualität umgegangen wird. Ganz selbstverständlich reihten sich schwule und lesbische PolizistInnen und Militärs in Uniform neben dem autonomen Linksblock und den "Proud Teachers", um nur einige der Gruppierungen zu nennen, in die Gay-Pride Stockholms ein und feierten mit rund 35.000 TeilnehmerInnen und über 350.000 BesucherInnen Stockholms buntestes Event.
Aber auch abseits vom bunten Treiben wird die gelebte Offenheit Schwedens sichtbar. Der Umstand, dass es hier eine feministische Partei gibt - die Feminstische Initiative (F!) - gehört ebenso zum Selbstverständnis wie die Tatsache, dass Stockholms Polizei von einer Frau geleitet wird und, dass im Parlament 47 Prozent weibliche Abgeordnete einen Sitz innehaben. Doch zurück zur Feministischen Initiative. Gegründet 2005 aus einem Verein traten die VertreterInnen der F! bei den Wahlen 2006 in Schweden an, erreichten allerdings nur 0,68 Prozent und verpassten aufgrund der 4 Prozent Hürde den Einzug ins schwedische Parlament. Nicht nur finanziell unterstützt von einem Mitglied der legendären Band ABBA erreichte die F! allerdings bei den letzten EU Wahlen im Jahr 2009 2,2 Prozent der Stimmen: Tendenz also steigend. Auch war Stockholm im Februar 2009 Austragungsort einer Tagung mit dem Titel "Forschen Feministinnen anders?", an der mehr als 300 ForscherInnen aus der ganzen Welt teilnahmen.
Stockholm ist aber neben seiner entzückenden und durch viele Kanäle des Meeres zerklüfteten Innenstadt einfach eine Stadt zum Wohlfühlen. Schlendernd durch die Gassen, schlägt einem der nordische Charme zu erst einmal nicht entgegen. Nimmt man aber Platz an einem der vielen, die Gassen schmückenden Tische der verschiedensten Cafés und Bars, die Stockholms Innstadt bietet, wird man früher oder später Teil eines Gespräches mit der durchaus multikulturell ansässigen Bevölkerung. Lässt man sich darauf ein, kann aus einer kurzen Cafépause schon mal eine ganze Nacht des gegenseitigen Austausches und des miteinander Parlierens über EU-Präsidentschaft, Sozialleistungen und (nicht zu vergessen) über die gesenkten Alkoholpreise im Zuge der EU-Mitgliedschaft werden.
Herzlichkeit zeigte auch ein Buschaffeur, indem er mich mit den Worten "It's anyway on my way home, so jump in!" kurzerhand nach Dienstschluss mit seinem Bus bis vor mein Hotel fuhr. Resümee nach 5 Tagen Stockholm: Ich komme wieder, sehr gerne sogar! (Nina Hechenberger, dieStandard.at, 7.2.2010)