Nadja Maleh ist eine Rarität, denn in der hiesigen Kabarettszene gibt es nicht viele Frauen
Nadja Maleh ist eine Rarität. Denn in der hiesigen Kabarettszene gibt es nicht viele Frauen. Noch dazu keine mit einem solchen schauspielerischen Talent. Die Wienerin mit syrischen und tirolerischen Wurzeln, Jahrgang 1972, versteht es, Figuren zu entwickeln und darzustellen, die trotz ihrer übertriebenen Charaktereigenschaften extrem lebensnah sind.
Dem Grundkonzept von Flugangsthasen, ihrem ersten, sehr erfolgreichen Programm, bleibt Maleh in Radio-Aktiv - Premiere war im Kabarett Niedermair - treu: Die einzelnen Nummern sind nur lose miteinander verknüpft. Aber es gibt zumindest eine Schnur für all die Perlen. Bei Flugangsthasen fiel Langzeitarbeitslosen die schwierige Aufgabe zu, das Publikum während eines Fluges mit Darbietungen zu unterhalten. In Radio-Aktiv führt eine äußerst coole Chansonette durch den mit Musikpersiflagen garnierten kurzweiligen Abend (Regie: Marion Dimali): In ihrem Kopf wimmelt es vor Stimmen - und sie alle wollen raus auf die Bühne.
Zwei, drei dieser Frauenfiguren kennt man bereits: Die verknöcherte Frau Professor Huber zum Beispiel ("Wenn immer nur die Klügere nachgibt, wird die Welt einmal nur von Idioten beherrscht") und die Inderin Mandala, die mit irrwitzigem Lachen Lebensweisheiten ihrer Großmutter Ganga preisgibt.
Grandios gelingt Maleh u. a. das Bekenntnis einer herrischen Russin ("Domina ist ein fesselnder Beruf") und der Vortrag der äußerst nervösen, extrem naiven Jasmin, die als Gedanken-Coach gute Tipps gibt und immer wieder in sich hineinfühlt, wie es ihr damit geht. Die Französin Bernadette führt vor, dass die gemeinsten Ansagen supererotisch klingen, wenn man sie mit französischem Akzent haucht. Und eine nasalierende Frau aus Döbling berichtet von ihren Erlebnissen bei der Selbsthilfegruppe für Milliardäre.
Den Höhepunkt steuert die Teilzeitkindergärtnerin Nelli mit ihrer Angst vor Aliens bei, die bereits gelandet seien: "Die haben so viele Hände - und nehmen uns die Arbeitsplätze weg!"
Maleh macht zum Glück kein vordergründig politisches Kabarett. Politisch ist es trotzdem. (trenk, DER STANDARD/Printausgabe, 13.2,/14.2.2010)
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