Welche Figur ist denn schon normal?

Dagmar Buchta, 25. Februar 2010, 07:00
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    foto: studienverlag

Und welche Essgewohnheiten gelten als abnormal? Eine neue Ratgeberin für Betroffene und deren Angehörige von Essstörungen konzentriert sich auf das Wesentliche

Wirklich Neues findet frau/man in der vor kurzem erschienenen Ratgeberin mit dem Untertitel "Aufklärung, Beratung, Therapie" nicht. Trotzdem lohnt es sich dieses Büchlein zu lesen, weil es das umfassende Thema Essstörungen auf das Wesentliche zusammenfasst und darüber hinaus zwei Punkte beinhaltet, die in der herkömmlichen Literatur zumeist außer Acht gelassen werden. Das betrifft den geschichtlichen Hintergrund von Essstörungen und die Tatsache, dass immer mehr Burschen und Männer daran erkranken.

Krankheitsbilder mit Geschichte

Autorin Sonja Schuch geht bei ihrer historischen Betrachtung bis ins Alte Ägypten zurück, wo sie die ersten Versuche von Frauen, ihren Körper schlanker und straffer zu machen, ortet und spannt einen sehr interessanten Bogen bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in dem der schlanke Körper zu einem Kultsymbol geworden ist. In diesem großen Zeitraum werden Fastenheilige, Wundermädchen und Hungerkünstler genauso beschrieben wie Hysterie, Auszehrung und der sich etablierende Kampf gegen die Fettleibigkeit.

Mediale unnatürliche Vorbilder

Angesichts der vergleichenden Betrachtung von Covergirls der letzten fünfzig Jahre wird die krankmachende Propagierung eines idealen Frauenkörpers deutlich: Sie wurden immer dünner, immer größer und immer androgyner. Noch vor 25 Jahren wogen Fotomodelle um ungefähr acht Prozent weniger als die damalige Durchschnittsfrau, heute wiegen sie im Schnitt 23 Prozent weniger. Dazu kommt die mittels Computer mögliche Modellierung und Retouschierung, die Beine verlängert, Hüften schmälert und Haut straffer wirken lässt. Es werden also optische Ideale vermittelt, die immer seltener erreicht werden können.

Problem "Frauenkrankheit"

Obwohl Essstörungen nach wie vor als "Frauenleiden" behandelt werden, steigt die Zahl der daran erkrankten Burschen und Männer kontinuierlich an. Etwa zehn Prozent der Magersüchtigen und fünfzehn Prozent der BulimikerInnen sind männlich. Auch sie sehen sich mit unrealistischen Schönheitsidealen und widersprüchlichen Rollenerwartungen konfrontiert. Anders als bei Mädchen, die zumeist in der Pubertät erkranken, liegt die durchschnittliche Erkrankung beim männlichen Geschlecht zwischen dem 17. und 24. Lebensjahr. Sie sei jedoch auch schwerer zu fassen. Das liege zum einen daran, dass beim männlichen Geschlecht die Störung aufgrund eines zumeist verstärkten Körpertrainings - "Anorexia Athletica" - länger übersehen wird, Burschen sich dafür schämten, an einer "Frauenkrankheit" zu leiden und folglich das Aufsuchen diverser Beratungsstellen scheuten. Letztlich liege es jedoch ebenso am mangelndem Angebot für diese Gruppe, meint die Autorin.

Aufklärung und Hilfe

Jenseits der altbekannten Zuweisung, Essstörungen als Reaktion auf die pervertierten Schönheitsideale zu erklären, weist Sonja Schuch darauf hin, dass diese nur einen, wenn auch stark Enfluss nehmenden Faktor, ausmachen und führt in der Folge eine Menge anderer Faktoren wie Persönlichkeitsmerkmale, familiäre Situation, Sozialisation etc. an.

Desweiteren bietet das Buch genaue Defintionen der Krankheitsbilder, beschreibt, woran Essstörungen zu erkennen sind, welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen und endet mit einer Übersicht über die österreichischen Beratungsstellen. (dabu/dieStandard.at, 25.02.2010)

Sonja Schuch:
Essstörugen
Aufklärung, Beratung, Therapie
Studienverlag 2009
ISBN 978-3706546980
Euro 14,95

Kommentar posten
18 Postings
xv22
20
25.2.2010, 22:28
Danke für frau/man und die Ratgeberin

Amüsiere mich köstlich, wenn ich sehe, wie sich die Leute darüber aufregen ... dadurch bekommt die ansonsten sinnlose Sache doch wieder einen Sinn

El Guiro
00
25.2.2010, 22:05

"frau/man"

Was zum Teufel soll denn das sein?
Die Binnen-I sind lass ich mir noch einreden, aber das?
Es heißt nicht "mann" sondern "man", darum besteht hier wirklich kein Bedarf eine künstliche weiblich Form einzuführen.

brand
01

als nächstes wird
der Mantel zu die Frautel,
und manchmal zu frauchmal,
der Mangel zu die Fraugel,
und Stromanschluss zu Strofrauschluss,
etc.

*Fuzzy Logic*
01
25.2.2010, 19:00

Die Artikel führen sich selbst ad absurdum, wenn in den Kommentaren mehr über Frau/Mann/man und das merkwürdrige Binnen-I bzw. "_" diskutiert wird, als über den Inhalt selbst. Aber da ist die Autorin selbst schuld, wenn Sie in Eigenregie die Grammatikregeln der deutschen Sprache auf die peinlichste aller Arten auszuhebeln versucht. Mit der Rechtschreibung fange ich gar nicht erst an.

Ich bin übrigens für "fran" (frau-man). Diese Frau/Man(n)-Geschichte stammt wohl aus der ebenso peinlichen (und von mir leider mitfinanzierten) "UniQue", deren Niwo (*Ironie*) dieStandard längst erreicht bzw. schon unterschritten hat.

Ums kurz zu machen: ein echtes Trauerspiel, was hier geboten wird.

Emil i Lönneberga (advocatus diaboli)
06
25.2.2010, 15:43
"Noch vor 25 Jahren wogen Fotomodelle um ungefähr acht Prozent weniger als die damalige Durchschnittsfrau, heute wiegen sie im Schnitt 23 Prozent weniger."

Das würde aber bedeuten, dass anscheinend niemand diesen models nachzueifern versucht.

contains sugar
10

schon mal was von jojo-effekt gehört?

Sven Dirks
03
25.2.2010, 19:57
Noch besser

In den letzten 40 Jahren ist das Durchschnittsgewicht in den westlichen Ländern um ca. 11 kg gestiegen.

Das gilt sowohl für Frauen als für Männer.

Angesichts eines heutigen Durchschnittsgewichts von 66,7 kg für die normale Frau ist die im Artikel genannte Differenz einzig und alleine der statistischen Gewichtszunahme, nicht aber dem dünner werden der Models zuzuschreiben.

Auch wenn ich persönlich bekleidete Bohnenstangen auch nicht unbedingt erotisch finde - ein klein wenig Statistik und Anwendung der Grundrechenarten sollten schon sein bevor man derartigen Unsinn zitiert...

LG

Sven

contains sugar
10

das durchschnittsgewicht musste steigen, weil auch die durchschnittsgröße gewachsen ist.
die menschen sind also - trotz einführung des BMI und dadurch ernannter fett-epidemie - gleich geblieben.

Sven Dirks
00
Das passt nicht

Entsprechend dem gewicht hätten die Menschen 15 cm im Schnitt zulegen müssen, es sind aber nur 5

LG

Sven

contains sugar
10

vergiss die vielen zuwanderer nicht, die genau in dieser zeit aus ländern hergekommen sind, wo man nicht hochgewachsen ist, sondern eher eine pyknische statur hat. damit kannst du die paar cm leicht erklären.

musacea
13
25.2.2010, 15:33

auf deutsch heißt das wohl so viel wie: es ist ein buch erschienen wie es schon hunderte gibt aber wir haben trotzdem einen artikel darüber geschrieben weil gendern so lustig ist...

Die Volksfront von Judäa
01
25.2.2010, 15:01
frau/man - wtf?

gendergerechte ausdrucksweise in allen ehren, aber wir wollen doch weiterhin deutsch sprechen/schreiben, nicht?

Shanajio
13
25.2.2010, 12:46
Deutsch und Gender

a) frau/mann
b) mann/frau
c) man

Eins auswählen. Vielleicht wäre sogar besser:

A) Frau/Mann
B) Mann/Frau

Mitglied im Verein der Standard-Zensur-Opfer
511
25.2.2010, 12:00
Ratgeberin?

frau kann's auch zu weit treiben.

So, ich steck jetzt die Schlüsselin die Schlössin, steig in die Liftin, und fahr in die Supermärktin ein paar Dösinnen Pfirsichkompöttinnen kaufen.

Gallo Way
00
25.2.2010, 21:06

LeberkässemmelIn mit Gurkenin drinin nicht vergessenin!

Gefräßige Gebärmutter
01
26.2.2010, 14:07
die Semmel, die Gurke ...

downhillschrott
00
25.2.2010, 11:16
optische Ideale

Es werden also optische Ideale vermittelt, die immer weniger seltener werden können.

??? Verstehe diesen Satz nicht.

Schokomaki
00
25.2.2010, 11:29
;-)

das hab ich mir auch gedacht....

Ich glaub, die meinen, dass die immer seltener erreicht werden können! oder so ähnlich...

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