Real existierender Konsumismus

05. März 2010, 18:48
  • Artikelbild: "Schön, dass es dich gibt": Wenn es einen Bereich gibt, der vorführt,
wie Geschlecht imaginär hergestellt wird, ist es die Konsumwelt. - Foto: Matthias Cremer

    "Schön, dass es dich gibt": Wenn es einen Bereich gibt, der vorführt, wie Geschlecht imaginär hergestellt wird, ist es die Konsumwelt.

Sex sells - im wahrsten Sinne des Wortes. Warum dem Konsumkapitalismus beide Geschlechter so sehr am Herzen liegen: Man kann alles doppelt verhökern! Ein Essay zum Frauentag am 8. März

Rosa und weiß leuchtet es, auf der Kärntner Straße strahlt der Laden sogar nach außen und gibt sich in der Geschäftezeile als eine illuminierte Plastikbox. Ein Wunderkästchen. Drinnen ist es clean, der helle Fliesenboden glänzt, als hätten die Putzmittel, die man hier auch kaufen kann, sich zur grundierenden Kategorie aufgeschwungen. Die Einkaufswagen, wie üblich in Drogeriemärkten, sind kleiner als die der Supermärkte und rundlich geformt - fast wie Kinderwagen -, damit die Waren, auch die kleinen Schächtelchen und Döschen, leicht hinabgleiten und sich nicht in Ecken verhaken können.

Mit 147 Filialen vertreten, ist Bipa in Wien eine omnipräsente Drogeriemarktkette. Je nachdem, wo die Filialen liegen, sind sie nur schwach besucht und dümpeln, in der Taborstraße zum Beispiel, trist hinter der mit halbtransparenter Folie beklebten Schaufenstermembran. Von der Decke herab hängen Schilder mit dem Logo BC und dem Spruch Schön, dass es dich gibt, der offen lässt, ob er sich auf die Bipa Vorteilscard (BC) bezieht oder auf die Kundin.

Nichts gibt es hier, was nicht irgendeinem, wenn auch nicht zwingenderweise notwendigen Zweck diente. Und nichts ist unverpackt. Durch die Regalreihen gesehen, ergibt sich der Eindruck einer aus unzähligen pastellbunten Boxen zusammengesetzten, sanften, aber widerständigen, zumindest robusten Oberfläche, die zur Not auch noch einmal nass abgewischt werden könnte. Zwei junge türkische Mütter gehen herum, nehmen bedächtig Dinge in die Hand, betrachten und stellen wieder zurück ins Regal. Eine alte Dame steht hilflos vor den für sie zu schweren Waschmittelflaschen. Man könnte an Abschaffel denken, jenen Helden aus Wilhelm Genazinos gleichnamiger Romantrilogie, der durch Frankfurter Kaufhäuser streift und Socken anfasst, damit er mal was Weiches spürt. Hier aber ist nichts wirklich weich, alles glatt. Nichts knistert, allenfalls raschelt Pulver in dieser Atmosphäre plüschiger Sterilität.

Wir müssen uns den Drogeriemarkt als einen grausamen Ort vorstellen.

Light oder Zero

Die moderne und postmoderne Lebenswelt wird von Soziologen oft mit den Schlagworten "Enttraditionalisierung" und "Individualisierung" beschrieben, meist ist auch davon die Rede, dass sich die herkömmlichen Geschlechterarrangements immer weiter auflösen. Frauen sind berufstätig und tragen zu einem großen Teil des Familieneinkommens bei, Männer fühlen sich - zumindest ist das erwünscht - zunehmend mehr für Erziehungs- und Reproduktionsarbeit verantwortlich.

Insgesamt sind die Rollenerwartungen flexibler und das bürgerliche Modell Familie brüchiger geworden. Daneben kursiert noch ein anderes Label, nämlich das von einer zunehmenden "Feminisierung" der westlichen Kultur. Unter diese sehr schwammige Formel kann vieles fallen, etwa, dass die nicht von ungefähr als soft bezeichneten skills, also Kommunikations-, Kompromiss- und Sozialkompetenzen, heute als wesentliche Stärken im Berufsleben gelten; dass Mädchen im Durchschnitt besser in der Schule sind als Jungs; oder dass Frauen - angeblich - mehr und mehr das Ruder übernehmen und Machtpositionen besetzen.

Sieht man sich allerdings in den Konsumwelten des real existierenden Kapitalismus um, kann man vielleicht eine teilweise "Enttraditionalisierung" der Geschlechterrollen finden, keinesfalls aber eine Auflösung der Geschlechtsstereotypien. Im Gegenteil, wenn es einen gesellschaftlichen Bereich gibt, der explizit vorführt, wie Geschlecht imaginär hergestellt wird, ist es die Konsumwelt und die Werbung, die fast jedes Produkt als "männlich" (heißt: für Männer) oder "weiblich" (also: für Frauen) oder "unisex" qualifiziert. Ein Beispiel für die Vergeschlechtlichung von Objekten sind Getränke wie Coke light. Die Cola mit dem weichen schwarzen Schriftzug light auf silbernem Etikett wendet sich an Frauen, Coke zero in schnörkelloser weißer Schrift auf schwarzem Grund ist, klar, für Männer.

Dass solche geschlechtlichen Markierungen von Produkten nur willkürliche Zeichen sind, wie Etiketten auf Flaschen, weiß jedes Kind. Es gibt keinen notwendigen Grund, weshalb silber "weiblich" und schwarz "männlich" sein sollte. Wenn aber die Geschlechtszuschreibungen beliebig sind und zugegebenermaßen oft lächerlich naiv daherkommen, bleibt die Frage, warum das Prinzip eigentlich funktioniert? Warum, so soll hier die Frage sein, können Gegenstände eigentlich zu Symbolen für Geschlechtlichkeit werden, und warum ist Bipa vornehmlich für Frauen? Es wird wohl an der Farbe liegen. Denn Männer kaufen woanders.

Bei Elektro Conrad in Berlin läuft leise Popmusik. Auf zwei riesigen Etagen gibt es hier alles, was das Bastler-Herz begehrt. "Komm Großer!" ruft ein Vater, dessen Sprössling sich bei den Retro-Radio-Sets festgesetzt hat, ein unrasierter Cowboy in Stiefeln, Hut und zugehöriger Lederfransenweste streift suchend und mit viel Zeit durch die Regalreihen, ein kleines Einkaufskörbchen im Armwinkel.

Das Meiste hier dreht sich ums Steuern, Optimieren, Funken, Sichern, Verteidigen: Rauch- und Wassermelder sind im Angebot, digitale Codeschlösser, Funk- Türen und Funk-Fenstermelder, Alarmsirenen, oder, der Hit, ein handtellergroßer Staubsauger mit USB-Anschluss für die Computertastatur. Alles liegt in Stahlregalen, und die Farbanmutung ist grau mit bunten Einsprengseln. Es herrschen hier nur klare Farben, kein Pastell - als Mischung ist allenfalls schimmerndes Metallic erlaubt. Kräftiges Blau und Gelb sind die Farben des Corporate Design, und in blaugelb verkünden überall Plakate: Mann, war ich brav. Technik, die ich haben will.

Konsumprodukte sind nicht nur Spiegel von Bedürfnissen, sie geben auch gesellschaftliche Sinnsysteme wieder. Und eines ist klar: Wenn Bipa für Frauen ist, ist Elektro Conrad für Männer. Allein die Schilder Schön, dass es dich gibt versus Mann, war ich brav sprechen Bände.

Das Weibliche ist dialogisch, die Frau lässt sich vom Plakat als "du" ansprechen, und zwar schmeichelnd und in ihrem "Sein". Der männliche Part dagegen ist egozentrisch inszeniert. "Mann, war ich brav", spricht den Mann als Kind an, das verspielt oder Arbeit spielend, im Traumland Elektro Conrad etwas "haben will". Auch die Farbgebung - er klar, sie pastell - und die ästhetische Präsentation der Produkte - er sachlich, sie freundlich - sind an Geschlechterklischees orientiert: Männer wollen Kontrolle, Frauen Sauberkeit: Was ihm das Funken und Basteln ist, ist ihr das Schminken, Dekorieren, Putzen.

Der amerikanische Soziologe Erving Goffman hat die Aussagekraft der Werbung mit der von Zeremonien verglichen. In der Reklame werde, wie im Ritual, gesellschaftliche Realität dramatisiert und vereinfacht, um das, was wir sonst nur flüchtig wahrnehmen, verständlich zu machen. Von daher sind Drogerie- und Elektromärkte zwar künstliche Inszenierungen von Geschlechterräumen, sie sagen aber durchaus etwas über reale Geschlechter- und Machtverhältnisse aus, und, wichtiger noch: sie (re-)produzieren sie.

Denn das Verhältnis von Angebot und Nachfrage funktioniert ja wie ein unendlicher Zirkelschluss. In permanentem Hin- und Herlauf versucht das Marketing herauszufinden, was Frauen/Männer wollen, und die Kunden lesen an den Angeboten ab, was offenbar Frauen/Männer wünschen. Und sie können, indem sie Wünsche imitieren, für die sie selbst die Vorlage lieferten, sich wiederum als Frauen/Männer definieren.

Und wie bekommen die Dinge nun ihr "Geschlecht"? Es nicht ganz so beliebig, wie es das Cola-light-Beispiel erscheinen lässt. Waren sind geschlechtlich, weil sie sich auf Arbeits- oder Tätigkeitsbereiche beziehen, die klassischerweise dem einen oder anderen Geschlecht zugesprochen sind und in ihnen auch funktionieren. Windeln für das Kind, Scheuermittel für den Boden, Rasierschaum gegen die Bartstoppeln. Zu Symbolen für Geschlecht werden Waren aber auch, weil sie mit einer bestimmten Ästhetik verbunden sind. Es bräuchte lange, um zu erörtern, warum welche Designs eher Männer oder eher Frauen ansprechen. Sicher ist aber, dass hierbei eine Art metaphorischer Übertragung eine Rolle spielt. Es gefallen Qualitäten, in denen sich die jeweiligen Geschlechtszuschreibungen ausdrücken können und so Identifikation ermöglichen. Die Waren haben aber auch die Funktion, sich des eigenen Geschlechts zu versichern oder durch Kombination von "männlichen" und "weiblichen" Attributen eine eigene Gender-Note aufzubauen. Das deutsche "Frauenbier" Beck's Gold zum Beispiel funktioniert nach diesem Prinzip: Traditionellerweise trinken Frauen, wenn überhaupt, Bier aus dem Glas. Beck's Gold ist in eine durchsichtige Flasche gefüllt, imitiert also die Qualität des Glases, gibt dann noch ein goldenes Etikett hinzu und erlaubt so, durch Hinzufügen genügend beruhigender weiblicher Merkmale, dass Frauen auch Bier aus der Flasche trinken können, ohne etwas von ihrer Weiblichkeit einzubüßen.

Zum Kaufen verdammt

Die Frauen im Drogeriemarkt, die Männer im Technikhandel - das wären die klassischen Geschlechterverhältnisse, doch natürlich geht alles auch anders. Natürlich kaufen Frauen bei Conrad und Männer bei Bipa, und gerade in den vergangenen zwei Jahrzehnten haben sich Konsumartikel und Einkaufsgewohnheiten sehr in Richtung einer Durchmischung traditioneller Geschlechterräume entwickelt. Im Wellnessboom verbinden sich sanfte, weiche Formen auch mit Virilität; Körperpflege und modebewusste Kleidung sind mittlerweile auch für Männer ein Muss. Umgekehrt haben sich vormals männlich dominierte Segmente für Frauen geöffnet, wie beispielsweise der gesamte Sportgeräte- und Sportbekleidungsmarkt. Doch auch diese Medaille hat zwei Seiten: Einerseits erhöhen sich die Möglichkeiten für beide Geschlechter, und es ist erfreulich, dass mittlerweile auch auf weibliche Proportionen zugeschnittene Radtrikots existieren. Andererseits wirkt der Geschlechtsbezug von Produkten mittlerweile so natürlich und unhinterfragt, dass wir fest daran glauben, die Feuchtigkeitscreme Florena-Men würde tatsächlich nur auf Männerhaut wirken.

Neuere Analysen der Konsumkultur betonen immer wieder, dass sich im so genannten "Kulturkapitalismus" nicht mehr das Produkt selbst verkauft, sondern die Marke und das mit ihr verbundene Gefühl, das eben auch ein Geschlechtserlebnis sein kann. Sex sells im wahrsten Sinne des Wortes. Hier wird in aller Banalität klar, warum dem Konsumkapitalismus die beiden Geschlechter so sehr am Herzen liegen: Man kann fast alles doppelt verhökern, indem man es geschlechtlich, wie sexy, markiert.

Es scheint nun, dass diese Vergeschlechtlichung der Produkte von den Kunden und Kundinnen nicht wirklich als negativ oder unangenehm erfahren wird. Müssen wir uns den Drogeriemarkt dennoch als einen grausamen Ort vorstellen? Ich glaube schon.

"Shopping is female", schrieb Ende der 1990er-Jahre Paco Underhill in seinem Klassiker Why we buy. Schon historisch ist Konsum ein vornehmlich weibliches Phänomen, die frühen Kaufhäuser waren eine Befreiung für bürgerliche Frauen, ihre zunächst einzige Möglichkeit, sich im öffentlichen Raum aktiv zu bewegen. In dem berühmten Roman Paradies der Damen beschreibt Emile Zola, wie Kaufhäuser die Rolle einnehmen, die vormals die Kirche im Leben der Frauen hatte, und natürlich wurde Konsum auch zur Entschädigung für die Langeweile einer Existenzform, in der Selbstverwirklichung nicht vorgesehen war. Manche Frau hat sich auch durch Überschuldung am dominanten Gatten gerächt, und sprichwörtlich gelten Kleptomanie und Kaufsucht als vornehmlich weibliche Pathologien. Studien, die sich mit Kaufsucht beschäftigen, sprechen vom Konsum als einer Depressions- und Angstabwehr, das erstandene Objekt gilt als "symbolische Selbstergänzung", es wird angeeignet, um den Selbstwert kurzfristig zu erhöhen. Vermutlich ist in jedem Kaufakt ein Rest dieser ohnmächtigen Gier enthalten.

Oft wird ein Sachverhalt nur klar, wenn man auch sein Gegenteil hinzu denkt. Man muss daher Konsum nicht nur als Handlung, sondern als kompensierte Handlungshemmung verstehen, eine Ablenkung, die weit entfernt ist von den hohen Glücksvorstellungen einer vita activa. - Und man muss auch im angestrengten "Sich etwas Gutes tun" die andere Seite sehen: Konsum ist selbstverletzendes Verhalten. Es sind die kleinen oder größeren Schnitte ins Portemonnaie, die durch ablenkende Erregung und nachfolgenden Spannungsabbau kurzfristig Erleichterung schaffen, bis hin zur Suizidprophylaxe. Nicht umsonst wird Kaufsucht mit Bulimie verglichen - die Mechanismen sind dieselben.

Der Trick an den Waren ist, dass sie nichts befriedigen und ihr Reiz daher endlos aufs Neue funktioniert. Sie sind das Gegenteil von Genuss, so hat Baudrillard vor 40 Jahren in seinem wütenden Verriss der Société de consommation und Theodor W. Adorno in der Dialektik der Aufklärung vor ihm noch viel früher festgestellt.

Irgendwie ist diese Wahrheit heute in Vergessenheit geraten. Konsumkritik gilt derzeit für miesepetrig, old-fashioned und naiv, weil sie offensichtlich nicht begriffen hat, um was es in jüngeren, ironischeren Formen des Kulturkapitalismus wirklich geht. Die Kritik jedoch ganz über Bord zu werfen, ist ein Zeichen von Gehirnwäsche und angesichts der Rolle, die Frauen in diesem Spiel zukommt, geradezu fahrlässig. Heute, so wird immer wieder betont, liegen 75 bis 80 Prozent der Kaufentscheidungen in weiblicher Hand. Angesichts der Vorgeschichte des Konsums sollte man sich fragen, ob das wirklich als Machtbeweis zu deuten ist oder als Fluch. Zum Kaufen verdammt in alle Ewigkeit.

Ungeheure Trostbedürftigkeit

Burgit Fußbadesalz, plüschbezogene Handschellen fürs Liebesspiel, Lippenstifthalter. Ihre Traurigkeit enthüllen Drogerie- und auch Elektromärkte, wenn man langsam durch sie hindurchgeht. Es sind untote Orte der Langeweile. Grausam sind sie, weil selbst der schiere Wahnsinn der Masse - 300 Haartönungen, 53 verschiedene Duftspender und 30 Sorten Lippenbalsam - nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass es hier keine wirklich luxuriöse Verschwendung gibt. Gerade die kleinen Dinge, die nicht notwendig, aber doch so praktisch sind, spiegeln Geschlechtlichkeit in ihrer zur Alltäglichkeit verkümmerten Rumpfform, und sie sprechen in ihrer Masse auch vom Wahnsinn einer ungeheuren Trostbedürftigkeit. Kajalstift und Elektroschrauber - das ist es, was übrig bleibt, wenn die Sehnsüchte sich ins Minimale verlieren. Der Drogeriemarkt verbirgt den alltäglichen Dreck nicht wirklich, er zeigt ihn nur abwaschbar und ins hygienische Farbenfroh mutiert. Vielleicht wird er gar zur ästhetischen Leitkategorie für alle möglichen Geschäfte und einen ganzen Lebensstil. Jedenfalls, so bemerkte neulich Ralf Wiegand in der Süddeutschen Zeitung, sieht es jetzt auch bei Beate Uhse schon so aus, als hätten "H&M und dm fusioniert". Sofern Drogeriemärkte "weiblich" sind, könnte man dann tatsächlich von einer generellen Feminisierung der Kultur reden. Utopien für den 8. März sehen allerdings anders aus. (Andrea Roedig, DER STANDARD/Printausgabe 6.3./7.3.2010)

Info
Am Internationalen Weltfrauentag erscheint eine Beilage zum 10-jährigen Jubiläum von dieStandard.at

Zur Person
Andrea Roedig, geb. in Düsseldorf, ist Philosophin. Von 2001 bis 2006 leitete sie die Kulturredaktion der Wochenzeitung Freitag in Berlin. Seit 2007 lebt und arbeitet sie in Wien. Der Text erscheint im Buch Kapitalistischer Realismus (Campus Verlag, 2010).

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kernel_panic  
21.03.2010 03:32
Ich muss leider zugeben,

dass sich mir der Sinn des Artikels nicht ganz erschließt. =(

elisabethgoenitzer   
08.03.2010 10:26
pulsmessen

schönheits- und jugendkult sind zwei weitere instrumente um frauen unter druck zu halten, also zu unterdrücken. konsumismus ist ein instrument um staatsbürgerInnen in ihrer freizeit oder fulltime zu beschäftigen und so vom wesentlichen (politisch oder gesellschaftlich brisanten) abzulenken.
dieser artikel ist für mich eine bestätigung dafür daß ich mit meinen (manchmal vagen da nicht schön durchformulierten) wahrnehmungen doch den puls der zeit richtig spüre.

LeniGirl 
07.03.2010 18:53
Gender & Marketing

Es ist wohl jedem bewusst, dass Medien und Marken die Geschlechterrollen formen. Die Frage ist meiner Meinung nach, ob wir davor die Augen verschließen, eines zudrücken und trotzdem folgen oder mit beiden offen durch die W(erbungs)elt gehen und reagieren.
Wie das Bild von Mann und Frau geformt wird -> dabei ist Werbung machtvoller als andere Massenmedien (TV, Filme, Musikvideos, News etc.). Unternehmen bzw. Marken erschaffen Images und die Menschen identifizieren sich damit. Mehr zu lesen: http://commpinion.wordpress.com/2010/02/2... marketing/

concept of the enemy
07.03.2010 21:06
Fakt ist leider, dass Werbekampagnen, die von typischen Geschlechterrollen Abstand nehmen oft nicht den erhofften Erfolg bringen.


Die Menschen reagieren kaufwillig auf Kampagnen mit traditionellen Geschlechterrollen...das ist die einzige maßgebende Begrüdung für die Werbeindustrie auf "altbewertes" zu setzen.

Wenns anders klappt (Dove-Werbung), ändert die "Hure" Werbeindurstrie ganz schnell ihre Taktik. Im Moment hängt die Strategie ganz stark vom beworbenen Produkt ab.

Freigeistin1
07.03.2010 21:12

Wer will schon die Dove "Models" sehen ;-)
Sorry, aber das ist wieder das andere Extrem. Müssen ja keine superdürren Catwalk Mädls sein, aber ein "rundliches" Model wollen die wenigsten sehen.

Colette
11.03.2010 10:52

Die Dove-Models ein Extrem? So weit ist es also schon gekommen...

concept of the enemy
07.03.2010 21:41
Müssen Menschen tatsächlich immer für Sie attraktiv sein, damit Sie sie sehen wollen bzw. deren Anblick ertragen können?


Außerdem glaube ich, dass Sie sowieso nicht der Zielgruppe für das Produkt entsprechen ;-)

Rene Meisel
07.03.2010 13:15
Buchhandlung vs. Dessous-Shop

....wo gestern noch eine buchhandlung gewesen ist residiert heute ein dessousladen...keine übertreibung,in der wr. innenstadt x-mal staunend-verärgert gesehen..."feminisierung" der kultur??
Im übrigen dank für erhellende gedanken(und lit.verweise) "weibl." konsumverhalten betreffend:von 100 leuten die sich in kärntner.- und mariahilf.straße die nase an schaufenstern plattdrücken sind wohl locker über 90 frauen,ein faktum das mich immer wieder in staunen versetzt hat...

Nixennacht
07.03.2010 15:06

Lustig, ich bin eine frau und geh viel lieber in den Buch als in den dessousladen. Kann also wohl nicht an der "feminisierung" der Kultur liegen.

Wohl eher daran, dass man Leuten heutzutage einredet jede muss dauernd wie ein pornostar aussehen.

Rene Meisel
07.03.2010 15:16

..nicht lustig..hab doch "feminisierung" ohnehin mit gänsefüßchen versehen!
anyhow:unleugbar stellen "einkaufsüchtige" frauen das gros der kunden in einkaufszentren u.einkaufssstraßen;zeit daß dieses fakt mal thematisiert und .va. auch aus feminist. blickwinkel kritisch analysiert wird!

yourworstnightmare
06.03.2010 22:38

Einziger Grund, warum "shopping female" ist - die soziale Dienstleistung Einkaufen wird von Frauen viel häufiger für sich und viele andere Menschen (Partner, Kinder, Verwandte) erledigt...
Männer sind einfach einkaufsfaul - weil es anstrengend ist, weil es Geld verbraucht, weil es unsicher macht in fremdes Terretorium zu gehen und "ausgeliefert" zu sein. Eine oft-gesehene männliche Taktik sich des Einkaufspostens zu entledigen: blöd stellen, falsche Artikel nachhause bringen...

Heinz Anderle 
06.03.2010 21:58
Stilblüte aus dem Prospekt der Nikon FM3a-Spiegelreflexkamera,...

... einem mechanisch ohne Batterien voll funktionsfähigen Modell, von 2001 bis 2006 gebaut:

"Willig folgt sie sie jedem Ihrer Befehle."

Als Mann, der weiß, was er will, kann ich das bestätigen. Dieses gute Stück bleibt einem ein Leben lang treu. ;-)

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

Dante Alighieri
07.03.2010 01:40

Zum Glück hab ich meine in den USA bestellt -- sonst wär mir beim Lesen der Anleitung doch etwas anders geworden ^^

feueramdbach
06.03.2010 20:48
derart geistreiche artikel, so pointiert formuliert, dass man/frau dirket angesprochen wird,

finden sich nicht oft. lesbar für beide geschlechter, ohne am weiter- und nachdenken zu hindern, weil jegliches lächerlichmachen in die eigene leere gehen muss. danke.

her wig
06.03.2010 14:27

Erschreckend, wie ungleich die Geschlechter doch sind. Kann man denn nichts gegen diese widerliche Natürlichkeit tun?

Galina Ulanowa
07.03.2010 14:11
probierens sie's mal mit schwanz ab

aber eigentlich nehme ich ihnen ihr erschrecken nicht ab. und die natürlichkeit der differenz auch nicht.

So Nina
06.03.2010 14:00
Stimmt...

Ich freue mich, dass endlich ein Artikel in Standard ein Thema behandelt, das mit schon lange auffällt....

Und Artikel, die bisher "geschlechtslos" ware, werden zunehmend in Kategorien eingeteilt:
Damen-Laufschuhe (in Größe 35-41)
Herren-Laufschuhe (ab Größe 41)
Damen-Mountainbikes
Herren Mountainbikes
Damen-Ski
Herren-Ski
Damen-Epiliermittel
Herren-Epiliermittel (da ist es umgekehrt!)
usw.

Ich bin schon neugierig, wann folgende Sachen erfunden werden (für Frauen, die dann und wann auch etwas "anpacken" müssen):
Damen-Schraubenschlüssel
Damen-Bohrmaschinen
Damen-Malerzubehör
Damen-Fliesenkleber
usw...

Gefräßige Gebärmutter
08.03.2010 15:14
Fisch^^Fisch
07.03.2010 15:25

Abgesehen von den Schi, bei denen ich mich aber auch nicht wirklich gut auskenne, macht die Differenzierung bei den von Ihnen genannten Produkten durchaus Sinn.

Männer und Frauen sind anders gebaut deswegen gibt es an Sportgeräte andere Anforderungen. Auch bei Epiliermittel kann ich mir denken, dass da durch den Grad an Behaarung andere Notwendigkeiten bestehen.

concept of the enemy
06.03.2010 17:42
Natürlich sind manche Geschlechtskategorisierungen mehr amüsant als sachlich argumentierbar...


...gerade bei Laufschuhen, wäre ich da vorsichtig. Es muss eindeutig differenziert werden. Es gibt Bereiche wo es eindeutig Sinn macht/machen würde, geschlechtsspezifische Produkte/Dienstleistungen anzubieten.

Manche Produkte sind allerdings wohl eher ein Marketinggag. Marketing-"Fritzn" sind jedoch selten daran interessiert, gesellschaftliche Rollen zu definieren, sonder wollen lediglich ein Produkt ERFOLGREICH vermarkten. Z. B. wurde festgestellt, dass der Umsatz beim Waschmittelverkauf einbricht, wenn in der Werbung gezielt NICHT das Klischee der fleissigen, schlichten Hausfrau im Mittelpunkt steht.

Ich sehe derartige Produkte daher eher als Sympthom als als Ursache. Es lebe die Macht des Konsumenten! ;-)

PhvAlthaus
06.03.2010 11:35

Der Mann Berlin? Die Frau Wien? Das hat ja beinahe Grillparzersche Dimensionen. Nichts als Plattheiten. Insgesamt langweilig.

concept of the enemy
06.03.2010 11:01
Cooler Artikel...muss auch mal gesagt werden ;-)

furman
06.03.2010 10:47

Einen Blick auf die profanen Aspekte der Gestaltung der Verkaufsräume erlaubt der Film "Die Schöpfer der Einkaufswelten". Ist wirklich interessant.

Thomas Felder
06.03.2010 03:07
Andrea Roedig, geb. in Düsseldorf, ist Philosophin

das merkt man positiv, definitiv einer der besten artikel, die ich hier jemals gelesen habe

Samthand Schuh
05.03.2010 22:38
Wow!

Der längste Artikel, den ich je gelesen habe. Analytisch, entlarvend und voller Gedanken, die ich noch nie gedacht habe und in einem Zug zu lesen. Bitte hier öfter mal schreiben!
Jetzt weiß ich endlich, warum ich mich so schrecklich unwohl gefühlt habe, als ich vor Jahren einmal in einen Bipa-Laden ging. Mir war es so peinlich, nur dort zu sein. Es gibt nichts Schlimmeres, als Mann in einem Drogeriemarkt Kondome zu kaufen. Ich habe so einen Haufen unnötiges Zeug gekauft, damit ich die Kondome an der Kassa unter einem Berg aus Taschentuchpackungen, Müsli, Rasierschaum etc. zu verstecken. Nie wieder!!!

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