
Christiane Rille-Pfeiffer: "In Österreich gilt: Ein Kleinkind hat die beste Betreuung bei seiner Mutter. In Schweden etwa geht's darum, dass sich die Eltern die Betreuung aufteilen."
vergrößern 598x382
vergrößern 500x428Standard: Lässt sich das österreichische Kindergeld-Modell mit anderen in Europa vergleichen?
Rille-Pfeiffer: Kaum. Das beginnt schon bei der Terminologie. Was europaweit als Kindergeld bezeichnet wird, ist hierzulande die Familienbeihilfe - obwohl in der Öffentlichkeit meist auch vom Kindergeld die Rede ist, wenn das Kinderbetreuungsgeld gemeint ist.
Standard: Was könnte man statt diesen Begrifflichkeiten zwecks Vergleich heranziehen?
Rille-Pfeiffer: Die inhaltliche Zielsetzung. In Österreich geht es darum, dass die Betreuungsleistung abgegolten wird. Mit Einführung des Kinderbetreuungsgeldes 2002 sollten die Betreuungspflichten der Eltern monetär aufgewertet werden. Seitdem existiert dieses System.
Standard: Das diverse Modifikationen erfahren hat, bis zu den jetzigen fünf Varianten ...
Rille-Pfeiffer: Mit diesem Angebot und der Vermischung von Pauschal- und einkommensabhängigem System sind wir in Europa eine Ausnahme. Die meisten Länder haben sich entweder für das eine oder das andere System entschieden. Wenn man die Zielsetzung weiß, ist die Nomenklatur nicht so wichtig. Es gibt Leistungen, die darauf abzielen, Familien eine Geldleistung zu geben, und es gibt Leistungen, die in irgendeiner Form auf die Betreuung abzielen.
Standard: Wie ist das österreichische Kinderbetreuungsgeld politisch einzuordnen?
Rille-Pfeiffer: Es ist eindeutig familienpolitisch motiviert und behält das System Familie im Auge. Es zielt weniger auf Gleichstellung ab.
Standard: In diesem Zusammenhang kommt die Rede schnell auf Skandinavien. Wieso?
Rille-Pfeiffer: Dort hat man sehr früh auf Gleichberechtigung gesetzt - in allen Bereichen. Es findet dort keine explizite Familienpolitik statt, sondern eine Gleichstellungspolitik. Das ist eine ganz andere Richtung, als sie die deutschsprachigen Länder verfolgen, wo die Familie im Vordergrund steht. Diese Differenzierung ist wichtig, um zu verstehen, wie es in Europa aussieht. So sind Schweden, Finnland, Dänemark und Island positive Beispiele, was "gender equality" angeht: Priorität ist es, die Väter in die Pflicht zu nehmen und Frauen möglichst rasch wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Standard: Überwiegen dort also ökonomische Überlegungen?
Rille-Pfeiffer: Das ist relevant, aber nicht der treibende Faktor. Es geht primär um Gleichstellung. Das Individuum steht im Vordergrund, nicht das Geschlecht. Frankreich wiederum hat eine pronatalistische Zielsetzung - mehr Kinder.
Standard: Bezieht sich das nicht auch stark auf das System Familie?
Rille-Pfeiffer: Frankreich ist ein Sonderfall. Dieses Modell gilt als erfolgreich wegen der hohen Geburtenraten. Der Staat greift sehr stark in die Kinderbetreuung ein - holt aber die Väter nicht ins Boot. In Österreich gilt: Ein Kleinkind hat die beste Betreuung bei seiner Mutter. In Schweden etwa geht's darum, dass sich die Eltern die Betreuung aufteilen.
Standard: Wie stellt sich die Lage in Osteuropa dar?
Rille-Pfeiffer: Dort orientiert man sich sehr an Skandinavien, wohingegen wir uns nur sehr zögerlich in Richtung Gleichstellung bewegen.
Standard: Und in Südeuropa?
Rille-Pfeiffer: Dort gab es bis in die 1980er hinein kaum Familienpolitik. Da war ein familiäres Netzwerk vorhanden, in das sich der Staat nicht einzumischen brauchte. Junge Frauen streben aber auch in diesen Ländern eine bessere Bildung an, wollen sich am Arbeitsmarkt etablieren und schieben den Kinderwunsch auf. Die Geburtenrate rasselte in den Keller, und nun greift der Staat ein.
Standard: Gibt es gesamteuropä-ische Tendenzen?
Rille-Pfeiffer: Es geht in die Richtung: Frauen in den Erwerb. Ich glaube, dass sich die Länder automatisch homogenisieren. Es gibt zumindest Bestrebungen zur Gleichstellung. (Markus Böhm, DER STANDARD/Printausgabe 8.3.2010)
ZUR PERSON
Christiane Rille-Pfeiffer arbeitet als Soziologin am Österreichischen Institut für Familien- forschung der Universität Wien.
und deshalb wird er jedesmal mit neuen Interpretationen bealden zum eierlegenden Wollmilchschwein der Misandrie....
fakt ist, daß kaum jemand in die lobby-abhängigen Position in Aufsichtsräten, hohes Finanzmanagement etc einsteigen kann ohne entsprechende soziale Netzweke gegründet/beigetreten zu sein.... oder in der Sandkiste mit dem Richtigen gespielt zu haben
die Gruppen jener die also über die höchsten Einkommen verfügen sind geschlossene Institutionen, zu welcher Frauen gleichermassen wie Männer keinen Zugang haben...
das weibliche Bilanzgift Ederer ist nur bei Siemens gelandet weil sie sich ihre Klüngel geschaffen hat, ihr Geschlecht spielte keine Rolle.....
es liegt nicht an den Männern, sondern an unseren undurchlässigen Eliten
Wenn 10 Personen drinnen sind, passt niemand mehr rein, weder eine Frau, noch ein Mann. Dabei ist es ganz egal, wieviele der personen im Raum männlich und wieviele davon weiblich sind. Voll ist er einfach.
Wenn ein Platz frei wird, kann jemand nachrücken.
Wenn da draussen aber schon zehn mal so viele Männer anstehen als Frauen, dann wir auch zehnmal eher ein Mann nachrücken.
Frauen dürfen schon nachrücken, nur müssen sie sich auch um eine gute Ausgangsposition anstellen und auch genauso viele Frauen wie Männer, sonst kommen natürlich mehr Männer rein.
bestätigen meine eigenen Erfahrungen und die einiger Freundinnen genau diese angebliche "Lüge" :(
1. gleicher Ferialjob in NÖ mit genau denselben Arbeiten im selben Zeitraum, die Mädchen jedoch schlechter bezahlt als Burschen
2. gleicher Buchhaltungs-Job in Wien, Frauen aus kaufmännischer Fachschule schlechter bezahlt als männliche Frischlinge mit lediglich einem AMS-Kurs, aber besserer Fähigkeit, sich selbst zu verkaufen
3. gleiche selbständige Dienstleistung in Wien, der Frau wurde schlechte Bezahlung in Aussicht gestellt und auf Gegenargumente ärgerlich reagiert. Der männliche Partner ohne Ausbildung für den Beruf konnte durch selbstsicheres, sympathie-gewinnendes Auftreten fast das Doppelte an Bezahlung herausschlagen
auch ich halte derartige vorfälle für äusserst ungerecht.
auf der anderen seite kann ich aus meiner erfahrung nichts derartiges berichten.
das problem ist hier, dass auch 100 bekannte fälle noch keinen statistisch signifikanten pay-gap ausmachen.
bisher wurde (tw. aus datenschutzrechtlichen gründen) noch keine statistik erstellt die wirklich relevante vergleiche zwischen männlichen und weiblichen einkommen zulässt. bisher wurden immer äpfel (billa IT mitarbeiter) mit birnen (billa kassiererin) verglichen.
und das ist mein kritikpunkt. trotzdem wird das ganze mantraartig wiederholt mit teilweise haarsträubenden vereinfachungen (vollzeit mit teilzeit verglichen usw)
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