Teenager und Sexualität

Zwischen Kirche und Pornoindustrie

11. März 2010, 17:54

Teenager sehen für Burschen mehr Freiheiten beim Sex als für Mädchen

Sind Jugendliche dazu bereit, spontan ein Gespräch über ihren Umgang mit Sexualität zu führen?

Bei unserem Treffen in einem Jugendcafé in Wien reagieren die fünf Teenager vorerst zögerlich. In ihren Nachdenkpausen hört ist nur das Kratzen der bunten Filzstifte über die Mandalabögen, die auf dem Tisch verteilt liegen, zu hören. Philip beugt sich konzentriert und in beinahe abwehrender Haltung über sein Bild, während Corinna am Rest ihres Apfels nagt. Schließlich entscheiden sie sich dazu, das Experiment zu wagen und sich auf ein Gespräch mit den Autorinnen des SchülerStandard einzulassen.

Ins Lächerliche ziehen

Ansonsten würden sie sich meist nur mit Freunden und viel seltener mit den Eltern oder anderen Autoritätspersonen austauschen, erklären die Jugendlichen. Der Aufklärungsunterricht sei hingegen im Lehrplan der Schule verankert, ihm könne man deshalb nicht entgehen. Die Umsetzung variiere außerdem von Lehrer zu Lehrer.

"Wir hatten das Thema schon sehr ausführlich. Die Lehrer haben sich bemüht, aber es ist nicht sehr viel dabei herausgekommen", erzählt die 16-jährige Gymnasiastin Renata. "Vor allem, weil die Schüler ständig gelacht und die Lehrer sich dadurch gestört gefühlt haben, konnten sie es dann nicht mehr gut rüberbringen."

Die Berufsschule der 17-jährigen Corinna wollte dem vorbeugen und hat Fachleute an die Schule eingeladen. "Das war sehr gut. Denn die Lehrer kennt man ja und muss weiter mit ihnen arbeiten." Da sei es schwierig, über derart persönliche und intime Dinge zu sprechen.

Auch Renata findet es einfacher, mit völlig Fremden über Sexualität zu reden. "Meine Mutter hat das zwar relativ gut gemacht, aber es hat sich nichts daran geändert, dass ich mit ihr nicht gerne darüber spreche." Dem 16-jährigen Ruben ergeht es dabei ähnlich. Zwar würden die Eltern nichts falsch machen, doch es sei schlichtweg "peinlich und vom Gefühl her einfach so unangenehm". Philip teilt diese Ansicht allerdings nicht. "Bei mir waren es Vater und Mutter, die mit mir über Sex gesprochen haben. Das fand ich gut, denn sie haben mir viel mehr erzählt als der Lehrer in der Schule."

Gesundheitspsychologe Wolfgang Kostenwein vom Österreichischen Institut für Sexualpädagogik sieht darin eher Einzelfälle. Viel häufiger sei es, dass man sich fremden Personen anvertraue, was einen "natürlichen Loslösungsprozess" gegenüber den Eltern markiere. Laut Kostenwein sei Sexualität "das erste Thema, wo Jugendliche sich von den Eltern abgrenzen". Dies schließt das Vorhandensein einer allgemeinen Kommunikationsebene allerdings nicht aus, sondern bezieht sich auf "ganz intime Dinge, die man normalerweise nicht mit den Eltern bespricht".

Pornografie und Sexualität haben ihren Einzug in die Öffentlichkeit und Medienlandschaft gehalten. Das liegt, so Kostenwein, daran, dass "Sexualität benutzt wird". Dies sei nichts Neues. Das "Sex sells"-Prinzip tritt hier besonders stark hervor.

"Sexualität wird in der Werbung benutzt, genauso wie in der Kirche, um moralische Werte zu verkaufen." Doch das Wichtigste daran sei, zu erkennen, dass das nur der "äußere, oberflächliche Teil der Sexualität ist. Das, was Sexualität eigentlich bedeutet, ist zwischen Kirche und Pornoindustrie noch immer nicht präsent."

Männliche One-Night-Stands

Dass unter Jugendlichen traditionelle Werte auch in der Sexualität präsent sind, zeigen Studien. Auch die Ergebnisse von "Global Kids": 41 Prozent der 14- bis 17-Jährigen meinen, dass man nur bei "wirklicher Liebe" miteinander schlafen sollte. Für Burschen ist es im Gegensatz zu Mädchen in Ordnung, viele Erfahrungen, etwa bei One-Night-Stands, zu sammeln. Dass junge Männer generell mehr Freiheiten in der Sexualität hätten als Mädchen, fällt den Befragten auf. Ein Punkt, den auch Corinna und Renata unterstreichen. Gehe es etwa um Verhütung, müssten immer die Mädchen die Verantwortung übernehmen. "Wir können uns da einfach nicht auf die Burschen verlassen. Denn sie haben in den seltensten Fällen ein Kondom dabei", kritisiert Renata.

"Ich finde das schlimm", reagiert Ruben. Verhütung sei genauso Männersache und er kümmere sich immer darum. "Üblich ist das aber nicht. Und es hat auch keinen Sinn, darüber zu reden, weil sich daran nichts ändern wird", meint Renata verärgert. Die Einstellung der Menschen zu Sexualität habe sich kaum geändert, meint die 16-Jährige. Anders sei nur der Umgang damit.

"Früher haben die Leute nicht über Sex gesprochen, waren aber in ihren Gedanken trotzdem versaut." Ihr Freund Jan ergänzt belustigt: "Wir brauchen mehr Pornos!" Renata wirft ihm einen ernsten Blick zu und seufzt. (Bath-Sahaw Barano und Magdalena Legerer, DER STANDARD/Printausgabe 8.3.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 31
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Amy4
00
12.3.2010, 21:54
sex ja -aber verhütung nein

natürlich ist verhütung auch sache d. jungs /männer. mädchen/frauen sollten sich nicht darauf einlassen, ohne kondome sexualverkehr zu haben. es gibt genügend sexual-erkrankungen, harnwegsinfektionen usw., mit denen sich mädchen/frauen herumschlagen müssen. mehr verantwortung sollten sich die buben hinter die ohren schreiben. leider scheinen d. meisten von ihnen auch hier lernunfähig zu sein. von wegen wir brauchen mehr poNOs - schon im vor-und grundschulalter nehmen sexuelle übergriffe unter kindern zu. auf den handys von 8-1o jährigen jungs findet sich porNOgrafisches material. es ist
erwiesen, dass i.d. medien leicht zugängliches bildmaterial zu einer zunahme sexuell grenzverletzenden verhaltens schon unter kindern beiträgt.

niewieder nett
 
00
15.3.2010, 14:51

ich glaub man kann porno auch einfach schreiben. Ich versuchs gleich nochmal: Porno.

Death 'n' Roll
11
12.3.2010, 14:06
Zwischen Kirche und Pornoindustrie

Wo ist der Unterschied - ich seh ihn einfach nicht.

Herb Kindas
73
12.3.2010, 12:03
"...nicht auf die Burschen verlassen. Denn sie haben

in den seltensten Fällen ein Kondom dabei", kritisiert Renata.

Nicht auf die Burschen verlassen - das ist auch sehr gut so, Renata. Denn schwanger kannst nur mal DU werden. DU musst dann ein Kind kriegen oder auf den Fleischmarkt pilgern.

Besser also Eigenverantwortung übernehmen und Verhütung nicht auf die Männer abschieben!

gärtner
22
12.3.2010, 14:02
sie vergessen da was


1.)alimente!
2.)gesellschaftlicher druck sich um sein kind und dessen mutter zu kümmern.
3.)vatergefühle

nichts beendet die jugend eines mannes schneller als ein kind

nur sagt man das den burschen beim sexualkundeunterricht nicht, der richtet sich nämlich nachwievor eher an mädchen,
da gehts nämlich hauptsächlich um zyklus und schwangerschaft,
bei sowas darf ein mann gar nicht mitreden.

niewieder nett
 
02
15.3.2010, 14:47

meine erfahrung bei männern zwischen 25 und 35:
szenario: irgendein club und man einigt sich auf einen one night stand. ("einigt sich" klingt super;)
2 von 10 haben ein kondom dabei. 8 von 10 eines zu hause. ABER frau muss sie dann auch "bitten" das zu benutzen. 4 raunzen dann herum und 1 lehnt ev. auch ab.
diese erfahrungen decken sich auch mit denen vieler freundinnen von mir. ist nicht böse gemeint. aber sie wissen ja schon wer schuld ist ;)

girls just wanna have fun
20
15.3.2010, 16:07
Ohh, in welchen Clubs haben Sie denn diese Erfahrungen gemacht? Vielleicht sollten Sie andere Clubs besuchen. :-)


Frau kann genausogut ein Kondom eingesteckt haben, wie Mann.

Sie kann auch deutlich mehr als nur um die Benutzung bitten. :-)
Sollten gerade ONS/Club-Frauen doch drauf haben. :-)

Und was hindert die Frau Ablehner ab zu lehnen?

Verstehe, weil gerade Der so unwiderstehlich ist dass die arme Frau einfach ihren natürlichen Trieben schutzlos ausgeliefert ist. :-)))

Sie kann also garnicht anders als, die arme Frau. :-)

girls just wanna have fun
10
15.3.2010, 02:42
Was sollen die Burschen da auch viel mitreden können?


Für die gibt es eine einzige, zudem noch sehr unsichere Methode. Noch dazu muss die genau in der heissen Phase, wo die Triebe gerade das denken ersetzen, angewendet werden.

Wen wundert es, dass das nicht gut funktioniert.

Toeris
00
13.3.2010, 12:41

Es geht hier nicht um Männer, sondern um Teenager!
Die haben noch nicht so viel Geld, als dass sie sich um Alimente nur im Geringsten den Kopf zerbrechen würden.
Denen ist der gesellschaftliche Druck wurscht, weil ihnen der Vater auch schon abhanden gekommen ist.
Und, um Vatergefühle zu entwickeln, muss man es erst mal sein. Aber gerade unter den Teenager-Vätern verweigern viele, sich darauf einzulassen weil sie damit hoffnungslos überfordert sind.

whatsup1
03
12.3.2010, 15:01
"Denn schwanger kannst nur mal DU werden"

HIV, Hepatitis usw. kann aber JEDER kriegen.

Schon mal daran gedacht das es bei Verhütung nicht nur um Schwangerschaften geht?

girls just wanna have fun
10
15.3.2010, 02:52
Schon mal daran gedacht

dass es HIV, Hepatitis usw. -verhütung nicht nur für Männer gibt?

Tethys
01
12.3.2010, 13:15

Ähm, wenn die Burschen kein Kondom dabei haben übernehmen die aber auch keine Eigenverantwortung, gell?

Herb Kindas
20
12.3.2010, 14:20
Nur wenn er nicht Vater werden will.


In meinem Beitrag - und der Wortmeldung der lieben Renata - geht es aber ums (Nicht)Schwangerwerden.

Tethys
11
12.3.2010, 15:22

Wundert mich nicht, dass Sie das jetzt nicht verstanden haben. Echt nicht.

niewieder nett
 
00
15.3.2010, 14:53

da haben einige nicht verstanden was sie meinen ;)

Herb Kindas
32
12.3.2010, 17:13
Gerne helfe ich Ihnen da weiter: welches Geschlecht kann schwanger werden?


Und wer sollte da also in eigenem Interesse besonders gut aufpassen?





Na...?








Na...?








Richtig! Das weibliche. Wusste ich doch, dass auch Sie's noch begreifen. Dauert halt ein bisschen länger als bei den anderen Kindern. :-)))

Schrumpfschlauch
10
14.3.2010, 12:51
Treffer, versenkt. Sie sind ja ein Meister!

Mac Smith
02
12.3.2010, 13:23
Nein

Schwanger werden aber trotzdem nur die Mädchen.

Tethys
11
12.3.2010, 15:21

Und sie werden schwanger weil....?

GENAU DARUM GEHT ES DOCH!!!!

Herb Kindas
32
12.3.2010, 17:14
Schreien S' net aso.


Weil die Dirndln net verhüten, so eine einfache Antwort...

opti
44
12.3.2010, 04:54
die "perverse sexualmoral" der katholischen kirche

die jede sexuelle berührung vor der ehe und nicht ausschliesslich zum zwecke der kindererzeugung als sünde bezeichnet, hat in hunderten von jahren katholischer erziehung unter zeitweiser androhung und ausführung der todesstrafe dazu geführt, dass wir heute im 21. jahrhundert vor einer völlig widernatürlichen situation stehen. wir schämen uns der sexualität und vertuschen und unterdrücken sie. das ist ist meine naive vorstellung und ich bin nicht ganz allein:
Ö1 Mittagsjournal 10. März 2010: "Perverse Sexualmoral" der Kirche:
"Die Einstellung, die in der katholischen Sexualmoral zum Ausdruck kommt, ist schlicht pervers", sagt der Wiener Soziologe, Psychoanalytiker und Theologe Alfred Kirchmayr.
//oe1.orf.at/konsole/otoninfo?id=120015

gärtner
11
12.3.2010, 14:03
ach

und bei den protestanten, mormonen, moslems oder den hindus, buddhisten etc. ist das anders???

sicher nicht.

niewieder nett
 
00
15.3.2010, 14:53

und was hat das mit dem post ihres vorposters zu tun?
ich helfe ihnen: nichts.

opti
51
11.3.2010, 20:33
ein sehr aktuelles thema für millionen betroffene

aktuell wird über den schaden den die perverse katholische lehre an ihren amtsträgern und ordensbrüdern anrichtet diskutiert. anlass ist die spitzte eines vom past bis zum letzten pfarrer seit jahrhunderten verschwiegenen und tolerierten eisberges von körperverletzung an minderjährigen. das wird inzwischen mit unglaubwürdigstem bedauern offiziell zugegeben. welchen millonenfachen schaden diese gelehrte moral aber in der gesamtbevölkerung angerichtet hat, lässt sich an diesem artikel zeigen. die überwiegende mehrheit der kinder aus "katholischen" ländern kann heute noch nicht mit ihren eltern über sexualität sprechen.
darüber sollte die katholische kirche nachdenken und danach über die vergleichsweise winzige zahl katholischer amtstäter

Ramto
00
12.3.2010, 14:21
Ein interessanter Beitrag von Fr. Schwarzer

Der Zeitgeist der "sexuellen Befreiung" förderte den Missbrauch, sagt die Feministin und erinnert an unangenehme Fakten der 1970er und 1980er Jahre.

München (www.kath.net)
"Der sexuelle Missbrauch von Kindern ist keine Erfindung katholischer Patres. Und er hat auch nichts mit dem Zölibat zu tun." Das sagt die deutsche Feministin Alice Schwarzer im Februar-Editorial der Zeitschrift "Emma". Allein in Deutschland würden nach Schätzung des Kriminologischen Instituts Hannover Jahr für Jahr etwa eine Million Kinder missbraucht, in neun von zehn Fällen seien es Mädchen.

"Und drei der vier Täter sind keine bösen Fremden oder Lehrer, sondern es ist der eigene Vater, Onkel, Nachbar. Ja, und 98,5 Prozent der Täter sind laut Bundeskriminalam

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