
Gülhiri Aytaç (li.) und Tülay Tuncel fanden beim dieStandard.at-Streitgespräch wenig Gemeinsamkeiten in Bezug auf Feminismus, Religion und Vorbilder für türkische Frauen.
Türkischstämmige Frauen stehen oft im Zentrum hitziger Debatten - kaum eine TV-Nachrichtenbeitrag über Integrationspolitik, der ohne Bilder Kopftuch tragender Frauen auskommt. Befragt werden diese Frauen allerdings nie. dieStandard.at hat zwei türkischstämmige Lehrerinnen aus Wien, Gülhiri Aytac und Tülay Tuncel, zum Gespräch eingeladen.
dieStandard.at: Feiern Sie den 8. März?
Aytaç: Ich feiere ihn, weil er der Geburtstag meines Mannes ist. Mein Mann ist ja auch feministisch interessiert - durch mich vielleicht, da haben wir doppelt zu feiern.
Tuncel: Der 8. März ist mein Valentinstag. Man kann sich von anderen Frauen mehr Aufmerksamkeit erwarten. Und die Frauen, die diesen Tag bewusst erleben, gehen auch sonst bewusster durch die Welt.
dieStandard.at: Ein Feiertag ist immer auch Anlass, Bilanz zu ziehen. Was lohnt es sich, am Frauentag zu feiern - was gäbe es noch zu erreichen, damit unsere Töchter es einmal feiern können?
Aytaç: Ich lasse mich nicht feiern am Frauentag, dafür gibt es andere Tage. Aber es ist ein Tag, um zu thematisieren. Mein Wunsch ist, dass es ein Tag wirklicher internationaler Frauensolidarität wird. Frauen sollten versuchen weltweit voneinander zu lernen - und nicht, die große europäische Schwester zu spielen.
dieStandard.at: Sind westliche Frauenbewegungen überheblich?
Aytaç: Ich denke schon. Wenn nicht-westliche Frauen ein anderes Bild von Emanzipation und von Frausein haben, dann sollte man das auch respektieren. Nicht jede Frau, die gern zu Hause ist und Kinder bekommt, ist zum Feminismus zu bekehren. Sie hat ihren Weg so gewählt und wenn sie damit glücklich ist, dann soll man nicht sagen "Oh, die Arme, die müssen wir erst zwangsbeglücken."
Tuncel: Die westlichen Frauen dürfen Feministinnen aus muslimischen Ländern nicht belehren und glauben, ihnen von oben herab den Weg weisen zu müssen. Sie müssten die Frauen von innen heraus zu stützen, damit sie selbst ein System entwickeln. Und das geht mir ab. Auch die westlichen Frauen haben ihre Dinge nicht in fünf Jahren erreicht.
dieStandard.at: Und wofür sollte die Frauenbewegung speziell kämpfen, wenn es um türkischstämmige Frauen geht?
Tuncel: Tatsache ist, dass die westliche Frauenbewegung viel erreicht hat - das Wahlrecht, die gesellschaftliche Akzeptanz der Frau auf allen Ebenen. Aber ich gebe Frau Aytaç Recht, dass die westliche Frauenbewegung es verabsäumt hat, Frauen aus anderen Gebieten einzubinden. Frauen, die bei Scheidungen benachteiligt werden, weil die Familie des Mannes sich das Recht nimmt, die Kinder zu beanspruchen. Denn es ist klar, dass diese Frauen migrieren, und dass uns das alle angeht. Und vieles von dem, was die westlichen Frauen schon abgehakt haben, taucht jetzt auch im Westen wieder auf - Stichwort Gerichtsurteile, die es legitimieren, wenn türkische Ehemänner gewalttätig werden.
dieStandard.at: Frau Aytac, wie frei sind denn Frauen bei ihrer Entscheidung, Hausfrau zu werden? Herrscht hier Wahlfreiheit?
Aytaç: Diese Wahlfreiheit muss man erst einmal schaffen. Wenn wir sehen, dass Frauen nur über ihre Ehemänner einen Aufenthaltstitel erhalten, wie derzeit in Österreich der Fall -ist das Wahlfreiheit? Wenn Hausfrauen kein eigenes Einkommen haben, ist das Wahlfreiheit? Man sollte schauen, dass auch Hausfrauen ihre eigenes Einkommen haben. Sie leisten ja gesellschaftlich sehr wichtige Arbeit.
dieStandard.at: Wäre das nicht ein Anreiz, Frauen aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen?
Aytaç: Man kann das sicher das bildungsmäßig so rüberbringen, dass Frauen nicht gezwungen sind, am Herd zu stehen, um ein gewisses Einkommen zu haben. Dass sie aber auch nicht sanktioniert werden, wenn sie sich dafür entscheiden.
dieStandard.at: Werden sie sanktioniert?
Aytaç: Ja, man ist ja irgendwie eine Loserin, wenn man keinen Beruf hat, den ganzen Tag zuhause ist und vor allem kein eigenes Einkommen hat.
Tuncel: Zurück zur Frage, ob die westlichen Frauen überheblich sind - ich glaube, dass das zum Teil auf Gegenseitigkeit beruht. Wir kennen das ja: Auch die islamische Welt will sich von westlichen Feministinnen nichts sagen lassen, weil sie deren Frauenbild nicht für richtig halten. Aber wir sollten den individuellen Bereich verlassen: Es geht ja gar nicht darum, ob es politisch korrekt ist, zuhause zu bleiben und zu kochen. Es geht um die Wahlfreiheit. Bin ich an die Zustimmung der männlichen Familienmitglieder gebunden, oder kann ich mich frei entscheiden? Was passiert, wenn die Frau sich ausklinkt aus der Familie, was gibt es dann für Sanktionen? Und deckt der Staat das?
dieStandard.at: Was würden Sie als Feministinnen tun, um jungen Muslimas möglichst große Wahlfreiheit zu garantieren?
Aytaç: Mein Prinzip ist: Es gibt keinen Zwang im Glauben und in der Lebensweise. Im Islam gibt es auch das Bildungsgebot. Sich zu bilden, ist eine lebenslange Pflicht. Ich kenne Frauen, die vier Kinder haben und studieren.
dieStandard.at: Was, wenn ein 17-jähriges, unverheiratetes Mädchen in einer gläubigen Familie schwanger wird?
Aytaç: Das hängt sicher von den einzelnen Familien ab. Ich kann hier nicht Stereotype wiedergeben. Wir würden einen starken Kulturrassismus ausleben, wenn wir sagen würden, in muslimischen Familien spiele sich das so oder so ab. Das ist individuell verschieden.
dieStandard.at: Es ist statistisch belegt, dass die Erwerbsbeteiligung türkischstämmiger Frauen erheblich geringer ist als im Schnitt. Sind das auch alles individuelle Entscheidungen?
Aytaç: Wenn muslimische Frauen den Wunsch haben, einen Beruf auszuüben, dann sollen sie das auch tun. Es spricht religiös bedingt nichts dagegen. Viele Frauen würden gerne arbeiten, werden aber wegen des Kopftuchs diskriminiert. Und andere finden keine Jobs oder sind nicht genügend qualifiziert. Da muss die Bildungspolitik eingreifen. Wenn ich nur die Möglichkeit habe, als Putzfrau zu arbeiten, werde ich wahrscheinlich eher zuhause zu bleiben, als wenn ich als Fachfrau arbeiten kann.
Tuncel: Tatsache ist, dass es seit den besagten GastarbeiterInnen-Bewegungen wenig sozialen Aufstieg gegeben hat. Und in manchen Schichten ist der Aufstieg der Frau gar nicht erwünscht, weil er mit einer stärkeren Autonomie verbunden wäre. Patriarchale Männer brauchen abhängige Frauen, um ihrer Rolle zu legitimieren. Bei uns in der Erwachsenenbildung haben wir viele Frauen, wo die Männer nach dem Kurs vor der Tür warten, um die Frau mit nachhause zu nehmen. Und das wird ja der nächsten Generation weitergegeben.
dieStandard.at: Inwiefern?
Tuncel: Vergangenen Sommer sind ein paar Schülerinnen nach den Ferien nicht mehr zurück gekommen, und bei anderen hat sich der Name geändert, weil sie in der Türkei geheiratet haben und den Mann nach Österreich holen. Das ist auch total legitim. Aber es treten dadurch Probleme in den Ehen auf, wo die zubetonierten Rollen und die Unterschiede in den Weltanschauungen aufeinanderprallen, weil die Frau sich frei bewegen will.
Aytaç: Ist es denn so ein großes Problem, wenn Frauen nicht berufstätig sein wollen? Und gerade Altenpflege oder Kinderbetreuung, also Jobs, die vor allem für Migrantinnen vorgesehen sind, sind ja nicht unbedingt attraktiv.
Tuncel: Wir müssen unterscheiden. Junge Migrantinnen sind oft topqualifziert, arbeiten im Import-Export, sind wegen ihrer Mehrsprachigkeit gefragt am Arbeitsmarkt. Aber andere entscheiden sich, zu Hause zu bleiben. Und sehr oft sind diese Entscheidungen nicht freiwillig.
Aytaç: Vielleicht lebe ich in einem exklusiveren Umfeld. Aber ich kenne keine Familie, die es nicht gerne sieht, dass die Tochter schnell etwas verdient. Wir leben ja nicht in den 40ern, wo es nicht gern gesehen wird, wenn eine Frau Arbeiten geht.
Tuncel: Für mich ist mein Freundeskreis nicht entscheidend. Das ist, hochnäsig gesagt, die Elite der Migrantinnen. Aber ich arbeite auch bei der sozialen Gerichtshilfe. Und heute hatte ich Kontakt mit einem Mann, der den Nebenbuhler seiner Frau umgebracht hat, weil er eine Affäre vermutete, für die er keine Beweise hatte. Wenn man mit der Basis in Verbindung kommt, weiß man, dass es mehr gibt, als das eigene Umfeld. Man muss auch nach unten schauen.
Aytaç: Ich schaue nach unten, aber MigrantInnen sind für mich nicht nur die, die als KlientInnen in irgendwelchen Beratungszentren sitzen. Und Männer, die Nebenbuhler abstechen, findet man auch in der Mehrheitsgesellschaft. Es ist falsch, nur aus einem gewissen Milieu heraus zu argumentieren.
dieStandard.at: Was sind für Sie spezifische frauenpolitische Forderungen für die türkische Gemeinde in Österreich?
Tuncel: Es wäre wichtig, die Rollen der Frauen in Frage zu stellen. In diesen Communities ist es egal, wer in einer Paarbeziehung arbeiten geht - die Frau hat für den Haushalt zu sorgen. Weil der Mann nicht dafür erzogen wurde, den Haushalt zu führen. Mein Mann ist der liberalste Mann, den ich kenne -aber wenn ich zu ihm sagen würde, er soll kochen oder putzen, wäre er überfordert, weil ihm das niemand beigebracht hat.
dieStandard.at: Kann man es nicht nachlernen?
Tuncel: Es geht um die Grundhaltung. Dass es nicht normal ist, wenn ein Mann so etwas tut - selbst, wenn er es kann. Das ist ein grundsätzlich patriarchaler Zugang. Darum wäre eine geschlechtsneutrale Erziehung von Mädchen und Buben sehr wichtig. Dort beginnt es - und das spannt sich weiter zu hochrangigen politischen Forderungen, wie einer 50 Prozent-Quote von Frauen auf allen politischen Ebenen. Über solche positiven Diskriminierungen wird in diesen türkischen Communities ja noch gar nicht diskutiert.
Aytaç: Ich fordere einen gendersensiblen Zugang in allen Lebensbereichen. Dass man respektiert, dass Frauen andere Vorstellungen haben als das, was man von Frauen typischerweise erwartet. Dass man weibliche Stereotype aufbricht - schon in jungen Jahren. Mein sechsjähriger Sohn hat mich gefragt, ob es denn nirgends Bürgermeisterinnen gebe. Ihm fällt es auf, dass überall Männer die Bürgermeister sind. So soll es sein.
Tuncel: Die Erwerbstätigkeit gehört forciert. Aber da stellt sich auch die Frage der Religion. Wie ist das mit dem Kopftuch - ist das wirklich alles so freiwillig? Oder sind das gesellschaftliche Normen? Ich spreche nicht nur von religiösen Normen. Ich habe 17-jährige Mädchen mit Kopftuch in der Schule, die sagen: Ich bin schon gläubig, aber nicht gläubiger als meine Freundin ohne Kopftuch. Und dazu kommt, dass das Tragen eines Kopftuches kein Wettbewerbsvorteil ist. Ich kann bei einer Schülerin mit Kopftuch zu 99 Prozent davon ausgehen, dass sie in einem türkischen Unternehmen arbeiten wird.
dieStandard.at: Ist das ein Argument, kein Kopftuch zu tragen?
Tuncel: Nein. Und ich bin auch keine Anhängerin einer Kopftuchverbotes, das wäre der völlig falsche Zugang. Tatsache ist aber, dass für die Entscheidung fürs Kopftuch oft nicht die Religion maßgeblich ist, sondern sozialer Druck. Und langfristig verstehe ich jene Frauen, die sagen, sie haben genug von dieser Diskriminierung am Arbeitsmarkt, sie bleiben zuhause. Andere stehen wiederum unter Druck, weil ihre Männer in der Krise den Job verloren haben. Ich kenne sehr viele Frauen, die aus diesem Grund ihr Kopftuch abgenommen haben, um arbeiten gehen zu können.
dieStandard.at: Wie sehen Sie türkischstämmige Frauen in den Medien vertreten?
Tuncel: Sehr schlecht. Wenn sie angesprochen werden, geht es um Kopftuch, um Unterdrückung, um negative Bilder. Positive Bilder haben im ORF in 30 Minuten "Heimat, fremde Heimat" Platz, und sonst nicht. was mir fehlt, ist eine ZiB "-Moderatorin mit türkischem Hintergrund, zum Beispiel. Wir sind immer noch Objekte der Medien, weil wir als Blutplasma für den Sauerstofftransport der Integrationsdebatten fungieren. Lange Zeit hat man uns gar nicht wahrgenommen. Jetzt nimmt man uns wahr, aber mit negativen Themen. Der nächste Schritt wird sein, dass sich in den Medien auch positive Bilder etablieren.
Aytaç: Dem ist nichts hinzuzufügen. (dieStandard.at, 9.3.2010)
Zu den Personen
Tülay Tuncel ist Berufsschullehrerin für kaufmännische Berufe und Integrationssprecherin der Jungen Generation der SPÖ. Sie lebt in Wien.
Gülhiri Aytaç ist studierte Wirtschaftswissenschafterin und Lehrbeauftragte im Hochschulstudiengang für das Lehramt für Islamische Religion an Pflichtschulen. Sie lebt in Wien.
Und wenn *manche* nicht-westliche Frauen ein durchaus westliches Bild von Emanzipation und von Frausein haben und entsprechen von weiblichen und männlichen Teilen ihrer Gesellschaft unterdrückt, gedemütigt oder gar in den Tod getrieben werden, dann sollen wir im Westen das wohl auch verständnisvoll respektieren?
„Pech gehabt, liebe Schwester, bist eben im falschen Land geboren. Ich respektiere das, was in Deiner undemokratischen und menschenrechtsfreien Gesellschaft Mehrheitsmeinung ist. Vielleicht schaffst Du es ja bei der nächsten Wiedergeburt zu Uns ins Gelobte Land“
Nein, liebe Frau Aytaç. Jede Gesellschaft muß sich Belehrungen gefallen lassen, bis sie die Prinzipien der auf das Individuum bezogenen Menschenrechte verstanden hat.
Das ist natürlich auch eine Möglichkeit, wie man sich aus der Affäre ziehen kann. Aber eine lahme.
Ohne sich in die „kulturrrassistische“ Falle zu begeben, kann man nämlich statistische Werte heranziehen. Im entwickelten Europa endet das (wenn das Mädchen nicht abtreibt) typischerweise damit, daß die Großeltern ihre neue Rolle mehr oder minder begeistert ausleben und die junge Mutter mit entsprechender Unterstützung ihre Ausbildung beendet. Und anderswo?
Ich kenne auch eine arabischstämmige Familie, deren schwuler Sohn zu jeder Familienfeier den Freund mitbringt. Daraus würde ich aber nicht den Schluß ziehen, das sei typisch arabisch.
Frauen sollten versuchen weltweit voneinander zu lernen - und nicht, die große europäische Schwester zu spielen.
Wenn nicht-westliche Frauen ein anderes Bild von Emanzipation und von Frausein haben, dann sollte man das auch respektieren.
Die westlichen Frauen dürfen Feministinnen aus muslimischen Ländern nicht belehren und glauben, ihnen von oben herab den Weg weisen zu müssen.
Sie müssten die Frauen von innen heraus zu stützen, damit sie selbst ein System entwickeln.
die westliche Frauenbewegung es verabsäumt hat, Frauen aus anderen Gebieten einzubinden. Frauen, die bei Scheidungen benachteiligt werden, weil die Familie des Mannes sich das Recht nimmt, die Kinder zu beanspruchen.
ob es den beiden klar ist, dass sie im westen leben?
... vielleicht ist ihnen aufgefallen, dass oft genau diese parteien, die bei uns die frauen am liebsten wieder hinter dem herd sehen würden, genau diese schreien auf, weil der islam ja so frauenfeindlich ist. ha! nicht alle westlichen frauen haben grund überheblich zu sein, viele haben genau gar keinen grund dafür. so wird es im islam auch sein. viele moslemische frauen sollen stolz auf sich sein und andere ... ja die kriegen halt genauso wenig auf die reihe wie viele bei uns. für alle rassisten hier - die fronten laufen nicht entlang der religionen, sondern entlang dessen, was einzelne frauen gegen wie großen widerstand geschafft haben!!!
aber seien sie gewiss, im fall des falles werden sie gelegenheit zur feststellung haben, dass steinigung schmerzhafter ist.
man muss wahrlich krankhaft argumente suchen, wenn man dem islam emanzipationstendenzen unterstellt, um ja nicht unserer toleranz-junta gegen den karren zu fahren.
ich sympathisiere bzw. solidarisiere mich weniger mit einer westlichen hausfrau, die sich von ihrem mann durchfüttern lässt, keine ausbildung hat, weil sie eh damit spekuliert hat. im prinzip sind es genau diese frauen, die dazu führen, dass der feminismus so wenig durchsetzungskräftig ist. es gibt immer welche, die sich auf die faule haut legen, nichts von ihren männern einfordern und so den anderen frauen die möglichkeit nehmen, dass diese mit nachdruck einfordern können. ja auch wenn das hausfrauendasein irgendwann bezahlt wird, ist es doch ein ziemlich belangloser job, wo es herzlich wenig zu erreichen gibt. von dem her solidarisiere ich mich sogar um einiges eher mit einer türkin, die nicht solche wahlmöglichkeiten zur entfaltung hat.
Sie meinen, es ist wurscht, ob man zu Hause verdreckt oder nicht? Sind Sie ein Messie? Dann versteh ich´s.
Mit dem erreichen, da haben Sie recht, es müßte für zu Hause Karrierepläne und Organisgramme geben, wie in den Firmen. Man fängt als ungelernte Hausfrau an und in fünf Jahren sollte es sich für den HFM (Home Facility Manager) ausgehen. Später dann, bei gehobenem Einkommen wäre es dann der CHO (Commanding Home Officer).
Schliesslich ist heutzutage alles Wirtschaft, auch das Familienleben. Da muss man die Erfordernisse der heutigen Zeit schon aufgreifen, sonst bleibt man über.
also qualifiziert man sich nicht oder versucht was besseres aus seinem Bildungsstand zu machen... man bleibt einfach zuhause... der staat zahlt ja eh...
so kommt es, dass Frauen, die in ihren Heimatländern (z.T.akademische) Berufsausbildungen haben, in Österreich als ungelernte Hilfsarbeiterinnen vermittelt werden. Ich kenne viele Frauen, die im Herkunftsland z.B. Friseurmeisterin, Schneidermeisterin, Buchhalterin, Sekretärin, Lehrerin, waren, aber ihre Schul- und Berufsabschlüsse in Ö. nicht anerkannt werden, können sie nur als Hilfskraft oder Reinigungskraft arbeiten. Darauf verzichten dann viele "freiwillig".
So wie der Arzt der mehr von Medizin versteht als sein Patient der krank ist. Er heilt ihn ja auch, da muss ein Schuss Überheblichkeit drin sein.
Es ist bewiesen, dass unsere Kultur allen anderen in Richtung Technik, Wissenschaft, Zivilisation, Politik, also in allem, überlegen ist. Wenn sie also von uns lernen wollen, dann bitte, aber ohne inkompetent zu kritisieren.
Auch die Emanzipation der Frau fällt da hinein, auch sie ist ein Werk unserer Wissenschaftler, viele Soziologen und Psychologen haben das bewiesen.
Manches ist zwar übertrieben, besonders dass viele Frauen heute wie die US Marines aussehen und nicht mehr wie Frauen, aber bitte.
Frau Aytaç erscheint mir schönbornesque.
herumlavieren,
missstände nicht ansprechen, sondern gleich abwiegeln und auf "die anderen" verweisen ("sowas gibt's ja nicht nur bei priestern, sondern überall"),
keine klaren position beziehen,
sich alles offenhalten, ....
schönbornesque eben!
weil man daran erkennen kann, wie tief die kluft tatsächlich ist, die zwischen einheimischen und migrantInnen herrscht. ich fürchte, das wird nicht aufzuholen sein, selbst die gebildete schicht braucht mindestens 2 generationen.
erschreckend: die mädels werden heimgeschickt, verheiratet und holen die nächsten männer hierher, die wieder nix sind und nix können. ich nehm mal an, das wird bei den knaben auch so gemacht.
ein ewiger kreislauf, wasser auf die mühlen der rechten :-(
und zuletzt: frau aytac glaubt sichtlich ans schlaraffenland, sonst käme wohl nicht die forderung nach einem "eigenen geld" für hausfrauen. würd mich nur interessieren, wie sich die dame das vorstellt.
alles in allem, ein höchst deprimierendes interview.
Und ich sag gleich, warum:
Die Hausarbeit dient der Regeneration der Arbeitskraft des Mannes im Beruf. Nicht, dass wir es zu Hause schön haben ist der Punkt, sondern dass alles so ordentlich ist, dass es sich lohnt, dafür arbeiten zu gehen.
Der Mann bringt das Geld nach Hause. Ein Teil des Gehaltes ist für diese Wiederherstellung der Arbeitskraft ja schon gedacht. Folglich wurde sie vom Arbeitgeber schon bezahlt, die Hausarbeit. Das fliesst in die Hände der Frau in Form von Kostgeld. Von dem sie isst, sich kleidet und auf Urlaub fährt.
Somit: Thema durch.
Anders ist es bei arbeitenden Frauen, die haben ja eigenes Geld.
Natürlich sind das meine Wörschtständ - Gedanken, wie sollten es andere sein, wo ich doch der King bin?
Hinterm Wörschtständ, nein da kann ich nicht sein, denn da ist schon der Wörschtlman, der Besitzer vom Ständ der mir die Wörschtln serviert.
Nein, gebetet wir da gar nicht, nur unter guten Kumpels geplaudert, ein paar Biere zu den Wörschtln gezischt, das ist alles. Wir sind nicht so religiös.
Solange alle Haus- und Familienarbeit ausschließlich an den Frauen hängt ist Berufstätigkeit ja oft mehr Belastung als Befreiung. Emanzipation ist halt eine langwierige Sache, bei meinem Vater kommen auch noch Kastrationsängste hoch wenn man von ihm verlangt daß er sich sein Jausenbrot selber schmiert. Aber siehe da, 20 Jahre nach Halbe-halbe hat er nun Schwiegersöhne für die Hausarbeit ganz selbstverständlich dazu gehört. Wie wärs mit ein paar Werbespots aus dem Frauenministerium, coole türkische Jungs beim Staubsaugen, Gemüseputzen und Babywickeln?
Einerseits über die "westlichen" Frauen herziehen, andererseits VON denen Unterstützung erwarten?
Unterstützung für etwas, was diese oft für falsch halten? Für etwas, was sie selbst hinter sich gelassen haben, wie z.B. patriarchalische Religionen?
Warum sollten wir?
Nein, befreien müsst ihr euch schon selbst. Das kann euch niemand abnehmen.
Ja!
Habe Vollzeit gearbeitet, meinen Haushalt geführt, meine Kinder sehr lange begleitet, bei meinen Scheidungen auf alles verzichtet, nur um in Frieden gehen zu können. Bin gerade wieder - auch beruflich -an einem Neubeginn und habe sicher nicht so viel auf mich genommen, um 1. als überheblich zu gelten (ein gesundes Selbstwertgefühl habe sehr wohl) und 2. um Frauen zu unterstützen, die aus religiösen oder sonstigen Gründen faul sind.
arbeite vollzeit, hab eine tolle karriere, keine kinder, für meinen haushalt hab ich eine angestellte, ohne ehevertrag würde ich niemals heiraten und wegen kindern opfere ich sicher nicht meine karriere.
so gesehen bist du selbst schuld an deiner misere,
warum hast in so eine situation gebracht wo du dich befreien hast müssen? waren es dumme naive, emotionale gründe?
unabhängigkeit wäre der richtige weg gewesen.
ups sorry, war das jetzt etwa überheblich?
ich hoffe du erkennst den spiegel deines selbstmitleidsvollen kommentars!
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